Zuhause ist immer irgendwas: drei hungrige Kinder, Tonnen an Wäsche, fünf angefangene Projekte und keine Sekunde, um kurz Luft zu holen. Geschweige denn, sich daran zu erinnern, dass wir  nicht nur Eltern, sondern auch noch Frau und Mann sind. Ein Paar, das sich liebt, das Zeit und schöne Erlebnisse miteinander teilen wollte. Und immer noch teilen will – nur wie?! Ehrlicherweise gibt es für unser Mama-und-Papa-Dilemma gerade kein Entkommen – es sei denn, wir verlassen gemeinsam das Haus…

Wenn’s knirscht und wir knurren, brauchen wir keine Paartherapie, sondern einfach einen Ortswechsel. Wenn wir Nähe suchen und Liebe brauchen, müssen wir kein teures Hotel buchen, sondern gemeinsam zu IKEA fahren. Ganz gleich, was: Als Paar funken wir wir außerhalb unserer vier Wände gerade irgendwie besser.

Wir brauchen nicht nur Zeit für uns allein – sondern auch Raum.

Und damit ist nicht das vollgekrümelte Familiensofa gemeint, auf dem man abends ermattet zusammenbricht. Auch nicht unser Esstisch, an dem wir den Großteil der sehr Zuhause-lastigen Pandemiemonate verbracht haben. Wir müssen ganz raus aus dem Alltagstrott, der aus uns automatisch Funktionsträger und Familienmanager macht. Raus aus den Zimmern, die stumm, aber beharrlich irgendwelche Dinge von uns einfordern: Räum mich auf! Mach endlich die Steuer!

Tatsächlich halte ich zweisame Autofahrten mittlerweile für ergiebiger als krampfige Candle-Light-Dinners. Am besten mit einem Ziel, das ein wenig weiter weg als der nächstgelegene Supermarkt ist: Während draußen die Landschaft vorbeizieht, im Radio irgendein Song dudelt und man nichts weiter zu hat als die Spur zu halten, entspannen sich bei uns die besten Gespräche. Nicht völlig automatisch. Meistens drehen wir die vertraute Schleife über Kinder und Orga, bis einer fragt: „Und wie geht es eigentlich DIR…?!“

Szenenwechsel sind unser bester Beziehungskitt.

Funktiniert auch mit bei einem spontanen Spaziergang. Und sogar manchmal mit einem Kaffee auf der Gartenterrasse, während wir eigentlich arbeiten wollten. Und natürlich auch, wenn wir gemeinsam essen, ins Kino, auf ein Konzert gehen. Aber ich suche gerade vor allem nach den Momenten, die sich ohne viel Sitting-Orga, ohne wochenlanges Vorausplanen realisieren lassen. Die Quickie-Paarzeit für den Alltagsgebrauch, wenn man so will.

Ich mag, wie sich der Blickwinkel ändert, wenn wir dem Trott kurz entfliehen. Wie andere Umgebungen andere Wesenzüge zum Vorschein bringen – oft solche, in die wir uns mal vor sehr langer Zeit verliebt haben. Wie wir wieder nur uns sehen – und nicht das, was wir noch besprechen, erledigen, regeln müssen.

Dieser Paar-to-go-Zustand gelingt uns am besten vormittags, wenn die Kinder betreut sind.

Und natürlich auch nur, weil wir beide im Homeoffice arbeiten. Kürzlich war ich an einem solchen Morgen joggen und mein Mann fuhr mit dem Fahrrad nebenher: Mit jedem Schritt entfernten wir uns mehr von dem, was uns sonst so umtreibt – und hatten nach einer halben Stunde ein kleines Alltagsabenteuer nur für uns beide erlebt. Ebenso unspektakulär wie schön – aber am Ende des Tages ein Punkt mehr auf dem Zweisam-Konto als üblich.

Dennoch muss es manchmal auch die Paar-Zeit mit Ansage sein. Etwas, das wir planen, organisieren, auf das wir uns freuen – und dass meist ganz anders kommt als erhofft. So wie kürzlich, als wir zu unserem Hochteitstag eine Nacht zu zweit im Van schlafen wollten. Ich hatte mir einen schönen Campingplatz empfehlen lassen, Pläne fürs Frühstück in unserem nahegelegenen Lieblingsstädtchen geschmiedet. Doch dann kam der Babysitter viel später als erwartet und wir erst abends in der beginnenden Dämmerung los.

Ich war unenstpannt und nicht wirklich in Liebeslaune.

Wir fuhren in den Abend hinein, draußen zog die Elbe an uns vorbei, das Radio lief leise. Irgendwann sagte mein Mann: „Weißt du was? Wir machen jetzt und hier Halt. Ist doch völlig egal, was wir eigentlich vorhatten…“ Er hatte recht. Wir wollten Zeit und Raum für uns. Hauptsache, nicht Zuhause.

Und so haben wir die Nacht im Nachbardorf auf einem Parkplatz am Wasser verbracht. Nicht mal annähernd da, wo wir ursprünglich hinwollten. Aber zu uns wollten wir unbedingt. Wir mussten nicht weit fahren, um für ein paar Stunden wieder nur Mann und Frau zu sein. Manchmal liegt das Wir viel näher als man denkt.

Habt ihr auch solche Alltags-Quickies für euch als Paar?

PS: Hier habe ich schon einmal darüber geschrieben, wie wichtig auch Abstand zueinander für uns als Paar ist.

Alles Liebe,

Katia