Manchmal bin ich gerade selbst ein wenig genervt von mir: Wie ich nachts dieses Thema gedanklich von links nach rechts wende, Pro- und Contra-Listen erstelle, andere Eltern interviewe, mich mit befreundeten Lehrern berate. Kaum eine Frage beschäftigt mich derzeit so sehr, wie die, wohin mein Großer nach seiner Grundschulzeit wechseln soll: Aufs Gymnasium? Und wenn ja, auf welches? Oder doch lieber auf die dörfliche Stadtteilschule? Die zentrale Stadtteilschule hat zwar den weiteren Weg, aber dafür die spannenderen Schwerpunkte. Und entscheidet am Ende nicht sowieso mein Sohn…?!

Ich kenn das gar nicht von mir. Bislang war Schule ähnlich unaufgeregt wie Kita für mich: Ein Ort, an dem sich meine Kinder wohlfühlen sollen, an dem sie mit ihren Freunden eine gute Zeit haben und nebenbei die Dinge lernen, die sie fürs Leben eben so brauchen. Und ich misch‘ mich möglichst wenig ein.

Zugegeben: Mit der Wahl unserer Grundschule hatten wir keinerlei Qual. Denn genau genommen gab es keine Wahl.

In unserem Dorf gibt es eine einzige Grundschule, die für unsere Kinder fußläufig zu erreichen ist. Es ist eine der kleinsten Grundschulen Hamburgs, jede Klassenstufe ist genau einmal vertreten. Es ist ein wunderhübscher Backstein-Bau, dessen eine Seite an ein Feld grenzt, auf dem sich im Sommer die Störche ihre korallenroten Beine vertreten. Alle Kinder kennen sich untereinander, die meisten seit der Kita, die direkt auf der anderen Seite der kopfsteingepflasterten Straße liegt. Insofern stellte sich für uns nie die Frage, eine andere Grundschule als diese in Betracht zu ziehen.

Nur: So bullerbüesk wird es ab Klasse 5 nicht weitergehen.

Das wirkliche Leben ist keine Dorfschule. Das wirkliche Leben sind 1000-Schüler-Schulen, die zumeist aus allen Nähten platzen. Ich bin heilfroh, dass meine Kinder für vier Jahre in unserer gemütlichen kleinen Grundschul-Gemeinschaft Fuß gefasst haben. Aber ich finde auch, dass es dann unbedingt an der Zeit ist, neue, größere, weniger behütete Erfahrungen zu machen.

Bleibt die Frage: Wo? Und welche Kriterien geben nachher den Ausschlag? Als Kind zweier Lehrer-Eltern mit Lehrerfreunden in verschiedenen Generationen kenne ich ein paar Innenansichten der Hamburger Schulformen – und bin vermutlich nicht gänzlich vorurteilfrei. Doch es ist am Ende eben nicht meine Wahl. Aber zumindest eine, die ich mittragen sollte.

Ehrlichweise fühlt sich Grundschule für mich ein wenig wie Schule auf Probe an.

Die richtungs- und zukunftsweisende Schulart kommt erst im Anschluss. Gerade habe ich das erste Mal das Gefühl: Jetzt wird’s ernst. Oder zumindest ernster als zuvor. An der Schulentscheidung scheint mir gerade so viel zu hängen: Ob mein Sohn weiterhin gern in die Schule geht. Ob er den Spaß am Lernen bewahrt. Welchen Weg er irgendwann einschlagen wird.

Aber auch: Wie viel Zeit ich mir nehmen muss, um Hausaufgaben zu begleiten. Denn wenn ich eines aus Homeschooling-Erfahrung gelernt habe: Wir zwei sollten nicht allzu viele Stunden gemeinsam mit Mathe, Deutsch und Co. verbringen, wenn wir nicht täglich aneinander geraten wollen…

Was mich bei meinen Überlegungen auch umtreibt, ist die Corona-Lücke.

Mein Sohn hat rund zwei Jahre seiner Grundschulzeit während eines Pandemie-Ausnahmezustands verbracht. Er hat monatelang keine Klassenzimmer von innen gesehen, mit Eltern Lehrstoff gemacht, die nebenbei ihren Job erledigen mussten und maximal angestrengt waren – so wie es vermutlich in fast allen Familien war. Und wie vermutlich auch alle Kinder mehr oder minder große Lernlücken haben.

Nur: Geht mein Ältester hier in Hamburg aufs Gymnasium, hat er dafür hier nur acht und nicht wie anderswo neun Jahre Zeit – für den gleichen Stoff. Gepaart mit dem Corona-Minus, klingt das nach jeder Menge Stress – für ihn, weil das Pensum so groß ist, für mich, weil ich um Hausaufgaben-Assistenz bestimmt nicht herumkomme. Dann doch lieber auf die Stadtteilschule, wo er in lässigeren neun Jahren Abi machen kann.

„Mama, wenn ich eine Empfehlung bekomme, geh‘ ich auf jeden Fall aufs Gymnasium“, grätschte mein Großer vor zwei Tagen in meine wild purzelnden Gedanken.

Stimmt, da war ja noch was: Ein Kind mit seinen eigenen Vorstellungen, Wünschen und Träumen. Ein Kind, das überaus regelkonform ist und sich an jede Weisung halten wird. Vor allem an eine Schulempfehlung, die hier in Hamburg zwar nicht bindend ist, aber für meinen Sohn dann eben doch.

Welche Schule genau es werden soll, scheint ihm bislang gar nicht so wichtig. Hauptsache, er geht mit seinem derzeit besten Freund gemeinsam hin. Und Mathe und Sport als Schwerpunkte wären auch nicht verkehrt. Seine Überlegungen zu dieser ganzen Schul-Chose klangen jedenfalls weitaus unaufgeregter als meine. „Und wenn die Schule, die L. aussucht, dann gar nicht zu DIR passt?“, hätte ich am liebsten gesagt. „Was, wenn ihr euch zerstreitet und du nur für deinen Freund auf einer Schule gelandet bist, die nicht deine ist?“ Aber ich habe mir auf die Zunge gebissen.

Vielleicht erlebe ich gerade seit langer Zeit mal wieder diese erstes-Mal-mit-erstem-Kind-Aufregung.

Und benehme mich, wie ich mich eigentlich nicht mehr benehmen will, wo ich doch schon seit zehn Jahren Mutter bin: Viel zu flatterig, vorauseilend, eingreifend. Anstatt es sich entwickeln lassen. Denn es ist ja nicht so, dass wir morgen eine Entscheidung treffen müssten: Der Schulwechsel kommt erst im Sommer 2023, die Empfehlungen jetzt im November.

Wir haben also noch Zeit. Zeit, verschiedene Schulen anzuschauen. Zeit, Optionen zu wählen und wieder zu verwerfen. Zeit, eine Vorauswahl zu treffen. Und dann entscheiden wir vielleicht einfach nach Bauchgefühl – vor allem nach dem meines Sohnes. Denn er ist derjenige, der sich die kommenden sieben, acht oder neun Jahre an der neuen Schule wohlfühlen soll.

Und danach kann ich mich getrost auch mal wieder mit anderen Themen befassen. Denn ich vermute schon jetzt, dass sich meine Aufregung um die weiterführende Schule ab Kind zwei schlagartig gelegt hat – kenn ich dann alles schon. „Alles halb so wild!“ werde ich dann vermutlich anderen flatterigen Erstkind-Eltern beruhigend lächeln sagen. Und komplett verdrängt haben, wie ich mich gerade aufführe…

Wer ähnlich viele Fragezeichen hat wie ich, findet hier eine gute Zusammenfassung mit den wichtigsten Fragen und Antworten rund ums Thema Schule.

Hier gibt es für die Hamburger Schulen ein Schulinfosystem, bei dem man sich vorab über Schwerpunkte, Partnerschulen und Inspektionsberichte informieren kann – schaut mal für euer Bundesland auf den Länderseiten unter Bildung und Schulsystem. Und hier gibt’s noch viele weitere Schulthemen auf Wasfürmich.

Wie ergeht’s euch mit dem Schul-Thema: Voll entspannt? Oder voll verspannt wie ich? Ich bin – gespannt…

Alles Liebe,

Katia