Uns gibt’s seit Monaten nur im Mehrfach-Pack. Auszeiten solo oder zu zweit? Sind meistens aus, wie ein leergefegtes Klopapierregal zu Beginn der Pandemie. Ob schlafen oder spielen, bauen oder basteln, kabbeln oder kuscheln: Auch die Kinder sind gerade nie allein. Mit sich. Mit uns. Das kann schön sein. Mittlerweile ist es oft eher schwierig.

„Mann, Mama!“, beschwerte sich meine Tochter kürzlich zurecht. „Ich will mal wieder allein von dir ins Bett gebracht werden!“ Ging aber nicht: Da hatte sich auch schon der kleine Bruder breit gemacht. Der hatte den längeren Brüll-Atem. Und ich nicht die Energie, den um sich tretenden Dreijährigen aus dem Schlafzimmer zu tragen. So hatte sie das Nachsehen, mal wieder. Aber beim Einschlafen habe ich ihr eine Sache versprochen: Bald machen wir zwei einen Mama-Mäusi-Tag. „Nur wir Mädchen?“, fragte sie, fast ein wenig ungläubig. Kein Wunder: Seit einem Jahr sind wir jetzt in diesem Familienkokon eingeschlossen. Das ist für eine Fünfjährige eine Ewigkeit.

Ihre lebhaftesten Erinnerungen sind: Fünf Menschen. Fünf Meinungen.

Und oft nur ein schaler Kompromiss, um alle unter einen Hut zu kriegen. Dazu fehlende Vorfreude auf Highlights außerhalb unseres Zuhauses: Mit Mama ins Keramik-Café? Nur mit Papa ins Schwimmbad? In einem anderen Leben. Das muss aufhören, habe ich beschlossen. Sofort. Das kann nicht warten, bis dieser Endlos-Lockdown, ob light oder hart, irgendwann endet. Und schließlich sind wir ja schon erprobt darin, Großes aus Kleinem rauszuholen. Für den Anfang tut es vielleicht auch ein Markt-Bummel mit Maske. Dafür aber nur zu zweit.

Unser Mädels-Tag startete mit Gebrüll. Vom Großen. Der natürlich auch mit wollte. „Das ist soo ungerecht!“ Türenknall. Frust. Bei ihm. Bei mir. Einer guckt hier immer die Röhre. Dafür war meine Tochter bester Laune. Obwohl sie ein ausgewiesener Morgenmuffel ist. Fix und fertig angezogen stand sie morgens um halb sieben im Wohnzimmer, bis über beide Ohren strahlend. „Wann fahren wir endlich los, Mama?!“

Nicht mal die zweieinhalb Stunden Überbrückungszeit bis zum Aufbruch konnten sie aus der Fassung bringen. Stattdessen packte sie ihr Lieblingskuscheltier in ihre Lieblingstasche. Zog sich noch drei Mal um. Deckte in ihrem Zimmer liebevoll einen Picknicktisch, auf dem wir später unse Pho-to-go essen sollten. Weil wir ja unterwegs nicht ins Restaurant konnten. Und mit der ganzen Familie am Tisch essen, kam an unserem Tag natürlich nicht in Frage. Fast vergessen: So geht Vorfreude.

Es war unspektakulär.

Es war großartig. Weil es genau richtig war: In der Drogerie bekam sie einen Lolli. Auf ihren Wunsch ging’s danach zum Optiker. Weil in der Kinderecke so ein digitales Daddel-Ding steht, das sie liebt. Auf dem Markt gab’s Weintrauben zum Naschen. Danach einen Abstecher zum Spielplatz. Für mich war es ein Mega-Einkauf. Für sie „der allerbeste Ausflug!“ Weil es endlich einmal wieder nur um sie ging. Das Mittelkind im Mittelpunkt. Kein Hackordnungs-Gerangel, lästiges Teilen, Warten auf Aufmerksamkeit. Kein unnötiger Alltzagszoff. Nur sie und ich und drei Stunden Zeit.

„Wann werde ich eine Oma? – Am liebsten hätte ich, dass sich die Welt für immer für uns weiterdreht. – Weißt du, was ich später mal werden will? Astronautin, weil ich so gern im All schweben möchte. – Wie fühlt sich verliebt sein an?“ In drei Stunden Mama-Kinder-Date kann man sehr viele, sehr wichtige Dinge besprechen. Die nicht zwingend für andere Ohren bestimmt sind. Auch so eine Sache, die schleichend abhanden kommt, wenn immer drei zugleich um Beachtung buhlen.

Es sind aber genau diese Momente, die sich in unser Herz bohren.

Die Nähe schaffen. Vertrauen. Uns die große Liebe spüren lassen, die wir für diese kleinen Wesen empfinden. Und wann kann so etwas wichtiger sein als jetzt, wo man permanent am Abgrund tanzt, nervlich, kräfte- und launenmäßig?

Eigentlich hatte ich auf das geplante Kinderzimmer-Picknick im Anschluss keine Lust mehr. Weil: Habt ihr schon mal Reisbandnudelsuppe ohne Kleckern gegessen? Eben. Wir haben es dann doch gemacht. Auf dem Daybed, mit ihrem rosa Hocker als Tisch. Ich habe ihr gezeigt, wie man mit Stäbchen ist. Sie hat süßscharfe Chilisauce probiert. Wir haben beide darüber gelacht, dass sie deswegen weinen musste.

Es war das Topping auf unserem Tag. Weil es zuhause war, und doch ganz anders. Weil es lustig war. Und besonders. Zum Nachtisch sprang sie plötzlich auf. „Ich frag ihn mal, ob er auch hochkommt“, meinte sie. „Wen?“, fragte ich verdattert. „Na, *** halt!“ Offenbar hatte sie genug Zeit mir mir allein verbracht, wo sie doch den großen Bruder wieder dabei haben wollte.

Der ist übrigens Mama-Date-König. Weil wir eine Weile jeden Dienstag Vormittag einen Termin hatten. Wenn wir damit fertig waren, ging es auf den Spieli, in den Park, ins Eiscafé – wonach ihm eben gerade der Sinn stand. Am häufigsten landeten wir allerdings mittags in unserer Stamm-Pizzeria, wo er eine beachtliche Ladung Salami-Pizza vertilgte – und den Inhalt des Brotkorb noch dazu. Er hat es geliebt, nicht nur das Essen. Und ich auch. Es war immer unser gemeinsamer Wochen-Höhepunkt, sein Extra-, mein Mamabonus. Mit meinem Großen habe ich jetzt auch wieder ein Date. Es hat was mit Pizza zu tun. Wir peilen sein Hochbett als Picknick-Location an.

Und wie ist es bei euch: Schafft ihr gerade Solo-Auszeiten mit den Kindern?

Katia