Wie überlebt man eigentlich einen Kindergeburtstag?

Aug
14/14

Außer Journalistin bin ich auch Lehrerin. Für die Grundschule. Sprich, ich bin es durchaus gewohnt, Lautstärken von mehr als einer Handvoll Kinder auf einmal zu ertragen. Und sie nebenbei auch noch zu unterhalten. Trotzdem hatte ich echt Bammel vor dem ersten, richtigen Kindergeburtstag… 20140725-CSC_1238

Vor meinen Augen tobten schreckliche Bilder: Horden von kleinen Händen die gleichzeitig nach Torte patschen, eine Massenschlägerei unter Vierjährigen, oder – beinahe genauso schlimm – gähnende Langeweile. Ich wedele verzweifelt mit Topf und Augenbinde und alle wollen vorzeitig nach Hause. Ahoooo. Akute Partypanik hatte mich gepackt, schließlich wollte ich, dass mein Großer sich amüsiert. Dass es ein besonderer Tag für ihn wird. Aber: Ich wollte, beziehungsweise konnte, gerade weder viel Zeit, noch übermäßig viel Geld dafür investieren.

Als ich verloren vor dem Papptellerregal in der Drogerie stand und dachte: „“Die will ich alle nicht, die find ich doof, bloß Porsches, Piraten und Prinzessinnen mit dem gleichen dümmlichen Blick und überhaupt – wie zum Teufel organisier ich das alles bloß?!“, musste ich schlagartig an Steffi und Moni denken. Die beiden betreiben den Blog und Onlineshop „Decorize“ und haben selbst insgesamt drei Kinder. Wir hatten uns im Frühsommer auf dem Bloggerseminar BLOGST in Hamburg kennengelernt und in diesem Moment, vis á vis mit den schaurigen Tellern, musste ich plötzlich wieder an sie denken.
Blöderweise waren die beiden grad im Urlaub, hatten aber ein Herz für eine akut kindergeburtstagspanische Mami und sagten sofort zu. Und hier sind´se jetzt also: Steffis, Monis und meine Tipps für Kindergeburtstage, die Sprössling glücklich machen und Muttis am Leben lassen. Denn tatsächlich, ich hab´s überlebt und es hat auch noch riesig Spaß gemacht.

1. Rituale. Machen das ganze Thema Geburtstag einfach. Und: Kinder lieben sie. Also nicht lange rumüberlegen, sondern Kind jedes Jahr zum Beispiel mit dem gleichen Topfkuchen am Bett wecken, das gleiche Lied singen, dann Kerzen auspusten und Geschenke auspacken lassen. Ganz fest drücken. Fertig. „Damit schafft es Geburtstagskind sogar noch pünktlich zur ersten Stunde in die Schule – ohne Hektik“, versichert Steffi.
2. Finde ein Motto. Wir haben früher im Keller Kindergeburtstag gefeiert. Neben Mamas Wäscheleine. An der Tür ein paar Luftballons, auf dem Tisch „Kalter Hund“. Hinterher gab es Reise nach Jerusalem. Und Pommes zum Abendbrot. Ein Motto? Was ist das? Heute wählen fast alle eins. Und das macht auch durchaus Sinn. Weil es einen roten Faden schafft und damit die Planung erleichtert. Wie bitte, das macht doch alles viel aufwendiger? Eben nicht. Wenn ich nämlich weiß, mein Thema ist Dschungel, nehme ich eben Pappbecher mit Tieren drauf. Punkt. Und stehe nicht verloren vor den Regalen, in denen sich heute Becher mit allem möglichen drauf tummeln. Außerdem zeigt den kleinen Gästen, was sie erwartet. Und gibt den Schüchternen Sicherheit. Jan macht eine Zirkusparty – vielleicht kommt Lara mit Clownsnase und Hut aus der eigenen Verkleidungskiste, das gibt ihr Rückendeckung. Gut für Mama: Ein Motto verhindert unendliche Diskussionen mit dem Geburtstagskind. „Wir nehmen diese Süßigkeiten und diese für die Schnökertütchen, weil Kanonenkugeln und Schlangen gut zu einer Piratenparty passen.“ Punkt. Aus die Maus. Noch ein Vorteil: Ein Motto bringt neue Spielideen quasi in der Handtasche mit. Mamas: „Geht doch mal in die Sandkiste?!!!“, reißt niemanden vom Hocker. Ein: „Los, Seeräuber, wir entern jetzt die einsame Insel dort drüben und backen für alle Piratenkuchen“, schon eher. Und übrigens, keine Sorge. Ich habe festgestellt, dass Kinder längst nicht so anspruchsvoll sind, wie wir Erwachsenen. Da wird auf der Piratenparty auch ein alter Bollerwagen zum Schiff, einfach so, ohne Anker und Mast.
3. Eindeutige Einladung, bitte. Macht alles viel einfacher – für Gastgeber und die Gäste: Klare Angaben in der Einladung. Sprich: Wann soll gebracht, wann soll abgeholt werden? Wird drinnen oder draußen gefeiert? (Wichtig wegen Regensachen oder Sonnenhut.) Bleibt Mama da oder soll sie gehen? Was wünscht sich das Geburtstagskind? Übrigens: Ich glaube, den Kindern ist es völlig wumpe, ob ihre Einladung selbstgebastelt ist oder nicht (zumindest mit vier). Ich hatte Lust dazu, also haben wir es gemeinsam gemacht. Sonst: Besser Karte kaufen als stressen. Gefällt Kind genauso.
Kindergeburtstag überleben
4. Easypeasy Essen. Klar: Wer Lust hat, kann alles geben. Aber: Ich bin sicher, Kinder stehen auf einfache Rührkuchenteige. Gern in kleine Portionen gebacken oder geschnitten und möglichst bunt, also mit Smarties oder so oben drauf. Geht auch gekauft und ein wenig gepimpt. Wahrscheinlich wird sowieso viel weniger gegessen, als geplant. Die kleinen Leute sind nämlich voraussichtlich ziemlich aufgeregt. Und auch Mami fühlt sich hinterher irgendwie besser, wenn es nicht gerade die Reste der aufwendig mit Himbeersahne gefüllten Schokoladenbisquitrolle sind, die da garantiert haufenweise auf den Papptellern liegen bleiben. Das Decorize-Team verzichtet am liebsten sogar ganz auf eine schnieke Kaffeetafel. „Wir machen stattdessen eine Snackbar, an der sich die Kinder nach dem feierlichen Kuchenanschneiden selbst bedienen können“, sagt Steffi. „Die lässt sich prima dekorieren und neben Süßigkeiten gehen meist auch Obstspieße oder herzhafter Knabberkram gut weg.“ Für eine Piratenparty würde sie außerdem eine alte Kiste mit Getränketütchen aufstellen. „Das ist spannend, alle Kinder lieben die Dinger und sie kippen nicht aus.“
5. Wenn es irgendwie geht: Raus! Selbst im November: Schietwetterparty schmeißen, auf Regenzeug bestehen und raus mit der Geburtstagsgesellschaft. Regentanz tanzen. Pfützenweitsprung anbieten. Oder die Kinder einfach machen lassen. Gegen Abend vielleicht ein Feuerkorb mit Stockbrot. Kinder sind wettertechnisch meist viel weniger anspruchsvoll als wir Erwachsenen und eine Horde Kinder draußen zu bespaßen, ist einfach viel entspannter. Und man muss abends nur das Geburtstagskind grundreinigen, nicht die gesamte Wohnung. (Was das Stockbrot betrifft: Bitte drauf einstellen, dass die Hälfte im Feuer landet. Und man ziemlich schnell mit einer ganzen Handvoll Stockbrote allein dasitzt. Die Kinder, zumindest mit drei, vier, fünf oder sechs Jahren haben da nämlich meist ziemlich schnell keine Lust mehr drauf. Klar, Stockbrot ist trotzdem toll. Man muss es nur wissen.
Kindergeburtstag überleben
6. Plan haben, aber sich nicht dran halten. Ich würde immer ein paar Spielangebote für den Notfall bereit halten: Für Vierjährige vielleicht das gute alte Topfschlagen. Oder Sackhüpfen. Oder Sachen zum Verkleiden. Oder eine kleine Bastelidee. Aber bitte nicht beleidigt sein, wenn die Kinder nicht wollen. Meist wollen sie nämlich einfach nur spielen. War bei uns auch so. Ich wurde nur ab und zu zum Schlichten und Trösten gebraucht.
7. Geschenke. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, eine Richtung vorzugeben. Zum Beispiel: Lara wünscht sich Bastelmaterialien. Oder: Lasse wünscht sich Sandspielzeug. Oder: Sachen für den Kaufmannsladen.
8. Vorbereitung eingrenzen. Ganz wichtig. Klar, könnte und könnte und könnte man noch diese und diese und diese tolle Idee für die Kinderparty umsetzen. Wenn Mami außer Kindergeburtstag nix anderes zu tun hätte. Hat sie aber. „Ich setze mir immer einen Rahmen“, verrät Steffi. „Ich mache nur das, was ich an zwei Abenden umsetzen kann – damit bin ich viel entscheidungsfreudiger und letztlich effektiver als bei tagelangem Dauergrübeln.“ Und Kollegin Moni ergänzt: „Was nützt es, wenn ich ständig mein Kind anranze, nein, Vorlesezeit fällt flach, ich muss noch deinen Geburtstag vorbereiten. Das ist doch schrecklich für alle. Dann lieber Backmischung statt Motto-Torte – schmeckt den Kids doch eh viel besser.“
Steffi und Moni von decorize
Steffi (links im Bild) und Moni aus Hamburg schmücken sich – und uns – glücklich und bieten auf ihrer Seite „Decorize“ neben Partyartikeln auch hübsche Printables an – ich liiiiebe zum Beispiel das Superman-Dress für den Sechserträger, (wär doch was für den 16. meines Größten…) Demnächst soll es bei Decorize übrigens auch Workshops geben – vielleicht ist ja auch ein Überlebenstraining für Kindergeburtstage dabei…

Jetzt seid ihr dran. Könnt ihr noch Sachen ergänzen? Oder findet ihr irgendwas doof? Bitte unbedingt raus damit. Wär doch super, wenn wir hier gemeinsam eine zünftige Kindergeburtstags-Survival-Liste erstellen. Wegen der Piratenwoche geht´s hier übrigens auch am Wochenende hoch her. Schaut unbedingt mal rein… Ich freu mich kringelig.

Liebe Grüße,
Claudi

4 Kommentar zu “Wie überlebt man eigentlich einen Kindergeburtstag?

  1. Anja on 14. August 2014 at 21:49 geschrieben

    Hey Claudi,
    Tolle Serie mit schönen und wertvollen Ideen. Freu mich auf mehr. Da springt sicher noch das eine oder andere für unsere „Zauberwaldparty“ zum 4. Geburtstag im September bei raus!
    Unser Zauberwald befindet sich rund um den örtlichen Waldspielplatz. Mit Kerze ausblasen, Küchenstücke, Getränke und Süßigkeiten hinstellen, einer Hand voll Luftballons, Suche nach dem Zauberbaum (dieses Jahr ist der Weg gespickt mit Aufgabenstellungen wie Einbeinhüpfen oder gleichlange Stöcker sammeln, 5 verschiedene blättersorten finden), Seifenblasen und Ball ist der Nachmittag definitiv gut gefüllt. Letztes Jahr waren (noch) mitkommende Mamas happy klönen zu können und Geschwister waren auch glücklich, vom Opa Geschichten über Bäume und Früchte zu hören und Opa glücklich Zuhörer zu haben.
    Letztes Jahr wars Notprogramm, weil ich hochschwanger (bereits über Termin) war -dieses Jahr Ich freu mich jetzt schon auf genau das selbe -und ich glaube alle eingeladenen (Winterkinder!) auch!!!!!

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  4. Vielen vielen Dank habe sehr gute Tipps bekommen wie ich meiner Töchter ihren Geburtstags Party verschönern kann. Hoffe sie wird sich freuen. Ich werde berichten.

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