Draußen scheint die Sonne, ich trinke meinen Kaffee und werde gleich an meinem vierten Roman weiterschreiben. Erst aber schreibe ich hier kurz auf, was mir gerade durch den Kopf geht. Das ist viel. Und ich würde zu gern hören, was dich beschäftigt. Verrätst du es mir…?

1. Angst.
Einer der größten Vorteile der 40er ist, dass ich gelernt habe, meine Gedanken – zumindest ein bisschen – zu steuern. Ich kann zwar oft nicht entscheiden, über was ich grüble, aber ich kann entscheiden, wie viel Raum ich dem Grübeln gebe. Wie ich auch einem meiner Söhne, großer Grübler, immer wieder erkläre: “Lass die Gedanken kommen, schau sie dir an, betrachte sie von allen Seiten und dann schick sie weiter. Du kannst das!” Es funktioniert wirklich oft, gestern Nacht leider nur mäßig. Scheiße, da hatte ich wirklich Angst, dass ich aufwache und es ist (noch mehr) Krieg. Aber ich will Angst nicht mein Denken bestimmen lassen…

2. Artemis
Ich war nie raketenverrückt oder besonders interessiert in Planeten. Ich schaue vermutlich sogar seltener zum Mond, als die meisten Menschen, und erkläre selbst meine Schlaflosigkeit nicht damit. Aber die drei, die da gerade um den Mond geflogen sind, die faszinieren mich. Mehrmals am Tag checke ich die neusten Raketen-Nachrichten, schließe kurz die Augen und versuche mir vorzustellen, wie das sein muss.

Unvorstellbar, dass da tatsächlich Menschen in dieser kleinen Kapsel um den Mond fliegen, dabei hab ich doch schon im Flugzeug Schiss. Es ist gleichermaßen beängstigend und faszinierend. Dank unseres Trips nach Cape Canaveral fühlt sich das noch näher an – obwohl es soooo weit weg ist. Die Fotos vom Mond rühren mich und ich kann es nicht verstehen, warum wir Menschen auf der Erde uns nicht besinnen, Frieden miteinander zu schließen, beziehungsweise wenigstens friedlich miteinander zu diskutieren. Das ist doch unser aller Mond – und doch gehört er bloß sich.

3. Zu müde?
Viele Wochenenden in unserem Kalender sind noch leer, das war lange Zeit anders. Ich habe das Gefühl, alle um mich herum sind gerade müde, ich bin es auch. Die Vorstellung eines Wochenendabends auf der Couch ist so schön, dennoch habe ich gestern ein paar Date-Vorschläge per Whats App rausgeschickt. Ich will Müdigkeit nicht meinen Kalender führen lassen…

4. Wieso schreibe ich was ich schreibe?
Mein Buch ist derzeit auf Platz 67 aller Bücher (!) bei Amazon, das ist der Wahnsinn. Dennoch frage ich mich ab und zu, warum ich schreibe, was ich schreibe. Nämlich Wohlfühlromane (dabei sagt das eigentlich schon der Name, oder?). Und ob ich mich endlich wie eine echte Autorin fühlen würde, wenn ich ein Hardcover vorweisen könnte?

Manchmal muss ich schlucken, wenn ich sehe, wie viel mehr Aufmerksamkeit Hardcover-Romane bekommen. Viele zurecht, weil in ihnen längere Schreibzeit steckt, mehr Einblicke, mehr offen gelegte Gedanken, mehr Anstöße. Andere vermutlich bloß, weil sie Hardcover Romane sind. Ich spüre teilweise eine ganz schöne Arroganz: im Buchhandel, in der Presse, auch bei einigen Autoren-KollegInnen. Ich gebe es zu, es ärgert mich manchmal. Dann aber fällt mir wieder ein, warum ich schreibe, was ich schreibe.

Weil ich es liebe. Weil ich solche Bücher selbst gern lese. Weil ich genau in diesem Genre eine Idee hatte, weil es einfach so aus mir herausgeschrieben hat. Weil ich selbst mehr frische Unterhaltungsromane lesen wollte, als ich finden konnte. Ich erinnere mich wieder daran, wie glücklich es mich macht, dass ich mit so vielen von euch in den Urlaub darf. Euch ablenken kann, von dem ganzen Mist da draußen (siehe oben).

Gut unterhalten können ist (auch) eine Kunst. Ich bekomme täglich Nachrichten zu meinem neuen Roman von euch, die machen mich total glücklich – ist das nicht mindestens genau so viel wert, wie die Anerkennung irgendeines Buch-Kritikers in irgendeiner Tageszeitung? Und gehört es vielleicht sogar zum Autorensein dazu, dass man so viel grübelt?

Dennoch: Wäre es nicht schön, wenn man sich nicht doof fühlen muss, für das was man schreibt? Und sich nicht schämen, für das, was man liest. Hauptsache ist doch, man liest.

5. Wie kriege ich uns alle an den Tisch?
In den Ferien wieder gedacht, wie schön es ist, wenn wir alle an einem Tisch sitzen. Im Alltag heute wieder überlegt, wie ich uns öfter zusammen bekomme. Einer ist eigentlich immer als Taxi unterwegs, mindestens zwei meist lange beim Sport. Es ist wohl, wie es ist. Gestern hab ich es mir mit zwei Kindern am Couchtisch gemütlich gemacht und wir haben eine Folge einer englischen Serie zusammen geschaut. Vielleicht müssen wir uns es jetzt einfach so öfter nett machen.

Und was beschäftigt dich gerade?

Claudi