Während der vergangenen warmen Tage habe ich mich oft zurückerinnert an meine allererste Schwangerschaft. Mit Lasse im Bauch. Damals wie heute bin ich barfuß über Wiesen spaziert, habe nur noch einen Hauch von Zehe links und rechts unter der Kugel hervorblitzen sehen. Dazu dieser lausige Druck zwischen den Beinen, als würde man einen Kürbis auf dem Schambein herumschleppen, und der pieksende Schmerz im unteren Rücken hin und wieder…
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Das Gefühl, sich endlich hinsetzen zu können, obwohl man sonst immer herumflitzt, irgendwohin sitzen und leise stöhnen und pusten und prusten und dann ein kühles Getränk, Brauseglas auf Bauch, und eine Hand, rumpeln spüren, lächeln. Glück… Nichts anderes war wichtig, nichts anderes zählte. Die Tage schmolzen dahin, ich auch. Irgendwie war es gefühlt die ganze Zeit warm damals, André gerade zwischen zwei Jobs und mit viel Zeit. Wir kugelten die Straße entlang, Hand in Hand, zum Freibad, zu Freunden. Irgendwann machten wir Termine mit dieser „wenn-noch-nicht-dann“- Einschränkung. Ich wusste nicht, was da kommt. Hatte keine Ahnung wann, was, wie losgeht und überhaupt.
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Irgendwie seltsam, dass ich mich in dieser vierten Schwangerschaft so häufig an die allererste erinnere. Nicht etwa an die letzte, die schließlich noch gar nicht so lange her ist. Vielleicht ist da noch immer dieses kribbelige Gefühl von Überraschung, von Nicht-Glauben-Können, weil es kein bisschen klar war, dass wir jemals ein viertes Kind bekommen würden. (Genau wie man sich vor dem ersten immer sorgt, ob es überhaupt klappt). Vielleicht noch einmal dieses Gefühl von ankommen, weil ein Kind aus einem Paar doch eine Familie macht. Und dieses aus uns eine Familie zu sechst. Sechs – für mich klingt das tatsächlich perfekt.

Dazu kommt das sehr schöne Gefühl, dass ich danach wirklich durch bin in Sachen Kinderkriegen. Ein bisschen wehmütig bestimmt, aber nicht mehr so furchtbar traurig, dass diese besondere Phase in meinem Leben für immer eine Ende hat. Ich genieße jedes Rumpeln im Bauch, sogar meinen komischen Cowboygang oder die noch seltsameren Sachen, wie den Diabetestest bei der Gynäkologin. Ich sauge alles auf, fotografiere und filme es in Gedanken, aber ich erlebe es dieses Mal nicht mit Wehmut über die ganzen verdammten letzten Male, sondern mit einem Lächeln und einer tiefen Dankbarkeit über das Glück, das alles vier Mal erlebt haben zu dürfen.
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Ich habe glücklicherweise  auch nicht mehr den hektischen Drang, jedes Bauchkribbeln, jeden Tritt, jeden Zentimeter mehr Bauchumpfang sofort in einem Tagebuch notieren zu müssen, um mich später ja daran erinnern zu können, wie ich das in meinen letzten Schwangerschaften hatte. Ich sitze lieber ein paar Minuten im Liegestuhl da, spüre bewusst, genieße.

Oft muss ich schmunzeln, bei dem Gedanken, wie anders sich eine vierte Schangerschaft für ein Baby im Bauch anfühlen muss. Statt Streicheleinheiten, sanft gesprochenen Sätzen von Mama und Papa und dem Geklimper einer Spieluhr, drei gebrüllte „Guten Morgen, Baby!“, dazu sechs aufgeregt drückende Hände, schief gesungene Begrüßungslieder und Unmengen feuchter Geschwisterküsse. Außerdem: ein paar Tritte von außen, aus Versehen, ist klar, und dennoch Mamas erschrockenen Aufschrei hinterher: „Vooooorsicht!“. Regelmäßige, frühmorgendlich Ritte von einem knapp Dreijährigen auf Mamas Hüfte – auf der Seite, zum Glück. Und dann wieder: stundenlanges, absolutes Linksliegenlassen, Babybauch Bauch sein lassen, weil eins der Geschwister einen heftig blutenden Wackelzahn oder ein blaues Auge hat. Oder in der Schule Ärger hatte. Oder den Spinat beim Mittagsessen nicht mag. Und: Lachen. So viel Lachen. Da muss Baby doch riesig Lust haben, den Kopf herauszustecken. Oder?
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In dieser Schwangerschaft genieße ich auch ganz bewusst noch einmal den Türöffner-Effekt, den eine Schwangerschaft mit sich bringt. An der Kasse, im Bus, bei Geburtstagsfesten bei Freunden, fast alle lächeln, fragen, sagen etwas. Und flupps ist man plötzlich mit ganz vielen Menschen im Gespräch. Immer wieder lustig, wie viele ein und denselben Bauch dabei als zierlich/riesig/kurzvormplatzen empfinden. Und schön, wie so viele anfangen, von ihren Bäuchen, Geburten, Schwangerschaften zu erzählen. Inzwischen kann ich interessiert zuhören, ohne in Panik zu verfallen. Sogar Kommentare wie: „Oh man, der Bauch sitzt aber tief…“, machen mich nicht mehr nachdenklich.

Seltsam fühlt sich dagegen der ewige unsichtbare Terminkalender an, den andere Menschen Schwangeren ständig vor die Nase halten: „Juli? Ach, da haben Sie ja noch eine ganze Weile vor sich.“ Und gleich danach jemand: „Juli? Oh, man, dann ist ja jetzt absoluter Endspurt…!“

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Irgendwie wissen immer alle bescheid. Bloß ich, ich verliere das Gefühl für Zeit komplett. Ich erinnere mich noch gut an die mühsamen, schleichenden Stunden, Tagen und ersten Wochen der Schwangerschaft, in denen ich mich gesorgt und jeden überstandenen Tag gefeiert habe. Und plötzlich bin ich mir nichts dir nichts rübergekugelt zu den UHU-Tagen, zu den „Unter Hundert“ bis zum Geburtstermin. Ich kann einerseits nicht glauben, dass ich in knapp sechs Wochen noch ein Baby bekomme. Anderseits kann ich mich gar nicht mehr so richtig daran erinnern, wie es war, bevor dieses Baby in meinem Bauch war. So lange her fühlt sich das an. Täglich schwanke ich zwischen: „Komm endlich raus, ich möchte dich kennenlernen!“ und „Bitte bleib noch eine ganz lange Weile darin, es ist gerade so gemütlich mit dir.“

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Und da bin ich wieder bei meinem Vergleich vom Anfang. Denn egal ob es die erste, zweite, dritte oder vierte Scwhangerschaft ist, man weiß nie was kommt. Bei der ersten mit Sicherheit nicht, bei der vierten ist man ganz sicher, dass man es nicht wissen kann. Ich versuche also, mir möglichst wenig Gedanken zu machen. Zu hoffen, dass alles gut geht. Und diese besondere Zeit zu genießen, mit dem Wissen, dass sie schnell wie ein Wimpernschlag vergeht. Aber dass einem die wunderbaren Gedankenfotos und -filme niemand jemals nehmen kann.

PS. Die Fotos für diesen Post hat die zauberhafte Leni Moretti gemacht. Wieder einmal ist es ihr gelungen, die ganz besondere Wartezeit auf unser Baby wunderbar einzufangen. Mit all den innigen Momenten, all dem Lachen. Mit ganz viel Vorfreude und vielleicht auch kleinen Ängsten. Mit Wackelzähnen, blauen Wangen und Aufregung. Sie hat das alles festgehalten, ohne das wir so richtig gemerkt haben, dass sie überhaupt dabei war. Also falls ihr auf der Suche nach einer richtig guten Familienfotografin seid, ich kann euch Leni wärmstens empfehlen. Sie reist übrigens deutschlandweit.
Vorfreudige Grüße,

Claudi