Wie man einen Elternabend überlebt

Sep
04/19

Heute Abend ist es bei uns wieder so weit. Der dritte Elternabend in drei Wochen – noch haben mein Mann und ich nicht Sching Schang Schong gemacht, wer gehen muss. Da fällt mir ein, gestern, beim Kinderturnen, habe ich mich mit einer anderen Mama über den heutigen Elternabend unterhalten und sie meinte sofort: „Da geht mein Mann hin!“ Ich staunte: „Wie, ganz sicher? Das habt ihr schon geklärt?“ Sie lächelte. „Wir haben das schon lange geklärt. Wir haben das vor der Geburt unseres ersten Kindes für immer ausgelost“ (sie hat inzwischen drei). Fand ich eine lustige Idee…
Elternabend, Tipps für den Elternabend
In der letzten Schule, in der ich gearbeitet habe, hing auf dem Lehrerklo übrigens ein ausgerissener Artikel aus der Mopo. Gelb angemarkert darauf: „Bei Eltenabenden wird seit jeher heftig helikoptert und immer geht es um dieselben Belanglosigkeiten.“ Außerdem: „Lieber drei Beerdigungen als ein Elternabend“. So schlimm ist es dann doch zum Glück nicht, oder? Hier meine kleine Liste an Tipps, wie man Elternabende überlebt. Habt ihr auch noch welche?

1. So wenig Lust du auch vorher haben magst, denk dran, da macht sich mit dir gerade jemand auf den Weg, der nicht bloß keine Lust hat, sondern auch noch ziemlich aufgeregt ist. Ein Elternabend fühlt sich für den Lehrer nämlich tatsächlich nach Theatervorführung an. Noch schlimmer: nach Monolog!

2. Hab deine Geldbörse und ein paar kleine Scheine dabei. Es gibt fast immer eine Sammlung für die Klassenkasse, den nächsten Ausflug oder den Schulverein und es ist ein wunderbares Gefühl, das gleich zu erledigen und von der Liste zu haben.

3. Bitte: Mach dein Handy aus. Ich weiß, manchmal ist es gähnend langweilig, was Lehrer (oder andere Eltern) erzählen. Es fühlt sich für den, der da vorn sitzt, trotzdem ganz schrecklich an, wenn fünf im Publikum scrollen. Und ja, natürlich ist vieles auch total spannend.

4. Ich habe nie große Zettel und schon gar kein Notizbuch dabei, weil ich auf all das Geschriebene ehrlich gesagt sowieso selten drauf schaue. Oder aber das Notizbuch verbasele. Außerdem gibt es ja auch tollerweise ein Protokoll. Was ich immer mitnehme sind zwei oder drei Post-it. Darauf notiere ich mir gleich vor Ort die ein oder zwei wirklich wichtigen Sachen, an die ich demnächst denken muss: Neuen Kleber kaufen zum Beispiel. Oder: Anmeldung für den Ausflug ausfüllen. Oder auch: Klopapierrollen mitbringen. Die Post-it klebe ich gleich an die Tür meines Arbeitszimmers, in die Küche oder an unsere Außentür. Je nachdem, wo sie am meisten Sinn machen. Dann ist die Chance groß, dass ich sie schnell erledige. Und es dann raus aus dem Kopf habe.

5. Trau dich zu sagen, wenn du etwas gut findest. Oft finden sich nämlich ziemlich viele, die etwas schlecht finden. Und sich auch trauen, dass zu sagen, weil sie zu mehreren sind. Fast immer gibt es in der Elterngruppe aber auch Eltern, die völlig okay finden, worüber sich andere aufregen. Sich aber bloß nicht trauen, das zu sagen.

6. Wenn du etwas Konkretes besprechen möchtest, gib der Lehrperson möglichst vorher bescheid, damit sie sich darauf einstellen und gegebenenfalls nötige Informationen besorgen kann.

7. Frage und äußere nur das, was wirklich Sinn macht, dich wirklich bewegt und für alle interessant ist. Wie die Hausaufgaben markiert werden, zum Beispiel. Bei persönlichen Problemen oder Ängsten lieber die Lehrerin direkt ansprechen. Kleine Äußerungen können ansonsten zu endlosen Diskussionen führen, weil einige Eltern nur darauf warten, ihren allgemeinen Schulfrust abladen zu können. Also: „Die Trolle besser gar nicht erst füttern!“

8. Denke frühzeitig darüber nach, ob du dich zum Elternvertreter wählen lassen willst und ob und wann du an welchen Tagen in der Schule helfen kannst, beim Elterncafé zum Beispiel, zum Begleiten von Ausflügen oder als Lesemama oder-papa. Das verkürzt die Herumsitzzeit auf den viel zu kleinen Stühlen enorm (und die anstrengende Stille, wenn es um die Elternvertreterwahl geht). Übrigens: Wenn du dich einmal wählen lassen magst, weil du findest, es gehört dazu, du aber wenig Zeit hast, dann empfehle ich dir, lass dich gleich in der ersten Klasse wählen. Da gibt es in der Regel nämlich am wenigsten Arbeit für Elternvertreter.

9. Eins noch, ein Herzenstipp von mir als Lehrerin: Sage der Lehrerin oder dem Lehrer persönlich Tschüß. Sie oder er wird sich so freuen.

Habt ihr noch Tipps?

16 Kommentar zu “Wie man einen Elternabend überlebt

  1. Svea on 4. September 2019 at 16:42 geschrieben

    Hallo Claudi
    Toller Artikel, der in einigen Punkten auch zum Kindergarten passt.
    Zu- oder Absagen ist auch eine tolle Sache & pünktliches Erscheinen. Sollte selbstverständlich sein, ist es aber leider heutzutage nicht mehr…
    liebse Grüße,
    Svea

  2. Mrs. Huebi on 4. September 2019 at 16:55 geschrieben

    Gute Liste, das mit dem Post it werde ich mir merken. Mein Mann und ich haben uns (bei zwei Kindern) Kita- und Schulangelegenheiten geteilt. Das heißt, ich habe nur die Schulversammlungen, -gespräche und -veranstaltungen. Man bringt weniger durcheinander und kann es mehr genießen als wenn man nächste Woche in der anderen Einrichtung schon wieder ein Termin hat. Wenn der kleine eingeschult wird, werden wir es weiterhin paritätisch teilen.

  3. Susanne on 4. September 2019 at 18:51 geschrieben

    Ich hatte Montag auch Elternabend meines Drittklässlers. Nach dem offiziellen Teil in der Aula, der sich an alle Eltern richtet gehen immer alle in die jeweiligen Klassen. Unsere Klassenlehrerin war leider krank, aber ihre Partnerklassenlehrerin hat das ganz toll alleine gewuppt. Sie stand also gleich vor der doppelten Anzahl von Eltern und hat das so sympathisch gelöst! Sie hatte es aber auch wirklich nicht schwer mit uns, bis auf einen nervigen Chauvi unter den Männern war alles sehr harmonisch. Und von dem habe ich alleine am meisten mitbekommen. Seine Tochter sitzt neben meinem Sohn und jetzt weiß ich, warum er sie nicht ausstehen kann 😆 Sorry. Und deswegen bin ich auch Elternvertreterin geworden, ganz freiwillig. Ich persönlich mag sogar elternabende und kann diese Aversion nicht nachvollziehen. Ich finde das interessant und freue mich, dass ich die Lehrer für uns Zeit nehmen. Ich will doch wissen, was mir dort mitgeteilt wird. Okay, im Kindergarten ging es ein paar mal zu oft um Zähneputzen nach dem Mittagessen, aber darüber kann ich hinwegsehen. Mein Tipp ist also, seine Einstellung zu ändern. Er scheint ja richtig hip zu sein, Elternabende doof zu finden.

    • Claudia on 4. September 2019 at 22:18 geschrieben

      Danke für deinen Kommentar! Den Gedanken, dass es hip ist, Elternabende blöd zu finden (so wie es vielleicht auch hip ist, Yoga toll zu finden), finde ich spannend.
      Vor allem seltsam, weil viele Eltern von heute ja wirklich so interessiert sind, wie nie zuvor.
      Und ein WOW für die Klassenlehrerin der Partnerklasse deines Sohnes. Das nenne ich mal spontan!
      Toll,
      liebe Grüße,
      Claudi

    • Anna on 4. September 2019 at 22:18 geschrieben

      @susanne
      Prima, deine Einstellung. Ich mag Elternabende als Mutter auch sehr. 🙂

  4. Anni on 4. September 2019 at 21:51 geschrieben

    Hallo Claudia, so sehr ich deinen Blog mag, aber zu diesem Artikel kann ich dieses Mal nur sagen – ich war irgendwie geschockt über einen Großteil deiner Aussagen und habe das Gefühl, dass du ihn eher als Lehrerin, denn als Mutter geschrieben hast!! „Interessant“ dass Elternabende als langweilig empfunden werden, Eltern über Belangloses reden oder diskutieren wollen…
    vielleicht eher mal ein Hoch auf Elternbeiräte und Mitglieder/ Vorstände von Fördervereinen der Schulen, die neben ihrem Job und Familie viele Dinge in ihrer Freizeit auf die Beine stellen, die Schule nicht mehr leistet! z.T. Träger der Nachmittagsbetreuung, komplettes AG Programm der Grundschule (dazu gehört z.B. Führungszeugnisse der Übungsleiter einfordern, Räume managen, Anmeldungen von >500 Kids einer Grundschule sichten und auf viel zu wenig Plätze verteilen, weil natürlich zu wenig Freiwillige, die AG‘s anbieten) Schulelternbeiräte die den Finger auch mal in die Wunden legen… Präventionsprojekte einfordern, die deutlich werden, wenn Dinge organisatorisch nicht gut laufen usw.
    dann sind 2 Elternabende im Jahr doch pipifax und ich finde, es sollte Elternpflicht sein! 2h hören, was dem Kind im nächsten Halbjahr so bevorsteht!
    bei vielen Klassen gibt es kein offizielles Protokoll zum Verteilen, Eltern, die nicht kommen/ können, haben eine „Holschuld“.

    • Claudia on 4. September 2019 at 22:26 geschrieben

      Hups, ich wollte dich keineswegs verärgern. Auch ich finde Elternabende wichtig – und natürlich gehen entweder mein Mann oder ich dorthin, um uns zu informieren.
      Ja klar, es gibt Schlimmeres. Trotzdem gebe ich zu: es ist nicht gerade meine liebste Abendbeschäftigung.
      Mag auch daran liegen, dass man beim zweiten oder dritten Kind einfach schon eine Menge gehört und erlebt hat.
      Was deine Kritik allerdings mit den Beiräten und Fördervereinen oder dem Träger der Nachmittagsbetreuung zu tun hat, leuchtet mir nicht ein…
      Die machen natürlich eine super Arbeit.
      Und ja, ich denke, an der Schule meiner Kinder haben wir ein riesiges Glück mit den Protokollen. Das ist einfach praktisch, wenn man es tatsächlich mal nicht schafft.
      Beste Grüße,
      Claudi

  5. Liebe Claudi,

    meine Tochter hat eine super Klassenlehrerin, die den Elternabend immer perfekt vorbereitet, dass er möglichst zügig durchgeführt werden kann. Sie bereitet aus der Tagesordnung sogar immer schon ein Protokoll so vor, dass quasi nur noch Ergänzungen hinzugefügt werden müssen und, zumindest der Protokollschreiber schnell gefunden ist.
    Bei uns Eltern hat es sich seit der ersten Klasse eingebürgert, dass wir anschließend im nahegelegenen Biergarten einkehren und noch den ein oder anderen Absacker trinken. Die Eltern der Parallelklasse machen es genauso, so dass der Abend immer richtig lustig ausklingt.

    Kann ich nur jedem empfehlen 🙂

    Viele Grüße,
    Mareike

    • Claudia on 6. September 2019 at 10:04 geschrieben

      Das klingt so nett!!! Hier leider kein Biergarten – aber dafür eine Gaststätte mit Kegelbahn. Vielleicht auch eine Idee!!
      Danke dir fürs Lust machen und schönes Wochenende!
      Claudi

      • Mareike on 6. September 2019 at 13:39 geschrieben

        Da kommts weniger auf die Schönheit des Ortes an, als auf das Gefühl einfach in der Woche nochmal mit anderen netten Menschen ein leckeres Getränk genossen zu haben. Also, auf in die Gaststätte! Die Stammgäste werden vermutlich große Augen machen 🙂

  6. Pingback: 10 Dinge für euer Wochenende - Mummy Mag

  7. Bine on 7. September 2019 at 13:51 geschrieben

    Liebe Claudi! Ich mag Elternabende, endlich wieder mit anderen Erwachsenen schnattern und einen Blick in den Alltag des Kindes erhaschen. Was ich aber eher anders sehe, ist dieses Elternratding. Wenn man das eigentlich gar nicht so von Herzen möchte, soll mans lassen. Nichts nervt mich mehr als Eltern, die erst unbedingt dabei sein wollen und dann nie zu den Treffen kommen, weil ihnen immer an dem Tag einfällt, dass es doch nicht passt. Und je kleiner die Kinder, desto mehr Arbeit hat der Elternrat. Bei meiner Grossen haben wir jetzt in der 10.Klasse gegen einen ER gestimmt. Die Teenies sind alt genug, um ihre Feste selbst zu planen und sich zu den Dingen die neben dem Unterrichtalltag so anfallen ohne „Mama und Papa“ zu widmen. Dafür gibts da sogar eine UnterrichtsStunde in der Woche.
    Liebe Grüße von der Ostsee, Bine

  8. SarihKrass on 8. September 2019 at 22:19 geschrieben

    Super! Gerade noch rechtzeitig… habe morgen meinen ersten Elternabend… Dankeschön!!!!

  9. Pingback: Neu und bemerkenswert im September 2019 | tastesheriff

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