In diesem zweiten Lockdown passiert hier etwas Unerwartetes. Während ich es im ersten Lockdown nämlich wahnsinnig schwer fand meine Arbeit zu erledigen, fällt es mir in diesem immer schwerer, meine Arbeit NICHT mehr zu erledigen. Also weniger zu arbeiten und bewusst etwas mit den Kindern zu machen. Klingt verrückt? Ich weiß! First World Problems? Auf jeden Fall! Aber weil ich dachte, es geht vielleicht einigen von euch da draußen auch so, dachte ich, ich schreibe es mal auf. Und auch, wie ich da wieder rauskommen könnte…

Wir befinden uns hier draußen, gleich hinterm Deich, in einer wirklichen Glückssituation: Sowohl Kindergarten als auch Schule sind noch geöffnet, die Kinder sind morgens versorgt und nachmittags dürfen sie sich mit jeweils einem Kind aus ihrer Klasse treffen. Alles ist so klein, die ganze Schule ist eine Kohorte. Die Kinder sind also morgens unterwegs und ich kann arbeiten. Was für ein Glück. Mittags kommen die Kinder kommen aus der Schule, ich mache Essen und bin da, falls sie bei den Hausaufgaben meine Hilfe brauchen. Dann spielen sie, oder treffen draußen Freunde. Hobbys finden nicht statt. Ich muss nirgendwohin, wir sind nicht verabredet. Ich nutze also oft den Nachmittag und arbeite weiter. Ich liebe meine Arbeit.

Das ist schön, das ist ein absoluter Luxus und es macht mir auch wirklich verrückt viel Spaß. Im letzten Lockdown war ich fix und fertig, weil ich meine Arbeit nicht geschafft habe. In diesem höre ich gar nicht mehr auf zu arbeiten. Vielleicht auch, weil ich immer denke: „Wer weiß, wie lange noch!“ Diese Woche dachte ich plötzlich: Aber wo bleibt unsere Zeit? Mama-Kind-Zeit? Sonst spreche ich oft mit einem Sohn, wenn ich ihn zum Tennistraining fahre. Mit dem anderen auf dem Weg zum Malkurs und dabei. Jetzt sprechen sie miteinander. Sie sind sich verrückt nah gekommen in diesem Jahr.

Sonst hätten wir zusammen Laternen gebastelt und wären zusammen zum Martinsumzug bei uns im Dorf gegangen. Ich weiß, dass ich öfter mal gestresst gewesen wäre deshalb. Öfter mal auf die Uhr geguckt hätte, weil ich eigentlich noch eine Abgabe habe oder eine gute Idee für einen Artikel. Aber dennoch wäre ich dabei und es wäre die meiste Zeit über schön gewesen. Ich hätte etwas von meinen Kindern erfahren und ihnen eine Weile bewusst zugesehen, bei etwas, das ihnen Freude macht.

Vielleicht liegt es auch daran, dass die Kinder größer werden und selbstständiger. Vielleicht auch an der verzwickten Tatsache, dass man oft einfach genau das Gegenteil von dem will, was man gerade hat. Ich möchte nicht wieder die Lehrerin meiner Kinder sein. Ich merke gerade bloß oft, wie viele kleine winzige Mosaiksteine zu einem runden Alltagskunstwerk gehören. Wie schnell etwas zu wenig und zu viel sein kann und dass man das immer wieder neu abwägen muss. Und dass es das perfekte Kunstwerk namens Familie wohl nie gibt. Auf jeden Fall nicht länger als kurz.

Elterntaxi fahren als Geschenk

Oft merkt man ja erst, wie schön etwas ist und wie gut etwas tut, wenn man es nicht mehr hat. Mir fällt erst jetzt auf, was für ein Geschenk mir Elterntaxi fahren und Hobbybegleitung machen. All diese Termine, über die ich öfter mal gestöhnt habe. Über den Nachmittag im Reitstall, die Bastelnachmittage in der Schule, das Kinderturnen, der Martinslauf, die Weihnachtsfeier beim Fußball – so nervig sie sich auch manchmal anfühlen mögen, so störend im Workflow, so schenken sie mir Zeit mit meinen Kindern. Zeit, die nicht wieder kommt.

Rituale, Hobbys und feste Termine strukturieren unser Jahr. Sie sind Zwangspausen in unseren rasanten Leben. Sie schnappen sich uns immer mal wieder und halten uns an, während wir sonst auf der (Corona-)Carrerabahn im Kreis rasen. Ich denke, ich fühle das vor allem, weil ich größtenteils selbstständig arbeite. Weil ich es bin, die sagen muss: Feierabend! Wahrscheinlich auch, weil ich so schrecklich gern arbeite. First World Problems! Ja, auf jeden Fall.

Das Schöne ist, dass man immer etwas verändern kann. Ab jetzt werde ich mich mal wieder selber öfter anhalten, das habe ich mir ganz fest vorgenommen. Ich will mittags mein Laptop zuklappen und es zulassen, vielleicht nicht jeden Nachmittag, aber zumindest die meisten. Und ich werde mir fixe Dates mit meinen Kindern in den Kalender eintragen: basteln, backen, sowas. Und Kinderyoga. Das habe ich mit einem Sohn mal in einem Kurs ausprobiert und wir fanden es beide so gut, dass wir es unbedingt weiter machen wollten. Er redet noch heute davon. Ich glaube, Yoga könnte für uns alle ein guter Cut zwischen (Schul-)Arbeit und gemeinsamer Zeit sein. Da kommt das Angebot von Maja gerade recht.

Auch Maja hat vor einer Weile ihr rasantes Carrerabahn-Leben angehalten und ihr Yoga Studio Fox gegründet. Sie war früher Etat Director in mehreren großen Werbeagenturen und hat sehr, sehr lange und sehr gern gearbeitet. Arbeit und Privates waren lange eins. Das lief jahrelang gut, aber irgendwann war der Punkt erreicht, an dem der Reiz weg war. Maja hatte im Job viel, viel erlebt: große Events in New York, TV-Drehs, Shows, Partys. Irgendwann war alles schon mal dagewesen. Irgendwie war klar, dass es so nicht weiter gehen konnte.

In diesem Moment kam Yoga in Majas Leben. Ihre Freundin hatte sie mitgenommen, nein, dahin geschleppt. Wirklich gut fand sie es nicht – ihr Körper schon. „Es hat mir einfach gut getan“, erzählt Maja. „Irgendwann hat auch mein Kopf verstanden hat, dass höher, schneller, weiter irgendwann nicht mehr geht.“ Als sie das verstanden hatte, begann ihr Yoga-Ausbildungsmarathon. Eine Ausbildung jagte die andere. „Trotzdem war ich nicht mehr getrieben, sondern verwurzelt. Nicht mehr leicht aus der Fassung zu bringen.“

Einfach online lernen, wie man mit Kindern Yoga macht

Inzwischen unterrichtet Maja Yoga und bildet Yogalehrer aus – auch online. Und was ich ganz besonders spannend finde: Sie bringt Lehrern, Erziehern und Eltern bei, wie man mit Kindern Yoga machen kann. Dafür muss man kein Yogalehrer sein. Maja fand es nämlich schade, dass es überall Yoga für Erwachsene gibt – für Kinder aber selten. Und wenn, dann ziemlich angestaubt. Mit Fox Kids stellt sie gerade eine eigene Plattform für Yoga und Achtsamkeitstraining für Kinder auf die Beine. Hier kann man den Weg dahin begleiten. Drüben bei Instagram könnt ihr einen Platz in Majas nächster Online-Kinderyoga-Ausbildung gewinnen.

Habt ihr Lust auf eine kleine Einführung? Maja hat exklusiv für alle WASFÜRMICH-Leser eine kleine Einführung aufgenommen.

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Wer weiß, vielleicht kommt noch vor Veröffentlichung dieses Beitrags eine Mail aus der Schule, dass unsere jetzt auch dicht machen muss. Wer weiß. Dann würden die Mosaiksteine hier plötzlich wieder alle durcheinander purzeln und wir müssten sie wieder neu zusammensetzen. Mich würden wieder andere Dinge beschäftigen. Und ich würde wieder eine neue Lektion lernen. Ganz bestimmt.

Für Yoga hätten wir dann noch mehr Zeit. Oder auch nicht. Wer weiß das schon vorher.

PS. Und ihr? Wie geht`s euch?

Ein schönes Wochenende in dieser verrückten Zeit!

Claudi