„Und, was habt ihr im Urlaub gemacht?“, fragt meine Freundin. „Fast nichts!“, sage ich. Ich muss lächeln, wenn ich daran denke. „Geschlafen, viel lesen, durchgeatmet, ab und zu gemeinsam gespielt, gemalt oder gebadet. Aber vor allem haben wir nichts gemacht.“ Die Freundin lächelt. Dann zieht sie ihre Stirn in Falten: „Ne, sag aber mal, wie bitte geht Nichtstun mit vier Kindern..?“
Ich denke nach. Einfach ist es nicht. Und doch irgendwie ganz einfach. Wie wir es machen? Ich glaube, wir machen es einfach. Wir sagen genau, was wir vorhaben. Machen vorher quasi Werbung fürs Nichtstun. Ich finde es gibt kaum eine wichtigere Fähigkeit, die man Kindern mitgeben kann, als die, sich mit sich selber beschäftigen zu können. Sich selbst glücklich und eine gute Zeit machen zu können.

Ich gebe zu, mir selbst fällt das oft erstmal schwer. Ich träume die ganze Zeit davon, lesend vorm Kamin zu sitzen und dann sitze ich doch erstmal mit meinem Handy da. Weil es so gewohnt, so viel einfacher ist. Aber dann zwinge ich mich selbst zu meinem Glück. Ich lege das Handy weit weg und hole mehrere Bücher. Ich spreche mit meinen älteren Kindern genau darüber, wie sich das anfühlt.

Alle elektrischen Geräte sind verboten, wenn wir Nichtstun, außer die Leselampe. Und der Wasserkocher zum Tee machen. Apropos, was bei uns noch hilft ist ein Nichtstun-Buffet. Ich stelle oft eine kleine Schale mit Keksen hin und eine große mit Obst. Dazu eine Flasche Wasser und Getränke. Nach allem, was da ist, muss nicht gefragt werden.

Was noch hilft: Klare Ansagen. Ich erkläre meinen Kindern ganz genau, bis wann Trödelzeit ist. Ich begrenze die Nichtstun-Zeit ganz klar und sage beispielsweise: „Jetzt ist es zwei, um vier Uhr gehen wir gemeinsam schwimmen, bis dahin möchte ich hier sitzen und lesen.“ Je größer die Kinder sind, desto besser und länger geht das. Manchmal schlage ich ihnen ein paar Dinge vor, die sie tun könnten: Sich mit einem Buch zu mir setzen. Malen, spielen. Manchmal baue ich Bastelsachen auf, manchmal ein Spiel. Einmal habe ich in diesem Urlaub alle Kissen im Ferienhaus eingesammelt, auf den Teppich gelegt und vorgeschlagen, eine Höhle zu bauen.

Auch mein Mitspielen hat seinen festen Platz in unserer Trödelzeit. Ich gebe es zu, ich mache das im Alltag eher nie – habe es mit jedem Kind weniger gemacht. Aber im Urlaub, gerade wenn ich eine Weile für mich hatte, setzte ich mich hinterher gern mal zu ihnen, schaue ihnen in ihrer Welt zu und trete manchmal ein. Ich bin mal eine kitzelige Wolfsmutter, mal ein Gast in einem Papiernudelrestaurant mit Riesenhunger. Hinterher habe ich das Gefühl, ihnen ein kleines großes Bisschen näher gekommen zu sein.

Für manche mag es seltsam klingen, aber ich finde es so wichtig, dass meine Kinder mich auch mal entspannen sehen. Sie sehen mich viel zu oft am Computer. Sie sollen auch sehen, wie ich vor dem Kamin die Augen schließe oder ein Buch lese, gern gleich mehrere. Ich liebe es, wenn sie dann kommen und ich ihnen erzähle, um was es in meinen Büchern geht, was ich darin mag und was nicht. Wir wollen doch alle, dass unsere Kinder Leseratten werden. Zeigen wir ihnen, dass wir selbst welche sind!

Ich gebe zu, es klappt nicht immer gleich und auch nicht immer gleich gut. Bei uns klappt es in einem Ferienhaus viel besser als zuhause. Einer der Gründe, warum wir so gern wegfahren. Dennoch ist manchmal eine Stunde Nichtstun anstrengender als ein Familienausflug. Manchmal zerstreiten wir uns. Aber immer öfter kommen wir in einen Flow. Drei lesen, einer malt, zwei lassen Papierflieger fliegen. Einmal haben sie plötzlich Plastikflaschen als Kegel aufgebaut und mit Kuscheltieren dagegen gekegelt und hatten so viel Spaß. Ich habe oft das Gefühl, dass aus dem größten Langeweile-Gemecker das schönste Spiel entsteht. Oft muss ich eine halbe Stunde Maulerei ertragen, was mir mal leichter und mal schwerer fällt, bevor sie in ein Spiel unter sich gefunden haben.

Wir werden meist im Laufe einer Woche besser. Bis es dann zum Ende hin reicht. Ich fühle mich ausgeruht und spüre, dass ich langsam wieder Lust und Kraft habe Dinge zu tun. Die Kinder auch. Dann kriechen wir langsam wieder aus unserer – übrigens ziemlich chaotischen – Ferienhöhle hervor. Das ist auch was, das ich üben muss: Chaos ertragen. Denn es sammelt sich erstaunlich viel Unordnung an, wenn sechs Menschen miteinander nichts tun. Das Gefühl es zu schaffen, darin entspannt lächelnd fünf zufriedenen Menschen im Flow zuzusehen, räumt mein Gernervtsein darüber regelmäßig weg. Und wir hören dann eben zehn Minuten eher auf mit Nichtstun und räumen gemeinsam auf. Ob das immer ohne Motzen geht? Natürlich nicht. Aber das ist eine andere Geschichte…

Ziemlich erholte Grüße und auf in eine schöne Woche,

Claudi