Letzte Woche ging es für mich nach Berlin, obwohl ich gefühlt gar keine Zeit dafür hatte. Aber einmal im Jahr feiert meine Literatur-Agentur ein Sommerfest und das ist immer so schön, dass ich doch hinfahre, egal was sonst noch ist. Ich sehe es einfach als Teil meines Jobs…

Berlin und ich, wir haben eine On/Off-Beziehung. Ich liebe Berlin und ich finde es seltsam, beides auf einmal. Ich bin auf jeden Fall jedes Mal total geflasht, wie anders Berlin ist (als Hamburg) und wie großstädtisch sich dort alles anfühlt. Außerdem kannst du in Berlin jederzeit und in jede Richtung ein Foto machen – und es sieht immer aus, wie ein Foto aus einer hippen Foto-Ausstellung, oder? Ich find es faszinierend.
Das Unkraut ist wild, und erst die Plakatierung! Die Hauseingänge. Die Innenhöfe, die Styles. Ich fühle mich immer sehr bieder in Berlin.
Ich bin schon kilometerweit durch Berlin gelatscht, hab mir Blasen gelaufen und Schuhe verflucht, vor allem, weil es im Juni, wenn die Party ist, jedes Mal schwül ist. Ich kenne Berlin nur in schwül, was irgendwie auch passt, zu dieser Stadt. Dieses Mal war ich spät dran, daher hab die Bahn genommen, nachdem ich zehn Berliner nach dem Weg gefragt habe, weil sogar Google Maps vom Berliner Nahverkehr überfordert war.
Untergekommen bin ich dieses Mal in einer kleinen Pension in einem charmanten Wohnhaus in Pankow (Pension Prenzlberg). Ich hab die Fliesen im Flur geliebt und den Hund, die Leute waren super nett und es war echt sauber. Das Zimmer ging vom Innenhof ab und war wirklich sehr einfach eingerichtet, (Buchenimitat-Bett und Apotheken-Werbekalender), aber die Nacht für 80 Euro ist halt super günstig. Die Lage ist super, Prenzlauer Berg und meine Agentur sind direkt um die Ecke. Und ich habe eh nicht viel Zeit in diesem Zimmer verbracht.
Zu meiner ersten Agenturparty vor vier Jahren bin ich allein gefahren, obwohl ich wirklich niemanden kannte, nicht mal meine Agentin persönlich. Es war ein super netter Abend und hat mich für alle Zeit bestärkt, wie gut es ist, irgendwo ganz allein hinzugehen. Ich habe unter anderem meine Autoren-Kollegin Ina Bhatter kennengelernt, mit der ich mich seitdem jedes Mal vor der Party zum Essen treffe.
Hamburg ist kulinarisch aufregend, aber Berlin toppt es. Dieses Mal waren wir georgisch essen im Restaurant “Der blaue Fuchs” und das war echt lecker. Ich war ein bisschen durch den Wind, weil ich kurz vorher in der Bahn meinen ersten Cover-Entwurf fürs neue Buch bekommen habe. Halleluja, ich sage euch, das kommt an Aufregung und Emotion einem ersten Ultraschall-Bild nahe. Ina hat Händchen gehalten. Sie schreibt übrigens Winterromane mit ganz wunderbaren Covern, zum Beispiel “Drei Tage im Schnee.”
Falls ihr mal da seid: Probiert das Huhn in Walnuss-Soße, das war wirklich göttlich. Übrigens trinke ich nicht mehr oft Alkohol, aber wenn ich es tue, dann feier ich es – und den kleinen Glimmer. Gibt es außerdem was Schöneres, als mit einer Freundin durch eine abendsonnenwarme Stadt zu spazieren und zu quatschen – auf dem Weg zu einer aufregenden Party? Ich. Liebe. Es.
Berlin sieht im coolen Kollwitz-Kiez aus wie ein Film von Tom Tykwer und Andreas Dresen, absolutes “Sommer vorm Balkon”-Gefühl. All die Mütter mit coolen Ponys, in ihren lässigen Jeans mit Gummizug und ihre Kinder mit Der-Kleine-Lord-Frisur und Lederlatzhose.
Gefeiert wird traditionell auf der Straße vor der Agentur, wir standen da auch schon im strömenden Sommerregen.
Die Party ist quasi Parship für AutorInnen. Und ich liebe es, einen Abend nicht fragen zu müssen, ob – sondern nur was der andere schreibt.
Hab mich natürlich gefreut im Schaufenster mein Buch zu sehen – gemeinsam mit den Werken meiner tollen Agentur-KollegInnen.
Was ich außerdem sehr liebe: in der Großstadtnacht zu Fuß ins Hotel schlendern und über all das Spannende nachdenken, was ich den Abend so gehört habe. Psst, Ina und ich haben einen Running Gag, nämlich dass wir jedes Mal einen Autoren kennenlernen, (immer Männer!), der auf irgendeine Art “besonders” ist. Sei es in der Art der Bücher, die er schreibt – oder im Selbstverständnis. Oft beides. Männer im Literatur-Betrieb – spannend, sage ich euch. Müsste man auch mal ein Buch drüber schreiben (aber vermutlich besser unter Pseudonym).
Am nächsten Morgen bin ich mit mir selber Frühstücken gegangen (liebe ich auch) und habe ein bisschen geschrieben. Die Agenturparty hat auf mich dieselbe Wirkung wie eine Buchmesse: ich bin abwechselnd besonders motiviert – und denke, ich sollte das mit dem Schreiben vielleicht lieber lassen. Oft im Wechsel von Minuten.
Frühstücken war ich im Le Buns, dort gibt es Buns aus Croissantteig mit aufregenden Füllungen. Ich hatte einen mit Tiramisu und der war echt göttlich. Hab mich sehr Carrie Bradshaw-mäßig gefühlt – obwohl ich mich in Cafés leider nicht wirklich gut schreiben kann.
Bevor es für mich wieder zum Zug ging, bin ich noch im neuen Buchladen nur für Liebesromane vorbeigefahren. Er ist klein, aber ich liebe ihn. Wenn ich nicht Autorin wär, dann hätte ich gern selbst ein “The Naughty Chapter”.
Richtig schön war es in Berlin! Ich freue mich jetzt schon auf nächsten Juni. Ach ne, fällt mir grad ein, ich komme im September schon wieder. Da mache ich dort ein Seminar und bin jetzt schon gespannt drauf.















Hallo Claudi, beim Anblick deiner tollen Sandalen fiel mir ein, dass meine bald auseinanderfallen und ich meinte mich zu erinnern, deine an dir auch schon in anderen Farben gesehen zu haben… Kurz, mir ist dein alter Saltwater-Post eingefallen, habe ihn gefunden und heute kamen meine wunderbaren Sandalen hier an 🙂
Du siehst also, auch das Archiv wird immer wieder genutzt! (In rot sind sie ja auch toll bei deinen alten Kinderbuchempfehlungen 👌🏼)
Liebe Grüße!
Ach wie schön ist das denn! Das freut mich aber. Ich trage sie immer noch so gern.
Liebe Grüße,
Claudia