Also wie schreibe ich eins? Denn Schreibprozesse sind vermutlich so unterschiedlich wie Bücher. Weil ich sowas von anderen AutorInnen aber immer total gern lese und bei mir der ganze Prozess gerade wieder von vorn startet, schreibe ich es hier für euch auf.

Alles beginnt mit einer Idee, einem Funken.

Das mag ein Mensch sein, die mir irgendwo begegnet. Eine Geschichte, die ich von irgendjemandem höre. Ein Funken, der Gedankenspiele in Gang setzt. Ich mache mir Notizen ins Handy, ich erwische mich dabei, wie ich Bilder dazu im Kopf sehe, in der Bahn, unter der Dusche. Nur die besten Funken glühen weiter. Ich habe einen Ordner mit unzähligen Ideen für Buchprojekte, nur ganz wenige werden was.

Lässt die Idee mein Herz wirklich schneller klopfen, dann erzähle ich sie meinem Mann, dann meiner Agentin. Seit Buch drei bin ich in der glücklichen Lage, dass ich kein Exposé mehr schreiben muss, sondern meine Lektorin irgendwann fragt: „Hast du schon eine Idee fürs neue Buch?“ Das ist ein Luxus und überhaupt nicht selbstverständlich. (Exposé schreib ich für mich trotzdem, weil es die Handlung für mich klärt).
Ich spreche mit meiner Lektorin über meinen Funken und sie gibt mir Feedback (bisher war sie jedes Mal begeistert). Bislang gibt es bloß die groben Hauptfiguren, plus einen Ort. Mein Buch besteht bis jetzt vielleicht aus fünf Sätzen.

 

Dann setzte ich mich an die Figuren.

Ich lerne sie kennen. Ich mache Tabellen, sammele Fotos, mache Moodboards, erstelle ein Notizbuch. Ich stelle meinen Figuren Fragen und überlege, wie sie in verschiedenen Situationen reagieren würden. Im Internet gibt’s tolle Listen dazu. Gefühlt treffe ich sie ein paar Mal auf einen Kaffee. Das dauert schätzungsweise zwei bis vier Wochen. Diese Zeit ist aufregend, hier lege ich fest, wer und was mich über ein Jahr lang begleiten wird. Jede Entscheidung entscheidet ganz viele andere Dinge – und schließt im Plot andere aus. Das ist aufregend und gleichzeitig beängstigend!!!

Nebenbei fange ich an den Plot zu planen. Erst ganz grob, in wilden Listen. Ich recherchiere nach Orten, buche mir einen einsamen Schreibort zum Reinkommen. Hab ich bei Buch 3 gemacht und grad einen für Buch 4 gebucht. Größer Luxus und so eine Hilfe! Ich suche mir Informanten. (Bei Buch drei zum Beispiel Frauen, die im Restaurant groß geworden sind).

Die Plotplanung wird nach und nach konkreter, aber dennoch so grob, dass ein Kapitel auf ein Post-it passt.

Ich überlege ein paar spannende Wendungen und auch schon ein paar Schnitte. Je länger ich schreibe, umso bewusster wird mir, dass der Schnitt viel dazu beiträgt, ein gutes Buch zu machen. Geheimnis: Spät in eine Szene reinkommen, früh rausgehen. Fürs Plotten nehme ich mir etwa drei bis vier Wochen Zeit. Vermutlich schreibe ich währenddessen schon mal an, weil ich immer Angst habe, dass ich es vielleicht nicht mehr kann. Zum Schluss ist mein Plotplan etwa drei A4 Seiten lang.

Schließlich beginnt das eigentliche Schreiben. Ich habe immer Angst vor dem Anfang, obwohl der Anfang sowieso nie so bleibt, wie er am Anfang ist. Hauptsache ich finde rein, ich lege los. Ich schreibe eine allererste Version möglichst schnell runter. Meist Kapitel für Kapitel, nur wenn ich hake, ziehe ich mal eine andere Szene vor. Von dieser ersten Version bleibt später quasi nichts stehen. Ich überarbeite sie drei- bis viermal, jedes Mal wird die athmosphärisch dichter, die Dialoge hoffentlich natürlicher.

Zwischendurch schicke ich meiner Lektorin Zwischenstände und wir beraten uns – so bewahre ich mich davor, in eine ganz falsche Richtung zu schreiben. Ich liebe Kritik. Ich liebe es, mein Buch dadurch besser zu machen.

Der „fertige“ Text geht etwa ein halbes Jahr später an meine Lektorin und kommt dann noch für drei bis vier Überarbeitungsgänge zurück. Vor allem kürze ich: Adjektive, alles. Ich würde am liebsten noch was ändern, wenn es bereits gedruckt ist. Dann beginnt das Marketing, aus der Schreibrückzugs-Claudi wird die Rausgeh-und-Perform-Claudi. Krasser Wechsel!

Hast du dir den Prozess so vorgestellt?

Claudi