Ich weiß gar nicht so genau, was das mit Miami und mir war. Klar, hatte ich den Soundtrack im Ohr. Außerdem sind wir da gelandet und gestartet und ich dachte, Miami gehört einfach zu einer Florida-Reise dazu. Dass es mich so fasziniert, hätte ich nicht gedacht…
Spät abends kamen wir an. Klebten mit der Nasenspitze an der Autofensterscheibe, als wir über die Brücke rüber nach Miami Beach fuhren.
Diese Skyline – die ist überraschend beeindruckend. Hättest du gewusst, dass Miami die drittgrößte Skyline der Staaten hat? Ich hatte keine Ahnung. Dieser Funkelstreifen von Fenstern am Horizont im Nachtgraublau hat mein Adrenalin hochgefahren. Bin außerdem fast ausgerastet vor Freude, dass unser Hotel super liegt: das Marseille, 1741 Collins Ave, nicht weit bis zum Oceans Drive – und nach hinten raus das Meer. Gleich auf den ersten Blick catcht uns die Architektur: dieser Jugendstil macht was mit mir, piekst mich ins Herz. Auch unerwartet, weil ich sonst auf viktorianische Häuser mit Türmchen und Zierleisten nichts kommen lasse. Neonlichter leuchten nachts ins unser Zimmer – ich kann vor Aufregung kaum schlafen.
Am nächsten Morgen schnappe ich vor allen anderen meine Joggingschuhe und laufe los. Die Zimmer unseres Hotels sind ein bisschen in die Jahre gekommen, der Garten und die Lage dafür spektakulär. Ich laufe de Treppe runter, durch die Halle, in der andere Gäste frühstücken, zwischen den Häusern entlang in den Garten, unter Palmen am Pool vorbei, rechts eine Bar, links eine Wiese mit Cornhole Spielen, dem typisch amerikanischen Sandsack-Spiel. Hinter einer Dusche führt eine Tür nach draußen.
Vor unserem Hotel verläuft ein Weg durch tropisches Grün.
Ich laufe weiter, ein paar Schritte durch Grün auf Sand zum Strand. Und wow, ist das schön. Endloser, zuckerweißer Strand, überall die typischen Rettungsschwimmerhäuser, jedes in einer anderen Pastellfarbe, jedes Kunst. Alles ist hübsch hier: die Schirme, die Liegen, sogar die Menschen. Der Strand ist breit, ich laufe weiter und jauchze, rechts von mir glitzert das Meer, links räkeln sich die Hochhäuser in den Himmel. Hätte vorher jemand behauptet, ein Strand mit Beton dahinter könnte schön sein, ich hätte es nicht geglaubt. Aber das hier ist schön, auf seine ganz eigene, urbane Weise.
Auf dem Rückweg hole ich mir einen Kaffee an der Bar – und schlürfe ihn am Pool. Neben uns wird gebaut, nur die hübsche Jugendstilfassade steht noch, dahinter kommt alles neu. Diese Stadt wächst, verändert sich, pulsiert. Meine Männer kommen nach und nach runter und obwohl ich am liebsten gleich los möchte auf Entdeckungsrunde, lasse ich mich zu drei Stunden Pool überreden. Tut nach unserem Road-Trip auch mir gut, einmal die Nase in die Sonne zu halten. Wasserspritzer, Jauchzen, ein Glas eiskaltes Wasser auf einem Tablett serviert. Herrlich. Schließlich laufen wir los, gehen den ganzen Oceans Drive runter und am Strand zurück – und ausnahmsweise meckert niemand.
Genau das macht Miami aus: Traumstrand und Citylife. Was für eine aufregende Mischung.
Ich bin oft genervt von dem übermäßigen Gebrauch des Wortes Vibe, aber hier passt es perfekt. Da liegt was in der Luft: die Sonne, die genau richtig wärmt und die pastelfarbenen Hausfassaden leuchten lässt. Die Blätter in diversen Grüntönen überall. Die freundlichen Menschen. Wir frühstücken an diesem ersten Morgen bei Rosettas, 929 Collins Ave, einer italienisch angehauchten Bäckerei (eine Kette) nur ein paar Meter von unserem Hotel entfernt. Es gibt köstlich belegte Bagels, Baguettes und Törtchen. Es ist nichts günstig, aber für amerikanische Verhältnisse okay. Wir essen draußen in der Sonne, probieren gegenseitig unsere Brote, beobachten Menschen – und Autos. All die großen Karren und Pickups hier – leider geil.

Wir verbringen eine gefühlte Ewigkeit in dem Park, kaufen uns sauteure, mit Schokolade überzogenen Erdbeeren im SevenEleven, Buttercream Birthday Eiscreme von Jeni’s und gucken. Die kleinen Chamäleons, die Menschen, die Palmen, die Muster, die die schauklenden Palmenblätter auf dem Gras hinterlassen. Die Jungs bewundern die teuren Autos, die AuTositter am Oceans Drive parken. Zurück gehen wir am Strand. Der Sand ist weiß udn staubt wie Puderzucker, die pastellfarbenen Rettungschwimmertürme leuchten in der Sonne. Rechts Meer, links Stadt, es ist traumhaft.

Abends essen streunern wir los, wollen Fast Food essen (hab ich erzählt, dass wir den Kids versprochen hatten, quasi täglich Fastfood zu essen). Wir landen durch Zufall in einem Open Air Kino, schauen Beatlejuice, holen Hühnchen von Raising Caines. Zwischendurch bringt einer von uns die Kinder ins Zimmer, der Film ist zu gruselig, es ist gleich um die Ecke. Ich glaube, zuhause hätte ich den Film bescheuert gefunden, aber dort, auf dem Marmorboden in der milden Abendluft in Miami, mit Cocktail-Soße im Mundwinkel und meinem Teeniesohn an meiner Seite war er perfekt. Später gehen André und ich noch einen Cocktail trinken, überall bunte Lichter, der Cocktail ist teuer, aber das ist uns egal.
Kennt ihr diese Urlaubsabende, an denen ihr das Gefühl habt, alles wäre möglich…?
Miami, Tag 2
An Tag zwei ging es für uns mit einer Lunchtüte von Rosetta Bakery zum Bus, wir hatten eine Tour durch die Everglades gebucht. Der Bus steuert durch den dichten Verkehr, bis weit hinaus aus der Stadt, parkt und ab geht’s auf eins dieser typischen Airboats. Hinterher kann man – wenn man möchte – einen Alligator streicheln, dann geht’s zurück.
Im Nachhinein hätten wir besser eine am Tamiana Trail buchen sollen, ich könnte mir vorstellen, dass es ein bisschen und cooler und ein bisschen untouristischer ist, aber natürlich war es toll, dass zu sehen.) Das weite Grün in dem knallblauen Wasser: eine beruhigende Landschaft (bloß der Antrieb ist laut). Auf dem Rückweg, auf der Brücke rüber nach Miami Beach, kann man prima Skyline gucken, mein Lieblingsblick.
Die Kinder wollten danach an den Pool, André und ich sind ins Bass Museum of Modern Art, was praktischerweise ebenfalls gleich um die Ecke von unserem Hotel lag. Es ist ein kleines, aber super cooles Museum, allein die Skulptur in Knallfarben vor der Tür macht gute Laune.
Hinterher bin ich mit den Kindern an den Strand, er ist einfach absurd schön. Der feine Sand, am Abschnitt The Surfcomber harken sie Muster hinein.
Wir haben viele Runden Cornhole gespielt und ich könnte auch einfach stundenlang die Menschen hier beobachten. Dieser Vibe!
Abends ging es zum Basketball, wir hatten online Tickets gebucht, (über Ticketmaster) wofür man ein bisschen Geduld brauchte, weil die Buchung mehrere Mal nicht durch ging. Die Fahrt zum Stadion durch den Miami-Stadtverkehr war auch nicht ohne. Wir waren viel später dran, als geplant, nur um dann festzustellen, dass wir zum Ticket offensichtlich einen Platz am anderen Ende der Stadt gebucht hatte. Puh…
“No problem!”, sagte der nette Guard an der Schranke, “we´ll find one for you here.”
Die Schranke ging auf und ein Einweiser fand noch einen Platz für uns. Was für ein Glück. Football in Amerika, wir haben den Hype gefühlt. Der Parkplatz am Stadion – gefühlt eine Festivalwiese mit Musik, Grills, Drinks. Es war ein super Erlebnis (auch wenn ich die Regeln immer noch nicht verstehe). Das Spektakel drumherum ist allein Show genug.
Miami, Tag 3
Den Vormittag verbrachten wir entspannt am Pool und Strand, die Kinder spielten mit neuen Freunden Ball im Pool, ich war laufen, Meer gucken, Kaffee trinken in der Hängeschaukel. Hach.
Hinterher hatten wir auf Empfehlung eines netten Paars am Strand eine Touri-Tour durch die Stadt gebucht. Ich bin mir immer nicht sicher, ob ich sowas möchte oder nicht, aber Bananajoetour hat mich dann mit ihrem Minibus und der Führung auf Deutsch überzeugt (super für die Kinder). Noch ein Vorteil ist, dass man in kurzer Zeit viel sieht und das, ohne sich durch den Verkehr kämpfen zu müssen.
Wir fuhren noch mal zum Oceans Drive, dann nach Wynwood, dem ehemaligen Arbeiterviertel, dass dank der angesprayten Wände inzwischen hip ist. Wir bestellten eine fancy Acai Bowl bei Oak Berry (Teenie-Traum), bummelten durch die stylischen Straßen und Shops. Ich hätte hier gern viel mehr Zeit verbracht und mich in Ruhe treiben lassen, aber wir müssen einfach nochmal wiederkommen.
Little Havanna war noch ein Highlight auf dieser Tour.
Auch viel zu kurz, aber einen kubanischen Kaffee hab ich kurz probiert (hui ist der süß und stark). Kubanischer Kaffee ist ein mit Zucker gesüßter Espresso, er wird entweder mit der Maschine oder Herd-„Cafetera“ gemacht, auch Mokkakanne genannt. Es gibt vier verschiedene Möglichkeiten, einen kubanischen Kaffee zu bestellen: Ich hatte einen Cafecito, im Wesentlichen ein gesüßter Espresso ohne Milch, den empfehle ich euch auch, wird hier überall getrunken und halleluja, der haut rein. Außerdem gibt’s Café con Leche, das ist ein Schuss Espresso mit geschäumter Milch; ein Cortadito, dasselbe wie ein Cafecito, aber mit einem Schuss geschäumter Milch und und Colada, vier bis sechs Espressos zum Teilen.
Unsere kleine Tour führte uns noch kurz durch Downtown und zur Bayside, wirklich kurz, wo schon die Halloween-Feierlichkeiten begannen. Vor vielen Geschäften stehen hier einfach Eimer mit Süßigkeiten, das fanden unsere Kids natürlich super. Fazit: Die Tour ist okay, die Erklärungen wirklich spannend und super, um einen ersten Überblick zu bekommen. Wenn ich wählen könnte, würde ich lieber drei Tage mehr buchen und all die Viertel auf eigene Faust entdecken.
Ich hatte keine Ahnung, was mich in Miami an Halloween erwartete, was kam, war gigantisch und für mich ganz sicher mein schönstes Halloween. Wir sind erst alle rein in den großen Halloween Store an der Lincoln Road, danach wollten wir eigentlich mit dem Auto in ein Wohnviertel fahren, damit die Kinder dort herumgehen und klingeln können. Ich hatte nicht wirklich herausfinden können, ob die Familien das hier machten, allerdings war schnell klar, dass in der Lincoln Road so einiges geht.
Erst war es eine Familienparade, bei der wirklich fast alle verkleidet herumspazierten, oft in fantasievollen Familienkostümen.
Die Kinder durften sich in der Läden mit Süßzeug eindecken, es gab auch Stände, zum Beispiel von der Feuerwehr Miami, die gleich noch Feuerwehrhüte verteilten, in denen man die Süßigkeiten transportieren konnte. Je dunkler es wurde, desto größer wurde die Party. Gegen Abend tanzten und feierten alle zusammen auf der Straße, überall Musik, friedlich und ausgelassen, ich fand es fantastisch.
Andre und ich haben irgendwann die Kinder nach Hause gebracht und sind zu zweit fantastisch essen gegangen, Osteria da Fortuna, 607 Lincoln Road, einem fantastischen Italiener mitten im Getümmel, von wo aus wir über köstlicher Pasta an karierten Tischdecken das Spektakel bestaunen konnten. Die Pasta wird im Schaufenster von freundlichen Damen mit weißer Schürze selbst geformt, ganz großer Tipp.
Wir wollen unbedingt nochmal wiederkommen nach Miami.
Hast du noch Tipps?






























Jetzt will ich auch hin!
Und ich möchte wieder zurück. So eine coole, lässige, vielfältige, bunte Stadt mit idealen Temperaturen.
Hach ; )