Ich gebe es zu, ich hatte richtig Bammel vor diesem Wochenende. Weil das erste mal seit einer Ewigkeit schlechtes Wetter angesagt war und wir wohl kaum Frieden im Garten finden würden. Und dann – war es richtig schön. Vor allem, weil ich es geschafft habe, entspannt zu bleiben in Sachen Chaos. Und wahrscheinlich auch, weil wir so herrlich viel gegessen haben. Und weil ich beim Chaos zulassen, endlich mal wieder ein wenig Zeit für mich hatte. Hier ein paar Gedanken und Inspirationen vom Wochenende…

1. Was haben wir gefuttert! Halleluja. Es gab einmal den magischen Mogel-Kuchen mit Erdbeeren von Sarah, einmal den schwedischen Rhabarber-Kuchen von Natalie. Abends haben wir beim Salattausch pausiert und stattdessen Köstlichkeiten aus dem türkischen Supermarkt gefuttert. Mein großer und ich waren hungrig einkaufen – entsprechend voll war der Tisch. Zum Nachtisch haben wir türkisches Engelshaar ausprobiert. Das war sehr lustig (Butternudeln kneten inklusive Mamas dezenter Fettfleckenangst) und sehr lecker – hätte aber locker fürs ganze Dorf gereicht. Kochen und essen hilft uns hier – nicht meiner Hüfte, aber meinem Herz.

2.  Ich hätte ja fast meinen Heiratsantrag in einem Autokino bekommen. Hat dann doch nicht geklappt, weil Sohn eins noch Baby war und bei Film ein die ganze Zeit gebrüllt hat. Bei Film zwei waren wir dann beide zu müde. Aber allein die Vorstellung dass der Ring in seiner kleinen Box die ganze Zeit über im Beifahrerfach dabei war, malt sämtliche Autokinos in meiner Fantasie mattrosa. Jetzt soll es auch in Hamburg demnächst eins geben (Heiligengeistfeld, Trabrennbahn? Falls die Behörden ja sagen.) Ich würde mich so freuen. Habe bei Facebook gesehen, dass bereits 50.000 Leute daran interessiert sind. Also entweder wird das groß – oder ein Kartenkampf. Apropos: Habt ihr schon einen Friseurtermin?

3. Apropos Kino. Ich habe ja echt Angst, dass die nach dieser Lockdown-Geschichte für immer Geschichte sind. Dabei liebe ich Kino so. Am Wochenende habe ich gelesen, dass man sein Lieblingskino ganz einfach unterstützen kann, in dem man auf die Internetseite geht und dort für ein paar Minuten die Werbung guckt, die sonst im Kino läuft. Retten durch Reklame – das klingt doch machbar, oder?

4. Ein schönes Kochbuch, dass ich mit zwei meiner Kids sehr gern durchgeblättert habe ist das hier. Ich mag die Idee, dass es gleichzeitig ein Bilderbuch und ein Kochbuch ist. Und wer grad nicht hungrig ist: es macht auch Spaß, es einfach vorzulesen und sich dabei nicht satt sehen zu können.

5. Noch ein Bauch: Ganz ehrlich, als Diana Crne mir eine Mail schrieb, in dem sie mir ihr Schwangerschaftstagebuch vorstellen wollte, hätte ich fast sofort dankend abgelehnt. Denn erstens: ich bin nicht mehr schwanger. Zweitens: Sehen für mich die meisten Schwangerschaftstagebücher ehrlich gesagt ziemlich gleich aus. Danke, gähn.

Dann habe ich doch geguckt, zum Glück. Denn Dianas Buch ist nicht einfach bloß ein Tagebuch – es ist eine Einladung, sich mit sich selbst, seinem Bauch, dem Baby darin und seinen Gefühlen kreativ auseinanderzusetzen. Die werdende Mama wird angeregt, abseits der üblichen Fragen nach Bauchumfang und Gelüsten, die eigenen Gefühle, Wünsche, Ängste und eigenen Traditionen zu gestalten. Das stelle ich mir – besonders beim ersten Kind – wirklich bereichernd vor. Also falls ihr Bedarf habt: „Mama, wie war das, als ich in deinem Bauch war!“ finde ich eine wirklich schöne Idee.

6. „Wie macht ihr das bloß mit dem Haushalt?“, wurde ich gestern nach meiner Insta-Story verrückt oft gefragt. Oder besser gesagt: „Wann?“ Ich hatte gestern ein wenig Chaos gezeigt, Spielchaos vor allem. Nicht alles, das war mir dann doch zu privat – für Instagram-Verhältnisse allerdings schon ziemlich viel. Nicht gezeigt habe ich: das Wäschechaos, mein Bücherchaos neben dem Bett, das Spielzimmerchaos, die drei Wäschekörbe voll mit Wäsche inmitten des Haushaltsraumschaos. Auch nicht das Chaos auf der Geschirrspühlmaschine, weil sie voll ist, sie aber keiner auspacken mag. Ganz ehrlich, bei uns haben schon immer viele Dinge weitaus höhere Priorität als Ordnung – gerade, wenn wir alle immerzu zu Hause sind, ist es aber besonders chaotisch. Nennen wir es corotisch.

Es ist kein bisschen so, dass ich das so möchte. Es stresst mich auch oft (vor allem in der Woche). Aber ich merke, wie viel besser es läuft, wenn ich versuche, über einen Großteil des Chaos hinwegzusehen. Bei ein paar Sachen bleibe ich dran: Ich versuche regelmäßig die Geschirrspülmaschine frei zu halten, die Wäsche in Körben zu sammeln (damit ich sie weit weg stellen kann).


Abends wird das Wohnzimmer einmal gemeinsam aufgeräumt. Ansonsten versuche ich ganz viel zu ignorieren: die Matschabdrücke im Flur, die Krümel unter den Hockern, die überall herumfliegenden Bausteine, Plastikpferde und Kuscheltiere. Denn ganz ehrlich: wenn ich die wegwische, räume, aufsauge, sind die alle doch nach einer halben Stunde wieder da – und ich ärgere mich noch mehr. Ich wiederhole also im Kopf: Es ist alles nur eine Phase – die Matschflecken, das Chaos und die Wutanfälle – ihre und meine (also hoffentlich).

Ach ja, das fällt mir auch nicht immer leicht. Aber ich bin wirklich stolz auf mich, wenn ich es geschafft habe, entspannt zu bleiben und anstatt zu motzen und zu machen lieber ein Buch vorgelesen, wir zusammen getuscht haben oder ich sogar einen kurzen Kaffee schaffe. Ganz ehrlich: es kommt doch gerade sowieso keiner vorbei. Und die Kinder erinnern sich später ganz bestimmt an andere Dinge als an blitzblanke Böden!

7. Homeschooling ist immer noch ein Riesenthema bei uns. Mal läuft es, mal läuft es nicht. Fakt ist: Es flattert damit beinahe ebenso viel Streit ins Haus wie Arbeitsblätter. Dass lernen auch anders gehen muss, davon ist Lisa überzeugt. Die 35 Jährige ist Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geographie, Mama von zwei Kindern und derzeit in Elternzeit. Weil individuelle Förderung Lisas Lieblingsthema ist, hat sie angefangen Lernspiele zu entwickeln, die nicht bloß die Fälle und Wortarten üben, sondern die Kinder auch noch in eine Fantasiewelt mitnehmen und daher so richtig (nicht bloß lernspielrichtig) Spaß machen. Hier findet ihr mehr Infos und könnt die Spiele bestellen.  Ich finde es eine grandiose Idee!

8. Ich mache gerade wieder ab und zu Yoga, wann immer es mal passt, was leider nicht oft ist. Keine langen Sequenzen, sondern kleine Übungen. Konzentriertes Atmen tut einfach gut. Ich merke sofort, wie gut es tut. Jetzt habe ich das Projekt Yogahilft entdeckt. Der Verein möchte Menschen, die ansonsten wohl keinen Zugang zu Yoga hätten, ermöglichen, die wohltuende Wirkung zu erfahren.

Das können Geflüchtete sein, oder Menschen, die unter einer Essstörung oder Depression leiden. Es wird Yoga in Frauenhäusern, im Strafvollzug und in Kinder- und Altersheimen angeboten. Derzeit wird aufgrund der Corona-Pandemie online soziales Yoga angeboten. Der Verein freut sich, wenn mehr Menschen, wüssten, dass es ihn gibt, natürlich auch über Spenden und über Yogalehrer, die Lust haben, mitzumachen. Mehr Infos gibt’s hier und unter dem Hashtag #yogahilft.

9. Einfach mal selbst ein Magazin zu machen und dann noch ein irre hübsches, finde ich den absoluten Wahnsinn. Dass wir es dann auch noch kostenlos downloaden dürfen, ist beinahe zu viel des Guten. Aber nur beinahe. Liebe Tinyville-Crew: Was für ein großartiges Geschenk ist das bitte gerade? (Hier runterladen!) Tausend Dank – und viel Glück bei allen weiteren Projekten, wie dem Workspace für Frauen und all den Kreativkursen und Pop-up-Stores in München!

10. Weil ich mit zwei von vier Söhnen am Wochenende spontan einen Leseclub in unserem großen Bett gegründet habe und das so gemütlich war, dass wir es dringend wieder machen wollen und ich verrückterweise echt mal wieder Kapitel statt bloß Seiten geschafft habe (in den drei bis vier Büchern, die ich grundsätzlich immer parallel lese) mag ich diese Idee sehr: ein Familien-Lesemarathon.

Also ganz ehrlich – vielleicht regnet es nächstes Wochenende ja wieder. Yes!

PS. Ich muss über diesen Artikel Werbung schreiben, weil ich Produkte zeige. Ich wurde aber für keine der Empfehlungen bezahlt.

Fotos: 4, 5: Diana Crne, 8: Oh Tinyville, Rest: Wasfürmich.

Eine schöne Woche für uns alle und alles Liebe,

Claudi