Am vergangenen Wochenende erzählte ich bei Instagram kurz von unserem Samstagabendprogramm: ein Abend mit Freunden, ein Haufen Kinder – und ein großer Topf blubbernde Bolognese. Hinterher fragten gleich mehrere Leser per Direktnachricht, wie wir das eigentlich immer machen, mit dem vielen Besuch. Ich dachte erst: Hä, wieso? Und dann: Ach, das ist gar nicht normal?
Eltern sein, Ausgehen,
Bevor wir Kinder hatten waren André und ich jedes Wochenende unterwegs. Auf Parties. Auf dem Kiez. Auf ein Bier oder Wein in der Eckneipe. Bis spät in die Nacht bei Freunden. Oder wir hatten Besuch – oft gingen wir mit dem Besuch hinterher noch tanzen. Ausgehen tun wir inzwischen nicht mehr oft, unsere Partybesuche im Jahr kann ich an einer Hand abzählen. Langweiliger geworden sind unsere Wochenenden zum Glück trotzdem nicht, denn wir rocken einfach zu Hause. Bei uns oder bei Freunden. Wenn ich darüber nachdenke, haben wir eigentlich jedes Wochenende Besuch oder sind zu Besuch. Oft sogar freitags und samstags. Die Wohnzimmer sind unsere neuen Rockbars geworden. Hier rocken wir Berge von Essen, Tellern, Kindern; Getränken, Gekabbel, Geschrei. Und wir lieben es.

Das funktioniert nur, weil wir die Kinder und einen Berg voll Kinderkram regelmäßig einpacken, eine Weile fahren und alles bei Freunden wieder auspacken. Die Kinder spielen dann meist ein Stündchen zusammen, dann wird gegessen und hinterher ein Film geguckt. Danach legen wir sie hin, die Kleinen meist extra, die Großen alle nebeneinander auf Matratzen auf den Boden, wie die Bullerbü-Kinder beim Festessen bei Tante Jenni. Diese Abende sind laut. Diese Abende kosten Nerven und machen Muckis, denn hinterher tragen André und ich alle schlafenden Kinder inklusive Gepäck wieder rein ins Auto. Und zuhause wieder raus. Seit Bo da ist müssen wir jeder zweimal gehen. Einer von uns zieht dabei gern mal die Augenbrauen hoch, der andere lächelt. Das heißt: „Ich hab verstanden. Ich die Kleinen. Du die Großen. Okay?“ Die Kinder lieben es. Wir auch.

Kochen für viele
Wenn Freunde zu uns kommen, läuft es genauso. Dann kriegen die anderen die Muckis. Dann bringen die die Kinder und Gepäck mit. Manche ein Klappbett, alle Decken, Kissen, Tüten. Bei uns im Flur sieht es jedes Mal aus, als wollten sie bei uns einziehen.

Wenn an solchen Abenden die Zahl der Kinder deutlich die Zahl der Erwachsenen übersteigt, lassen wir die Kinder meist vorab essen, zwei oder drei Mamas oder Papas gießen dann Saft nach, verteilen Würstchen oder reichen Salat rüber, während André und ich oft noch das Abendessen für die Erwachsenen vorbereiten. Ein paar Seufzer aufgrund tobender Kinder gibts immer als Aperitif. Aber dann beginnt das Kinoprogramm für sie und sie ziehen mit einer Schale Knabberkram oder Popcorn aufs Sofa und es wird gemeinsam ein Film geschaut (manchmal auch zwei). Das ist viel Fernsehen auf einmal – aber da unsere Kinder in der Woche überhaupt kein Fernsehen gucken, finde ich das okay. Die Filmauswahl orientiert sich am kleinsten Kind.


Dann beginnt das Schönste: Wir Erwachsenen essen in Ruhe, erzählen und lachen – beinahe genau wie früher. Ab und an kommt ein Kind vorbei (meist um nach mehr Süßigkeiten zu fragen. Okay, oder kurz zum Kuscheln), ab und zu sitzt auch mal ein Kind bei uns. Sonst machen sie sehr ihr eigenes Ding an solchen Abenden. Nach dem Filmprogramm wird es nochmal wild, wenn je ein Elternteil seine Kinder fertig macht. Die Gute-Nacht-Geschichte liest dann meist einer für alle vor. Dann kehrt wieder Ruhe ein. Unten wird oft erst jetzt der Nachtisch serviert – ein Glas voll Sahne und Zucker und Köstlichkeit. Unsere Zigarette danach. Heimlich – und ohne Naschfinger. Manchmal spielen wir noch etwas – bis alle irgendwann weit nach zwölf nach Hause fahren. Mit ihnen das ganze Gepäck im Flur und ein Drittel der Kinder aus dem oberen Stock.

Wie haben tatsächlich mehrere Gruppen ganz unterschiedlicher Freunde, mit denen wir das genauso handhaben und wir treffen uns regelmäßig reium. Wir alle müssen eine Weile fahren, um uns zu sehen, aber ich bin so froh, wegen der Kinder am Wochenende nicht allein auf dem Sofa sitzen zu müssen. Und an manchen dieser Abende drehen wir sogar die Musik ordentlich laut.

Kochen für Freunde
Ich kenne natürlich auch einige Elternpaare, für die diese Art der Abendgestaltung gar nichts wäre. Denen ihre Struktur fehlt, oder ihr Schlaf. Die abends schon zu viel an den nächsten Morgen denken. Denen das alles viel zu viel Aufwand ist. Und Chaos. Die ihr Kind lieber im eigenen Bett schlafen sehen. Und die sich dann lieber ab und zu mal einen Babysitter bestellen. Für uns fühlt sich das so ganz wunderbar an. Und ich könnte mir vorstellen, dass diese wilden, geselligen Abende später zu den schönsten Kindheitserinnerungen unserer Jungs gehören.

Vor eine Weile habe ich für unsere Freunde ein leckeres Reh-Ragout gekocht. Eigentlich hatte ich frisches Wild eingeplant, dass man bei uns in der Gegend super kaufen kann. Allerdings nur bis Weihnachten, das wusste ich nicht, daher musste ich auf TK-Wild ausweichen. Gut war es trotzdem. Es ist eins der Essen, die super für große Gruppen funktionieren, weil sie einfach zu machen sind und die meiste Zeit äußerst entspannt vor sich hinköcheln. Also, falls ihr auch mögt…

Kochen für viele: Reh-Ragout für 6 bis 8 Personen (leicht verändert nach Tim Mälzer)

Zutaten:
1 Rehkeule (ca 1,8 Kilo)
1 Knoblauchzehe
10 Wacholderbeeren
10 Pimentkörner
400 Gramm Champignons
Eine Hand voll getrocknete Stinpilze
2 Esslöffel Olivenöl
1 Esslöffel Mehl
1 Esslöffel Tomatenmark
200 Milliliter weißer Portwein
2 Lorbeerblätter
3 Esslöffel Rapsöl
Salz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
einige Zweige Petersilie
Preiselbeeren aus dem Glas

Und so gehts:
Steinpilze in Wasser einweichen. Das Fleisch der Rehkeule am Knochen entlang abschneiden (oder vom Wildhändler auslösen lassen). Den Knochen mit kaltem Wasser bedeckt aufkochen, dann den Schaum mit einer Schöpfkelle abnehmen. Knoblauch pellen, leicht andrücken und mit den Wacholderbeeren und Pimentkörnern zugeben. Offen 20 Minuten kochen. Den Rehfond durch ein feines Sieb passieren und 600 Milliliter abmessen.

Champignons putzen und in Scheiben schneiden, Steinpilze ausdrücken und ebenfalls klein schneiden. Reh-Fleisch in zwei bis drei Zentimeter große Würfel schneiden und in einem großen Bräter in Olivenöl anbraten. Eine Handvoll Champignons dazu geben und mit anbraten.

Fleishc mit Mehl bestäuben und das Tomatenmark unterrühren. Eine Minute weiterrösten und mit Portwein ablöschen. Lorbeerblatt und getrocknete Steinpilze dazugeben und köcheln lassen. Dann den Rehfond dazugeben und mindestens eine Stunde köcheln lassen. Restliche Champignons anbraten und zum Schluss ins Ragout werfen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und Petersie bestreuen. Mit Preiselbeeren servieren. (Und vielleicht mit Spätze?)


Nachtisch,

Blitz-Nachtisch (für 8): Schneewittchen (bei Chefkoch.de entdeckt)

Zutaten:
1,5 Kilo Rote Grütze aus dem Kühlregal
1 Kilo Magerquark
2 Becher Sahne
6 Esslöffel Vanillezucker
Schokoraspel

Und so gehts:
Die rote Grütze in eine große oder viele kleine Schalen füllen. Sahne mit dem Vanillezucker steif schlagen, Magerquark dazugeben und verrühren. Die Quarkmischung auf der Grütze verteilen und großzügig mit Schokoraspeln bestreuen.

Und wie macht ihr das mit Freunden am Wochenende? Ich würde es so gern hören…

PS. Noch mehr Kochen für viele. Und: Die Sache mit dem Fernsehen. Schon eine ganze Weile her. (Heute machen wir es wie meine Freundin).

Ein wunderbares Wochenende,

Claudi