Was uns zusammenklebt wie Zuckerguss

Dez
17/19

Vor einer Weile haben André und ich die beiden Großen ins Auto gepackt und sind im Dunkeln losgefahren. Die Kleinen bei Oma schliefen schon. Bereits beim Einsteigen kribbelte es im Bauch vor Aufregung: Nur wir vier. Als wollten wir ein Ding drehen. Ganz schön mutig. Unser Ziel: da, wo ich mit Kindern eigentlich nicht hinfahren würde…

Auf den Kiez. Wie hakten uns unter, gingen an Neonwerbung, Dildoregalen und lederbejackten Typen vorbei. Unser Ziel: noch dunkler als Sternenhimmel. Und irgendwie immer noch rauchig, obwohl auch dort nicht mehr geraucht werden darf. Vielleicht klammert sich der Rauch beleidigt an den haushohen Vorhängen fest. Kurz vor dem Ziel eine Menschenschlange, einen ganzen Bürgersteig lang. Wir stellten uns hinten an, froren ein wenig, wurden beinahe ein wenig müde – bis die zwei Türsteher mit Tattoo uns endlich durchwinkten.

Da waren wir: abends um acht, mitten auf dem Kiez, im Nachtclub Docks. Zum Konzert der Band Das Lumpenpack. Erstes richtiges Konzert für die Jungs.

Die Lieder begleiten uns vollaufgedreht bereits seit dem letzten Urlaub. Alle über einen Meter haben irgendwann begeistert mitgegrölt. Endlich mal keine Kindermusik. (Und keine gewünschte Helene Fischer in Dauerschleife). Einer meiner Söhne hat gerade mit Gitarre angefangen. Als ich irgendwo zufällig las, dass die Band demnächst in Hamburg spielt, buchte ich vier Karten ohne nachzudenken.

Zum Glück. Sonst hätte ich nicht gebucht. Hätte mir Sorgen gemacht, um ihre Ohren, ihren Schlaf, meine Nerven. Ohne nachzudenken stand ich jetzt zwischen meinen drei großen Jungs, hüftewackelnd mitten in der Menge. Zwei von vier mit Mickey Mäusen auf den Ohren, tellergroßen Augen und hubbabubbafarbenen Wangen. Unsere Finger ineinander verwoben, wie beim Finger Twist, früher in der Grundschule. Einer meiner Söhne hatte seine verschwitzen Haare aus dem Gesicht gestrichen, sie standen hoch in Richtung Funkellicht. Ich starrte ihn an, konnte nicht glauben, wie groß er aussah. Und wie hübsch. Er bemerkte meinen Blick, zwinkerte und lächelte. Dann sangen wir beide laut mit der Menge den Refrain.

Das Beste: Es war nicht nur ein guter Abend. Es war ein Erlebnis, dass uns dauerhaft zusammenklebt wie Zuckerguss. Bei jedem gemeinsam gehörten Lied der Band lächeln wir. Und zwinkern uns zu.

Und am nächsten Morgen waren wir vier übrigens nur ein kleines bisschen müder als sonst.

PS. Für alle, die den Kiez doch zu dreckig und laut und dunkel finden, und für alle, deren konzertwillige Kinder einfach noch kleiner sind, gibt es demnächst eine Reihe von Familienkonzerten. Ausgedacht hat sich das Ganze Sängerin Phela, die ich euch mit ihrem Song Mama hier schon mal vorgestellt habe. Außer Phelas Auftritt wird es an den Nachmittagen noch Essen und Trinken, Kinderschminken und Spiele geben. Das erste Familiär Konzert findet am 18.1.2020 in Hamburg statt. Wir kommen – ihr auch?

Alles Liebe,

5 Kommentar zu “Was uns zusammenklebt wie Zuckerguss

  1. Katharina on 17. Dezember 2019 at 08:16 geschrieben

    Wir haben das vor ein paarJahren mit unserem Ältesten, der damals neun war,gemacht.
    Sind nach Wiesbaden in den Schlachthof zu den Sportfreunden Stiller gefahren, deren Musik uns den ganzen Sommer begleitet hatte, haben wunderbarerweise einen Platz in der ersten Reihe ergattert und er hatte dann noch das Glück, das Flo, der Keyboarder vorbei kam, mit ihm sprach und ihn während des Konzerts mit Wasser versorgt hat.
    Ein unvergessliches Erlebnis für ihn (und uns 😉).
    Er spielt übrigens auch seit nunmehr vier Jahren Gitarre.
    Was haben wir für coole Kids!

  2. Britta on 17. Dezember 2019 at 12:53 geschrieben

    Hallo Claudi,
    Schade, dass das Konzert von Phela in Hamburg schon ausgebucht ist. Wir wären sonst auch gerne gekommen. Viele Grüße

  3. Liebe Claudi,
    letztes Jahr im Sommer wollte ich mit meinem Sohn (damals 7) zu „Rock im Park“ in Nürnberg, weil unsere Lieblingsband Muse gespielt hat, abends, als letzte Band. Also sind wir zum Bahnhof gefahren, nachdem die Mädchen ins Bett gegangen waren. Es war aufregend, es war Sommer und noch hell, es war warm und wir hatten natürlich Ohrenschützer dabei, eine kleine Decke, eine Flasche Wasser und Chips. Und ich 200€ im Stiefel für die Eintrittskarten. Und dann, oje, am Einlass sagen sie mir, es dürften erst Kinder ab 8 Jahren aufs Festivalgelände. Er war so so so traurig, und ich auch. Ein lieber Security-Mann zeigte uns aber einen guten Platz am Zaun. 40 000 drinnen, 20 und wir hinter dem Zaun, auf der Decke, ganz gemütlich. Die Lautstärke reichte auch so völlig aus. Videos vom Konzert haben wir uns auf YouTube angesehen – und ja, dieses gemeinsame Erlebnis hat uns beiden so gut getan, bis heute. Bis zum nächsten Konzert, und da gehen wir dann auch rein!
    Liebste Grüße!
    Meike

  4. Lara on 18. Dezember 2019 at 17:11 geschrieben

    Cool. Über das Silvesterlied von Lumpenpack predige ich dieses Jahr. Ratet wann 😉.

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