Manchmal ruft mich meine Schwiegermutter an. „Er ist hier“, sagt sie aufgeregt ins Telefon, „nicht das du ihn suchst. Er ist hier – in Body und Strumpfhose.“ Sie seufzt. Ich bedanke mich, frage mich, wie er mir wieder davonflitzen konnte, einmal quer über den Hof und auf Zehenspitzen Omas Klingel drücken. Dann muss ich grinsen. „Immerhin hatte er Body und Strumpfhose an“, denke ich. „Gestern stürmte er im Unterhemd in den Schnee…“

Auch meine größeren Jungs kennen keine Kälte. „Zieh. Dir. Eine. Jacke. An!“, ist der Satz, den ich ständig aus dem Fenster heraus brülle. Wenn meine Söhne dann reinstürmen, mit roten Wangen und Nasenspitzen und ihre eisigen Finger unter mein Shirt schieben, frage ich jedes Mal: „Friert ihr nicht?“ Weil ich schon bei drei Minuten Tür auf friere. „Nö…!“, sagen sie. Jetzt weiß ich dank dieses Artikels in der New York Times, dass sie damit vielleicht sogar Recht haben.

Grund eins, warum sie nicht frieren ist simpel: Sie stehen nie still. Es scheint aber auch anatomische Gründe zu geben, warum meine Kinder am liebsten barfuß durch den Schnee stapfen würden: Laut Dr. Michael Symonds, Professor an der Universität Nottingham, hält ihr hoher Anteil an braunem Fett sie warm. Braunes Fett? Davon hatte ich noch nie gehört. Und es klingt übel. Ist es aber nicht. Laut Symonds ist es eine spezielle Art von Fett, die vor allem dafür da ist, Wärme im Körper zu produzieren. Eine Gramm Braunes Fett produziere 300 Mal mehr Wärme als jede andere Region des Körpers.

Darum frieren Kinder nicht!

Braunes Fett sei vor allem in der Nackenregion angelegt. Dort, wo meine Kinder tatsächlich sogar nach einer Gartenrunde im Schnee schwitzen. Es ist vor allem da, um Babys zu wärmen, damit sie sich außerhalb des Bauches der Mutter in Ruhe an die Umgebung anpassen können. Das braune Fett wird dringend gebraucht, weil Babys noch keine Muskeln haben, die den Körper später wärmen. „Braunes Fett ist eins der wichtigsten Dinge, damit Neugeborene überleben“, betont Symonds. Braunes Fett sei es übrigens auch, das es Tieren ermöglicht, ihren Winterschlaf zu überstehen.

„Brown fat helps you produce heat, while white fat just makes your jeans stop fitting.“, schreibt die Wissenschaftlerin Roxanne Khamsi auf Twitter.

Je älter ein Mensch wird, desto mehr sinkt sein Anteil an braunem Fett. Eigentlich also logisch, dass mein Zehnjähriger inzwischen öfter mal freiwillig einen Parka anzieht. Finnische Studien besagen aber, dass man seinen braunen Fettanteil erhöhen könne, in dem man viel Zeit draußen verbringe. Eventuell sogar durch das Schlafen in einem kühlen Schlafzimmer.

Ich brülle also vielleicht nicht mehr ganz so laut. Und danke dem braunen Fett.

Claudi