Mit dem Gärtnern ist es ein bisschen wie mit dem Kinderhaben. Bei mir zumindest. Bevor ich welche hatte, dachte ich oft, dieses und jenes mache ich nie, dieses viele Spielzeug im Wohnzimmer horten zum Beispiel (die haben schließlich ihr eigenes Zimmer) oder dieses Schnuppern am (ganz sicher stinkenden) Windelpopo. In Sachen Garten kam in meinem Kopfkino kein Grünspan vor. Noch weniger hätte ich gedacht, dass ich jemals im Leben ernsthaft über Rasenkanten nachdenke…
Familiengarten, Gärtnern mit Kindern
Wir wohnen jetzt seit, Moment mal, vier Jahren in unserem Haus und um den Garten haben wir uns bislang am allerwenigsten gekümmert. Grund eins dafür: Im Haus war noch soviel zu tun. Grund zwei: das Geld. Wenn uns eine Gartenfirma ein Angebot gemacht hat haben wir regelmäßig gesagt: „Äh, da muss eine Verwechslung vorliegen. Wir haben schon ein Haus.“ Traurig aber wahr, es war kein Irrtum. Ein Garten ist teuer. Aber so richtig.

Unser Garten bestand also bis letztes Jahr aus Wiese. Keine weiche Wiese mit Schmetterlingsgeflatter, sondern eine wirklich wilde Wiese, mit Steinen und Löchern drin und Disteln. Unsere Freunde sagten vom Wohnzimmerfenster aus immer: „Lass das doch so, das ist doch so schön.“ Bis sie draußen waren und sie sich in Flip Flops die Zehen pieksten. Ich wollte immer einen wilden Garten, wollte es bloß nicht zu spießig, bloß nicht zu ordentlich. Ich habe eine paar Jahre gebraucht, um zu lernen, dass auch Wildnis Struktur und Pflege braucht. Und Sträucher zum Beispiel besser und schneller wachsen, wenn ich zunächst ganz, ganz viel von ihnen abschneide. Ich hätte auch vorher nie gedacht, wie größenwahnsinnig Rasen ist und dass er ein Beet mir nichts dir nichts einfach so überwachsen kann. Daher bald Rasenkanten. Ehrlich wahr.

Garten,
Letztes Jahr haben wir die wilde Wiese endlich umgebuddelt, einen Weg aus Natursteinen angelegt, eine Mauer gebaut, Rasen gesät. Es hat Tage, nein Wochen gedauert. Als der Rasen gerade zartgrün war, büchste die Pferdeherde von nebenan aus und galoppierte einmal durch unseren Garten. Dieses Gartenjahr wird also wieder mit einer Fräse beginnen, mit begradigen und noch einmal aussähen. Dabei möchte ich doch ganz unbedingt endlich einen Zaun im Vorgarten mit einem Beet davor.

Zum Glück haben wir zwei Terrassen, eine vorn und eine hinten, schön groß, mit Platz zum draußen essen und herumliegen und Feuer machen. Seit vergangenem Jahr sind dann auch endlich die Fugen der Steinterrasse fertig. Pünktlich zum Frühling schieben sich jetzt die ersten Löwenzähne durch die „garantiert unkrautsichere“ Fugenmasse. Kann ja vielleicht hübsch aussehen. Ich wollte es ja wild.

Erfolgreicher gärtnern die Jungs und ich schon seit einer ganzen Weile in unseren Hochbeeten aus dem Baumarkt. Jeder darf jedes Jahr eins nach Herzenslust bepflanzen, es rührt mich, wie viel Freude meine Kinder daran haben. Wir lernen ganz viel – seit letztem Jahr wissen wir zum Beispiel, dass Tomaten dringend ein Dach brauchen. Statt uns hat unsere Tomaten im vergangenen Sommer nämlich die Braunfäule vernascht. Was wirklich immer geht: Kartoffeln in Kübeln anbauen. Wir stecken einfach eine pro Topf in die Erde, warten bis August, kippen den Kübel um und ernten. So ein Spaß. Und so lecker! Geht auch auf dem Balkon.

Leider bin ich kein bisschen treu, in Sachen Garten meine ich. Beschließe ich ein Jahr, bloß noch blaue Übertöpfe zu sammeln, gefallen mir ein Jahr darauf welche aus Rattan besser. Oder doch lieber die klassischen in Terracotta? Zum Glück sehen diese drei auch in Kombination gut aus. Auch beim Einrichten bin ich unschlüssig: Steht besser das Gartenbett vor der Wand neben dem Wintergarten oder doch die Rattanstühle? Vielleicht mache ich es einfach ein Jahr so und ein Jahr so. Macht ja auch irgendwie Spaß.

Noch was erinnert mich an Kinderkriegen bei all der Gärtnerei: Man weiß wohl so richtig auch erst beim zweiten oder dritten Garten, was man wirklich braucht. Was hab ich nicht schon alles gekauft: Damenspaten und verrostete Gießkannen, geblümte Handschuhe und einen alten Vogelkäfig. Die Blumenhandschuhe waren nach einer Stunde kaputt. Die (wirklich sehr) verrostete Gießkanne habe ich gestern entsorgt – irgendwie sah sie bei uns doch nicht so schön aus wie auf dem Foto auf Pinterest.
Gärtnern mit KIndern

Manchmal kommt mir auch mein Mann in Sachen Gartenpläne und -erfolge dazwischen. Während er zum Beispiel sauberen Klinker liebt, hätte ich am liebsten jede Wand berankt. Ich war so stolz auf meinen wilden Wein im letzten Jahr, er war fast schon so lang wie ich und schmückte die Wand im Herbst mit zauberhaft roten Blättern. Bis mein Mann eines Tages rein kam, in der Hand ein grauer Übertopf, hinter ihm – ich ahnte es gleich – als Schleppe ein paar rote Ranken. „Irgendein Unkraut wächst da an unserer Wand!“, rief er und hatte einfach alle abgerissen. Ich hätte beinahe angefangen zu weinen. Ich schiebe es ihm in die Schuhe, dass der wilde Wein diesen Winter über scheinbar erfroren ist. Ganz sicher aus Kummer!



Ich habe noch so viele Pläne: den Zaun mit einem Beet davor aufstellen und anlegen, eine Holzpergola mit Schaukel für die Veranda bauen (oder bauen lassen), den Rumpel-Bereich zwischen Haus und Scheune aufräumen, endlich einen Sandkasten anlegen (ein altes Boot dafür wartet seit Jahren unter den Apfelbäumen), eine Spielhaus aufbauen, ein paar kleine Beete im Rasen anlegen, zwei große Hochbeete bauen, die Terrasse mit Kübeln begrünen und – psst, neuen wilden Wein pflanzen.

Mal sehen, wann ich meine Ideen umsetze. Immerhin haben wir inzwischen den kleinen Wall neben der Terrasse begrünt, mit Storchschnabel, dass finde ich herrlich unspießig. Und zum Glück wächst dazwischen jede Menge Unkraut. Unkraut zupfen beruhigt mich nämlich, so viel habe ich in Sachen Gärtnern zumindest schon gelernt. Dass man Geduld braucht auch. Viel Geduld. Ich sag doch, das ist wie Kinder haben.

Unseren Kindern sind all unsere Gartenpläne übrigens ziemlich egal. Sie freuen sich, wenn die Wiese endlich gerade ist und man ohne zu stolpern Fußball spielen kann. Sie pflegen gern ihre Hochbeete – haben das aber auch gern gemacht, als sie noch aus einer schäbigen Holzkiste mit festgenagelter Teichfolie bestanden. Sie freuen sich auf eine Sandkiste – und buddeln bis dahin glücklich in Opas Bausandhaufen. Überhaupt Opas Gemüsegarten vorn auf dem Hof. Sie klettern auf die knorrigen Apfelbäume hinter dem Rasen, platschen durch die Pfützen im matschigen Weg. Sie genießen es, wie es ist.

Wenn ich sie beobachte, werde ich auch ruhiger. Versuche die Ideenvorfreude zu genießen und nicht bloß immer an das zu denken, was wir noch nicht umgesetzt haben. Freue mich, dass sie den Storch durch unser Gras spazieren sehen und ab und zu das Wiesel zwischen den Apfelbäumen. Dankbar zu sein, für so viel Platz, zum Höhlen bauen und Bogen schießen, und dass ich zusehen darf, wie alles wächst. Der Garten. Und sie.

Ganz viele wunderbare Anregungen in Sachen Garten gibt es übrigens in dem wunderschönen Buch „Garden Girls“ (Amazon-Partnerlink) aus dem Callwey Verlag. Im Buch werden 20 tolle Frauen und ihre Schrebergärten vorgestellt und ich kann mich nicht sattsehen an den Bildern, ich bekomme soroft gute Laune, bloß wenn ich anfange im Buch zu blättern. Es steckt jede Menge Inspiration drin: für schöne Beete, dazu Pflanztipps, aber auch einfache DIYs und Rezepte. (Ich möchte für unsere Taufe zum Beispiel unbedingt die Lichterketten-Halterung für die Festtafel bauen. So toll.) Und unser Garten braucht dringend Girlanden, ganz viele. Außerdem habe ich jede einzelne Geschichte über die Power-Frauen im Buch gern gelesen.

Gute Gärten,
Gartenideen, Mittsommer, Girlande nähen, Schwedenstyle,
Weil ich gerade so in Gartenstimmung bin, überlege ich eine kleine Serie hier auf dem Blog zu machen. In „Gute Gärten“ möchte ich Familien und ihre Gärten vorstellen. Mich interessiert, was den Familien draußen wichtig ist, was sie besonders mögen, welche Plfanztipps sie haben, was in Sachen gärtnern geklappt hat und was nicht, was sich mit den Kindern im Garten verändert hat und natürlich bin ich auf der Suche nach guten Ideen. Was meint ihr, habt ihr auch noch mehr Garten-Lust?
Landkinder, Sommer
Alles Liebe,

Claudi