Ich liebe es, neue Wörter zu erfinden. Wer meine Texte hier oder auf Instagram oder auch meine Bücher schon länger liest, der entdeckt immer wieder Worteigenkreationen. „Versommertrödeln“ war zum Beispiel so ein Wort, das ich mal benutzt habe und viele von euch danach auch. Es beschreibt perfekt das Gefühl, an schwülwarmen Sommertagen die To-Do-Listen nicht so genau zu nehmen und einfach irgendwo im Schatten vor sich hinzuträumen…

Meine Kinder habe ich mit dem Erfinden bereits angesteckt: „Können wir knuscheln?“, fragt einer meiner Söhne regelmäßig und meint damit eine besonders intensive Form des Kuscheln und Knuddelns, bei der ich ihn ganz fest in den Arm nehmen und drücken muss. Diese Woche hat mir eine Freundin ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk, beziehungsweise ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk gemacht, das ich sehr liebe: Ein Buch mit Wörtern, die es im Deutschen nicht gibt, aber unbedingt geben sollte. Hier meine fünf Favoriten:

Gökotta
Das ist Schwedisch und bedeutet, morgens sehr früh rauszugehen und den Vögeln zu lauschen. Die Schweden haben reichlich Platz, in der Natur herumzulaufen. Denn weniger als drei Prozent der Fläche in Schweden sind bebaut. Dafür sind 69 Prozent des Landes mit Wald bedeckt. Und da es in manchen Gegenden gerade im Winter nur sehr wenig Licht gibt, in der Nähe des Polarkreises manchmal nur drei Stunden, genießen die Schweden wohl jeden Sonnenstrahl ganz besonders intensiv.

Nakama
So nennt man in Japan Freunde, die sich anfühlen, wie die eigene Familie. Die meisten Japaner brauchen eine ganze Weile, bis sie jemanden nah an sich heran lassen. Folglich muss ein Nakama etwas ganz Besonderes sein. Ach – wie sehr ich unsere Nakama gerade vermisse.

Pelinti
In Buli, einer Sprache in Ghana, bedeutet das: Heißes Essen im Mund hin- und herzujonglieren, damit es abkühlt und man es herunterschlucken kann. Ein klassisches Gericht dort ist übrigens Red Red, ein Eintopf aus schwarzen Bohnen mit Palmöl. Er wird klassisch mit gebackenen Bananen serviert.

Gluggavedur
Das ist Isländisch und bedeutet wörtlich übersetzt „Fensterwetter“. Also ein Wetter, dass durchs Fenster aus schön aussieht, aber zu ungemütlich ist, um hinauszugehen. So eins, wie oben auf dem Foto. Vermutlich hat dieses Wetter aus den Isländern eine richtige Lesenation gemacht: Dort werden mehr Bücher geschrieben, veröffentlicht und pro Kopf gelesen als irgendwo anders auf der Welt.

Poronkusema
Das ist Finnisch und meint die Entfernung, die ein Rentier unterwegs sein kann, bevor es Pipi machen muss. Es ist tatsächlich ein traditionelles Längenmaß und beschreibt eine ungefähre Strecke von 7,5 Kilometern.

Vielleicht nutze ich den heutigen Abend, um über ein Wort nachzudenken, das eine Zeiteinheit beschreibt. Nämlich die seltenen, stillen Minuten im Auto auf der Fahrt in den Urlaub, in denen keiner fragt, wann wir da seien, keiner mault oder muss oder Hunger hat. Es handelt sich auf jeden Fall um eine sehr kurze Einheit. Aber halleluja, wie ich sie vermisse.

Oder ein Wort, für das kaminwarme, weihnachtlich geschmückte Wohnzimmer, in denen zwischen Kekskrümeln und leeren Kakaobechern jeder vor sich hinmacht und es für einen Moment alles perfekt ist.

All diese wunderschönen Wörter sind aus dem Buch „Total verrückte Wörter“ von Nicole Edwards und Luisa Uribe. Es sind noch viel mehr Wörter im Buch – und ich liebe jedes einzelne.

Welches Wort bräuchtest du dringend?

Alles Liebe,

Claudi