Ich wollte immer mehrere Kinder. Auch, als ich noch gar nicht ernsthaft über Kinder nachgedacht habe, war mir klar, dass ich mindestens zwei haben würde. Als Einzelkind-Mutter habe ich mich irgendwie nie gesehen. Jetzt habe ich drei – und frage mich immer öfter, ob ich als Mama einer einzigen Tochter, eines einzigen Sohnes nicht doch den besseren Job gemacht hätte…

Ich glaube, ich habe immer aus der Warte der Kinder heraus gedacht. Weil ich mich an mich selbst als Kind erinnert habe – wie ich mit einer Schwester gemeinsam aufgewachsen bin. Was natürlich auch nicht immer ein Zuckerschlecken war (hier und hier habe ich schon mal über unser Geschwistersein geschrieben). Und dennoch würde ich unsere familiäre Komplizenschaft, unsere Verbundenheit, nie im Leben gegen ein Leben als Einzelkind eintauschen wollen.

Aber als Mutter ist die Perspektive manchmal eine andere. Vor allem auf die eigene Rolle.

Auch wenn es nicht bewusst geschieht, aber man hat ja ein bestimmtes Bild von sich: Was für eine Mutter man irgendwann sein wird, sein möchte. Liebevoll, zugewandt, aufmerksam. Immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte des Kindes, immer präsent, sattelfest in der Rolle der alles überblickenden Erwachsenen.

Die Frau, die sich mit gehetztem Blick und rauem Ton zwischen Saftpfützen-Chaos, Hausaufgaben-Gejammer, Trotzanfällen, “Mama!!!”-Apellen und dreifacher Hobby-Organisation verliert, die den Überblick verliert, die Fassung obendrein – die passt so gar nicht in dieses Bild. Und doch bin ich genau zu dieser Frau, zu dieser Mutter geworden. Und die ist häufig himmelweit von dem Mama-Ideal entfernt, das ich gern wäre.

Was ich im Zerreißen zwischen drei verschiedenen Bedürfnissen, Ansprüchen und emotionalen Ausbrüchen aber einfach nicht sein kann.

Weil ich in diesem Wirbelsturm von Familie oft gar nicht mehr agiere, sondern nur noch reagiere – in dem verzweifelten Versuch, alle Bälle zumindest irgendwie in der Luft zu halten. Von einer kunstvollen Performance kann dabei wirklich keine Rede sein.

Wie anders es sich dagegen anfühlt, sich zwischendurch nur mal um ein Kind zu kümmern. Sich nur einem Kind zuzuwenden, ganz und gar. Ohne dass zwei weitere um meine Aufmerksamkeit buhlen, ins Gespräch, ins Spiel, in unsere Zweisamkeit und Kuschelzeit reingrätschen wie angriffslustige Fußballer, die ich sonst mir roter Karte vom Platz jagen müsste. Wie entspannt es ist, sich nur um die Wünsche, Ideen und Ansprüche eines Kindes zu bemühen. Und das gern und nicht mit rollenden Dreifachmama-Augen, für die jede weitere Anforderung an schlechten Tagen eine ziemliche Zumutung ist.

Wenn ich mir eine Auszeit mit nur einem Kind nehme, werde ich zu der Mutter, die ich gern wäre.

Die ich gern häufiger wäre: Lässiger, fokussierter, mit ganz viel Lunte, Spaß und Enthusiasmus. Meist machen es die einem die Kinder in solchen Momenten auch leichter als sonst: Sind weniger widerborstig als im Geschwister-Alltag, weil sie sich mehr gesehen fühlen, nicht dauernd konkurrieren müssen.

Mir fiel all das auf, als ich kürzlich mit dem Vierjährigen solo unterwegs war. Eigentlich nichts Großartiges: Wir sind zu zweit zu unserem Lieblingsspielplatz am Strand gefahren, haben ein Boot entdeckt, in dem er mich prima vor gefährlichen Dinos retten konnte. Er hopste eine Weile von der Düne in den Sand, sammelte ein paar besondere Steine und rannte ins Watt hinaus. Als er genug hatte, waren wir bei einem urigen Imbiss noch ein Fischbrötchen essen – und nach zwei Stunden wieder zuhause. Es war auf eine unspektakuläre Art schön.

Vielleicht, weil ich bei all dem die Muße hatte, mein Kind richtig zu sehen.

Ganz und gar und nicht wie sonst als Teil eines Dreier-Gespanns, als Teil einer größeren Familie, in der es oft um den kleinsten gemeinsamen Nenner und nicht um jedes Individuum in all seinen Facetten geht. Vielleicht, weil ich mich ganz bewusst auf unsere Zweisamzeit konzentriert habe, das Handy in der Tasche gelassen und den Blick nirgendwo anders hin gerichtet habe als auf ihn.

Und vielleicht liegt genau hier ein Knackpunkt im Unterschied zum Einzelkind. In meiner Dreifach-Mama-Welt kann ich diese Momente, diese Zuwendung zu einem Kind, dieses genaue Hinschauen genießen. Weil es etwas Besonderes ist. Aber wenn ich mir vorstelle, dass ich tagein, tagaus nur um ein Kind kreisen würde, obendrein noch gemeinsam mit meinem Mann – würden wir nicht Gefahr laufen, irgendwann zu Helikopter-Eltern zu werden…? Ich erinnere mich nämlich noch gut an die ersten drei Jahre, daran, als nur mein ältester Sohn auf der Welt war:

Zwei Eltern, ein Kind – und ein ziemliches Bohei um einen einzigen kleinen Menschen.

Auf Dauer hätte ich mich in dieser Rolle dann wohl doch nicht gesehen. Vermutlich muss ich eher akzeptieren, dass ich als authentische Dreifach-Mama eine andere bin als die, die ich mir irgendwann mal zusammenfantasiert habe. Und regelmäßig dafür sorgen, dass ich mit meinem Trio Solo-Auftritte habe: Als Mutter mit einer spitzen Performance.

Aus der Geschwister-Warte wäre zumindest mein Jüngster als Einzelkind todunglücklich: Als wir nach unserer Auszeit zurück nach Hause kamen, galt seine erste Frage den beiden Großen. Mit denen er dann den Rest des Tages entfesselt spielte. Ich bin mir sicher: Mit mir als Einzelkind-Mutter hätte er dauerhaft definitiv weniger Spaß…

Habt ihr euch auch schon mal gefragt, wie sich eine andere Familiengröße auf eure Elternrolle auswirken würde…?

Alles Liebe,

Katia