Mein Mann hat einem meiner Söhne und mir im Urlaub ein riesengroßes Geschenk gemacht: Er hat ihm Schwimmen beigebracht. Ich hatte deswegen schon ein bisschen länger Bauchschmerzen, weil Schwimmenkönnen einfach so überlebenswichtig ist. Den Schwimmkurs vor einem Jahr mussten wir wegen Corona abbrechen und derzeit gibt es kaum Angebote. Wenn es welche gibt, sind sie über Wochen ausgebucht…

Ich gebe zu: Schwimmen lernen ist anstrengend. Und jemanden dabei zu begleiten auch. Immer, aber jetzt ganz besonders. Es ist schwierig, einen Platz in einem Kurs zu erwischen. Wenn man einen hat, ist es anstrengend, dort regelmäßig hinzufahren. Es ist nervig, in überhitzten Hallen zu sitzen und zu warten. Und es zwickt im Herzen zu sehen, wie schwer es vielen Kindern fällt. Spannend zu wissen: Viele Kinder bekommen meist genau dann riesengroße Angst, wenn sie ganz kurz davor sind, tatsächlich eine Bahn zu schaffen. Sie dann weiterhin in die Halle und ins Wasser zu bewegen und ihre Angst auszuhalten ist echte Arbeit.

Oft klappt es nach einem Kurs nicht, sondern nach dem ersten kommt der zweite, manchmal der dritte. Das verlangt jede Menge Geduld und Disziplin – für Kinder und Eltern. Und dann? Hat das Kind irgendwann endlich Seepferdchen – wirklich Schwimmen kann es damit aber noch nicht. Meine Schwimmlehrerkollegen in der Schule nennen das erste Abzeichen gern „Lizenz zum Untergehen“, denn es besagt lediglich, dass ein Kind sich in einer Übungssituation gerade eben über Wasser halten kann. Aber nicht, dass es in einer Notsituation tatsächlich schwimmen kann. Nach dem Seepferdchen sollte also ganz dringend weiter geübt werden.

Schwimmen ist ein Zwangshobby – ob man selbst nun gern ins Wasser geht oder nicht.

Und dann kommt auch noch eine Pandemie und schließt alle Bäder. Da frage ich mich wie die Süddeutsche in ihrem Artikel „Ins Wasser gefallen“, was das wohl für Folgen hat, wenn bis zu zwei Jahrgänge von Kindern gar nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen lernen, sich über Wasser zu halten?“ Ertrinken war schon vor Corona eine der häufigsten Todesursachen für Kinder, laut Süddeutscher Zeitung starben im vergangenen Jahr 25 im Wasser. Gleichzeitig zu lesen, dass die vergebenen Seepferdchen um 70 Prozent zurückgegangen sind, macht mir echt Angst.

„Schon vor der Pandemie konnten laut DLRG fast ein Viertel aller Grundschulen keinen Schwimmunterricht mehr anbieten, einfach, weil ihnen keine Bäder zur Verfügung standen. Eine Forsa-Erhebung war schon 2017 zu dem Ergebnis gekommen, dass rund 60 Prozent der Grundschüler Nichtschwimmer oder schlechte Schwimmer sind. Und jetzt? Ganz eindeutig gebe es durch Corona „signifikant mehr Nichtschwimmerinnen und Nichtschwimmer in Deutschland“, sagt Achim Haag, Präsident der DLRG. (Quelle: Süddeutsche Zeitung)

Wann ein Kind ein wirklich sicherer Schwimmer ist?

Laut Alexander Gallitz, Gründer einer Schwimmschule und Präsident des deutschen Schwimmlehrerverbandes, „erst wenn ein Kind 15 Minuten Powerschwimmen, 1,80 Meter tief tauchen und vom Ein-Meter-Brett springen kann!“ (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

Er verrät auch ein paar Tipps, wenn man es seinem Kind selbst beibringen will: „Als Erstes müssen die Kleinen merken, dass sie im Wasser schweben können, also nicht untergehen. Das übt man mit dem Seestern. Auf den Rücken drehen, alle viere von sich strecken. Das ist die Basis. Danach kann man die Kinder auf die Schwimmnudel setzen, um das Gleichgewicht zu trainieren. Die Kleinen sollen lernen, mit dem Körper oben zu bleiben. Nächster Schritt sind die Arme, das haben sie in der Regel immer sehr schnell raus. Wir sagen den Kindern immer, dass wir Maulwürfe sind.“ Erst zum Schluss übt Gallitz mit seinen Schülern die Froschbeine.

Und so haben wir es gemacht…

André liebt Wasser, ich bin mir sicher, das ist ein Riesenvorteil. Und er hat jede Menge Geduld!!! Er hat beim Üben liebevolle Konsequenz angewendet – und hinterher ganz viel mit den Kindern geplanscht. Ich finde es wichtig zu sagen: „Komm, jetzt üben wir zwanzig Minuten und dann planschen wir“ und das Kind nichts immerzu mit Übungen zu nerven. Konkret hat er mit unserem Sohn erst die Armbewegung, dann die Beinbewegungen geübt und dann alles zusammen. Schließlich hat er ihn immer wieder mit einer Schwimmweste schwimmen lassen – alle zwei Tage kamen zwei Schaumstoffteile heraus. Dann haben fünf gejubelt. Gänsehaut, sage ich euch!

Ganz wichtig: Auch wenn er jetzt schwimmen kann, lassen wir ihn niemals unbeobachtet. Was ich noch raten würde: Von Anfang an auf eine Schwimmbrille verzichten – sonst ist die Umgewöhnung hinterher schwer. Und im Notfall hat man schließlich auch keine auf. Das Üben geht für uns jetzt weiter, nach dem Seepferdchen muss man unbedingt dranbleiben.

Für alle, die es auch probieren wollen, habe ich eine App zum Schwimmenlernen entdeckt. Die ist natürlich nicht besser als ein Schwimmkurs, aber immer noch besser als nichts. Und wenn ihr Lust habt – und es irgendwo noch freie Schwimmkursplätze geben sollte, lasst uns die doch hier gern teilen. Habt ihr Lust auf eine kleine Bade-Börse? Und gibt es irgendwo tatsächlich noch Plätze?

Alles Liebe,

Claudi