Was ich meinen Jungs morgens hinterher rufe

Feb
28/19

Früh morgens in der offenen Haustür, wenn wir eben noch hektisch den linken Handschuh gesucht und gerade noch an den Turnbeutel gedacht haben, wenn meine Kinder schon auf der Holzveranda stehen, ich sie fest drücke, kurz bevor sie loslaufen zur Schule, rufe ich ihnen jeden Morgen bloß einen Satz hinterher…

Meine Kinder kennen ihn schon auswendig, manchmal verdrehen sie die Augen. Aber sie lächeln eigentlich immer. Ich auch, verschwörerisch. „Na klar, Mama!“, sagen sie jedesmal wenn ich rufe: „Bitte seid freundlich…!“

Natürlich wünsche ich mir für meine Kinder, dass sie gut lernen, dass sie sicher lesen und fehlerfrei schreiben und rechnen lernen. Nicht bloß um gut zu sein (oder weil ich jetzt in der Mitte der Grundschulzeit bereits an eine weiterführende Schule denke.) Sondern vor allem, damit ihre Kindheit möglichst lange leicht und unbeschwert bleibt. Was mir aber am allerwichtigsten ist: dass sie freundlich sind. Und zwar zu allen. Zu ihren Mitschülern, zu den Lehrern, zum Hausmeister, zur Putzfrau.

Ich weiß nicht, ob es immer klappt. Ich hoffe es aber von Herzen. Und hoffe, dass ich aus der Schule sofort Rückmeldung bekommen würde, sollte es mal nicht so sein. Damit wir zuhause drüber reden können. Damit meine Kinder spüren, dass wir ein Team sind, die Schule, sie und ich.

Natürlich lernen Kinder am meisten durchs Abschauen. Ich versuche also, noch viel freundlicher zu allen zu sein, als ich es ohnehin schon war. Niemals, ganz ehrlich, niemals lasse ich vor meinen Kindern ein schlechtes Wort über einen Lehrer fallen (selbst wenn ich mich so richtig über einen ärgere) – weil ich weiß, in was für eine Situation ich mein Kind damit bringen würde. In was für einen Zwiespalt.

In Zeiten Bindungsorientierter Erziehung wünschen wir uns ganz besonders, dass unsere Kinder stark und selbstbewusst sind, dass sie ihre Meinung sagen und für ihre Rechte einstehen. Was meiner Meinung nach dabei manchmal vielleicht ein wenig zu kurz kommt, ist der passende Ton. Sowie ein Gefühl für Respekt und die Fähigkeit, sich selbst auch mal zurückzunehmen.

Wenn ich einen Schüler während des Unterrichts auffordere, doch bitte nicht mit dem Stift herumzuspielen und er verzieht bloß die Stirn und sagt genervt: „Das ist ein FÜLLER!“ Wenn Schüler im Sitzkreis lautstark Witze über den Namen des Lehrers machen oder immer und immer wieder einfach ihre Aufgaben verweigern und sagen: „Ich habe aber keine Lust“ – dann hat das für mich nichts mehr mit Selbstbewusstsein zu tun, sondern mit fehlendem Respekt. Für mich bedeutet Bedürfnisorientierte Erziehung, Kindern zu vermitteln, die Bedürfnisse von allen wahrzunehmen und zu respektieren. Je älter sie sind, desto besser können sie lernen ihre Bedürfnisse auch mal zurückstellen.

Mir ist es daher wichtig, zuhause immer wieder zu reflektieren, wie wir miteinander sprechen. Ich mache meine Kinder dabei darauf aufmerksam, wenn ich ihre Worte nicht angebracht finde (genauso wie sie mich gern freundlich daran erinnern dürfen, wenn ich mich im Ton vergreife). Ich frage sie, wie sich manche Worte und Sätze und Tonlagen anfühlen und erzähle darüber, was bestimmte Kommentare mit mir machen.

Was ich in diesem Zusammenhang übrigens absolut von niemanden als Entschuldigung hören möchte ist: „Das sind eben Jungs…“

Freundlichkeit ist zum Glück absolut genderneutral.

Und was rufst du deinen Kindern morgens nach?

Alles Liebe,

44 Kommentar zu “Was ich meinen Jungs morgens hinterher rufe

  1. Jana on 28. Februar 2019 at 11:50 geschrieben

    Das finde ich ganz wunderbar. <3
    Und animiert hoffentlich noch andere Menschen mehr darüber nachzudenken. In Zeiten, wo Selbstbewusstsein ganz oben auf der Persönlichkeitsentwicklungs-Leiter steht, sollten wir genau dies noch lehren: Respekt zu haben und auch mal das ein oder andere negative Wort für sich zu behalten. Danke für diesen wertvollen Artikel.

  2. Gabi on 28. Februar 2019 at 11:53 geschrieben

    So so gut, richtig und wichtig !!!!!! Ganz herzliche Grüße gabi
    (Ich überleg gead was ich meinen Buben nachrufe – ich glaub nur pfiateich (ciao) bis nachher)

  3. Oh, was für ein wunderbarer Bericht! Wir sind ein großes (das größte in Deutschland?) Projekt junger Menschen für soziale und ökologische Nachhaltigkeit und lehren und lernen genau DAS – wertschätzendes und respektvolles Miteinander. Weil es unsere Zukunft ist!

  4. Kathrin on 28. Februar 2019 at 11:59 geschrieben

    Ich ging heute (mein freier Tag) mit meinen Kindern in die Schule, weil ich etwas mit der Vertretungslehrkraft wegen der morgigen Faschingsfeier besprechen wollte.
    Als wir durchs Fenster den Hausmeister sagen, fragte ich meinen Sohn, ob er den Hausmeister und alle Erwschsnene auch immer grüße? Das ist mir so wichtig.
    Weil ich nichts schlimmer finde, als wenn ich morgens meine Schule betrete und die wartenden Kinder begrüße. Oft könnt nicht zurück. Da werde ich sauer.
    Oder wie du es beschreibst, Schüler, die sagen, sie haben da jetzt keine Lust darauf, es ist langweilig (passiert mir besonders oft als Fachleherin in Klassen). Da bleibt mir die Spucke weg und ich muss erstmal tief durchatmen, ehe ich versuche zu erklären, was sie da sagen und dass es so im Miteinander nicht geht.

    Deshalb ist dein Satz „seid freundlich!“ so wichtig, unabdingbar fürs Zusammenleben. Ich interpretiere ihn auch in Richtung „seid freundlich und höflich“. Wenn man das seinen Kindern und Schülern (da leider oft nur bedingt möglich) mitgibt, ist das toll! Grüßen, bitten, danken! Ich schätze es sehr, wenn Kinder das schon können. (Leider können es nicht mal viele Erwachsene/ Eltern…)

    Und da ich sonst immer vor meinen Kidnern gehe, wünsche ich Ihnen einen guten, schönen Schultag (nicht viel Spaß, denn nicht alles macht Spaß). Aber ich werde mal deinen Satz übernehmen 😉.

  5. Sonia on 28. Februar 2019 at 12:14 geschrieben

    Super schön geschrieben. Besonders dieser Spruch „ sind eben Jungs“ ich habe auch vier Jungs und möchte trotzdem das die Jungs freundlich sind.
    Ich rufe oft „ hab dich lieb“ oder ganz pragmatisch :“Nicht an der Straße rennen! „
    Freundlich sein werde ich aufnehmen.

  6. Ann-Kathrin on 28. Februar 2019 at 12:51 geschrieben

    Liebe Claudi, ich bin wirklich dankbar für diesen Artikel. Freundlichkeit ist in unserer Gesellschaft sehr rar geworden. Ich lege schon Wert auf die Begriffe „bitte“ und „danke“, die sehr selten geworden sind. Als Erzieherin habe ich in den letzten Jahren verstärkt wahr genommen, dass die Freundlichkeit und der Respekt gegenüber anderen Menschen deutlich abgenommen haben. Wichtig ist dabei wirklich unsere Vorbildfunktion. Wie gehen wir mit unseren Mitmenschen um? Wie verhalten wir uns gegenüber anderen Eltern, Kindern und Kollegen? Ich hoffe viele Menschen nehmen sich ein Stück deines Beitrags mit in ihren Alltag.

  7. Manon on 28. Februar 2019 at 15:09 geschrieben

    Du schreibst mir aus der Seele :o)

  8. Mareike on 28. Februar 2019 at 15:30 geschrieben

    Was für wahre, wichtige Worte! Es ist genau das, was ich auch meinen beiden Kindern mitgeben möchte.

  9. Julia Stumpf on 28. Februar 2019 at 15:54 geschrieben

    Wie schön! Das ist auch genau unser Satz. Jeden Morgen. Bitte seid freundlich und ein schöner Ton.:-)

  10. Eva on 28. Februar 2019 at 16:13 geschrieben

    Liebe Claudi,
    nun lese ich bei Dir schon geraume Zeit und möchte Dir einmal von Herzen Danke sagen für die Wonnemomente, die das Lesen Deiner Texte verschafft! Und für die vielen schönen Bilder und für die Inspiration zu gelben Strupfhosen..
    Bei so vielen Deiner Geschichten fühle ich mich sehr berührt, Du triffst so wunderbar die feinen Töne.
    Und ja, als Mama von 3 Kindern, Lehrerin und überhaupt – Du hast vollkommen Recht!
    So wichtig ist es, wie wir miteinander reden und umgehen.
    „Jeder ist mit jedem verwoben und wird durch den anderen gehalten“, so sagt es die großartige Hildegard von Bingen und wir müssen das schon ganz früh leben und pflegen im eigenen heimischen Garten, gerade auch wenn’s stürmt.
    Was ich hinterherrufe? „Sei behütet!“
    Sei auch Du behütet und Herzensgrüsse nach HH (meiner Seelenstadt) aus Heidelberg
    schickt Dir Eva!

  11. Verena Lehmbrock on 28. Februar 2019 at 18:09 geschrieben

    Claudi,

    so ein toller Post mit tollen Gedanken, wie inspirierend, vielen vielen Dank!!

    (Mir sind Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft auch sehr wichtig..)

    Vreni

  12. Katharina on 28. Februar 2019 at 18:11 geschrieben

    Liebe Claudi, einmal mehr schreibst Du über etwas so Wichtiges in Deinem so schönen Stil. Ja! Freundlichkeit und Respekt sind genderneutral!!! Vielen Dank für diesen Text. Bei mir ist der morgendliche Abschied immer „Schönen Tag, mein Kind… und pass gut auf!“ Ab morgen kommt dann noch was dazu.
    Herzlich, Katharina

  13. Nadine Bauer on 28. Februar 2019 at 18:29 geschrieben

    So ein schöner Text. Habe auch 3 Schulkinder und ein Kindergartenkind und sie leiden sehr wenn jemand ungerecht ist oder ohne Grund verletzend wird. Sie kannten es einfach nicht und wollen es auch nicht…werden somit oft ausgegrenzt…deshalb mein Spruch früh „seid wie ihr seid und habt Spaß“

  14. Anja on 28. Februar 2019 at 18:38 geschrieben

    Ich erziehe meine vier Söhne bindungsorientiert, trotzdem haben sie Respekt vor anderen und sind höflich. Ich finde nicht, dass sich das widerspricht. Aber sie sagen nicht zu allem Ja und das finde ich gut, denn ich bin der Meinung wir brauchen eine Generation, die kritisch hinterfragt und neue Wege geht. Zum Beispiel sollen morgen alle Kinder verkleidet in die Grundschule kommen. Mein Sohn möchte das nicht und hat das auch seiner Lehrerin kommuniziert.
    Meine Kinder wissen, dass ihre Freiheit dort endet, wo sie die Grenzen anderer verletzen. Aber sie gehorchen nicht unreflektiert, sondern hören auf ihre Bedürfnisse – und sehen auch die der anderen.
    Und da zwei meiner Söhne schon erwachsen sind kann ich sagen, dass sie keine Tyrannen geworden sind, sondern empathische, freundliche junge Männer. ☺

  15. Lena on 28. Februar 2019 at 20:02 geschrieben

    ach wie schön…den Satz predige ich zu Hause momentan oft…
    zur Schule rufe ich hinter her „pass schön auf“- das hat mir schon meine Mutter hinter her gerufen. Als Kind dachte ich immer in der Schule aufpassen, nun merke ich sie meinte, auf sich aufpassen. Deshalb ergänze ich das noch…pass schön auf dich auf ♡

    Danke für deinen tollen Blog und die Mühe wie du dir machst- by the way ☺

  16. Svenja on 28. Februar 2019 at 21:15 geschrieben

    Und wie kommst Du darauf, dass es die bedürfnisorientiert aufwachsenden Kinder sind, die sich im Ton vergreifen?
    Ich vertraue ja darauf, dass mein Kind freundlich mit mir und anderen umgehen wird, wenn ich das so vorlebe. Wenn ich darum bitte, impliziert das nicht, dass ich davon ausgehe, dass das Kind sonst nicht freundlich wäre? Vermittel ich dem Kind nicht, Du bist nicht freundlich, darum muss ich Dich daran erinnern? Ich finde diese Aufforderung an das Kind, nun ja, schwierig.

    • Claudia on 28. Februar 2019 at 23:01 geschrieben

      Hallo und lieben Dank für deine Gedanken. Ich behaupte allerdings nicht, dass es die bedürfnisorientierten Kinder sind, die sich daneben benehmen. Ich habe allgemein von unserer bedürfnisorientierten Zeit gesprochen, von meinen Erfahrungen und vor allem von meinen Sorgen.
      Und nein, ich finde nicht, dass ich meinen Kindern mit so einer Erinnerung Unfreundlichkeit unterstelle, weil sie noch Kinder sind und ich sie auf ihrem Weg begleite und überall Tipps gebe, wo ich kann. Ich sage Ihnen ja auch, welche Lebensmittel gesund sind und welche nicht und vertraue nicht bloß darauf, dass sie viel Gemüse essen, bloß weil ich das (meistens) mache. Genau wie ich sie daran erinnere, auf sich aufzupassen, weil ich ihre Mutter bin und sie meine Kinder und ich schon viel über Gefahren weiß und sie noch nicht so viel und weil ich sie liebe. Für mich ist das miteinander Reden in diesem ganzen schwierigen Erziehungsding einfach das Allerwichtigste, also Nein, ich finde meinen Tipp gar nicht schwierig. Ich wünschte sogar, es würden mehr Eltern mit ihren Kindern darüber reden, dass neben diesem ganzen Leistungsding auch Freundlichkeit so wichtig ist. Damit wir alle uns wohl fühlen.
      Herzlichst, Claudi

  17. Christin on 28. Februar 2019 at 21:46 geschrieben

    Toller Bericht! Ich habe, zum Glück, einen sehr freundlichen 11jährigen. Er grüßt sogar immer sämtliche Fahrradfahrer, Spaziergànger etc…. dass das nicht üblich ist, merkt man leider oft an deren Reaktionen. Viele sind im ersten Moment irritiert, aber mein Sohn lässt sich davon nicht beirren. Er hat fest die Meinung, dass man umso mehr freundlichen Menschen begegnet, je freundlicher man selbst ist. „Außerdem kostet ein Lächeln ja nichts, Mama!“ diese Lebenseinstellung bewundere ich sehr an ihm, weil sie ihm den Alltag unter Gleichaltrigen nicht immer leicht macht.

  18. Liebe Claudia, danke für Deine Gedanken! Mir sind die Achtung und der Respekt der Grenzen anderer Menschen/ Lebewesen auch sehr wichtig, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Bedürfnisorientierte Erziehung bedeutet für mich, die Achtung der Bedürfnisse aller Menschen. Also nicht nur die Bedürfnisse der Kinder zu sehen, sondern natürlich auch die Bedürfnisse der Eltern. Und die Grenzen zu sehen, diese ebenso formulieren, Lösungen finden. Und das führt meiner Erfahrung nach zu sehr ausgeprägtem, gutem Sozialverhalten, sowohl bei den Kindern als auch bei den Erwachsenen (!). So vertraue ich meiner großen Tochter absolut, dass sie anderen Menschen freundlich begegnet und ermuntere sie ganz im Gegenteil jeden Morgen auf dem Weg zu ihrer (übrigens bedürfnisorientierten) Schule mit den Worten meiner Lieblingsautorin „sei frech und wild und wunderbar“:-))) Liebste Grüße!!!

  19. Janine on 1. März 2019 at 06:27 geschrieben

    Hallo Claudi! Mal wieder ein wundervoller Text mit soviel Wahrheit. Allerdings finde ich den Satz „Ich hab aber keine Lust.“ nicht so tragisch und gar nicht unfreundlich. Er passt lediglich nicht in unser Schulsystem…
    Liebe Grüße von Nine (ebenfalls Grundschullehrerin und MamI)

  20. Annie on 1. März 2019 at 07:08 geschrieben

    Guten Morgen. Ich habe gerade aufgepasst, „viel Spaß und bis später“ ist es geworden. Natürlich ist Spaß nicht alles. Trotzdem möchte ich, dass sie sich wohlfühlen und gerne zur Schule gehen. Manchmal kommt dann auch Protest zurück, aber heute habe ich/ist doch…

    „Sei nett“ gibt es von mir immerzu, wenn ich sie irgendwo abgebe. Zum Spielen, Übernachten, neue Betreuung.

    Einen schönen Tag!

    • Claudia on 1. März 2019 at 08:17 geschrieben

      Hihi, vielen Dank für diese genaue Recherche ; )
      Ich wünsche dir einen schönen Tag!
      Alles Liebe,
      Claudi

  21. Mein Nachrufsatz am Morgen ist: Einen schönen Vormittag wünsche ich Euch!
    Meine Jungs rollen mit den Augen und mein Mädchen sagt, Ja denn hab ich. Das mit der Freundlichkeit und dem Umgang miteinander ist echt so eine Sache. Mir fällt das immer wieder auf das selbst innerhalb Familien kein herzlicher, freundlicher Ton herrscht. Wir versuchen das hier immer zu pflegen, klappt meistens ganz gut. Durch Vorleben erreicht man total viel.
    Herzliche Freundliche Grüße
    Katrin

  22. Eva on 1. März 2019 at 09:25 geschrieben

    Ich verabschiede meine Tochter (3,5) in den Kindergarten mit den Worten : „ Viel Spaß beim Glücksmomente sammeln“.

    Glück ist ja flüchtig, und das bewusste und achtsame Erleben und Erinnern von etwas Schönen, einer Begegnung, einem Flow- Moment oder einer Entdeckung hilft grossen und kleinen Menschen dabei, diese Schätze wahrzunehmen.

    Abends kurz vor dem einschlafen erzählen wir uns dann unseren schönsten Moment des Tages und mi dieser Erinnerung lässt es sich gut und zufrieden einschlafen…

    Danke für Deine Beiträge, liebe Claudi. Du hast mir schon öfter kleine Glücksmomente geschenkt.

    Herzliche Grüße
    Eva

  23. Julia on 1. März 2019 at 09:27 geschrieben

    Liebe Claudia,

    Du sprichst mir aus der Seele.

    In der Serie „Six feet under“ mokiert sich die Mutter dreier erwachsener Kinder auch ständig über deren Ton. Mein Mann und ich sahen es damals im Original. Sie zischte in solchen Fällen dann immer nur „language“. Das haben er und ich irgendwie übernommen, wenn wir uns gegenseitig dabei ertappen im Ton etwas daneben zu liegen. Sehr komisch war´s neulich als mein 8jähriger Sohn es dann auch zu mir sagte 🙂

    Danke für deinen wunderschönen Artikel!

    Julia

  24. Kathy on 1. März 2019 at 09:35 geschrieben

    Liebe Claudi,
    bei uns ist es: „ich hab dich so lieb und wünsche dir einen schönen Tag“. Jedoch sprechen wir oft über das Verhalten anderen gegenüber bzw. hinterfragen gemeinsam Urteile, die auch Kinder manchmal recht schnell treffen. So ist nicht jeder Mitschüler z.B. aggressiv aus Spaß, sondern versucht Aufmerksamkeit zu bekommen, weil er „abseits“ steht. Ich versuche meinen Jungen neben Höflichkeit und Respekt auch beizubringen, sich in andere Hineinzuversetzen. Und ja auch frech, wild und weiterhin so wunderbar zu sein.
    Viele Grüße
    Kathy

  25. Mareike on 1. März 2019 at 09:48 geschrieben

    Liebe Claudi,
    das ist sehr schön geschrieben und eine schöne Verabschiedung in den Tag für Deine Jungs.
    Bei uns gibt es nicht „den“ einen Satz, aber was mir total wichtig ist, da ich vor den Kindern das Haus verlasse, ist, dass ich Sie verabschiede und ihnen einen schönen Tag in Schule/Kiga wünsche oder wenn etwas Bestimmtes ansteht auch darauf eingehe.
    Das führt bei uns dazu, dass Besuch auch vom Dreijährigen schon verabschiedet wird, indem er extra nochmal an die Haustür rennt und dem Besuch ein „kommt gut nach Hause“ oder „schönen Abend“ hinterher ruft.
    Auch die Geschwister untereinander wünschen sich in der Regel einen schönen Tag in Kiga/Schule. Das freut mich dann immer sehr zu sehen, wie es ihnen mittlerweile zur Gewohnheit geworden ist.

    Hier bei uns im Ruhrgebiet wird man mittlerweile häufig sehr überrascht angeschaut, wenn man mal einen Busfahrer morgens freundlich grüßt oder mit der Kassiererin im Supermarkt einen Smalltalk beginnt.
    Hier ist finde ich viel „Ellbogen-Mentalität“ in vielen Köpfen, das macht mich immer traurig und ich versuche dem etwas entgegen zu setzen. Ich kontere dann gern mit Freundlichkeit, da dies etwas ist, was die meisten in dem Moment nicht erwarten 🙂

  26. Mira on 1. März 2019 at 10:16 geschrieben

    Guten Morgen! Mir ist noch etwas eingefallen, nachdem ich Christins Worte weiter oben gestern gelesen hatte. Sie schreibt von ihrem Sohn und seiner wunderbaren weisen Erkenntnis, dass man umso mehr freundlichen Menschen begegnet, je freundlicher man selbst ist. Ich möchte dies noch einmal total unterstreichen und mir ist gestern kurz vor dem Einschlafen plötzlich eingefallen, wie ich als Kind auf dem Nachhauseweg von der Schule immer gerne alle mir entgegenkommenden Menschen angelächelt habe. Ich hatte nämlich herausgefunden, dass die Menschen dann zurück lächeln. Das hatte mir soooo viel Freude gemacht und ich hatte ein neues Hobby. Das „Nachhauselauflächelspiel“:-) Ach , wie schön, das mir dies wieder eingefallen ist! Und Christins Sohn hat so recht, denn mit einem Lächeln durchbreche ich heute in meinem Beruf auch die stärksten Fassaden und erreiche die Menschen dahinter. Ich bin Fotografin:-)) Auf den Fotos sehe ich mein (inneres) Lächeln, dass sich in dem Gesicht des Fotografierten widerspiegelt…

    Also noch Mal auf den Punkt gebracht, wenn wir Freundlichkeit ausstrahlen, kommt es IMMER zu uns zurück. Wichtig ist dabei nur, dass diese Freundlichkeit von Herzen kommt und echt ist, dass wir sie wirklich fühlen. Aufgesetztes Lächeln oder oberflächliche Freundlichkeit bringt dagegen überhaupt nichts. Wer dies versteht, geht leicht durch Leben;-)

    Liebste Grüße!

  27. Franzi on 1. März 2019 at 11:32 geschrieben

    Das ist wirklich schön, diese Aufforderung. Ich denke auch, dass Kinder lernen sollten, höflich und freundlich zu sein, dass ihnen das nicht unbedingt in die Wiege gelegt wurde. Auf die Idee, das meinen Kindern so „mit auf den Weg“zu geben, kam ich aber noch nicht. Vielleicht probiere ich das mal.
    Muss zugeben, wenn mich Lehrer der Kinder sehr ärgern, verliere ich da schon mal ein Wort darüber. Meine Kinder sind aber auch schon älter (14, 11 und 6) und die beiden Grössen reflektieren ja auch schon vieles und da will ich mit meiner Meinung auch nicht immer hinterm Berg halten, versuche dabei aber immer respektvoll zu sein und die Motive des Handelns zu erklären.
    Mich stört es (auch) sehr, dass bedürfnisorientiert für zu viele Eltern heißt, dass die Bedürfnisse der Kinder über alles gestellt werden. Und so habe ich Jugendliche in der Klasse, die keine r5 min ohne Toiletgengang und Trinken überstehen, jederzeit mit ihren Gedanken herauskratzen und sich nicht zurücknehmen können. Und wenn ich sauer reagiere verstehen sie das nicht, weil das Einfühlungsvermögen in andere kaum ausgeprägt ist. Das ist fürchterlich.

    • Jule on 8. April 2019 at 19:32 geschrieben

      Ich nehme eine Ablehnung gegenüber einer wertschätzenden gleichWÜRDIGEN Behandlung gegenüber Kindern in deinem Kommentar wahr. Wenn Kinder sich in einer Atmosphäre der GleichWÜRDIGKEIT, Augenhöhe, Empathie und Wohlwollen befinden, dann – so meine Erfahrung – haben auch sie ein sehr großen Einfühlungsvermögen in Andere. Ich sehe eher bei nicht bedürfnisorientiert begleiteten Kindern Schwierigkeiten. Und sei es nur, dass sie aus Höflichkeit viel zu oft und viel zu lange die Verletzung ihrer Grenzen durch Andere zulassen.
      Und natürlich ist es nicht gut, wenn die Bedürfnisse des Kindes über alles gestellt werden – im übrigen auch die der Eltern, sondern wenn die Bedürfnisse aller gesehen werden und bei konträren Bedürfnissen Lösungen gefunden werden, mit der alle leben können.
      Wie wäre es denn, wenn du diesen vermeintlich „schwierigen“ Kindern einfach mal als Vorbild – immer und immer wieder – mit Freundlichkeit entgegen trittst und sie ernst nimmst, sie auf Augenhöhe behandelst? Sie bemerken es ganz genau, ob es ernst gemeint ist oder nicht, auch wenn sie vordergründig vielleicht höfliche Worte hören. Wenn du Vertrauen in sie setzt, dass sie das hin kriegen, dann werden sie sich auch entsprechend zum positiven verhalten. Und wenn es etwas länger dauert bei dem ein oder anderen…..sie sind in der Pubertät – und keine Erwachsenen, also noch unreif und benötigen eben ihre Zeit zu reifen. Ein Alter der Umwälzungen. Sicher nicht einfach für alle Beteiligten, aber mit Kritik und einem negativen Gegenübertreten bewirkst du nichts.

      Noreen hat das ganz toll auf den Punkt gebracht.

  28. Franzi on 1. März 2019 at 11:35 geschrieben

    An den Fehlern ist natürlich nur die Autokorrektur schuld🤔

  29. Noreen on 1. März 2019 at 13:24 geschrieben

    Liebe Claudia,
    ich bin davon überzeugt, dass Freundlichkeit in der Natur eines jeden Menschen liegt. Und auch davon, dass bereits kleine Kinder ihre Bedürfnisse zurückstellen können (und es auch tun). Ohne, dass dies anerzogen werden muss. Weil Kinder das Grundbedürfnis haben, mit ihrer Umgebung zu kooperieren. Und weil sie das Bedürfnis haben, es ihren Eltern und auch ihren Lehrern recht zu machen.
    Mit dem Thema Freundlichkeit und Schule tue ich mich schwerer. Du hast geschrieben: „Natürlich lernen Kinder am meisten durchs Abschauen“. Das sehe ich genauso. Aber ist die Institution Schule ein freundlicher, von gegenseitigem Respekt geprägter Ort? Ist es nicht eher ein Ort, in welchem Kinder unentwegt bewertet werden? In welchem Klassenarbeiten nach Noten sortiert zurückgegeben werden? In welchem Kinder laut vorlesen müssen, obwohl sie das nicht wollen? Drangenommen werden, obwohl sie sich nicht gemeldet haben? etc.

    Mehrmals habe ich hier gelesen, die Kinder können sich nicht (mehr) zurücknehmen. Aber tun sie das nicht ständig, ohne dass wir dies wahrnehmen? Sie stehen oft entgegen ihrer Inneren Uhr auf. Sie packen den Schulranzen und gehen zur Schule, wo sie sich dem Rhythmus der Schulklingel anpassen. „Auf Kommando“ befassen sie sich mit einem Thema und hören damit sofort wieder auf. Es wird auf Anweisung in die Pause gegangen (nach drinnen oder draußen), auf Anweisung gegessen etc. Sie machen Hausaufgaben, oft stoisch ein jeder die gleichen, unabhängig vom eigenen Wissensstand. Oft bis in den späten Abend hinein, selbst bei Grundschülern.
    Und dann empören wir uns über den Satz „Ich habe dazu keine Lust!“?

    Ich bin keine Grundschullehrerin. Ich arbeite im weitesten Sinne als Schulärztin. Und ich glaube nicht, dass Kinder grundsätzlich zu mehr Rücksichtnahme oder Respekt erzogen werden müssen. Sondern eher ganz im Gegenteil. Ich glaube, unsere Kinder brauchen Hilfe beim Erspüren ihrer eigenen individuellen Bedürfnisse, ihres eigenen ICHs und vor allen Dingen brauchen sie Hilfe, dieses Wissen und diese in die Welt strebenden individuellen Kräfte einordnen und freundlich vertreten zu können.

    Und um abschließend auf deine Frage zurückzukommen: Gedanklich rufe ich allen meinen vier Kindern am ehesten nach: Vergiss nicht, wer du bist. (Individuell verpackt. Ich hoffe, Du verstehst, was ich meine…)

    Herzliche Grüße
    Noreen

    • franzi on 1. März 2019 at 14:07 geschrieben

      Hallo Noreen.

      Ich hatte grad den Gedanken, dass Ärzte und Lehrer da vielleicht zwangsläufig eine andere Sichtweise haben, denn sie haben ja auch eine andere Rolle oder Funktion dem Kind gegenüber. Eine Ärztin, so denke ich mir, will erspüren, was dem Kind fehlt, warum es ihm nicht gut geht. Sie ermuntert es, seine Bedürfnisse zu artikulieren, sieht evt das Zurückgenommene. Als Lehrerin sehe ich weniger das Individuum als vielmehr die Klassengemeinschaft, die darauf angewiesen ist, dass das Ganze dem Einzelnen nicht zuviel Raum gibt. Vielleicht klingt das hart, aber die individuellen Bedürfnisse von 25 Schülern erspüren – das muss woanders passieren, nicht im Mathematikunterricht.
      Ich hatte grad spontan den Gedanken – verbring mal einen Tag in meiner recht schwierigen Schule, ob Du danach auch noch sagen würdest, dass Rücksichtnahme und Respekt nicht anerzogen werden müssen…

      • Jule on 8. April 2019 at 19:58 geschrieben

        Hallo Franzi,

        du schreibst es selbst ganz zutreffend „…zu ersprüren, was dem Kind fehlt…“. Genau darum geht es doch. Noreen trifft es auf den Punkt mit ihren Zeilen darüber, was Kindern in Schule so oft fehlt. Da ist es doch vollkommen unerheblich, ob das von einer Ärztin, einer Mutter oder sonstwem kommt. Tatsache ist: Kinder werden in Schule oft so gar nicht respektvoll, wertschätzend und auf Augenhöhe behandelt. Verlangt wird von den Kindern aber genau das, was sie nicht erfahren. Statt die Stärken zu sehen, die jeder, wirklich jeder hat, werden leider viel zu oft nur vermeintliche Defizite und Schwächen gesehen.

  30. Nina on 1. März 2019 at 22:21 geschrieben

    Aktuell rufe ich meinem Vierjährigen immer „Tschüss Gemüs“ hinterher, wenn er an Papas Hand das Haus verlässt. Das bedeutet natürlich überhaupt gar nichts. Aber er findet es jeden Morgen wieder unglaublich witzig und ich finde es schön ein lachendes Kind in den Tag zu schicken. Win Win würd ich mal sagen.

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