Ich bin für einen Sonntagmorgen viel zu früh aufgewacht. Vor sechs war es. Und doch nicht schlimm. Ich habe mit dem Mann Kaffee getrunken, allein. Ein wenig in den nasskalten Garten geschaut. Ein bisschen geredet, über dies und das, nichts Weltbewegendes. Später wollten wir mit Freunden grillen. Es hat geregnet. Ich hab mich nicht geärgert. Drinnen war es auch gemütlich, obwohl doch Sommer ist. Es war gut so, wie es war. Ich wollte nichts anders, besser, schöner machen. Es war ein unaufgeregter Tag…

Ich mag diese Tage, an denen sich unspektakuläre Momente aneinanderreihen. Die einfach so dahinfließen, ohne größere Stromschnellen. Mit ein paar Sandbänken mittendrin, zum Innehalten. Man kann solche Tage nicht planen. Sie passieren einfach.

Sie sind so besonders, weil eigentlich nichts Besonderes an ihnen ist.

Außer, dass alle irgendwie zufrieden sind mit dem, was ist. Alle haben Zeit und keinen Plan. Was sonst meist zu mittelschwerem Punk führt, löst sich an solchen Tagen friedlich auf: Streit verpufft von selbst, Prinzipien machen Pause, Drama bleibt im Rahmen. Der Große baut dem Kleinen seine Ritterburg auf. Der Mann bastelt dem Großen ein Lego-Auto zusammen. Die Mittlere kommt mit mir zum Flohmarkt, obwohl ich eigentlich Me-Time will.

Was auch als Mama-Tochter-Ausflug schön ist, nicht überragend, einfach auch gut. Ohne Ausrufezeichen. Die Sechsjährige zerrt mich weiter, weil sie Einhörner sucht und ich neue Klamotten. Ich ärger mich nicht über ihr Tempo und meines, die nicht so recht zusammen passen wollen.

Vielleicht, weil ich an unaufgeregten Tagen einfach harmoniere. Anders als sonst. Mit mir, der Situation, der Welt. Ohne Selbstzufriedenheits-Boost. Es ist einfach gerade, wie es ist. Meine Tochter haut ihr ganzes Taschengeld für pinke Plastikteile raus. Wenn sie meint.

Dieses Hinnehmen und Annehmen ohne großes Auf und Ab macht mich leise froh.

Vielleicht ist es das: An unaufgeregten Tagen ist nichts laut und macht fuchtelnd auf sich aufmerksam. Keine Situation schnippt wichtigtuerisch mit den Fingern. Alles ist eher ein leiser Fingerzeig: Schau mal – so geht es doch auch. Selbst, wenn ich dabei ein paar Themen habe. Blöde Gedanken. Ich gebe ihnen keinen Raum. Ich muss mich dafür nicht mal groß bemühen. Sie lassen sich bereitwillig beiseiteschieben.

Unaufgeregte Tage sind auch unanstrengende Tage. Ohne Kampf. Ohne Krampf. Ja, die Kinder sollten endlich mal wieder früher ins Bett, endlich weniger fernsehen. Und doch enden wir zu fünft auf der Couch vor KiKa, schauen Kinderdokus, „Kraaaass“, sagt der Dreijährige anerkennend, als er einen Segelflieger über den Bildschirm gleiten sieht. Irgendwann nach zehn schläft die Mittlere auf unserem Schoß ein, wir bleiben einfach sitzen. Reden noch ein wenig – über dies und das, nicht Weltbewegendes. Im Garten und im Wohnzimmer senkt sich die Dunkelheit über uns und unseren Tag. Die Katze gesellt sich zu uns. Und am Ende gehen wir schlafen.

Ich hatte einen unaufgeregten Tag. Er war einer der besten unserer Sommerferien.

Ich weiß, dass er sich nicht so schnell wiederholen lässt. Aber ich freu mich schon auf den nächsten.

Kennt ihr  solche Tage auch?

PS: Nur Tage nach diesem Text brach sich meine Tochter beim Toben den Arm. Da wurde meine Sehnsucht nach dem nächsten unaufgeregten Tag noch ein wenig größer…

Alles Liebe,

Katia