Ich hatte es geahnt. Wir sind vor kurzem geflogen – und natürlich flogen mir bei Instagram die negativen Kommentare um die Ohren. Was mit unserem Klima passiert ist schrecklich, keine Frage. Unser Umgang mit unserer Erde oft auch. Ich finde aber unseren Umgang miteinander in dieser Sache in letzter Zeit oft genauso schlimm. Fakt ist: Jeder kann was tun und sollte es tun. Was wir nicht sollten: uns permanent gegenseitig ein schlechtes Gewissen machen…

Ich habe tatsächlich das Gefühl, es zieht eine riesige Frustwolke auf. Viele sagen es nicht laut, aber immer mehr sagen es leise: Dass sie das Thema Nachhaltigkeit langsam nicht mehr hören können. Ich manchmal auch nicht mehr, das gebe ich zu. Ich finde das schlimm, weil ich Angst habe, dass das Thema untergeht. Wie eine Fernsehsendung, die immer gemeiner wird, über die alle reden – bis sie irgendwann so gemein ist, dass sie keiner mehr sehen mag. Dafür ist das Thema aber viel zu wichtig.

Ich finde, gerade in Sachen Klimaschutz sollten wir uns doch unterstützen und Tipps und Ideen teilen, statt uns gegenseitig fertig zu machen, oder? Einfach alle unser bestes geben, jeder da wo er kann. Und bloß selbst nicht frustriert sein, wenn man nicht gleich alles perfekt macht.

Die sozialen Medien und viele, die mit ihnen arbeiten, haben ein riesengroßes Problem: Sie leben oft von Konsum-Content. Es ist verrückt, dass so viele über Flugmeilen motzen, über zu viel Shopping – dass letztendlich aber doch das Foto vom Fummel auf den Fijis die meisten Likes bekommt. Und nicht etwa das von der alten, immer gleichen Strickjacke in der alten, immer gleichen Gartenlaube.

Was ich damit sagen will: Klimaschutz ist eben oft nicht bunt und schön, sondern funktioniert im Kleinen. Wenn wir in Sachen Klimaschutz etwas ändern wollen, können wir das aber auch tun, in dem wir durch Likes entscheiden, was wir sehen wollen. Die laute Demo Ende September war beeindruckend – dennoch funktioniert Klimaschutz im Alltag eben doch oft leise, zuhause und meist ohne Fotos und Likes. In dem man ein Kleid immer wieder trägt – statt bei coolen, nachhaltigen Labels ein bis drei neue zu shoppen. Dafür eine spannende, inspirierende Bildsprache und neue Themen zu entwickeln sehe ich auch als meine Aufgabe hier auf dem Blog.

Was ganz sicher nichts bringt: Die (funktionierenden) Plastikbrotdosen zu entsorgen und sie durch neue, instataugliche Metalldosen zu ersetzen. Jedem einen bösen Kommentar zu senden, der eine Plastikverpackung auf dem Frühstückstisch stehen hat. Oder seinen einen Kaffee am Morgen lieber mit Kuhmilch statt mit Hafermilch trinkt.

Gerade habe ich wieder Schelte bekommen bei einem Artikel über Öko-Hautpflege in Plastiktuben. Dabei sind sich Experten überhaupt nicht einig, was umweltverträglicher ist: die Glas- oder die Plastikverpackung, die vernünftig entsorgt und bestensfalls recycelt wird. Glas zum Beispiel ist viel aufwendiger herzustellen, der Transport ist schwieriger und verbraucht mehr Treibstoff. In Sachen Nachhaltigkeit ist nicht immer alles so eindeutig, wie es scheint.

Und was mir am allermeisten Sorgen macht: Dass ein großer Teil der Menschen auf dieser Welt leider ganz andere Sorgen hat, als über eine To-Go-Kaffee-Verpackung nachzudenken. Wir haben das dieses Jahr schon in Italien und Portugal gemerkt, wie viel weniger bewusst das Thema dort ist. Wie wir dieses Problem lösen können? Ich hoffe auch dafür finden wir weltweit ganz schnell gemeinsam Ideen – und nicht bloß für wiederverwertbare Trinkhalme.
Klimaschutz
Bei uns in Deutschland stürzt sich dagegen zur Zeit jeder auf die drei Superaufreger in Sachen Klima. Die sind: Plastik im Meer, die Flugschelte und der Veganismus. Die Medien lieben es. Kein Wunder: Süßer Delfin mit spitzem Plastikstück im Mund, das bringt Entsetzen und Klicks ohne Ende. Und scheinbar verkauft sich vegan so gut, dass es sogar unser Mineralwasser seit neustem auf seine Flaschen schreibt.

Manchmal lese ich Infos, die mich zum Schmunzeln bringen würden, wenn die ganze Sache nicht so ernst wäre. Ich gucke zum Beispiel fast nie Fernsehen. All die coolen Netflix-Serien, über die immer alle reden, kenne ich leider nicht. Ich weiß auch nicht. Ich bin abends zu lange mit Kindern ins Bett bringen beschäftigt. Dann lese ich. Plane Texte. Male. Räume auf. Oder schlafe. Dass ich damit das Klima schütze, war mir bislang nicht klar. Tatsächlich habe ich gelesen, dass zwei Stunden Netflix am Tag so viel C0² verbrauchen, wie in einem Jahr zu allen Drehorten von Game of Thrones zu fliegen (Quelle: Hygge).

Bitte nicht falsch verstehen: Ich versuche selbst mein Bestes zu geben, in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Ich mag bloß diese Hysterie nicht. Ich bin ganz sicher nicht perfekt. Ich bewundere Leute, die es noch viel besser hinbekommen. Ich finde bloß dringend, dass wir aufhören sollten uns gegenseitig fertig zu machen. Und dabei das Thema so sehr überzustrapazieren, dass es womöglich bald niemand mehr hören mag.

Meine Kollegin Nathalie hat über das Thema ebenfalls schon geschrieben.

Hier übrigens ein paar Sachen, die wir in Sachen Nachhaltigkeit machen

Ich backe selbst
Mal eben zum Bäcker ins Nachbardorf fahren? Nö. Jedenfalls nicht jedes Mal. Das Rezept für mein Lieblingsbrot findet ihr übrigens in meinem Kochbuch.

Wir essen wieder Sonntagsbraten
Ganz auf Fleisch verzichten mögen wir nicht. Ich persönlich finde, dass eine abwechslungsreiche Mischkost für Kinder das Beste ist – und entspannte Eltern in Sachen essen. Das muss aber natürlich jede Familie für sich entscheiden. Wir achten auf gute Qualität und eine vernünftige Haltung. Wir kaufen per Direktverkauf vom Hof bei uns im Dorf oder Bio. Der Braten am Sonntag oder das Steak mit Freunden, auch die liebsten Fleischklößchen der Kinder, sind etwas Besonderes. Wie früher auch schon mal.

Wir vererben Klamotten und Spielzeug
Wir haben ohnehin schon so viel. Ich habe mich kurz vor dem Urlaub hingesetzt und ein paar Sachen geflickt – anstatt einfach schnell ein paar neue zu bestellen. War nervig und kein bisschen instagrammable. Aber steigert für mich den Wert. (Was nicht bedeutet, dass nicht jedes Kind auch hin und wieder mal etwas Neues bekommt. Denn ja, ich mag schöne Dinge. Maß halten ist mein Motto.

Wir werfen nicht alle Plastikdinge panisch weg
Meine Kinder lieben Lego. Vieles stammt noch von André und mir. Und eine große Kiste bleibt auch garantiert auf dem Dachboden – für eventuelle Enkelkinder. Holzspielzeug ist auch schön, ersetzt aber nicht alles Plastikspielzeug. Finde ich. Genauso mache ich es mit Brotdosen, Seifenspender, Shampoos.

Wir trennen Müll
Für mich logisch: Die Natur funktioniert im Kreislauf. Wir Menschen sollten das mit unseren Ressourcen auch. Sprich: Wir nutzen etwas, werfen es weg und daraus entsteht neues. Funktioniert, wenn wir vernünftig trennen. Auch wenn es anstrengend wird: Wenn nach Partys der ganze Abfall in einem Beutel landet und ich ihn per Hand auseinander sortiere. Oder ich das Altpapier ewig herumfahre, weil die Tonne voll ist.

Wir essen möglichst regional und saisonal
Für mich, ich betone, für mich macht es mehr Sinn die normale Gurke zu kaufen, als die eingeschweißte Biogurke aus Spanien. Und diese ganzen veganen Wurst- und Käsealternativen sind mir ehrlich gesagt viel unheimlicher als ab und zu eine Scheibe Biosalami, die meine Kinder lieben. Und ja, ich esse gern Butter. Dafür habe ich noch nie, wirklich noch nie Quetschies, eingeschweißte Minisalamis, Käsestreifen mit bunten Bildern für die Brotdosen gekauft. Absolut okay, wenn andere das machen. Dafür essen die vielleicht keine Butter. Jeder da, wo er kann.

Wir bemühen uns wenig zu kaufen
Ein neues Kleid für die Buchmesse? Hab ich lange drüber nachgedacht. Hätte mich vielleicht besser gefühlt auf den Insta-Fotos. Ich habe dann keins gekauft. Musste einfach nicht sein. Mein alter Blazer gibt vielleicht nicht so viele Likes – egal. Dennoch werde ich ganz sicher hin und wieder mal etwas bei Zara bestellen. Möglichst selten eben.

Wir reparieren
Unsere Esszimmerstühle sehen aus der Nähe schlimm aus, wir haben sie schon ein Dutzend mal geleimt. Trotzdem gehen sie irgendwie noch. Ist irgendwie langweilig. Ist aber so. Was ich gut fände: Ein Unterrichtsfach namens „Reparieren“ in den Schulen. Egal ob stopfen, flicken, leimen – alles, bloß nicht wegwerfen.

Wir pflücken unsere Deko vor der Tür
Ich versuche wirklich so wenig Deko wie möglich zu shoppen (obwohl die ganzen Deko-Läden auch für mich wahnsinnnig verführerisch sind.) Stattdessen wühle ich lieber mal im Schrank meiner Schwiegermutter, pflücke etwas im Garten oder sammle Deko im Wald. Wir haben ganz viel Vintage-Geschirr für mein Kochbuch gestylt – und ich liebe es.

Ich habe meine Bad-Boutique geschlossen
Ich brauche keine drei Wimperntuschen. Auch keine coole neue vegane Lotion. Im Bad kann ich super verzichten. Und mache es auch. Andere schaffen es dafür besser in der Küche. Oder im Kleiderschrank.

Und: Ich sage viele, viele Jobtermine ab
Es ist für mich eine Sache, ob ich mit meiner Familie in einen (Traum)-Urlaub fliege. Oder aber, ob ich für die Präsentation eines neuen Lippenstifts mal eben für zwei Stunden nach Paris jette. Auf erstes kann und mag ich nicht ganz verzichten. Auf zweites sehr wohl. Daher sage ich die allermeisten Presse-Einladungen dieser Art rigoros ab.

Ist es nicht viel nachhaltiger, wenn wir uns unterstützen und inspirieren, anstatt uns zu zerfleischen? Nicht bloß in Sachen Klima- auch in Sachen Wir-Schutz.

Oder seht ihr das alles ganz anders?

Alles Liebe,

Claudi