Wenn ich die Augen schließe, dann kann ich unser Wochenende noch riechen: Süße Lackfarbe, Röstaromen vom Grill, sonnenwarme Haut – und der würzige Duft von Kapern. Wir haben beide Tage draußen verbracht, das Spielhaus gestrichen und am Sandkastenboot gebaut. Nur kurz stand ich schnippelnd in der Küche, weil meine Nachbarin und ich uns wieder zum Salat-Tausch verabredet hatten. Das fühlt sich nämlich fast so an, als würde man miteinander essen. Irgendwann trug André ächzend zwei volle Einkaufskörbe herein. Die Kühlschranktür quietschte. Dann hörte ich einen lauten Schrei…

„Ich wusste es!“, fluchte mein Mann. Ich guckte kurz hoch vom grünen Spargel in sein angespanntes Gesicht und fragte: „Was wusstest du?“
Er hielt beinahe triumphierend etwas in die Luft und in meine Richtung. Es war klein und funkelte im Abendsonnenlicht. Er schnaufte. „Ich wusste bereits im Supermarkt, als ich in der Kassenschlange mit diesem Kapernglas wartete, dass da ganz sicher noch dutzende weitere Kaperngläser im Kühlschrank warten. Und jetzt guck. Er deutete auf die geöffnete Kühlschranktür: „Kapern, ein ganzes Fach voll mit Kaperngläsern. Schatz, du hast ein Kapernproblem.“ Der Kühlschrank fing wütend an zu piepsen.

Er hat Recht. Ich habe ein Kapernproblem. Weil ich die so gern esse, aber doch zu selten, um den Überblick zu behalten. Und weil ich vor jedem Einkauf vergesse, die Kapernkapazität zu checken. Und dann im Supermarkt denke: „Ach komm, die nimmste lieber noch mal mit.“ Das Gute ist: Vorher hatte ich auch noch ein Erbsenproblem – und immer mindestens drei Packungen im Gefrierfach. (Okay, manchmal auch drei). Meine Kinder essen nämlich so gern Erbsen. Wenn gemüsemäßig nichts geht, gehen immer noch Erbsen. Erbsen sind mein Vitamingewissen.

Inzwischen checke ich die Erbsenlage, bevor ich die Einkaufsliste schreibe. Muss ich ab sofort auch mit Kapern machen. „Und weißt du was das Schlimmste ist…“, motzte André weiter, während er die Einkäufe auspackte, „eigentlich mag ich gar nicht so gern Kapern.“ „Das war es also. Erbsen mag er nämlich auch nicht besonders gern. Und gegen den Tacochipsvorrat hat er übrigens noch nie was gesagt. Während der Mann wutbrummte und ich einen Strunk Spargel in den Müll warf, überlegte ich, wie ich mich unauffällig an ihm vorbei schleichen sollte, um ein Glas Kapern aus dem Kühlschrank zu kapern. Die sollten nämlich in meinen Salat. Also in den, für die Nachbarn (die beide Kapern mögen).

Wenig später war der Kühlschrank wieder voll, die Kapern gekapert und der Salat fertig. Ich legte den Arm auf Andrés Schulter: „Willst du vielleicht mal probieren? Schmeckt kaum nach Kapern.“ Er zog die Stirn in Falten. Dann lächelte er: „Na gut, her damit.“ Ich steckte ihm eine Gabel voll in den Mund. „Wirklich gar nicht übel!“, meinte er. „Die Kartoffel und der Dill tun der Kaper gut. Schmeckt wirklich nicht schlecht.“ Ich grinste. „Wirklich nicht schlecht!“, bedeutet bei meinem Mann nämlich „Sensationell.“ Sein klitzekleines Problem…

Mein Kartoffel-Spinat-Spargel-Salat mit Kaperndressing (inspiriert von What Katie ate)

Du brauchst als Beilage für vier Personen: ein Bund grüner Spargel, eine Handvoll frischer Spinat, acht bis zehn Kartoffeln, 1 kleines Glas Kapern, 1 Bund Dill, Olivenöl, Weißweinessig, Zucker, Senf, Pfeffer

Und so wirds gemacht: Kartoffeln waschen und mit Schale kochen. Spargel waschen, in kleine Stücke schneiden und in etwas Olivenöl anbraten. Aus acht Esslöffeln Olivenöl, vier Esslöffeln Weißweinessig, den Kapern und ein wenig Kapernwasser, Zucker, einem Teelöffel Senf, Salz und Pfeffer eine Vinaigrette anrühren.

Die gekochten Kartoffeln schälen und noch warm in die Vinaigrette geben. Angerösteten Spargel dazugeben. Kurz vor dem Servieren den frischen Spinat und geschnipselten Dill darüber werfen und kurz unterheben. Mmmmh!

Der Tomaten-Avocado-Brot-Salat meiner Nachbarin

Du brauchst als Beilage für vier Personen: eine Avocado, fünf mittelgroße Tomaten, eine rote Zwiebel, 1/2 Bund glatte Petersilie, 2 bis drei große Scheiben gutes Sauerteigbrot, Olivenöl, Weißweinessig, Salz, Pfeffer, Knoblauchzehe, Zitronensaft

Und so wirds gemacht: Tomaten waschen und in Würfel schneiden, Avocado ebenfalls in kleine Stück schneiden, mit ein wenig Zitronensaft beträufeln. Zwiebel in kleine Würfel schneiden. Das Brot mit etwas Olivenöl bepinseln und mit der Knoblauchzehe einreiben. Brot würfeln und kurz in einer Pfanne anrösten.  Aus Olivenöl, Essig, Salz, Pfeffer und ein wenig Zitronensaft ein Dressing mixen. Tomaten, Zwiebel und Avocado zum Dressing geben, Petersilie hacken und dazugeben. Vermischen. Die Knusperbrotwürfel erst kurz vor dem Essen darüber geben. Lecker!


PS. Mehr Geschichten über unser Essen und über uns gibt’s in meinem Familien-Kochbuch „Barfuß in der Küche“.

Eine schöne Woche, gemeinsam werden wir dem Regen schon trotzen. Ha!

Alles Liebe,

Claudi