Mmmh, also, dieses Mal ist der Fluch der Woche ganz schön lang geworden. Aber irgendwie flutschte es nur so, als ich erst mal anfing zu schreiben. Geht aber schließlich auch um eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Seid ihr soweit? Dann macht´s euch bequem und holt euch nen Kaffee. Fertig? Also, wenn man schwanger ist, bekommt man ja von allen Seiten Tipps um die rosigen Wangen geschmissen, was man uuuuun-be-dingt noch einmal tun sollte, bevor das Kind kommt…
Shoppen mit KInd
Das ist so ähnlich wie Google, wo plötzlich nur noch Babywerbung blinkt, obwohl man dieses Mal eigentlich eine Abdeckung für den Grill sucht. Genau wie Google, wissen die anderen alles besser. „Geht auf jeden Fall noch mal ins Kino“, sagen die einen. „Macht noch mal Wellness“, sagen die anderen. „Schlaft noch mal aus!“, sagen alle. Oder „Geht schön essen“. Ja klar, is alles gut und schön. Ich sag euch bloß: Geht noch mal shoppen. Richtig schön schamlos shoppen…

Ja bitte, stürmt gierig die kleinen Shops und Boutiquen. Streichelt zärtlich die Teile. Fühlt den Stoff: glatt, kühl, weich und duftig. Und vor allem sauber. Seid maßlos. Greift so viel ihr tragen könnt und dann ab in die Kabine mit euch. Streift alles über und bewundert euch im Spiegel. G-a-n-z i-n R-u-h-e. Ja, probiert an. Ich sag euch, probiert um euer Leben. Tragt die Beute hinterher stolz zur Kasse. Reiht euch in die Schlange ein. Und genießt die Ruhe. Bummelt anschließend hinaus, flaniert, die Straße hinunter. Lasst die Tüte am Träger im Takt dazu tanzen. Und dann: rein in den nächsten Shop. Und den nächsten. Einer geht noch. Hach, herrlich.

Ganz ehrlich, seit ich Kinder habe, habe ich schon alles gemacht: Ich war im Kino, essen und sogar wellnessen. Ich hab auch schon ausgeschlafen. Nur shoppen, so richtig shoppen war ich seither nicht. Aus und vorbei. Wie denn auch? Welcher Mann passt bitte sehr auf´s Kind auf, wenn er weiß, dass seine Herzallerliebste gerade durch die Einkaufsstraßen zieht, um mit Geldscheinen um sich zu schmeißen, wie die Jecken mit Kamellen beim Kölschen Karneval. Also meiner nicht. Babysitter ist auch keine Lösung – in der Kombination mit Einkaufen gehen nämlich viel zu teuer.

Wenn überhaupt, geht postnatales Shoppen bei mir so: Ich liege abends todmüde auf dem Sofa. Fühle im Halbschlaf die Tasten meines Laptops, statt Bluejeans oder Rohseide. Ich denke: „Endlich mal wieder ne neue Bluse – GÄHN-, damit ich mich nich mehr so – GÄHN, so muddimäßig fühle, das wärs.“ GÄHN. Und dann: „Eigentlich will ich ins Bett. Aber die ist ganz schön.“ Dann: „Hoffentlich knistert der Stoff nicht.“ Plus: „Ist das wirklich rot oder wieder koralle?“ Dann: „Wie lange hat noch mal die Hermes-Filiale geöffnet? Könnte ich es nächste Woche theoretisch schaffen, eine Rücksendung dort abzugeben?“

Manchmal, nur manchmal, hab ich eine Mama-is-mutig-Minute. Da weigere ich mich zu akzeptieren, dass meine Söhne das Ende einer großartigen Shoppingkarriere sein sollen. Da denk ich: „Pah, ich nehm die Kinder einfach mit. Kann doch nich so schwer sein.
Shoppen
Dann geht Shoppen so…

Ich laufe nicht auf dem Gehweg, ich nehme ihn ein. Für die Leute, die mir entgegenkommen, muss ich aussehen, wie die Müllmänner, die diese Handmüllwagen durch die Gegend schieben. Irre voll mit Müll, sicher schwer und überall baumeln Besen und Bleche und Tüten. An unserem Wagen baumeln statt Besen Schaufeln, so lang wie Dreinhalbjährige. Tüten auch – mit gut gefüllter Windel drin. Außerdem unten in der Karre: zwei überquellende Körbe mit Lebensmitteln. Der Brokkoli in der Linken kugelt bei jeder Kurve gefährlich nahe ans Ablagenende. Passt aber nicht anders. Und ich pack jetzt nicht noch mal alles wieder aus. Oben im Sportsitz: statt Kind zwei Großpackungen Windeln. Vorn an der Karre: ein Rollbrett für´s Geschwisterkind. Falls das nicht den ganzen Weg auf dem Laufrad durchhalten sollte. (Was es dieses Mal aber muss, weil das Rad unmöglich noch in die Ablage passt. Was das Kind aber nicht ahnt.) Außerdem natürlich meine Kinder. Kind eins fährt Schlangenlinien über den Bürgersteig. Kind zwei steckt vor meinem Bauch im Tragetuch.

Ich habe lange überlegt, nach meiner Mama-Mut-Minute, wo ich an diesem Tag shoppen werde. Wenn man den Tag mit kleinen Kindern verbringt, hat man nämlich viel Zeit zum Nachdenken, während man mit einem Feuerwehrauto über den Boden brummt oder den Teddy wickelt oder dem Kind erklärt, dass es jetzt keinen Keks gibt, weil es grad Kuchen gab. Meist kommt man sogar zu nix, außer zum Nachdenken. Meine Wahl fiel auf den Laden, der a) möglichst nah am Spielplatz, b) nicht so voll – daher aber natürlich auch leider nicht so gut und c) nicht so teuer war (in Anbetracht möglicher Schokoladenhinterlassenschaften, zunächst an Kind, dann auf neuer Kollektion). Der außerdem d) einen Fahrstuhl und e) genug Platz für Rangiermanöver hat. Puuuuh, da bleiben nicht viele übrig.

Meine Kinder ahnen nichts von meinem Plan. Kind eins schlängelt, Kind zwei schlummert schön, als ich sie sanft Richtung Eingangstür schiebe. Dabei säusel ich: „Hier gehen wir mal kurz rein.“ Mit Kind, Brett und Karre vor mir scheint der Griff der Ladentür zunächst unerreichbar. Kind eins guckt erstaunt. „Aber wir wollten doch zum Spielplatz!!!“ „Machen wir ja“, flöte ich, „das geht ganz schnell.“ Kind eins zieht die Augenbrauen, beziehungsweise, den entzückend hellen Flaum zusammen, der irgendwann mal Braue werden soll. „Du hast gesagt, wir gehen auf den Spielplatz. Und wenn man´s sagt, muss man´s auch halten.“ Ich beiße mir auf die Lippe. „Schatz, wir gehen ja zum Spielplatz. Ich möchte nur mal kurz was gucken.“ Jetzt schmollt Kind eins. Aber wenigstens hab ich mit dem Hintern die Tür aufgeschoben. Hinter mir ruft eine Frau: „Ich hätte Ihnen die Tür auch aufgehalten.“

Kaum drin, schmollt Kind nicht mehr. Kind schreit. Übliches Vokabular. „Pups. Pupsgesicht. Pupsladen. Kackascheißgucken. Doofe Mama…!“ Ich schließe die Augen. Als ich sie wieder öffne, schieben die erdigen Reifen sehr nah an einer Auslage mit weißen T-Shirt´s vorbei. „Life is to short for boring shirts“ steht vorne drauf. Mir wird warm. Aber ich bin drin. Ich bin zurück. Kind kackapupst leiser, dann verschwindet es unter einem Ständer mit Hosen. Zum Glück schwarz. Hatte ich vorhin eigentlich diesen Schokobart abgewischt oder nicht…?“ Dann sehe ich sie: Blusen – ein ganzer Ständer voll. B-l-u-s-e – wie gut das schon klingt. Nix T-Shirt. Nix Tunika. Dafür eine hübsche Schluppe. Ich parke die Karre (ziemlich im Weg, geht nicht anders) und angle über Kind, Brett, Karre nach dem Bügel. Karamba – da kippt der Kopf von Kind zwei nach vorn. Ich stütze ihn und – heidewitzka – hab die Bluse. Bobby Flitter – fühlt sich das gut an! Als ich sie mir anhalte, werde ich unsicher. Irgendwie fällt der Stoff seltsam über Kind zwei. Brauche ich tatsächlich Größe L? Ich schlucke. Kind spuckt. Ich schwöre, synchron. (Spricht sicher für eine sehr gute Bindung, beruhige ich mich später.) Jetzt wird mir heiß. Kind zwei brüllt. Es riecht sauer. Und nach voller Windel. Verdammt, Scheiße an Schluppe ertrag ich nicht.

„Weggggg daaaa!“ brüllt es plötzlich quer durch den Laden. Oh Gott, wo ist Kind eins? Ich renne los und finde Kind eins, wie es sich in dem weißen T-Shirthaufen wälzt. Aus seinem kleinen Mund sickert ein Rinnsal Schokoeissabber. Ich wette, den T-Shirts ist kein bisschen langweilig. Die Verkäuferin guckt genervt. „Tut mir leid“, japse ich und ziehe Kind eins vom Tisch. „Verzeihung…“

Bei der Karre fragt Kind eins: „Gehen wir jetzt zum Spielplatz…?“
Ich stöhne: „Ja, verdammt noch mal, gleich, ich will doch nur mal kurz…“
Kind eins: „Buuuuuuuuääääähhhhhhhhhhh!“
Kind zwei: „Buuuuuuuuuuuuuuuääääääääääähhhhhhh!“
Neben uns schiebt sich eine alte Dame mit rosigen Wangen und einem Gehwagen vorbei. Sie bleibt stehen und schaut mit großen Augen und gespitzten Lippen auf die schreienden Kinder.
„Ihr Armen. Was habt ihr denn bloß…? Ihr werdet doch hoffentlich nicht krank?“
„Spiiiiiiiiiielplatz!!!!“ brüllt Kind eins.

Ich sage nichts. Ich wende und schiebe Karre, Kinder und Kuller-Brokkoli in Richtung Ausgang.
Kurz davor steht ein Ständer mit Westen. Irre schöne, kuschelige Fellwesten. In wollweiß. So eine wollte ich schon immer haben. Ich streife eine über. Es fühlt sich herrlich an.
„Und?“, frage ich Kind eins. „Wie sehe ich aus?“
„Wie ein Schaf, Mama. Können wir jetzt endlich zum Spielplatz?“

Und jetzt bist du dran. Kennst du das hier auch so oder ähnlich? Oder übertreibe ich maßlos? Hast du Shopping-Tipps für mich? Ich würde mich riesig freuen, von dir zu hören.
Liebe Grüße,

Claudi