Eigentlich sollte hier heute der Post über meine Buchparty laufen. Jubel, Trubel. Heiterkeit. Gestern Abend fertig getextet, dann, 22.04 Uhr, schob sich etwas anderes dazwischen. Erst eine Whatsapp, die zweite mit fast ähnlichem Wortlaut an diesem Tag. „Pass bloß auf dich auf“, stand da.“ Dann ein rasch geöffnetes Textfenster und diese sehr schnell und sehr spontan hingehauene Zeilen übers Bloggen. Und nicht mehr Bloggen: Meine Blogger-Kollegin Mari von Babykindundmeer hat gestern ganz plötzlich ihren Instagramaccount und Youtube-Kanal gelöscht und in einem Video auf Facebook verkündet, dass sie am Ende sei. Alles hinschmeißt. Und ich frage mich einmal mehr, ist das richtig, was ich hier mache…?
Vom Bloggen, Burnout
Meinen Freundinnen habe ich es in letzter Zeit immer öfter erzählt: dass das alles ganz schön viel ist gerade. Hier auf dem Blog auch. Ein wenig. Ich meine das Bloggen und das Lehrerin sein und das Haus und das Mamasein. Und jetzt noch das Buch. Dass ich brenne, für das was ich mache. Aber dass ich manchmal Angst habe, mich zu verbrennen. Mir hat nicht immer hundertprozentig gefallen, über was Mari geschrieben hat, konnte nicht jede Kooperation nachvollziehen, nicht jedes geteilte Foto. Aber sie hat mich immer beeindruckt: mit ihrem Gespür für Themen, mit ihren nichtendenwollenden Ideen für sehr erfolgreiche Posts, mit ihrem Arbeitseifer, mit ihrer deutlich spürbaren Liebe für ihre Arbeit, mit ihrer offenen und sympathischen Art, mit der Fähigkeit riesige Massen mit Alltagsleben dermaßen zu unterhalten und zu begeistern.

Und ja, auch habe schon öfter darüber nachgedacht, wie spitzenmäßig es wäre, mit so vielen Followern. Was für Möglichkeiten! Mit dem Blog als echten, als einzigen Beruf. Mit dem Job eine (glückliche) Familie zu sein. Mehr nicht. Bis es mir wieder einfällt, was das bedeuten würde: jede Kooperation annehmen müssen, egal ob Toaster oder Getränk oder zigtausendstes Spielzeug. Und jeden Tag ein Post posten müssen, weil es die Leser verlangen und noch mehr die Kooperationspartner. Weil der Balken bei Google Analytics, eine Seite, die die Besucher und Klicks und Absprünge einer Internetseite anzeigt, sofort abfällt, wenn man es nicht tut. Weil das sofort Auswirkungen auf die angebotenen Kooperationen hätte und auf die Bezahlung. Und: Weil Masse eben auch Menschen anzieht, die eine Plattform suchen um zu provozieren. Ich hatte, seitdem es meinen Blog gibt, zwei oder dreimal einen richtig negativen Kommentar. Einen, der meine Arbeit bemängelte. Das war ein seltsames, ein unschönes Gefühl. Aber ich kann und möchte mir nicht vorstellen, wie es sein muss mehrere hundert davon zu bekommen. Kommentare der untersten Schublade, die nicht nur die Arbeit, den Inhalt der Texte, sondern einen selbst, oder das liebste, nämlich die eigenen Kinder betreffen. Ich bin immer noch wirklich geschockt von ihrem Abschiedsvideo und diese Geschichte tut mir so unglaublich leid.

Ich habe mich nach Maris öffentlichem Zusammenbruch einmal mehr gefragt, ob das richtig ist, was ich hier tue. Dass ich so viel preis gebe (gegen Mari einen Klacks). Dass ich meine Kinder zeige, meine Projekte und über meine Art der Erziehung öffentlich schreibe. Mir den Stress mache, perfekten Fotos und Momenten hinterherzujagen. Aber: Ich habe auch einmal mehr gedacht: „Ja, das ist richtig.“ Es fühlt sich einfach richtig an. Ich liebe es zu texten. Hier ein Medium gefunden zu haben, für das ich schreiben darf, ohne Textchef, ohne Abgabefristen, ohne Druck (ha, außer meinem eigenen), dafür mit direktem Kontakt zu Lesern – wo gibt es das schon? Und dann werde ich auch noch hin und wieder, sogar ganz anständig dafür bezahlt. Ich werde inzwischen wieder zu Presseveranstaltungen eingeladen, auf denen war ich früher für die Zeitschrift Maxi, heute bin ich da für Wasfürmich. Wie absolut unglaublich ist das denn? Und: Das ist viel Arbeit. Mich hat einmal eine PR-Beraterin auf einer Pressekonferenzen gefragt: „Und, wie viele seid ihr jetzt bei euch im Team?“ Ich hab zuerst gar nicht gewusst, was sie meinte. Aber dann. „Wir sind fünf!“, hab ich gesagt. Und dann haben wir beide lachen müssen.

Von mir fällt unheimlich viel Stress gerade ab, mein Buch ist raus, die Party auch. Ich habe einige Kooperationen abgearbeitet, ein paar mehr einfach mal abgesagt. Heute hatte ich erstmal spontan Freundinnen zum Kaffee da. Eigentlich wollte ich tatsächlich ganz schnell eine neue Buchidee einreichen, mich kümmern, ein paar tolle Kooperationen anleiern. Aber ich lass es sein. Der Sommer kommt. Und da bin ich jetzt dran. Ich blogge weiter. Aber ich versuche noch mehr, mir keinen Stress zu machen. Kein schlechtes Gewissen zu haben, Kooperationspartner zu vertrösten. (Ich schwöre: Wenn ich sage, es kommt, kommts auch. Manchmal eben nur später).

Klar, es wird auch wieder Tage geben, an denen nicht alles Spaß macht am Bloggen. Aber hey, ich finde ab einer gewissen Größe und wenn der Blog nicht mehr nur reines Privatvergnügen ist, darf das auch so sein. Kein Job macht immer Spaß (nicht mal der Mama-Job). Aber es sollten eben zwei Drittel der Zeit Spaß machen. Sich richtig anfühlen. Und das fühlt es sich für mich. Ich freue mich so, dass ich so viele mit dem hier inspirieren kann und ja, es macht mir tatsächlich auch Spaß, hier unsere schönsten Familienmomente zu sammeln. Was für eine schöne Erinnerung für später. Ich kann jedes einzelne Foto von uns, von meinen Kindern, sehr gut verantworten. Weil ich aufmerksam bin. Weil ich mit Liebe arbeite. Und freue mich wahnsinnig, wenn ich andere damit erfreue. Inspiriere. Bei uns ist nicht immer alles perfekt, aber ich freue mich, dass mich das hier vor allem an unsere schönen Momente erinnert. Ich muss bloß immer wieder und Tag für Tag aufpassen, dass auf der Jagd nach einem schönen Foto nicht der schöne Moment an mir vorbei huscht und mir dabei auch noch die Zunge raustreckt. Ich habe mich schon oft gefragt, ob es das Wert ist, wie viel Zeit ich in dieses Projekt Blog stecke. Zeit, die ich mit meinen Kindern verbringen könnte.

Das erste Jahr meines dritten Kindes ist zum Beispiel im Wahnsinnstempo an mir vorbeigerauscht – und ich habe währenddessen viel Zeit mit Bloggen verbracht. Aber dann denke ich wieder, nein, es war genau so richtig wie es war. Ich würde es wieder so machen. Ich bin keine Mutter, die nur Mutter kann. Mir fällt ein, wie wunderbar es war, mit ihm auf der Brust zu texten. Was für eine schöne Abwechlung, statt zwischen Spucktücherbergen mal auf einem hübschen Presseevent zu stecken. Und wie viel Spaß mir der Austausch mit den Lesern macht. Diese Unmittelbare. Immer. Das hatte ich bei keinem Medium für das ich in meinen Jahren als Journalistin geschrieben habe. Darum liebe ich Bloggen.

Übrigens glaube ich, das erste Jahr mit Baby verfliegt so oder so. Mit jedem schneller. Und ich bin eher der Typ, der Dinge bereut, die ich nicht gemacht habe. Wenn ich die Zeit, in der es möglich war, nicht auch für den Ausbau meiner Leidenschaften genutzt hätte. Nur eins nehme ich mir einmal mehr fest vor: mir selbst nicht soviel Druck zu machen. Das nützt keinem. Davon geht nichts besser. Davon wächst man nicht. Im Gegenteil. Mari, du hast mich daran erinnert, inne zu halten. Rechtzeitig die Handbremse zu ziehen. Dafür danke ich dir. Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Gute!

Das Bild zeigt einen meiner Söhne beim Hinschmeißen. Kurz vorm Wiederaufstehen übrigens. Sollte man also vielleicht viel öfter mal machen. Oder?

Claudi