An Schneetag Nummer zwei haben wir tatsächlich ein Lineal rausgeholt und die dicke Schneedecke auf dem Verandatisch draußen gemessen. Zweiundzwanzig Zentimeter. Wahnsinn. Noch besser: Die Zeit vergeht gefühlt ein wenig langsamer im Februar und im März. Es kommt mir vor, als läge auch auf dem Stundenzweiger der Uhr eine Mütze voll Schnee, die Tage sind länger, ich schaffe wieder mehr an einem Nachmittag. Irgendwie verrückt und irgendwie weihnachtsgemütlich mit all dem Schnee und Eis da draußen – und trotzdem schon Sonne bis abends um halb sieben…
Winter auf dem Land,
Mehr Licht tut so gut. Gestern Nacht beim Stillen nachts um halb zwei war ich überrascht, wie hell es draußen war. Schimmernd hell, als hätte die Winternacht eine Schneelaterne angeknipst… Trotzdem sind wir abends alle furchtbar müde, es dauert nach der Gute-Nacht-Geschichte bloß ein Fingerschnipsen, bis die Kinder schlafen. Mein Mann arbeitet abends oft noch lange, aber ich feiere zur Zeit das Nichtstun. Ich sitze auf dem Sofa, gucke ins Feuer oder eine Folge Mrs Maisel (meine neue Lieblingsserie!) und vor allem gucke ich mein Baby, wie es zuckersüß in meinem Arm einschläft. Das Kaminfeuer bestimmt das Ende des Abends. Mit dem letzten verglühten Holzscheit gehe ich ins Bett.
Winter,

An manchen Tagen fühlt es sich an als lebten wir in einer Schneeglocke, vom Alltag geschützt durch eine dicke Glasscheibe, alles irgendwie leiser als sonst. Ich verschiebe Termine – und bleibe zuhause. Räume und krame. Bloß einer auf dem Hof fährt irgendwann zum Supermarkt – und bringt den anderen etwas mit.

Die Kinder sind beinahe den ganzen Nachmittag über draußen, trotz Temperaturen von minus zehn Grad. Der Schnee ist ihr liebster Spielkamerad. Oft sind noch mindestens zwei Freunde da und ich sehe sie alle von drinnen gemeinsam über den Hof tollen. Bunte Flecken auf funkelndem Weiß. Hinterher kommen sie rein und ich sehe kaum noch Flurfliesen vor lauter hingeworfenen Schneeschuhen und Jacken und Handschuhen. Ich brülle bestimmt dreimal: „Macht die Tür zu!“ – und stehe schließlich selbst auf, fröstelnd im Flur. Sie verdrücken währenddessen schon Berge von Kuchen und Keksen und Äpfeln und trinken literweise heißen Kakao. Es duftet im ganzen Haus buttrig und zimtig, weil wir so viel backen zur Zeit. Wenn wir alle zum Deich gehen, damit sie rodeln können, hüpfe ich hinterher durchs Haus, die Hände zwischen den Beinen, weil sie trotz Handschuhen von der Kälte so kribbbeln.

Fast alle Kinder treffen sich nachmittags am Deich und dazu ein halbes Dutzend Mütter, leider ist der Wind so eiskalt, dass wir kaum sprechen mögen und eigentlich die meiste Zeit über fröstelnd herum tänzeln und uns tapfer anlächeln. Die Kinder frieren nicht, zumindest nicht die ab fünf Jahren. Die sausen und rutschen und fallen und jubeln dabei – und hören kaum auf ihre Mamas, die immer ziemlich schnell wieder ins Warme wollen. Selbst abends im Bett haben meine Jungs leuchtend rote Wangen von der eisigen Elbluft.
Deich, Schnee, Spaß mit Kindern im Schnee

Was man alles entdecken kann bei dem Wetter: Eiszapfen am Wintergarten, Schneespuren der Marderparty der letzten Nacht, Eisblumen an der Autoscheibe. Jeden Morgen verfluche ich den Schnee, weil wir noch so früh aufstehen können, mit der Anzieherei und Kratzerei kommen wir doch immer (beinahe) zu spät. Apropos Schnee: wie unterschiedlich der sein kann: Hart und knusprig oben am Deich, aber pudrig und fein im Garten. Einmal haben wir Wasser in Flaschen mit Farbe gefärbt, eine Zielscheibe in den Schnee gegossen und um die Wette Schneebälle geworfen.

Wenn wir nicht draußen sind werden im Wohnzimmer ganze Eisenbahn-, Kapla- und Schleichtierwelten aufgebaut, die Eisenbahn gern einmal um unsere Kücheninsel herum, so dass ich ständig stolpere, aber ich liebe es, wie sie oft gemeinsam spielen und völlig in ihrer Welt versinken. Es sieht drinnen oft chaotisch aus, im Gegensatz zu draußen, wo der Schnee so fabelhaft für uns aufräumt und jedes Chaos versteckt, aber ich mag es (meistens!), wenn wir alle zusammen unten sind und jeder seins macht. Abends räumen wir gemeinsam alles wieder in die Körbe zurück (außer es steht ein besonders hoher Kaplaturm und darf ausnahmsweise stehen bleiben), das sieht zuerst meist nach furchtbar viel Arbeit aus und geht dann doch viel schneller als gedacht.
KInder im Winter, Spaß im Winter
Kanelbullar, Winter,
Wir im Winter, Winter mit Kindern, Lesen, Lieblingsbücher
Hühnchen, Gemüse, Backofen, Winteressen

Einen Winternachmittag habe ich genutzt, um die Jungs mal wieder in die Bücherei auszuführen und es macht mich glücklich zu sehen, mit welcher Freude sie auf diesen Ausflug hinfiebern, wie aufgeregt sie dort ausschwirren und mit mit welcher Begeisterung sie Bücher aussuchen. Mein Großer liebt zur Zeit die Serie „Die Schule der magischen Tiere“ (Amazon-Partnerlink) und wir freuen uns beide schon morgens auf das nächste Vorlesekapitel abends im Bett. Die beiden Mittleren gucken mit Begeisterung alte Fotobücher und versuchen zu verstehen, warum sie da manchmal noch nicht mit drin sind. Einer weiß warum: „Da sind wir noch durch den Himmel geflogen und haben euch ausgesucht!“

Ich habe auch endlich wieder angefangen zu lesen. Nach der Eishexe brauchte ich was Warmes: Ein Bild von dir ist beste Winterabendeinschlaf- (und Stillempfindsamkeits) Unterhaltung. (Amazon-Partnerlink)
ideen im winter
Schnee
Ich habe Pinterest nach Winter-Ideen durchsucht und ein paar herrlich altmodische, ganz einfache Ideen gefunden. Seither haben wir Schneemänner aufgemalt und mit Wattebäuschen beklebt. Wir haben mit weißer Farbe auf buntes Papier getupft und diese Tupfen-Schneemänner mit Hüten, Nasen und Besen verziert. Die Kinder lieben es. Überhaupt treffen wir uns spätnachmittags oft am großen Esstisch, in der Mitte jede Menge Farben und Papier und jeder malt für sich – oder Tjelle mit mir. Ich kann mir kaum etwas gemütlicheres vorstellen.
Basteln mit Kindern im winter, Schneemann
Abends koche ich gerade am liebsten schnelle Ofengerichte, die uns alle (und die Küche) ordentlich auffwärmen und trotzdem unsere Lust auf frisches Gemüse stillen. Gestern gab es Zitronenhuhn, wobei jede Menge Gemüse einfach mit Olivenöl, Salz, Pfeffer und Kräutern in eine Aufflaufform wandert. Hühnerbrust (oder Keulen) obendrauf, ein paar Thymianzweige und einige Scheiben Zitrone und ab in den Ofen damit. Mal mache ich Kartoffelbrei dazu, den lieben hier alle, oder einfach ein Baguette. Mir ist seit einer Weile danach, ein paar Babypfunde loszuwerden und das geht prima mit dieser Art von Gerichten; ich lasse einfach Brei oder Brot weg.
Schnee

Ich weiß nicht, ob es das Alter macht, aber ich beginne Gedichte zu lesen, zu suchen und schön zu finden. Die Kürze fasziniert mich, genau wie die Klarheit der Spache. Besonders schön und passend fand ich gerade dieses:

Winter (von Christian Morgenstern)

Der Fjord mit seinen Inseln liegt
wie eine Kreidezeichnung da;
die Wälder träumen schnee-umschmiegt,
und alles scheint so traulich nah.
So heimlich ward die ganze Welt…
als dämpfte selbst das herbste Weh
aus stillem, tiefem Wolkenzelt
geliebter, weicher, leiser Schnee.

Fjorde und Inseln gibt es hier nicht, aber Elbwiesen und Deiche und Wälder. Je nach Tageszeit sehen sie manchmal nach Ölgemälde mit kräftigem Pinselstrich oder nach einem Aquarell-Bild aus, in dem jemand die blaue Farbe im Pinsel nicht richtig ausgewaschen hat. Schön.

Spaß mit kindern im Schnee
Und ihr im Winter?

PS: Habe ich gern gerade noch einmal gelesen: Wir im Winter 2016. Spannend zu sehen, was heute anders ist. Und soviel gleich.

Schönes Winterwochenende,

Claudi