Okay, ich sag es gleich. Ich bin die größte Chaotin. Und meine Freundinnen, die lesen, dass ausgerechnet ich hier Ausmist-Tipps veröffentliche, werden laut lachen. Aber man könnte auch sagen, meine Tipps sind unter schwersten Bedingungen erprobt. Oder: Wenn ich das hinkriege, schaffst du das auch.


1. Der Ausbruch. Jahrelang hab ich mich rausgeredet. Mir eingeredet, dass ich nicht anders kann als Chaos. Dass es mich nicht von meiner Arbeit abhält, ich es vielleicht sogar brauche. Ich weiß nicht, ob es am Alter liegt und dem Wunsch nach Klarheit oder daran, dass die Kinder größer werden und es das leichter macht. Auf jeden Fall brauchte ich den Moment, in dem mir das Chaos um mich herum quasi körperliche Schmerzen verursachte und mir die Luft nahm, um es endlich ernsthaft anzugehen.

Nur ein bisschen genervt sein reichte jahrelang nicht.

2. Kondo Regel: Ich glaube, die ehemalige Netflix-Ordnungsqueen ist nicht mehr ganz so ordentlich, wie sie im Interview offen zu gab. Ihre strengen Tipps hab ich immer noch im Ohr, weil sie gut sind. Während ich ausmiste, überlege ich mir, wie mein ideales Leben aussieht und was ich dafür brauche. Bleiben dürfen nur wichtige Dinge (Teller, Töpfe, Schlüpfer) und Freudendinge (das schöne Kleid, eine geliebte Vase…)

Wenn es mir schwerfällt, Dinge wegzuwerfen, (Bücher oder Bilder meiner Kinder zum Beispiel), gebe ich mir zwei Aussortier-Runden. Die erste grob, die zweite, ein paar Wochen später, reduziert dann meist nochmal um mindestens die Hälfte. Vielleicht weil mein Hirn gespürt hat, dass ich das zuvor Aussortierte wirklich nicht vermisst hab. Pro-Tipp: Foto machen. So bleibt es trotz wegschmeißen.

3. Nie leer gehen. Ich kenne die Regel aus der Zeit, als ich als Kellnerin gejobbt habe. Isabella Rosselini hat mich dran erinnert, sie auch im Haus anzuwenden: Immer, wenn man einen Raum verlässt nimmt man eine Sache mit, das woanders hingehört. “Nie leer gehen” können auch meine Kinder schon im Schlaf wiederholen.

4. Geld sparen. Neben dem Nervfaktor ist meine größte Motivation, die Tatsache, dass Ausmisten spart. Weil ich in den Tagen drumherum wirklich gar kein Bedürfnis danach habe, neuen Kram anzuschaffen. Und weil ich endlich wieder sehe, was wir haben, sprich, es nicht neu kaufen muss.

5. Erinnerungskiste für Kinder. Ich packe für jedes Kind wirklich eine Kiste. Zwei, drei Kleidungsstücke, zwei Kuscheltiere, ein paar Bücher und andere Erinnerungen. Warum ich das plötzlich schaffe, während es mir jahrelang schwergefallen ist, mich zu trennen? Vielleicht brauchte es einfach den richtigen Zeitpunkt.

Die Tatsache, dass mein Vater mir grad ständig Kisten mit altem Kram mitgeben will und ich jedes Mal denke “Bloß nicht!”, hilft enorm. Was wollen wir unseren Kindern wirklich an Zeug zurücklassen?

Ausnahme hier sind Kinderbücher.

Die lasse ich einfach in meinem Regal stehen, weil ich sie liebe. Nicht weggeben konnte ich außerdem: die Holzeisenbahn, ein Dreirad, ein paar Kuscheltiere und ein Puppenhaus (noch von mir). Und das ist für mich auch total okay.

6. Fünf Minuten Regel. Hilft, damit die Ordnung bleibt. Alles, was du in unter fünf Minuten wieder wegräumen kannst, mache sofort.

7. Chaos entsteht am schnellsten dann, wenn die Ablageflächen zu klein sind. Daher trenne ich seit letztem Jahr tatsächlich nach Sommer- und Winterklamotten, Schuhen, Jacken, Spielzeug. Hilft total.

8. Ausmisten für Pros: Auch die Handy-Kamera aufräumen. Wer es wirklich ernst meint, markiert nur die Lieblingsbilder (in Apple mit Herz anklicken) und löscht den Rest. Ommmmm.

9. Kopf ausmisten: Zum Schluss räume ich in mir auf. (Geht auch ohne Raunächte.) Ich habe dafür drei Sätzen aufschreiben, die ich (zu) häufig denke. Die habe ich verbrannt und einen neuen Wunschsatz aufgeschrieben. Der hängt jetzt bei uns am Kühlschrank.

Auch in Sachen Freunde und Bekannte lohnt es regelmäßig zu schauen, mit wem es gerade gut passt, wer einem ein gutes Gefühl gibt – und von wem man vielleicht eine Pause braucht. Weil man sich nach den Treffen nicht befreit, sondern immer nur grübelig fühlt. Weil man das Gefühl hat, nicht man selbst sein zu können.

10. Verschenken. Beim Ausmisten wird einem so richtig bewusst, wie viel Geld man schon ausgegeben, beziehungsweise verplempert hat. Und gerade bei teuren Sachen ist der Wunsch groß, wenigstens einen Teil zurückzubekommen, in dem man sie möglichst gewinnbringend verkauft. Aber: Das Sichten, Waschen, Fotografieren, Einstellen und die Kommunikation mit möglichen Interessenten kostet unglaublich viel Zeit. Auf einen Flohmarkttag habe ich auch keine Lust mehr.

Ich bin letztes Jahr angefangen, auch teure Dinge einfach zu verschenken.

Im Freundeskreis oder aber einfach bei uns an der Landstraße. Gute Sachen sind dort innerhalb von Stunden weg und ich hoffe, dass sich Menschen darüber wirklich freuen. So tue ich wenigstens ein bisschen was Gutes, wenn ich grad schon kein Ehrenamt schaffe.

Und was wäre dein Ausmisttrick?

Claudi