Ich hab mal wieder eine Krise. Schreibkrise, Schaffenskrise, Ich-Krise. Lacht nicht, ihr kennt das vermutlich schon. Mehrere Kolleginnen mussten mich grad dran erinnern, dass ich diese Krise jedes Mal hab, wenn es auf die Zielgerade zugeht. Wenn es demnächst heißt, „nichts geht mehr“ und ich die Kugel in der Roulettescheibe kullern höre. Die Phase, in der ich mein Buch am liebsten nochmal neu anfangen würde…

Drei Romane, drei Krisen. Plus eine kleinere bei den Kinderbüchern. Bücher schreiben ist eine hochemotionale Angelegenheit. Ich denke nicht nur über den Plot nach, sondern plötzlich darüber, ob die Welt überhaupt Romance braucht.
Alles zu banal, denke ich. Lächerlich, denke ich. Das kannst du besser, denke ich. Vor allem können andere das besser! Ich denke, ich denke zu viel, bloß beim Nachdenken über den Plot streikt mein Gehirn ausgerechnet jetzt. Wäre es besser, wenn Figur X doch das statt das macht? Und was würde dann hintenraus passieren? Ich ziehe eine Grimasse. All diese Wenns und Danns sind so anstrengend. Mein Kopf explodiert.
Im nächsten Moment fühle ich mich wie betäubt.
Um noch emotionaler zu werden, lese ich ausgerechnet jetzt meine Rezensionen bei Amazon. Und die bei Goodreads. Vielleicht ist das wie damals, als Kind, als man genüsslich die Hautkrusten über einer Wunde abfummelte. Und mit einer gewissen Zufriedenheit beobachtete, wie neues Blut tropfte. Bescheuert.
Für meine Familie bin ich derzeit nicht zu ertragen. Fahre sofort hoch, oder bin in Gedanken ständig abwesend. Vermutlich meinte Benjamin von Stuckrad Barre das, wenn er sagte, Bücher schreibe man am besten in der Hängematte auf den Seychellen. Nicht für sich, sollte man dahin. Sondern für die Menschen im nahen Umfeld.
Irgendwann wiederhole ich mantramäßig: Schreib einfach. Schreib einfach dein Buch weiter, das du bis vorgestern geliebt hast. Und übermorgen hoffentlich wieder lieben wirst. Alle, die es nicht mögen, sollen was anderes lesen. Oder vielleicht selbst mal eins schreiben.
Übrigens: natürlich ist einem als Autorin klar, dass nicht jeder ein Buch mögen kann.
Dennoch tut Kritik weh – vor allem, wenn sie zutrifft. Oder einfach sooo schlimm klingt. Gerade habe ich bei Amazon geguckt, was die Person hinter einem 1-Sterne-Veriss meines neusten Romans noch so rezensiert hat – und hab dabei überraschenderweise mein erstes Buch entdeckt. Jetzt frage ich mich, wenn die Person, das erste Buch bereits grottenschlecht fand, genau wie mich als Autorin unsympathisch, wieso um himmelswillen kauft sie dann mein nächstes Buch???? Professionell bleiben, ist manchmal echt anstrengend.
Am besten denke ich grad dran, was Dan Brown letzte Woche bei Instagram schrieb: „Ich schreibe einfach bloß die Bücher, die ich selbst gern lesen würde.“
Amen. Genau das mache ich jetzt. Und gebe einfach mein Bestes. 14 Tage noch bis zur Abgabe.





Liebe Claudi,
ich bin mir sicher, dass Dein Roman großartig wird und freue mich schon sehr darauf ihn dann (im nächsten Jahr?) zu lesen 🤗. Auch wenn ich keine Bücher schreibe (riesen Respekt dafür!), kann ich Deine Gefühle so gut nachvollziehen. Der Vergleich mit der Wunde… herrlich! Die Borke, die man zu früh abpult🫣 Man weiß es wird nicht gut tun und im Falle von schlechten Kritiken lesen ein schlechtes Gedankenkarussel in Gang setzen, das auch Zeit und Energie raubt. Trotzdem tut man es. Ich lese auch immer Kommentare unter Post und Artikeln, immer in der Hoffnung nur Gutes zu lesen. Ein Trugschluss, aber ich kann es nicht lassen. Möchte mich dann eigentlich immer gleich einschalten und Partei ergreifen.
Deshalb kann ich Dich nur in Gedanken bestärken in den nun letzten 14 Tagen auf Dan Brown zu vertrauen. Du schreibst was Du liebst und selbst gerne lesen würdest. Deshalb gefallen mir Deine zwei Romane so gut. Ava und Sam und wer auch immer noch auftaucht 😉, sind großartige Frauen im besten Alter überhaupt!!! Keine Teens oder junge Erwachsene, die oftmals die Hauptprotagonisten in der Unterhaltungsliteratur sind. Auch lesenswert keine Frage, aber endlich mal 40+ und dann so sympathisch, lebensnah und erfrischend ehrlich beschrieben. Roman 3 wird sicherlich auch wunderbar und ich, und all die andern Fans Deiner Bücher, können sich glücklich schätzen, dass Du durch dieses Krise auch für uns gehst, damit wir dann bald Deinen 3. Roman in den Händen halten dürfen🤗!
Schicke in Gedanken ganz viel positive Energie 🫶
LG Berit
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Liebe Berit, jetzt gucke ich hier grad kurz beim Prokrastinieren rein und lese das. Vielen Dank für deine so aufbauende, liebevolle und lange Nachricht.
Ich habe mich wirklich so darüber gefreut.
Und jetzt springe ich schnell wieder rüber ins Manuskript.
Ganz lieben Dank und liebe Grüße,
Claudi
Liebe Claudia,
ich nähere mich mit meinem Debüt meiner – selbst gesetzten – Deadline und mir geht es gerade genau SO!!! Liebe meine Figuren, stelle trotzdem fast alles in Frage.
Vielen Dank für diesen Artikel, dann weiß ich, dass auch gestandene Autoren am Ende alles in Frage stellen. Das macht Mut!
Liebe Grüße
Tanja
Liebe Tanja, ach das freut mich!! Ich bin tatsächlich auch immer total froh, wenn ich sowas mal bei anderen AutorInnen lese.
Die meisten finden sich und ihr Werk ja gefühlt immer bloß großartig.
Halte durch!
Liebe Grüße,
Claudi
Kurz und knapp.
Ja, die Welt braucht Romance. Ganz dringend. Auch Dein 3.Roman wird hier bei mir ein gutes Zuhause finden.
Ich freu mich jetzt schon!
Heute denke ich das auch wieder!
Ich freu mich so, dass du dich freust.
Liebe Grüße
Claudi
Liebe Claudia,
ich habe am Wochenende dein zweites Buch zu Ende gelesen. Wir brauchen unbedingt mehr von dir! Ich bin auch über 40 und liebe deine Themen weil ich mich so sehr darin wieder finde. Außerdem gelang dir bei beiden Büchern etwas, was ich ganz erstaunlich finde: Es ist nicht klar wie das Buch ausgeht!
Ich freue mich schon auf deinen dritten Roman!
Liebe Grüße
Nina
Liebe Nina, O wirklich, wie schön!!!
Das freut mich aber richtig.
Alles Liebe,
Claudi