Vor unseren Kindern hatten mein Mann und ich für eine Weile ein Wochenendhäuschen im Wendland. Daran war vieles wunderbar: Die flinke Flucht von der Stadt aufs Land, die Stille, die Weite. Ganz besonders schön fand ich, dass alle Besuchs-Freunde mindestens eine Nacht blieben, oft gleich ein ganzes Wochenende. Für mich war es die Widerentdeckung eines längst vergangenen Kindheitsrituals: Eine Pyjama-Party – nur eben für Erwachsene…

Tagsüber lagen wir gemeinsam faul unter knorrigen Obstbäumen – und nach einem ausgiebigen Abend-Dinner schlüpften wir irgendwann kollektiv in Lümmelklamotten und saßen bis nachts am Ofen oder auf der Terrasse beieinander. Weil: Es musste ja niemand zum Aufbruch drängen. Keiner musste mitten im lustigsten Gespräch die Spaßbremse geben und mit den Autoschlüsseln klimpern. Niemand zwingend nüchtern bleiben und irgendwann übermüdet einen langen Heimweg antreteten, denn: Das Gästebett stand ja schon einladend bereit.

Und irgendwie machte dieses Arrangement das Beisammensein immer entspannter, besonderer, intensiver. Manch einer döste damals beim Absacker schon friedlich auf dem Sofa ein. Glücklich und zufrieden mit einem Tag, den wir bis ins letzte ausgekostet hatten – und mit der Aussicht auf Fortführung am nächsten Morgen.

Es ist doch so: Das Beste kommt oft zum Schluss – die besten Gespräche, späte Geständnisse, gemeinsame Pläne.

Wenn wir nicht durch Zeitvorgaben beschränkt sind – „Um elf fahren wir aber allerspätestens…“ – sind wir meist freier – und offener sowieso. Für Diskussionen, die wir sonst vielleicht nicht noch führen würden. Für kollektive Mitternachtssnacks, eine Mondscheinwanderung oder andere Spontan-Aktionen, die wir uns im Alltag eher verkneifen würden. Für ein Gefühl von Verbundenheit, dass dort ensteht, wo man gemeinsam zähneputzend noch die letzten Lacher teilt. Keine Frage: Für mich reicht nichts so nah an ein wohliges Urlaubsgefühl wie Pyjama-Partys unter Erwachsenen.

Leider endete deren Ära ziemlich abrupt, als wir das Wochenendhäuschen gegen unser neues Zuhause am Stadtrand von Hamburg aufgaben – und die Kinder kamen. Die Strukturen der meisten Familien waren auf einmal strikter, auch unsere eigenen: Mit Baby sich irgendwo bei Freunden einquartieren? So lässig waren wir beim ersten Kind leider noch nicht. Und je mehr Kinder es wurden, desto mehr hätte jede Übernachtung auswärts einem ernstzunehmenden Urlaub geglichen, zumindest, was das Gepäck anbelangt. Der Aufwand stand damals für mich in keinem Verhältnis.

Und so rückten in den vergangenen Jahren Tagsüber-Treffen in den Fokus:

Gemeinsam brunchen oder lunchen, mit den Kindern eine Runde auf den Spieli, fix noch ein Blech Kuchen verputzt – und um 17 Uhr den fahrenden Freunden nachwinken. Aber das zunehmend mit dem Gefühl, dass etwas fehlt. Dass der Nachmittag doch nur der Auftakt war für das eigentliche, erwachsene Zusammensein. Dass man sich um wichtige Zeit bringt: Die, in der die Kinder im Bett und die Eltern unter sich sind.

Die Zeit, in der Gespräche und Gedanken nicht mehr im Zweiminutentakt unterbrochen werden. In der man unter zivilisierten Menschen in Ruhe essen kann. In denen sich die Themen nicht zwingend um Erziehung und Elternschaft drehen. In der Raum für Träume, Pläne und Impulse jenseits des zeitraubenden Familienalltags sind. Und am nächsten Morgen kann beim ersten Kaffee der Gesprächsfaden einfach weitergesponnen werden.

Für mich ist es nicht zuletzt eine Möglichkeit, mit  Freunden in Verbindung zu bleiben.

Nicht nur einen kurzen Ausschnitt im Leben der anderen zu erhaschen. Sondern für ein paar intensive Stunden Teil des jeweils anderen Alltags zu werden: Sich erst gegenseitig beim familiären Tohuwabohu zur Hand zu gehen – und später darauf anzustoßen, dass man sich als Vertraute und Pyjama-Party-Partner nicht aus den Augen verloren hat.

Seit einiger Zeit forcieren wir im Freundeskreis daher wieder Übernachtungspartys. Die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, wir haben Platz – und wohnen ausreichend weit vom Stadtkern entfernt, dass Besuch eine Übernachtung in Betracht zieht. Ein fantastischer Auftakt war übrigens mein letzter Geburtstag (hier mein Text zum Ausgelassensein): Meine liebsten Herzensmenschen – und vom Dinner bis zum Katerfrühstück Zeit für all das, was bei Tagsüber-Treffen sonst zu kurz kommt.

Genauso gern quartiere ich mich übrigens auf fremden Klappsofas ein. Wie kürzlich: Wir hatten zwei Kinder zum Übernachten ausgelagert und uns nur mit dem Jüngsten bei Freunden angemeldet. Es war ein herrlicher Abend: Der Dreijährige spielte selbstvergessen Duplo, bis er vorm Kaminfeuer einschlief – und wir Erwachsenen hatten ein opulentes Dinner und sehr viel Gesprächsbedarf bis tief in die Nacht. So oder so: Pyjama-Partys sind immer wie ein Kurzurlaub vom Alltag. Und eine echte Intensiv-Kur für jede Freundschaft.

Seid ihr auch Fans von Übernachtungsbesuch?

Fotos: privat, Katarzyna Grabowska/Unsplash

Alles Liebe,

Katia