Ihr seid verrückt! Da habt ihr einfach mal diese Webseite lahm gelegt mit eurem Ansturm auf mein neues Buch. Danke, danke, ich habe mich so sehr über eurer Feedback gefreut. Ansonsten scheint dieser Tage bloß eins sicher zu sein: Dass nichts sicher ist. In Amerika klagt, klagt, klagt einer, der andere zählt, zählt, zählt und selbst wenn die Wahl endlich entschieden ist, bleibt die Frage, ob es wirklich ist wie es ist. Wir haben eine Woche des light Lockdowns hinter uns und viele – vor allem meine Kinder – schielen in Richtung Dezember. Aber ob sich dann wirklich etwas ändert? Wir können nichts anderes tun, als zu versuchen, die Sicherheit in uns zu finden…

Oder akzeptieren wir die Zeiten einfach wie sie sind? Machen wir uns klar, dass sowieso nichts sicher ist. Verrückterweise fällt es mir in unsicheren Zeiten leichter, über unsichere Ideen nachzudenken. Vielleicht, weil es auf eine Unsicherheit mehr auch nicht mehr ankommt. Vielleicht, weil mir noch bewusster wird, dass Scheitern kein so großes Problem ist – wenn ich es mit den riesengroßen Problemen in der Welt vergleiche. Ich spinne hier also neue Ideen für nächstes Jahr. Verrückte Ideen, die ich vorher gleich weiter gewunken hätte, weil sie noch mal etwas ganz anderes sind als Bücher. Jetzt denke ich, warum nicht wagen?

Nicht so streng mit mir sein

Ich merke, dass es mir wirklich unglaublich gut tut, auf diese Weise bei mir selbst zu bleiben. Ich denke mir einfach so gern Dinge aus. Während ich im ersten Lockdown mit den Kindern zu Hause jeden Morgen zwischen Hommeoffice und Homeschooling gestruggelt habe, genieße ich zur Zeit jede Minute, die ich vormittags habe, um an meinen Projekten zu arbeiten. Anfang des Jahres war ich jeden Abend am Rande des Nervenzusammenbruchs, jetzt bin ich abends nicht mehr so streng mit mir. Genehmige mir eine Schnapsglasgröße Stolz, über das was ich geschafft habe. Und darauf, dass die Schulen geöffnet sind. Zucke mit den Schultern über das, was ich nicht geschafft habe und denke: „Ich kann´s nicht ändern.“ Sogar unsere Weihnachtskarten ziert dieses Mal ein unperfekter Schnappschuss. Er passt einfach so sehr zu diesem Jahr.

Ich entspanne mich tatsächlich oft besser im Tun als im Nichtstun. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mir das erlaubt habe, weil alle mir doch immer raten: Mach doch mal langsamer! Mach doch mal nichts. Setz dich doch mal hin. Ruh dich doch mal aus. Dabei werde oft einfach unruhig, wenn ich ruhig werden will. Da hilft es mir einzugestehen, dass ich mich nicht hinsetzen muss, um runterzufahren. Manchmal schon. Aber oft kann mich machen entspannen.

Manchmal kann Machen entspannen

Weil gestern so viele gefragt haben, wie ich bitte immer so viel schaffe: Es macht mir Spaß. Und ich lasse andere Dinge dafür sein: eine regelmäßige Sportgruppe, viele Kaffeedates, Kosmetik – sehr oft ein ordentliches und sauberes Haus. Ich sitze manchmal sogar nachmittags, wenn alle Kinder spielen, mit einem Tee da und texte. Mal lösche ich alles wieder, mal wird daraus ein Artikel.

Es ist ein schönes Gefühl, wenn man mit sich selbst abmacht, dass Job-Dinge auch mal nichts werden dürfen. Wenn es bloß ein Ausprobieren ohne Pflicht-Ergebnis sein darf. Oft entsteht dabei Großartiges – ich darf bloß vorher nicht drüber nachdenken. Manchmal denke ich, ich könnte nachmittags auch mal wieder eine Freundin treffen. Aber dann liebe ich so sehr, was ich tue. Und treffe die Freundinnen eben in großer Runde am Wochenende oder abends. Also falls es da etwas gibt, von dem du träumst, etwas, das schon immer mal ausprobieren wolltest, dann versuche es doch einfach jetzt mal, ohne den Anspruch, dass es perfekt oder überhaupt etwas werden muss.

Noch etwas hilft mir: Schlafen. Obwohl ich nämlich meistens ziemlich wenig schlafe, merke ich, dass es jetzt gerade wichtig ist. Ich habe mich sogar seit einer Ewigkeit mal wieder am Wochenende für ein Nickerchen hingelegt. Verrückt, wie gut das tut. Dazu passend habe ich einen spannenden Account bei Instagram entdeckt (auch da bin ich auf neuen Wegen unterwegs). Er heißt @thenapministry und es geht – klar – um Naps. Um Nickerchen, Ausschafen, Entspannung mit 306.000 Followern. Es gibt sogar Nap-Events, derzeit online. Entspannung haben die Amerikaner einfach ganz besonders nötig. Ich fahre schon runter, wenn ich bloß den Account scrolle. Auch in der New York Times habe ich gerade einen Text über das Thema Entspannung gelesen. Dieses Zitat gefällt mir besonders…

Sleep won’t fix what’s broken in the world, but it will prepare you for what lies ahead

Die Napminustry hat auch eine super Playlist bei Spotify. „Daydreaming und DreamSpace: Nap Ministry heißt sie. Ansonsten trinke ich mich durch meinen ersten Tee-Adventskalender, weil es einfach so eine schöne Überraschung ist, nach was der Tag schmeckt. Für Dezember wartet hier ein zweiter. Ha.

Was mich sonst noch entspannt: Schon mal die Weihnachtsdeko vom Dachboden holen. In Ruhe duschen. Lesen in dem Buch „Atlas der Entspannung.“.

Drei Tipps aus dem Buch habe ich derzeit in meinen Alltag integriert. Vielleicht sind sie auch was für euch.

1. Weil es für die meisten Menschen, vor allem für die hibbeligen wie mich, schwer ist, von heute auf Morgen achtsamer zu leben, können wir einfach versuchen, alltägliche Dinge achtsamer zu tun und Achtsamkeit so in unseren Alltag zu integrieren. Bei mir funktioniert zum Beispiel achtsames Duschen super. Ich nehme mir dabei bewusst Zeit für alle Sinne. Wie fühlt sich das Wasser auf der Haut an? Wie auf dem Haar? Wie klingt es, wenn es an die Duschscheibe klatscht? Besonders schön duscht es sich mit der neuen Tonka-Dusche von Weleda mit Orange. Und wie hübsch sieht die bitte aus?

Tut so gut: Meer einatmen

 2. Total gut tut die Meeresrauschen-Atmung. Die heißt so, weil das Geräusch des Atems dabei an heranrauschende Wellen erinnert. Man atmet so, kurz bevor man einschläft. Daher empfinden wir diese Art der Atmung auch als so entspannend. Setze dich dafür einfach bequem hin. Schließe die Augen und öffne leicht den Mund. Beobachte einen Weile deinen natürlichen Atemfluss. Beginne dann so auszuatmen, als ob du eine Fensterscheibe anhauchen wolltest. Atme auf diese Weise mehrmals ein und aus. Hole tief Luft, damit sich der Meeresrauschen-Atem bis in deinen Bauch ausbreiten kann. Mache eine Pause, falls dir schwindelig wird. Zähle dabei nicht, sondern lasse den Atem einfach fließen. Atme so für etwa fünf Minuten.

3. Ein kleines Sträußchen Lavendel auf dem Schreibtisch. Oder ein paar Tropfen Lavendelöl in einer Schale. In einer Büro-Studie gaben 90 Prozent der Probanten an, dass sie sich mit Lavendelduft wohler fühlen.

Und wie geht es dir?

Fotos: 1 Louisa Schlepper, Rest Wasfürmich

Alles Liebe,

Claudi