“Ein Buch zu schreiben ist mühsam, quälend und einfach schrecklich”, sagt Bestseller-Autor Benedict Wells vergnügt und grinst dabei so unbekümmert in seine Laptop-Kamera, dass ich mich kurz frage: Meint er das wirklich Ernst…? Ich jedenfalls meine es Ernst: Ich möchte endlich mein eigenes Buch schreiben – und brauche als Anfänger dringend ein paar hilfreiche Tipps, eine Art Leitfaden zu Struktur und Organisation – und wie ich am besten loslege. Und was liegt da näher, als einen mehrfachen Spiegel-Bestseller-Autor um Rat zu bitten…?
Rückenansicht einer Frau an der Schreibmaschine
Nein, ich bin keine persönliche Freundin von Benedict Wells (Himmel, wär das herrlich!!). Aber ich bin seit kurzem Teil von Teech, einer digitalen Plattform, auf der unter anderem Live-Masterclasses im Kreativen Schreiben unterrichtet werden – von namhaften Autoren wie eben Benedict Wells oder Adriana Popescu. Und zwar in sehr überschaubaren Kleingruppen, was fantastisch, weil sehr persönlich ist.

Wie fängt man überhaupt an, ein Buch zu schreiben?

In unserer Masterclass “Vom Erzählen einer Geschichte” frage ich Benedict Wells genau das. “Ich nenne es den Funken”, antwortet er. Es geht um diese allererste Idee, den Kern, das Herz der Geschichte. “Und dann?”, frage ich. “Dann kommt das Davor, das Aufschreiben und das Lektorat”, sagt er und lächelt schon wieder so, als wär das nichts.

Als wären die rund 10.000 Stunden, die man angeblich in einen Roman investiert, keine große Sache. Was es natürlich dennoch ist. “Schreiben ist ein Trotzdem”, fügt er aber noch hinzu. Dass es ein großes Hadern, Zweifeln, oft ein Verzweifeln ist – und sich dennoch lohnt. Für jeden, dessen Traum es ist, ein Buch zu veröffentlichen.

Das Gute ist: Ein Buch schreiben kann man lernen.

Indem man zunächst vor allem – liest. So viel, wie man kann, gerade in dem Genre, in dem die eigene Geschichte spielen soll. Lesen ist der Schlüssel zum Schreiben, weil es hilft, eine Stimme zu finden, einen Sound, den man mag – um daraus irgendwann seinen ganz eigenen zu kreieren.

Mir hilft es enorm, Schriftsteller-Vorbilder zu benennen, deren Stil mich packt. Für mich sind das beispielsweise die Kolumnen von Mariana Leky in “Kummer aller Art” oder die Erzählweise von Benedict Wells in “Hard Land”. Daran kann man sich in ersten Schreibprojekten gut längshangeln – “schlau klauen”, nennt Wells das augenzwinkernd.

Wer schreiben will, muss mit Schreiben anfangen. So simpel. So schwer mitunter.

Man sollte schreiben, am besten schon lange bevor man über das Wort Roman jemals nachgedacht hat: Gedanken, Szenen, Kurzgeschichten, erste Sätze, letzte Absätze – einfach alles ausprobieren, immer wieder neu, immer wieder anders, bis schreiben so selbstverständlich geworden ist wie atmen, essen, schlafen.

Nein, an Kreativität mangelt es meist nicht, in Gedanken habe ich schon zig Romane verfasst. Allein die Struktur macht mir zu schaffen. Denn Sturm-und-Drang-mäßig draufloszuschreiben funktioniert nur ein paar Seiten lang – spätestens dann bräuchte es einen Plan, eine Struktur für Handlung, Szenen, Figuren. Sonst stirbt die Geschichte, bevor sie richtig angefangen hat.

Bloß: Wie plottet man eine Geschichte, bevor man sein Buch schreibt?

Keine Ahnung, wie das im prä-digitalen Zeitalter funktioniert hat – ich als Anfängerin jedenfalls bin heilfroh über den Fundus an Tutorials, der oft frei zugänglich auf Youtube oder Blogs zum Kreativen Schreiben zu finden ist: Mir hat diese Auflistung verschiedener Plotting-Methoden sehr geholfen, außerdem vertiefe ich mich gerade in die How-to-Videos von Annika Bühnemann/Vom Schreiben leben oder von Rose Bloom/Bookademy, die beide zu den verschiedensten Herausforderungen beim kreativen Schreiben ihre eigenen Erfahrungen teilen.

Aber es hilft auch, ganz gezielt nach Plotting-Methoden zu suchen: Nach dem populären Beat Sheet von Drehbuchautor Blake Snyder zum Beispiel, wonach jede erfolgreiche Geschichte in 15 Parts aufgebaut ist. Oder nach der Snowflake-Methode, dem 3-9-27-Prinzip, der Heldenreise. Je tiefer ich in die Thematik eintauche, je mehr ich mich mit umfassenden Excel-Tabellen zu jeder Szene, jedem Kapitel beschäftige, mit kompletten Biografie-Sheets zu jeder einzelnen Figur, desto mehr wird mir klar:

Schreiben ist ganz schön viel Handwerk.

Ist Fleiß und Disziplin, ist Frustrationstoleranz – und vor allem Dranbleiben! Denn Schreibblockaden, das Verwerfen, Neu- und Umschreiben hat schon manchem Buch-Projekt ein viel zu frühes Ende beschert. Insofern hilft es vor allem Anfängern, die Geschichte detailliert festzuschreiben. Denn niemand, nicht mal Benedict Wells, setzt sich einfach so mit einer tollen Idee hin und schreibt locker-flockig 300 Seiten ohne vorherigen Plan. Klar, jeder Schriftsteller ist anders.

Claudi plottet so genau wie möglich durch, Wells hingegen reicht es, einen Anfang, den Wendepunkt in der Mitte und das Ende im Kopf zu haben – er möchte, dass seine Figuren mitschreiben. Und so denke ich mir das eigentlich auch.

Meine Erfahrung ist bislang: Ich schreibe am besten ohne Vorgaben.

Einfach drauflos, lasse Sätze, Ideen, Assoziationen zu mir kommen und sich zu einem Thema verdichten. So funktioniert das zumindest beim Bloggen. Nur: Ein Großprojekt ist eben ein ganz anderes Kaliber. Diese ganze Wahnsinns-Vorarbeit hat nur so furchtbar wenig mit meiner romantischen Vorstellung vom Schreiben zu tun…

Aber Abschlussarbeiten schreibt man ja auch nicht ohne Konzept – und so stürze ich mich jetzt in das, was Benedict Wells so nonchalant das “Davor” genannt hat: Ich martere mein Hirn, um aus meinem Funken die Geschichte so detailgenau wie möglich aufzubauen, die Figuren zu entwickeln, Höhe- und-Tiefpunkte zu planen, Dialoge zu scribbeln – uff! Aber offenbar nötig, denn um sich mit seinem Manuskript bei Verlagen zu bewerben, braucht es ein Exposé.

In ein Exposé für den Verlag gehört folgendes:

Nicht weniger als das große Ganze der Geschichte – präzise verdichtet auf wenige Seiten. Umso besser, wenn man also vorher ziemlich genau weiß, wo die Reise hingeht – vor allem als noch unbekannter Debüt-Autor. Bei meiner Recherche bin ich über diese Exposé-Anleitung gestolpert, die ich ziemlich schlüssig und nachahmenswert finde. Wenn der Zeitpunkt dann gekommen ist.

Aber jetzt bin ich da noch nicht – ich steh noch ganz am Anfang meines eigenen literarischen Roadtrips. Verdichte meinen Funken zu etwas Größerem, probiere aus, schmeiße Ideen um, finde neue Inspiration, Plot-Twists, Handlungsstränge. Grübele über die Form, über Komplexität, Länge und Ton. 10.000 Stunden -. ich fürchte, das haut ungefähr hin…

Und ihr: Wollt ihr auch Buch schrieben – oder habt es schon? Wenn ja: haut raus, eure Tipps! Kann davon gerade gar nicht genug bekommen.

Hier hat Claudi schon mal über das Schreiben geschrieben und hier ein Interview mit der erfolgreichen Kinderbuch-Autorin Lucy Astner geführt.

PS: Merke gerade, dass der Post super zur Frankfurter Buchmesse passt, die vom 18. bis 22. Oktober stattfindet. Übrigens könnt ihr dort auch Claudi treffen: Am 21.10. macht sie von 11.30 bis 12.30  in Halle 3 am Stand H119 von Fischer Kinder- und Jugendbücher eine Signierstunde. Und Claudi kann euch garantiert jede Menge dazu erzählen, wie man einen Bestseller schreibt!

Alles Liebe, viel Spaß beim Schreiben und Lesen,

Katia