Letzte Woche, ein Ferienmorgen im Bett. Ich sehnte mich wie verrückt nach dem Plappern meiner Kinder. Was ich nämlich stattdessen hörte: Das monotone Pladdern von Starkregen an der Scheibe. Ich schaute auf die Wetter-App und dachte, sie sei kaputt. Es war nur ein Symbol zu sehen: Regenwolke bis zum Ende der Anzeige. In dieser anrollenden Dauerregen-Depression las ich etwas Verrücktes…

Ich las, dass in Moskau die Regierung bei so einer Wettervorhersage am 9. Mai ein Spezialkommando in die Wolken schicke. Die besprühten die grauen Haufen mit Trockeneis und flüssigem Stickstoff, damit sie sich verzogen. (Quelle: Spektrum Magazin). Russland feiere an diesem Tag seinen Sieg über Nazideutschland – dabei solle nichts die Festtagsstimmung trüben. Ich fand Wolken vergasen eine schreckliche Vorstellung…

Der Regen polterte, aber ich sprang aus dem Bett und beschloss, dass ich alles wollte, aber sicher kein künstliches Schönwetter. Das war für mich eine Liga mit künstlicher guter Laune, Kunstmenschen und dem blöden Spruch: „Lach doch mal!“ Hat irgendjemand danach schon mal von Herzen gelacht? Ich beschloss einmal mehr, das Beste aus allem zu machen. Als erstes legte ich los mit einer kleinen Regenrecherche…

Die ersten Ergebnisse waren ernüchternd. Studien besagen nämlich, dass das Wetter sehr wohl unsere Laune beeinflusst. Schmerzen nehmen ab, Freundlichkeit zu. Eine französische Studie bewies 2003 sogar, dass Flirtversuche bei Sonnenschein mehr Erfolg hatten als an trüben Tagen. Und eine kanadische Studie will bewiesen haben, dass Menschen bei Sonnenlicht (sogar bei künstlichem) bereit sind, mehr Geld für Dinge auszugeben. Stop – da atmete ich das erste Mal auf. Das war doch gar nicht so schlecht. Sollte Regen tatsächlich schon mal gut fürs Pormonnaie sein?

Macht Regen reich?

Im Spektrum Magazin entdeckte ich dann etwas noch Spannenderes:. Eine belgische Studie will nämlich belegen, dass Wetterfühligkeit einfach von Generation zu Generation weitergegeben wird. Dass wir womöglich von unseren Eltern die Formel „Schlechtes Wetter gleich schlechte Laune“ gelernt haben und sich das Ganze dann verselbstständige. Für diese Studie lud Theo Klimstra von der Uni Löwen 500 erwachsene Frauen und Männer mit ihren Müttern ein, in einem Onlinefragebogen mehrere Monate lang Angaben zur Gemütsverfassung zu machen. Diese Angaben verglichen Klimstra und seine Kollegen mit den Wetterdaten.

Während sich etwas 50 Prozent völlig unbeeindruckt von jeglichen Witterungsverhältnissen zeigten, ließ sich der Rest in drei Gruppen einteilen: Sommerliebhaber, Hitzehasser und eine Gruppe, bei der Regen schlechte Laune verursachte. Spannenderweise teilten die Mütter die Vorlieben beinahe in allen 100 Prozent der Fälle mit ihren Söhnen und Töchtern. Gutes oder schlechtes Wetter scheint also vor allem Ansichtssache zu sein – und düstere Stimmung bei wolkenverhangenem Himmel vielleicht nur ein hausgemachtes, familieninternes Problem.

Ich entschied an diesem Tag, die Regenlaune-Erbschaftslinie meiner Familie bewusst zu durchbrechen. Ich stieg die Holzstufen nach unten, fand meine Kinder eingemummelt in Decken auf dem Sofa, während sie ein Hörspiel hörten und Kekse futterten. Wetter und Wissenschaft hin oder her – diese Szene brachte mich zum Lächeln. Ich schimpfte nicht über Kekse vor dem Frühstück, ich meckerte nicht über das Ferienwetter. Ich setzte mich mit einem Kaffee und einem Magazin dazu. Ich sah es als Chance, Gelassenheit und Gemütlichkeit zu vererben.

Ein tolles Regen-Experiment!

Später malten wir Regenbilder und ich ließ mir von meinem Sohn Regenwolken erklären, der liest nämlich gerade ein Buch darüber. Und findet sie super. Passend dazu entdeckte ich ein schönes Experiment im Internet, das eindrucksvoll beweist, warum es regnet. Falls ihr das mit euren Kids auch herausfinden wollt, braucht ihr bloß Rasierschaum, Lebensmittelfarbe, eine Spritze oder Pipette und eine große Glasschale. Die Schale füllt ihr mit Wasser, die Farbe löst ihr in etwas Wasser auf (wir haben das in einem Marmeladenglas gemacht.) Mit dem Rasierschaum sprüht ihr eine dicke, fette Wolke auf das Wasser. (Das allein ist ein Riesenspaß).

Dann ziehen die Kinder die Spritze mit dem bunten Wasser auf und spritzen es vorsichtig auf die Wolke. Die Wolke nimmt immer mehr und mehr auf – bis sie nicht mehr kann. Dann fängt es unten heraus an zu regnen. Genau wie in echt: Die Wolken nehmen immer mehr Wasser auf, bis sie irgendwann zu schwer werden und die Flüssigkeit abregnen.

Wir haben es seither viele Male regnen lassen. Selbst wenn draußen die Sonne schien.

Eine schöne Woche und liebe Grüße,

Claudi