Vielleicht schimpfen wir doch einfach alle mal?

Sep
12/19

Gestern Morgen am Schreibtisch, lese ich auf einem guten Blog einen Artikel über das Schimpfen. Beziehungsweise über drei Bücher, die das Schimpfen schimpfen. Die Schimpfwort-Diät, heißt eins. Klar, Schimpfen ist nicht schön, keiner schimpft gern. Ich habe oft ein schlechtes Gewissen hinterher. Schimpfen beißt sich mit bedürfnisorientierter Erziehung – oder? Dann denke ich manchmal: Ich wünsche mir, dass einige mal wieder mehr schimpfen. Und ich? Ich gestehe es jetzt: Ich schimpfe öfter mal…

Meine Freundin Anna auch. Sie unterrichtet zur Zeit hauptsächlich Kunst an einer Grundschule – genau wie ich. Oft sitzen wir zusammen und reden, vor einer Weile saß sie auch wieder da – mit einem Kaffee und roten Augen und hat erzählt. Was los war? Nichts wildes. Und doch wild. Anna war am Morgen zum Unterrichten in der Schule gewesen. Die Schule liegt übrigens nicht in einem sogenannten Problembezirk, sondern im Norden Hamburgs, mitten im grünen Speckgürtel. Anna liebt ihren Job, eigentlich. Sie arbeitet gern mit Kindern kreativ. Sie liebt ihre Fächer Kunst, Mathe, Sachunterricht. Vor allem Kunst. Sie denkt sich gern Aufgaben aus, um die Kreativität aus ihren Schülern herauszukitzeln. Sie arbeitet, malt, bastelt, diskutiert, redet, fantasiert gern mit Kindern.

Manchmal sitzen Anna und ich da und zweifeln an uns. Am System, an unserer Zeit, an allem. Anna an diesem Morgen besonders. Was eigentlich los war? Das erzählt sie euch kurz…

„Ich fahre immer sehr früh in die Schule, um den Kunstraum vorzubereiten. Wir haben nicht viel Zeit, ich möchte jede Minute für unsere kreativen Projekte nutzen. Ich nehme die Stühle herunter, decke die Tische ein, verteile Papier, Pinsel, Farben und Wasserbecher. Ich habe mit den Kindern hoch und runter besprochen, wie man sich im Fachraum verhält: Nichts anfassen zum Beispiel, schon gar keine der Maschinen und Werkzeuge, die überall herumstehen. Ich bitte die Kinder noch vor der Tür erneut, nichts anzufassen, sondern sich sofort im Gesprächskreis zu versammeln. Es dauert keine Minute, da sind zwei Wasserbecher umgekippt. Zwei Kinder haben die Tisch bemalt. Einfach so, mit Acrylfarbe. „Weil es lustig ist…“, finden sie. Zwei spielen mit den Sägen an der Wand.

Als ich die Kinder mit dem verkippten Wasser und der Farbe bitte, alles kurz aufzuwischen meinen sie: „Das kann ich nicht.“ Als sie schließlich wischen, machen sie es mit spitzen Fingern und so, als hätten sie noch nie in ihrem Leben etwas aufgewischt.

Unser Unterrichtsgespräch zu führen ist schwierig. Ich habe den Schülern ein Poster von einem Maler mitgebracht, von dem einige Kinder in den Ferien Bilder gesehen hatten. Sie hatten sich gewünscht, dass wir als nächstes diesen Maler durchnehmen. Die erzählenden Kinder und ich kommen kaum zu Wort, immer wieder müssen wir warten, weil die Hälfte der Klasse reinruft, mit Stiften, Hosen, Tascheninhalten spielt, mit dem Nachbarn quatscht, das Kind neben sich zwickt und wieder reinruft. Es dauert, bis ich die Aufgabe ansagen kann. Eine sehr individuelle Aufgabe übrigens. Mindestens drei motzen: „Boah, keinen Bock.“

Ich erinnere die Kinder daran, Malerkittel anziehen. Sie dürfen mit echten Künstlerfarben malen, aber ich erkläre noch einmal, wie zu Beginn jeder Stunde, dass die Farbe sich schlecht auswaschen lasse. Auf dem letzten Elternabend haben sich bereits ein paar Eltern über Flecken beschwert. Die meisten Kinder sagen: „Nö, keine Lust.“ Ein Kind hat später besonders große blaue Flecken auf einem vorher blitzblanken Shirt. Das Shirt hatte ausgesehen wie neu. „Oh nein!“, sage ich, ehrlich erschrocken. „Mir doch egal“, sagt das Kind. „Kauft Mama mir eben ein Neues.“

Zurück am Platz wollen drei Kinder den Platz tauschen, obwohl wir seit Schulhalbjahresanfang feste Plätze haben. Und diese ja auch nur für eine Stunde in der Woche. Zwei streiten, finden einfach kein Ende. Als ich sie bitte, sich auseinanderzusetzen, damit beide – und alle anderen – in Ruhe arbeiten können, sagt einer: „Nö.“ Ich bleibe dran, ich bitte noch einmal, erkläre noch mal. Das Kind brüllt: „Du hast mir gar nichts zu sagen.“ Dann springt es auf, so schnell, dass ein Stuhl umkippt und rennt raus.

Wenig später – mitten in der Stunde – geht ein Kind so aggressiv auf ein anderes los, schlägt, tritt, dass ich Angst um das Kind habe, um die anderen Kinder und um mich. Das angreifende Kind rennt schließlich raus. Ich will im Gespräch klären, was eigentlich los war – leider ist nur ein Kind da, das seine Version erzählen kann.

Als ich später die Mutter des aggressiven Kindes anrufe, sagt die, das andere Kind habe ihrem Kind Farbe auf das Papier gekleckst. Und sowieso wäre alles ganz anders gewesen. Sage ihr Kind.“

Anna meint, das sei kein Einzelfall, keine Ausnahme. Sie kenne zig Kollegen, die täglich Ähnliches erleben. Ich übrigens auch. Anna erzählt, dass ein paar Kinder an ihrer Schule täglich mit Bauchschmerzen in die Schule gingen. Diverse Kollegen auch.

Anna fragt sich nach solchen Vormittagen, ob wir als Eltern manchmal vielleicht zu viel Verständnis haben? Sie fragt sich (und mich), ob wir bei all unserem Beschützerinstinkt vergessen, unsere Kinder Verantwortung für ihr Handeln übernehmen zu lassen? Ob wir vielleicht selbst zu wenig Respekt vor anderen Menschen haben und unsere Kinder sich das abgucken? Ob wir selbst so sehr auf Spaß- und Glück-Suche sind, dass auch unsere Kinder denken, alles im Leben müsse immerzu Spaß machen? Auch ich frage mich manchmal, ob wir vielleicht zu viele Ausflüge unternehmen und dabei zu wenig Zeit bleibt, unseren Kindern Dinge wie Aufwischen beizubringen? Anna und ich fragen uns, ob wir vielleicht manchmal zu sehr Kumpel und doch zu wenig Eltern sind? Und wir fragen uns: Ob wir nicht doch mal wieder schimpfen sollten?

Vielleicht brauchen wir einfach ein neues Wort für Schimpfen? Leiten vielleicht? Grenzen aufzeigen? Was meint ihr? Oder schimpft ihr jetzt mit Anna und mir?

61 Kommentar zu “Vielleicht schimpfen wir doch einfach alle mal?

  1. Karin Campbell on 12. September 2019 at 11:15 geschrieben

    Du sprichst mir aus der Seele.

  2. Liebe Claudi,

    So ein schöner Artikel… vielen Dank für diese ehrliche Darstellung eines Themas was in der heutigen Gesellschaft fast zum Tabu geworden ist.

    Lg Barbara

  3. Dany on 12. September 2019 at 11:37 geschrieben

    Liebe Claudi,

    wieder einmal ein toller Text. Mich beschäftigt das Thema gerade auch und ich finde das Wort „Leiten“ sehr schön. Den den Weg weisen, aber auch Grenzen setzen. Und ja, vielleicht auch mal mit Schimpfen, man muss ja auch meist mehreren Bedürfnissen gleichzeitig gerecht werden, oder?
    Begrenzungen helfen doch auch, für sich einen Platz zu finden und sich nicht in der Weite zu verlieren.
    Eigenverantwortung und Selbständigkeit finde ich auch sehr wichtig, auch wenn es natürlich nicht immer Spaß macht.
    Aber wären wir nicht entspannter, wenn unsere Kinder die umgeschüttete Milch (bestimmt mit Murren aber trotzem) selber wegwischen können?
    Und vielleicht den Lappen auch noch fix auswaschen und an die Waschmaschine legen?
    Wir arbeiten gerade genau daran und ich finde, dass es klasse läuft.
    So kann ich den Kindern auch viel authetischer vermitteln, dass solche Missgeschicke überhaupt nicht schlimm sind (was sie ja per se nunmal nicht sind. Ich habe aber oft genervt reagiert, weil ich alles wegräumen/-wischen musste).

    Schreib weiter so tolle Texte 🙂

    Dany

  4. Ein toller Artikel. Und am schlimmsten sind fast immer die Eltern, urgs!

    Es gibt ja immer was dazwischen. Ich finde, wer seinen Kindern auf Augenhöhe begegnet und Grenzen aufzeigt, macht nichts verkehrt. Kinder wollen ja auch Grenzen, deswegen probieren sie ja manchmal auch aus, wie weit sie gehen können.

    Ich glaube, ein respektvoller Umgang, der Kindern zeigt, dass wir sie zwar nicht anschreien (und ey, jeder plärrt mal…), sie aber trotzdem Grenzen haben und Dinge lernen müssen (bei uns haben die Kids „Jobs“, einer räumt die Spülmaschine aus, der andere bringt den Müll runter)…und lernen ist ja wichtig. Auch soziale Kompetenz und Respekt anderen Menschen (nicht älteren, allen!) gegenüber.

    Dieses antiautoritäre finde ich total daneben. Solche Kinder entwickeln sich gern mal zu …sorry…Arschnasen und können nicht mal was dafür. Ich finde das ganz schade und schrecklich, da leiden die Kinder und deren Umwelt drunter.

  5. Viola on 12. September 2019 at 11:43 geschrieben

    Ich arbeite auch mit Kindern. Was mir auffällt und worunter letztendlich alle dann leiden, ist die extreme Unfähigkeit mit Frust umzugehen. Bei Kleinkindern gehört das zur Entwicklung mit dazu, es gehört aber auch dazu, dass man lernt damit umzugehen und in der Gemeinschaft (Kita, Elternhaus, Schule) auch einmal hinzunehmen,wenn es nicht nach dem eigenen Willen geht. Das können leider immer weniger.
    Eltern wollen heute oft, dass ihr Kind frühzeitig allumfassend gefördert wird (Sport, Sprache, Musik), aber das ein Kind „sozialisiert“ werden muss, dass wird nicht gesehen. Und so haben wir dann Grundschüler, die sich bei kleinsten Dingen prügeln, die Mitarbeit rundweg verweigern, wenn es ihnen nicht in den Kram paßt, die Regeln nicht einhalten und „gemeinsames“ Erleben und Lernen für alle Beteiligten zur Qual werden lassen. Und nein – es sind nicht die Kinder aus Problemfamilien gemeint, es sind oft die „Bildungsbürgerfamilien“.
    Wenn man dann das Gespräch mit den Eltern sucht, ist da keine Einsicht oder Mitarbeit zu erwarten.
    Vielleicht ist bedürfnisorientiert und „auf Augenhöhe“ wichtig, aber dabei sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass man nicht der Freund des Kindes ist (der sollte idealerweise gleichaltrig sein) sondern der Vater und die Mutter, eben auch mit der Verpflichtung, das Kind zu „erziehen“, ihm Werte vermitteln, ihm ermöglichen in der Gemeinschaft/Gesellschaft anzukommen, seinen Platz zu finden.

  6. Susan on 12. September 2019 at 11:48 geschrieben

    Liebe Claudi, liebe Anna,

    Vielen Dank für den tollen Beitrag. Ich kann ihn als Dreifachmama und Lehrerin absolut unterschreiben. Ich schimpfe auch und tue dies nicht, weil ich meine Kinder zu wenig liebe, sondern genug, um zu wollen, dass sie später ein glückliches und zufriedenes Leben führen und das wiederum wird ihnen nur gelingen, wenn sie gewissen Regeln kennen. Die müssen allgemeingültig Verhaltensweisen erlernen und können dann, wenn sie alt genug sind entscheiden, gegen was davon sie sich auflehnen wollen oder bewusst anders machen wollen. Aber bis dahin müssen wir als Eltern und auch als Lehrer gemeinsam dafür sorgen, dass sie Grenzen kennen und einhalten. Und das vor allem weil wir sie lieben und ihre Bedürfnisse kennen.

  7. Lisa on 12. September 2019 at 11:50 geschrieben

    Ich bin auch Lehrerin an einer Schule mit Kindern „sozial gutgestellter“ Eltern und erlebe es häufig leider genauso. Ich unterrichte Sport und wenn ich mir tolle Sachen ausdenke, vorbereite etc. und viele Kinder dann direkt losmeckern „langweilig, keinen Bock…“ frage ich mich auch oft ob wir den Kindern einfach zu viel Freizeit-Abenteuer bieten, so dass viele schon „abgestumpft sind“ und sich über kleine tolle Erlebnisse gar nicht mehr richtig freuen können oder alles andere direkt als langweilig empfinden. Und auch das Grenzen setzen oder auch mal Dinge durchziehen, auf die man vielleicht nicht ganz so viel Lust hat…das fällt sehr vielen Kindern sehr schwer… von daher: Ich bin dafür;) für ab und zu auch mal meckern dürfen und Grenzen setzen 🙈
    Liebe Grüße Lisa

  8. Susy Bachofner on 12. September 2019 at 12:13 geschrieben

    Liebe Claudia und Anna

    Ich bin Schulsozialarbeiterin an einer Grund und Hauptschule und kann nur sagen, die Erwachsenen müssen echte lebensnahe gerecht Reaktionen zeigen, sonst wird es grenzenlos.
    Schimpfen ist keine Misshandlung! Am Schimpfen sehen SchülerInnen dass es echt ist und wir keine Roboter sind und in leisem Ton immer wieder bitten bis zur Unkenntlichkeit … für das Kind. Bitte schimpft und seid klar! Wichtig danach in der Beziehung mit dem Kind bleiben! Das heisst klar machen dass die Reaktion des Kindes nicht ok ist, aber das Kind mag ich trotzdem. Ich erlebe all das was ihr berichtet zu 200%. Lg habts gut und ❤️Dank für den so wichtigen Artikel.
    Susy

  9. Anna on 12. September 2019 at 12:18 geschrieben

    Danke für die Worte! Deine Freundin Anna könnte ich sein, nicht nur weil ich so heiße und den gleichen Beruf habe, sondern auch weil ich ähnlich empfinde. Ich habe selbst drei Jungs und sie sind mir das wichtigste, ich finde sie oft so lustig und herzlich und cool! Und doch gibt es auch jeden Tag Sachen, die ich an ihrem Verhalten nicht okay finde und das sage ich ihnen auch deutlich! Und wenn sie Bockmist bauen, dann schimpfe ich mit ihnen und suche nicht einen anderen Schuldigen für ihr Verhalten oder erkläre es mit ihren Bedürfnissen, die dieses oder jenes Verhalten eben einfach auslösen. Nein! Meine Kinder sollen lernen, dass sie Rücksicht nehmen müssen, sich selbst auch Mal hinten anstellen müssen, nicht immer der Erste sein können und auch Sachen machen müssen, die sie erstmal blöde finden (häufig aber mit der Zeit als gar nicht so schlecht empfinden). Wenn in unserer Gesellschaft alle nur auf die eigenen Bedürfnisse achten, kann es nicht funktionieren. Deshalb wird das Stichwort Bedürfnisorientierte Erziehung immer mehr zum Schreckgespenst! Mein Vater ist ein alter Förderschulhase und hat schon oft zu mir gesagte: Grenzen setzten (und durchsetzen) heißt Liebe zeigen. Und ich glaube er hat Recht, weil Grenzen und Regeln unseren Kindern Sicherheit geben und ihnen ermöglichen Kind zu sein und nicht Entscheidungen treffen zu müssen, die sie noch gar nicht treffen können! Meine Kinder sollen also wissen, dass ich sie immer liebe, egal was sie machen, aber ihr Verhalten deshlab nicht immer richtig finden muss. Und ich glaube das schimpfen trägt dazu bei ein richtiges inneres Pendel zu entwickeln. Was ist richtig was ist falsch! Wenn mein großer dem kleinen ein Bilderbuch erzählt und ich in stolz anstrahle, kann er sein Verhalten und meine Reaktion abspeichern. Wenn er ein anderes Kind von der Rutsche drängt und ich ihn auch liebevoll anlächle und ihm zuflüster, dass ich gut verstehen kann, dass er zuerst rutschen möchte, aber das andere Kind ja vielleicht auch Mal darf, setzte ich die falschen Signale! 🙈 Oh man, das war ein alnger Kommentar! Entschuldige!!! Liebe Grüße, Anna

  10. Anne on 12. September 2019 at 12:19 geschrieben

    …aber wie geht es weiter? Ich arbeite selber an einer Berliner “Förderschule“, wo es quasi immer so und schlimmer zugeht. Manchmal ist sogar gar kein Unterricht möglich. Die familiären Hintergründe sind natürlich sehr schwierig und die Kinder im Grunde ganz furchtbar arm dran. Die Rahmenbedingungen passen natürlich auch alle nicht: 11 Kinder in einer Klasse, 7 haben ADHS, kleine Räume, zu wenig Lehrer und Erzieher. Aber wie geht man denn nun mit solchen beschriebenen Situationen um? Die Kinder anbrüllen? Strafen? Denn so handhaben es doch zumindest an meiner Schule die meisten Kollegen…
    Wie geht die Geschichte jetzt weiter?
    Liebe Grüße, Anne

  11. Fritzi on 12. September 2019 at 12:48 geschrieben

    Ich bin keine Lehrerin oder Pädagogin. Aber als Mutter, möchte ich, dass mein Kind von den Pädagogen lernt und erfährt, dass sie auch Frustration kennen und die auch äußern dürfen. In dem sie sagen, wie sie sich fühlen und was das in ihnen auslöst, wenn es in der Klasse mal nicht so gut läuft. Echte Gefühle zeigen dürfen eben nicht nur Schüler. Den meisten ist sicher nicht bewusst, dass sich jemand soviel Mühe gibt und das es verdammt viel Arbeit ist, einen so tollen Sportparcour aufzubauen. Aber Empathie ist Kindern eben auch nicht angeboren. Ich glaube, dass nur wenn sie Vertrauenspersonen genießen dürfen, die ihnen das vermitteln und ihnen die gesamte Farbpalette an Gefühlen zeigen, werden sie gefestigte Persönlichkeiten.

  12. Lisa on 12. September 2019 at 12:50 geschrieben

    Liebe Claudi, wenn man Schimpfen mit Grenzen setzen gleichsetzt, hast du sehr Recht. Aber schimpfen wir nicht meistens, weil wir im Stress sind? Zu viel Druck von außen verspüren oder unseren eigenen Anforderungen nicht entsprechen? Ich erinnere mich heute nicht mehr daran, wie meine Eltern geschimpft haben, wenn sie Grenzen gesetzt haben.Denn das Schimpfen war notwendig und richtig. Aber ich erinnere mich sehr wohl daran, wie ich mich hilflos gefühlt habe, wenn ich Blitzableiter war. Und ist das nicht der Frust, den Kinder dann an anderen Kindern auslassen, wenn er zu viel wird? Andere Kinder zu ihrem eigenen Blitzableiter machen, weil man das ja zu Hause gelernt hat?
    Dein Spiegel aus Lehrersicht ist wichtig und den Trend zu hinterfragen sicher auch. Aber bevor wir Schimpfen zum guten Ton werden lassen, sollten wir uns trotzdem immer hinterfragen, wann Schimpfen unseren Kindern wirklich etwas lehrt.

    • Julia on 12. September 2019 at 16:02 geschrieben

      Danke für diesen Beitrag. Schimpfen heißt auch immer eine Grenze zu überschreiten, nämlich die des Kindes. Kinder und Erwachsene können nicht soziales Verhalten „lernen“, wenn sie nur auf ihre Fehler aufmerksam gemacht werden. Aus Kindern werden keine „guten“ Menschen wenn wir sie für ihr Handeln ausschimpfen/bestrafen.
      Ich wäre deshalb auch sehr vorsichtig damit Schimpfen zu legitimieren (auch nettes Schimpfen).
      Denn letztlich ist jeder, wie oben beschrieben, für sich und ihre/ seine Gedanken selbstverantwortlich

      • Anna on 12. September 2019 at 19:04 geschrieben

        Das sehe ich anders! Ich finde Kinder werden zu verantwortungsvollen oder auch ‚guten‘ Menschen, wenn wir ihr Handeln beurteilen. Nur so können sie lernen was richtig und was falsch ist! Und wenn ein Kind eine Grenze überschreitet finde ich es tatsächlich wichtig mit ihm zu schimpfen und die eigene Empörung über das Verhalten ganz deutlich zu zeigen. Dieses schimpfen hat nichts mit mangelnder Wertschätzung zu tun, ganz im Gegenteil!!! Und ich finde Kindern dürfen auch Mal erleben, dass Eltern oder Lehrer schlechte Laune haben und vielleicht meckern….

        • Lisa on 12. September 2019 at 22:11 geschrieben

          Das stimmt und all die Dinge, die Claudia anspricht sind wichtig und Grenzen und Respekt müssen ein essentieller Teil unserer Erziehung sein. Aber die Art und Weise, WIE ich es vermittle sind es ebenso.

          Denn: Lehrer erleben es in den Schulen, aber wir erleben es doch auch jeden Tag auf der Straße/im Beruf, dass auch erwachsene Menschen die Grenzen anderer nicht achten. Und wenn eine Führungskraft im Meeting rumschreit, weil er Stress hat, loben wir hinterher auch nicht seine Authentizität sondern kritisieren zu Recht sein respektloses Verhalten.

          Weshalb mir der Blogpost (insbesondere die provokative Überschrift!) heute so nahe geht: Schimpfen als (faire) Rückmeldung auf ein Verhalten ist eine Sache, aber ich erlebe so häufig, dass Eltern ihren Druck, Stress und ihre Überforderung an die Kinder in Form von unfairem und verletzendem Schimpfen weitergeben, um Dampf abzulassen und es macht mir Angst, wenn das plötzlich als „authentisch“ durchgeht. Denn: „Hurt people hurt people“ – und dann müssen wir die Gründe, warum Kinder aufeinander losgehen, wohl ganz woanders suchen.

          • Magdalena Brenner on 13. September 2019 at 11:30 geschrieben

            Das sehe ich genauso wie Du! Danke Dir für diese Worte!

          • Anna on 13. September 2019 at 22:05 geschrieben

            Aber es ging ja um das Schimpfen, um ein Fehlverhalten zu Kommentieren. Und wenn meine Direktorin mich anschreien würde, weil ich zwei Schüler in der Schwimmhalle vergessen habe, fänd ich das sehr richtig. Es geht nicht darum seinen Frust an den eigenen Kindern los zu werden, sondern darum Situationen angemessen zu kommentieren. Wenn mein Kind einem anderen Kind Bauklötze an den Kopf wirft kann ich nicht sagen: Mäuschen es wäre schön, wenn du das lassen könntest….

        • Michaela on 15. September 2019 at 11:25 geschrieben

          Hallo Anna,
          nein, es ist absolut nicht richtig und nicht in Ordnung, wenn deine Direktorin Dich anschreit, weil Du einen Fehler gemacht hat! Unter keinen Umständen. Dann ist es keine kompetente Direktorin. Anschreien schafft Angst, ist meist unreflektiert und bringt nichts. Du weißt ja selber, dass Du einen Fehler gemacht hast. Da bringt es mehr, nach Lösungen zu suchen und aus den Fehlern zu lernen. Ein guter Chef sollte seine Mitarbeiter nie anschreien. Dementsprechend sollten das Eltern mit den Kindern und Lehrer mit den Schülern auch nicht tun. Und wenn es dann doch mal passiert, das Verhalten dann nicht noch gut heißen.

  13. Marijke on 12. September 2019 at 13:12 geschrieben

    Liebe Claudi,

    danke für diesen Beitrag!
    Ich bin auch Grundschullehrerin und mir geht es total oft so wie Anna….und noch öfter als Mama nachmittags auf dem Spielplatz zwischen den Kindern und Eltern von 0-5….ganz ehrlich, an manchen Tagen bekomme ich richtig Wut auf diese „Mode der bedürfnisorientierten Erziehung“…denn viel zu oft wird das in meinen Augen als Freifahrtschein für alles genommen.
    Dabei haben doch alle Kinder das Bedürfnis nach Regeln und Grenzen…scheinen nur die Wenigsten noch dran zu denken…

  14. jasmin on 12. September 2019 at 13:35 geschrieben

    … ich schimpfe nicht mit euch…. ich kenne diese Situationen nämlich auch sehr gut aus meinem Schulalltag aus. In der theorie hat man sich alles gut durchdacht und dann gibt es Stunden in denen geht einfach trotzdem alles schief und man trifft auf nörgelnde Kinder. Insbesondere dieses ohne auszuprobieren schon mal gleich meckern und keinen Bock haben macht mich sehr ärgerlich. „Probier es doch erstmal aus“, möchte ich dann sagen. Ich denke deshalb, dass ihr Recht damit habt, dass Kindern zum Teil die ganz basalen Fertigkeiten fehlen. Die Fertigkeiten, die sie brauchen um ein soziales und nicht nur fachlich basierstes Leben zu führen. Dazu gehört auch den Tisch abzuwischen und sich an vorher besprochene Regeln zu halten. Es wird nämlich auch viel für die Kinder kaputtgemacht, die sich gut benehmen und warten müssen bis die MOTZER fertig sind. Das kann für einige auch ganz schöööön frustrierend sein. Also Kopf hoch und ruhig mal schimpfen!! Das Leben ist nicht immer nur rosarot. Ganz liebe Grüße Jasmin von lerndichgluecklich

  15. Ein toller Beitrag….. ich hoffe viele Eltern lesen ihn… ich bin auch Mutter… unser Sohn wird gerade flügge und wir hatten als Familie harte Zeiten während der Schulzeit … Mobbing …. Rotzlöffel….. Respektlosigkeit und Dummheit begegneten uns oft…
    Ich arbeite mit Vorschulkinder und auch da erlebe ich Situationen wie deine Freundin Anna und ja Grenzen erleben … finden und gemeinsam erarbeiten ist so wichtig und ein Apell an alle Eltern unterstützt uns…

  16. Lena on 12. September 2019 at 14:16 geschrieben

    Wie wichtig, lange überfällig und mutig, das so zu schreiben! Spricht mir aus der Seele! Danke dafür!

  17. Steffi on 12. September 2019 at 14:19 geschrieben

    Ich wünsche mir so sehr, dass ganz viele Eltern diesen Beitrag lesen.
    Auch ich musste schon in Elterngesprächen darauf hinweisen, dass wir als Eltern manches auch vorgeben müssen, nicht immer alles ausdiskutiert werden kann. Ich finde mit das wichtigste, was man seinem Kind mitgeben kann, ist es Verantwortung für sein Verhalten zu übernehmen und für die Folgen einzustehen.

  18. Michi on 12. September 2019 at 15:33 geschrieben

    So ein toller Beitrag! Genau diese Fragen stelle ich kir als Mutter von zwei kleinen Kindern und Grundschullehrerin auch des öfteren. Meine Großmutter behauptet auch es liege an den tausend Sachen die wir/unsere Kinder täglich tun und unternehmen könnten. Ob es wirklich so ist….keine Ahnung. Uns als Familie (aber auch im Klassenraum) stelle ich fest, dass Minimalismus den Kindern gut tut. So sind die Kinder nicht so schnelle gereizt und überfordert. Respektlose Taten werden dadurch zwar nicht komplett aus der Klasse verschwinden…und das treibt mich auch in den Wahnsinn…und dann muss ich aiuch manchmal Dampf ablassen…

    lG,

    Michi (Mama und Grundschullehrerin aus Luxemburg)

  19. Lara on 12. September 2019 at 15:45 geschrieben

    Hallöchen, ich bin auch Grundschullehrerin und kenne unzählige dieser Situationen, leider. Eine befreundete Lehrerin sagte letztens „Das Problem ist, dass die Eltern ihre Kinder nicht mehr erziehen.“ – Ja, das trifft es ziemlich gut…

  20. Hallo,

    ich bin ja eine Mama von vielen und ich höre in Elterngesprächen oft, das meine Kinder auf Ermahnungen reagieren und das man sie gut ansprechen kann. Ich denke mir dann: ja klar ist das so, so muss es ja auch sein. Wir sind den Tag über im Gespräch und ich schimpfe durchaus auch mal. Mit vielen Kindern hat man an schlechten Tagen das Gefühl, nicht so viel anderes gemacht zu haben. Dann hilft übrigens oft eine Runde raus zu gehen. Dann sieht die Welt für uns alle wieder besser aus.
    Naja, wie dem auch sei, wir waren also jetzt im Sommer an der Ostsee auf einem Hof. Es waren viele Kinder da und ich habe gestaunt, wie wenig manche Eltern mit ihren Kindern im Gespräch sind. Da reißt ein Kind unreife Äpfel vom Baum und der Vater steht daneben, ohne das irgendwie zu kommentieren oder Stellung zu beziehen. Ebenso rasen die Kinder mit den Kettcars wie wild an den Autos vorbei und ineinander und kein Elternteil warnt die Kinder und weist sie an, das zu lassen. Das geht doch so gar nicht. Was wenn sie sich verletzen? Was wenn ein Auto eine Macke hat. Ich hatte irgendwann die Nase voll und habe das an meinem Auto, wenn ich es sah, durchaus kommentiert. Wenn es zum Uten Mal war, auch nicht unbedingt nett.
    Wir müssen den Kindern Grenzen geben, damit sie behütet groß werden können. Dann fühlen sie sich sicher und können sich völlig frei bewegen – in diesen Grenzen. Dann kann es ein gutes Miteinander geben.

  21. Christine Hoffmann on 12. September 2019 at 16:23 geschrieben

    Hallo,
    im Grunde ja nichts neues.
    Leider hat man da nicht aus den Fehlern in den 70ern gelernt.
    Damals hieß die Erziehung( Laissez faire) und ging schon damals in die Hose.
    Wir leben in einer Demokratie, gewisse Regeln im Zusammenleben müssen gelehrt werden.
    Dazu gehört ausreden lassen.
    Das gilt für Erwachsene wie Kinder gleichermaßen.
    Erziehung ist Arbeit und kein Selbstläufer.

  22. Mrs. Huebi on 12. September 2019 at 17:25 geschrieben

    Auch ich beobachte im Freundeskreis meiner Söhne diesen Egoismus und hoffe, bei meinen zwei Jungs ein gutes Mittelmaß zu finden. Ich versuche einfach immer darauf zu achten, zwischen Bedürfnisse und Wünsche zu unterscheiden und nicht auf alle Forderungen des Kindes einzugehen und meine Bedürfnisse immer hinten an zustellen. So wird der Siebenjährige immer noch in den Schlaf begleitet, weil er es braucht. Gleichzeitig gibt es auch Dinge, die ich als Wünsche einordne und wo ich eine Grenze setze (es wird kein Extraessen gekocht, dann muss man Brot essen, Zähne werden geputzt, Wir gehen respektvoll und gewaltlos miteinander um, wenn wir ein Spielzeug vom Bruder haben möchten etc.) Mein Schulkind hat sehr zu kämpfen, wenn Klassenkameraden Regeln nicht einhalten. Er hat immer große Bedenken, wenn er neuen Situationen (Schwimnkurs, Kindergeburtstag mit Fremden Kindern) gegenübersteht, was damit zusammenhängt, dass er zu oft erleben musste, dass Kinder sich rücksichtslos verhalten und kein Erwachsener handelt. Manchmal würde ich ihm diese ungesunde Portion Selbstbewusstsein wünschen, um unbedarfter in solchen Momenten zu sein. Aber dann bin ich wieder dankbar und stolz, dass er eben nicht auf Biegen und Brechen seinen Willen in Gesellschaft auf Kosten anderer durchsetzen will.

  23. Julia Tiedge on 12. September 2019 at 17:57 geschrieben

    Hallo, danke für die Beiträge, die mich leider immer mehr darin bestärken, dass meine Theorien über heutige Kinder, Jugendliche, Familien, das Bildungssystem und unsere Gesellschaft stimmen müssen…Ich bin selbst Lehrerin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Mutter. Solche Szenen erlebe ich immer wieder von verschiedenen Seiten. Der rote Faden in all dem ist „Bindung“. Menschen, vor allem kleine, brauchen Bezugspersonen, die echte, verlässliche und kompetente Gegenüber für sie sind. Die Art wie wir heute leben und arbeiten, macht das schwer. Ich möchte das hier nicht zu sehr vertiefen, aber wer sich interessiert, findet hier Zusammenhänge. Anna Freud, Tochter Sigmund Freuds, selbst Lehrerin und erste Kinderanalytikerin, hat den Zusammenhang von Bildung, Bindung und Gesundheit bereits in ihrer Arbeit hervorgehoben. Immer wieder sagte sie, dass die Beziehung heilt und Entwicklung ermöglicht. Wenn wir als Lehrende Gegenüber sein und tolle Möglichkeiten bieten wollen, treffen wir oft auf völliger anderer Ebene auf Kinder und Jugendliche, die darauf nicht mehr reagieren. Da ist eine Kluft, die Frust macht – auf beiden Seiten. Ich beschäftige mich damit, Möglichkeiten zu finden, hier Brücken zu bauen. Gebt nicht auf, seid euch selbst aber auch nah…wer brennt, kann schnell ausbrennen. Herzliche kollegiale Grüße, Julia

  24. Melanie on 12. September 2019 at 17:58 geschrieben

    Ich finde, den Artikel sehr polemisch. Ich kann nachvollziehen, was du schreibst, sehe aber keinen Zusammenhang mit „schimpfen oder nicht schimpfen“. Ich habe das Gefühl, dass es eher um einen Mangel an Erziehung/ Wertevermittlung durch die Eltern geht. Erziehen und schimpfen sind grundsätzlich unterschiedliche Dinge. Ich kann mein Kind gut begleiten/ erziehen und trotzdem auch mal schimpfen. Aber Erziehung durch Schimpfen ist nicht möglich. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

  25. Tini on 12. September 2019 at 18:14 geschrieben

    Ich denke bedürfnisorientiert und schimpfen schliesst sich nicht aus. Wenn verschiedene Bedürfnisse aufeinander treffen kracht es. Eigentlich ganz einfach. Man sollte es nur immer mit Respekt tun, also nicht wertend schimpfen. Nicht du nervst, sondern das nervt was du tust. Wie soll mein Kind Empathie lernen, wenn es nicht auch Grenzen aufgezeigt bekommt. Klar muss man sich auch mal entschuldigen, wenn man ungerecht wurde, aber auch das sollte man doch seinem Kind vorleben. Kinder erziehen ist keine rosarote Bullerbü Sonnenbrille. Kinder brauchen klare Grenzen in denen sie sich bewegen können. Diese Grenzen verändern sich,müssen neu gesetzt werden. Und bei uns kommt das oft nach einem Streit, der oft so viel Klärendes und Gutes mit sich bringt. Wo man sich neu positioniert.

  26. Maria on 12. September 2019 at 18:44 geschrieben

    Du sprichst mir aus der Seele! Bei meiner Arbeit als Lehrerin erlebe ich oft ähnliches wie Anna. Dazu kommt, dass oft ein ruhiges, aber bestimmtes bestehen auf Einhaltung festgelegter Regeln schon als schimpfen, zu streng … empfunden wird. Dabei fehlt es bei einigen leider zunehmend an Respekt und teils auch Empathie gegenüber den Mitmenschen, weil das eigene Bedürfnis über allem steht. Oft erlebe ich auch, dass Schule für einige Kinder der erste Ort im Leben ist, an dem auf Grenzen und Regeln bestanden wird …

  27. Christina on 12. September 2019 at 19:24 geschrieben

    Auch ich erlebe viele Kinder als bedürfnisorientierte Egoisten.
    Ich habe JETZT Durst, ich muss JETZT essen/aufstehen/reden…
    Grenzen werden ihnen kaum gesetzt, sie werden freundlich gebeten etwas zu tun/nicht zu tun. Wenn sie keine Lust dazu haben, bleiben die Eltern selten am Ball, resigniertes Schnaufen ist zu vernehmen. Kinder sind m.E. heute oft „Projekte“ ihrer Eltern. Nach dem erfolgreichen Schulabschluss, (Studium), Berufseinstieg und Nestbau muss jetzt noch das perfekte Kind her.
    Und wie das mit dem erfolgreichen Umsetzen von Projekten so ist, setzt man auf Experten.
    Bereits im Krankenhaus wird das Kind per Kaiserschnitt von den Geburtsexperten „geholt“, die Hebamme hat anschließend dafür zu sorgen, dass es anständig gedeiht, der Kinderarzt hat dafür zu sorgen, dass es nicht krank bzw. auf der Stelle geheilt wird, diverse Therapie sollen den Bewegungsapparat, die Sprache etc. schulen, die Kita soll anständiges Sozialverhalten, Regeln und diverse andere Dinge vermitteln und schließlich soll die Schule das richten, was die vorherigen Experten noch nicht geradegebogen haben. Während all dieser Zeit stöhnen Eltern über die mangelnde Kompetenz all der hinzugezogenen Experten und schließlich steht die Gesellschaft vor einem Menschen, der seltenst mal erlebt hat, dass er selbst für sich und sein Handeln verantwortlich ist, „zugemutet“ wurde ihm schon mal gar nichts. Weder der Fußweg zur Schule oder zum Sport, noch die Tour mit dem Fahrrad zu Freunden, womöglich im Regen. Zugetraut wurde ihm dabei nebenbei allerdings auch nichts.
    Ich würde mir bei all der zugewandten Erziehung, die absolut richtig ist, dennoch wieder mehr Eltern wünschen, die sich selbst in der Verantwortung für die Entwicklung ihres Kindes sehen, die klare Grenzen setzen, Eltern die mit ihrem Kind in den Wald statt zur Therapie gehen, die mit ihnen lange Gespräch führen, in denen die eignen Gefühle und die anderer thematisiert werden, indessen die Auswirkungen des eigenen Handelns auf andere verdeutlicht werden und bei denen Kinder die Konsequenzen für ihr Handeln erleben dürfen, positive wie negative und die ihrem Kind Dinge zutrauen und zumuten.
    Das alles ist mitunter anstrengend, vor allem, wenn man „nebenbei“ arbeiten muss und möglicherweise einen Großteil der Zeit allein mit dem Kind verbringt.
    Ich mag mir aber eine Gesellschaft, in der all diese Egomanen „zuständig“ sind gar nicht vorstellen.
    Aaaaaber, es gibt sie, die Kinder denen es oft gelingt Regeln einzuhalten, die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, die die eigenen Bedürfnisse zugunsten Anderer für eine Weile zurückstellen können und die auch Situationen, indessen sie sich nicht 100 prozentig wohlfühlen ertragen und die sich tolle Dinge zutrauen.
    Deshalb: Es wird schon werden, aber gesamtgesellschaftlich muss sich da dringend wieder etwas verändern!

    Grüße Christina

  28. Mira on 12. September 2019 at 20:30 geschrieben

    Mir fällt zu diesem Thema das Buch „Leitwölfe sein“ von Jesper Juul ein- kennste das?

    Ich bin selbst Mutter zweier Töchter. Mir ist in unserem Zusammenleben wichtig, die Bedürfnisse von ALLEN Beteiligten zu sehen, auch die Bedürfnisse der Eltern! Ebenso ist mir ein respektvoller Umgang wichtig. Dazu zählt auch der respektvolle Umgang der Eltern untereinander und den Kindern gegenüber. Die Auseinandersetzung „auf Augenhöhe“, ohne die eigenen Grenzen ständig überschreiten zu lassen. Aber auch, ohne die Grenzen meiner Kinder, meines Partners etc. zu überschreiten. Schimpfen ist für mich kein konstruktiver Umgang. Es ist ein Hinweis, dass ich an meine Grenze komme, doch auch nicht mehr. Das kann ich auch anders deutlich machen. So, dass die Kinder wirklich etwas mitnehmen und nicht nur lernen, etwas Bestimmtes nicht mehr zu tun aus Angst vor dem Schimpfen. Auch ich schimpfe, doch dies passiert in Situationen, wenn ich nicht in meiner Mitte bin. Wenn ich angespannt, genervt oder schlicht überfordert bin. Dieses Verhalten finde ich nicht gut (oder fühlt Ihr Euch gut danach?) und ich versuche, andere Wege zu finden. Zum Beispiel an einer Situation dranzubleiben, z.B. nicht selbst etwas aufzuwischen, weil es schneller geht. Das Kind in diesen Situationen intensiv begleiten, ganz da sein innerlich. Nicht zu urteilen. Ins Gespräch kommen, also wirklich und nicht als „erhabene“ Mutter oder Lehrerin. Und natürlich auch deutlich sagen, wenn meine Grenzen überschritten werden, klar- aber nicht schimpfend. Und auch hinhören, wenn andere (auch Kinder) schimpfen, weil ihre Grenzen überschritten werden.
    Das wäre mein Ziel- ich bin auf dem Weg….

  29. Mira on 12. September 2019 at 20:37 geschrieben

    Um meinen langen Text noch Mal auf den Punkt zu bringen:
    Leiten JA (unbedingt), Schimpfen NEIN (kein konstruktiver Umgang, kein positiver Lerneffekt)

  30. Claudia on 12. September 2019 at 21:19 geschrieben

    Hallo Claudi,
    ich stimme Dir zu und muss ehrlich gestehen, dass ich diesen Hype über dieses Schimpfdiätbuch nicht verstehe. Ich schimpfe auch gelegentlich und setzte Grenzen, würde ich es nicht tun und hätte ich es nicht in den letzten 17 Jahren getan, dann würden mir meine zwei Teenager, die ich seit 10 Jahren alleine erziehe, auf der Nase herumtanzen. Es gibt Regeln und Grenzen. Trotz gelegentlichem Schimpfen habe ich zwei Kids, die sehr sozial sind, Gefühle anderer respektieren, hilfsbereit sind und wissen, wie man sich benimmt. Es macht mich wahnsinnig, wenn ich dann Kinder erlebe, die keine Tischmanieren haben, fremdes Eigentum nicht respektieren, gemein sind und im Alltag nicht lebensfähig sind (z. B. Tisch abwischen). Danke für Deinen tollen Beitrag. Liebe Grüße Claudia

  31. Jasmin on 12. September 2019 at 21:25 geschrieben

    Ich würde als Kind in so einer Stunde die Krise kriegen, unbedingt klare Regeln und die werden eingehalten von Allen! Wo bleibt da die Teamfähigkeit? Was für ein Dauerstress für die Schüler, die gerne und gut mitmachen wollen. Die leiden am Ende. Und was lernen sie… Ich habe das erwartet von Lehrern, dass sie durchgreifen. Also bitte, Fehlverhalten bestrafen.

  32. Was für ein ehrlicher und guter und wichtiger Text – ich melde mich hier als eine der Autorinnen (mein Buch ist DIE SCHIMPF DIÄT) zu Wort: Wie schon einige vor mir, muss ich ich auch nochmal betonen, dass „beziehungsorientiert“ nicht „laissez faire“ meint und keinesfalls ein Führungs- und Grenzenloses Familienleben bedeuten kann. Es steht aber eine klare Haltung dahinter, wenn man seine Mitmenschen nicht durch (be)schimpfen erniedrigen, verletzen und beschämen will und genau das passiert, wenn wir nicht gleichwürdig und auf Augenhöhe denken und handeln. Es bedeutet viel mehr, sich mit den eigenen Bedürfnissen, der eigenen Geschichte und dem Dynamiken einer Familie zu beschäftigen und aktiv Beziehungsarbeit zu leisten.
    Wir Eltern machen unseren schweren Job zu jeder Zeit so gut, wie es uns eben gerade möglich ist – und wenn es uns selber nicht gut geht, wir Mangelsituationen erleben oder überfordert sind, dann wird es auch mal laut!
    So lange das „laut“ über die eigene Gefühlslage informiert, anstatt das Gegenüber zu erniedrigen, ist das durchaus heilsam und eben eine Form, mit Konflikten und Herausforderungen umzugehen.

  33. Franziska on 12. September 2019 at 23:28 geschrieben

    Hallo. Ich bin auch Lehrerin, von älteren Schülern, und kenne das auch so gut. Und es frustriert mich so. Ich schimpfe immer öfter und mag mich selbst damit nicht. Aber ich kann dieses rücksichtslose Verhalten der Schüler, die so sehr auf ihre Bedürfnisse fixiert sind und so wenig Gefühl für die Erfordernisse der Gemeinschaft haben, immer weniger ertragen.
    Da können 13jährige nicht 45 min bis zum Toilettengang warten, trinken sofort nach dem Stundenklingeln, können eine Frage keine 5 min aufschieben, wenn es grad nicht passt, usw. Wenn ich diese Basics immerwieder und wieder diskutieren muss habe ich keine Zeit mehr für Unterricht!

    Antiautoritäre Erziehung war mal so wichtig, nachdem Kinder lange Zeit kaum mit ihren Bedürfnissen gesehen worden sind. Aber jetzt schlägt das Pendel bei vielen in die andere Richtung und die Bedürfnisse der Gemeinschaft, wie zb in ruhiger, störungsfreier Atmosphäre lernen zu können, werden durch die individuellen Egoismen untergraben.

    Mich macht das recht traurig und ratlos. Lieber würde ich nicht schimpfen. Hätte gern aufmerksame und höfliche Schüler, die es aber immer seltener gibt. Kann unser Erziehungsstil dann der richtige sein?

  34. Lena on 12. September 2019 at 23:42 geschrieben

    Ich bin Pädagogin und arbeite mit einer Grundschullehrerin in einer 4. Klasse in einem sehr sozial schwachen Problembezirk. Hauptproblem sehe ich in diesem Bereich, dass Lehrer was die Pädagogik und Methoden angeht, wenig bis gar nichts praxisnahes mitbekommen. Die Arbeit so gestalten, dass solche Situationen nicht entstehen oder wenn doch mit wirksamer Deeskalation entgegen zu steuern geht bei uns ausschließlich von den Pädagogen aus. Da ist der Fehler im System, aber schimpfen sehe ich da als keine Lösung an. Zusammen arbeiten wir toll zusammen und ergänzen uns mit unserem Wissen jeden Tag auf’s Neue! Ich find es sehr traurig, dass dies nicht der Standard ist.

  35. Pingback: 10 Dinge für euer Wochenende - Mummy Mag

  36. Mademoiselle on 13. September 2019 at 08:43 geschrieben

    Hi,

    ich habe deinen Blog vor Kurzem entdeckt und finde ihn total spannend. Das Thema was du ansprichst liegt mir auch sehr auf der Seele. Ich finde leider die (umgangssprachlich bitte verzeiht)“ Arschlochkinder“ nehmen extrem zu. Ichkann und mache was ich will wann ich will wo ich will und keiner hält mich ab. Und dies ist ja nunmal leider den Eltern geschuldet die ihren Kindern genau dies vermitteln. Ich glaube dieser Hype nennt sich Antiautoritärer Erziehungsstil oder einfach keine Lust auf Diskussionen. Kinder die so unselbstständig sind, dass ich mir schwer vorstellen kann, dass diese jemals ohne Mutti und Vati auskommen werden. Ich arbeite selber in der Pädagogik in der Erwachsenenbildung. Und leider muss ich feststellen: kein Wunder dass die Kids so drauf sind! Selbst die Erwachsenen halten sich größtenteils NICHT an Vorgaben oder Regeln….. wie dann bitte weitergeben? Die Arbeit wird auch den Lehrern erschwert die die Kinder die meiste Zeit am Tag betreuen. Ist in der Schule vill ein Funke anständiges Benehmen vermittelt worden wird es oftmals zu Hause wieder zunichte gemacht. Ein Teufelskreis. Ich finde um endlich zum Schluss zu kommen: Etwas weniger neumoderne Mainstream Erziehung und etwas mehr Realismus wäre super 👍🏻

    Toll dein Blog

    Lg

  37. Jes on 13. September 2019 at 09:33 geschrieben

    Danke für deinen tollen Beitrag. Ich glaube wirklich das wir den Kindern zu viel Entertainment bieten, gerade die Familien die es können.
    Ich habe seit einem Jahr eine Regelung für mich getroffen. Wir machen circa einen tollen Kinderausflug im Monat. Die Kinder freuen sich darauf richtig und wissen es zu schätzen. In der übrigen Zeit spielen wir natürlich auch mit ihnen, aber nicht die ganze Zeit und eher kleine Dinge.
    Die Folge davon war ganz klar zu beobachten: die Ausflüge in der Schule waren auf einmal ganz toll und spannend etc. Und nicht mehr voll langweilig. Man kann dies also tatsächlich steuern…

    Außerdem können sich beide Jungs (der Kleine noch besser als der Große) total toll selbst beschäftigen. Und noch eine Erkenntnis… Wenn wir Eltern nicht das Wochenende mit Unternehmungen vollpacken, dann haben wir auch mal Zeit für etwas Haushalt ganz in Ruhe ohne Stress des Wochenalltags und im besten Fall mit Hilfe der Kinder. Da diese gerne Zeit mit uns verbringen kommt zum Beispiel der Kleine in den Keller und hilft mir beim Sockenberge aufhängen und erzählt mir dabei Witze.
    Oder der Große legt mit mir Wäsche zusammen oder schrubbt die Badewanne und dabei erzählt er mir vom Klassenkameraden der gerade irgendwas doofes gemacht hat. Oder er putzt mit Papa das Auto und lernt nebenbei das Schmutzwasser an den Händen garnicht schlimm ist. Und irgendwie macht es sogar Spaß… uns allen.

    Also von mir auch ein Appell für weniger Ausflüge und konsequentes Begleiten (so nenne ich schimpfen schon länger mit einem Augenzwinkern). Alles Liebe Jes

  38. Elena Mustermann on 13. September 2019 at 10:33 geschrieben

    Schimpfen soll die Lösung sein für die Probleme Deiner Freundin Anna in der Schule? Ein etwas einfacher Weg wie ich finde. Die Kinder sollen also einfach gehorsam sein, damit der Unterricht läuft. Das ist doch zu einfach gedacht. Vielleicht sollten wir auch die Schule ändern? Kleinere Klassen zum Beispiel oder Räume, in denen kleine Kinder sicher sind (ohne Säge und co.), Eigenständigkeit fördern, in dem die Kinder ihre Wasserbehälter selbst befüllen, mehr Beteiligung der Kinder und die gelangweilten Kids fragen, was sie denn interessiere. Vielleicht wollen sie lieber lesen oder rechnen oder Sport machen. Es muss nicht immer alle alles interessieren und nicht immer müssen alle alles können. Es ist doch auch für uns vergeudete Zeit, uns etwas anzuhören, was uns nicht interessiert. Da haben wir nichts davon und lernen auch nichts. Selbstbestimmtes Lernen ist meiner Meinung das Zauberwort, aber doch bitte nicht schimpfen. Das ist doch irgendwie zu leicht. Respekt ist auch wichtig! Das fehlt den Kindern anscheinend in der beschriebenen Klasse, aber auch das wird durch Schimpfen sicherlich nicht größer. Ich hoffe, dass die Lehrer, Schüler und Eltern hier gemeinsam kreative Lösungen finden…da hilft vielleicht sogar Malen.

    • Claudia on 13. September 2019 at 11:20 geschrieben

      Hallo! Die Überschrift ist bewusst provokativ gewählt – Wasfürmich ist immerhin ein kleines Medienunternehmen, das zum Lesen inspirieren möchte. Sorry dafür, wenn das irritiert. Plus: Im Text selbst taucht ja die Suche nach der richtigen Begrifflichkeit auf. Dazu eine Menge Fragen…
      Einig sind wir uns glaube ich alle, dass kleinere Klassen ein riesengroßer Gewinn wäre. Etwas sehr ich jedoch – genau wie Anna – anders: Ich finde, gerade die Grundschule ist dafür da, eine Wissensbasis zu legen, Kindern ganz viel anzubieten. Einige haben noch nie Kontakt zu Kunst gehabt, weil in der Familie Kunst keine Rolle spielt, vielleicht ist es aber gerade Kunst, was diese Kinder inspiriert. „Wir hören auch nicht zu, wenn uns etwas nicht interessiert“, finde ich da ziemlich erschreckend. Es gibt nun mal Dinge, die mir keinen Spaß machen (Steuer, aufwischen, Müll rausbringen zum Beispiel). Wohin könnte das führen? Kinder, die sagen: „Nö, Rechtschreibung interessiert mich nicht..“ Und die dann nicht schreiben lernen? Mmmh. Wir sind alle sicher nicht perfekt, aber das ewige Rummäkeln am Schulsystem hilft denke ich auch nicht wirklich. Außer man ist Lehrer oder Rektor – und ändert was dran. Oder geht vielleicht auf die Straße.
      Herzlich,
      Claudi

      • Elena on 13. September 2019 at 17:03 geschrieben

        Hallo Claudi,
        ich unterschreibe zumindest Petitionen und bin im Elternbeirat. Ich kann die Lehrersicht total gut verstehen und ich finde Lehrer toll, die guten Unterricht machen. Anna ist bestimmt so eine Lehrerin und daher ist sie frustriert, dass nicht alle Augen ihrer Schüler/innen strahlen, wenn sie sich tolle Sachen für sie überlegt. Das ist vor allem doof für Schüler, die das Thema interessiert. Ich war eine „perfekte“ Schülerin und mich haben auch die Störenfriede genervt. Trotzdem erschrecken mich hier die Reaktionen und Kommentare auf Deinen Artikel. Du kriegst Zustimmung fürs Schimpfen und die Kinder, die nicht angepasst, sind schuld. Härtere Erziehung wird als Lösung propagiert. Und das auf Deinen Blog, der doch so liebevoll für Familien gemacht ist. Wie sind da wohl erst die Meinungen auf etwas kinderunfreundlicheren Seiten? Kinder sind Menschen und sie sollten auch als solche behandelt werden. Der Adultismus ist in Deutschland noch so stark verbreitet, Kinder werden nicht ernst genommen und werden vor allem gelobt, wenn sie Erwachsene nicht stören. Du schreibst von Respekt, Achtung und Zuhören. Alles wichtig für ALLE. Auch gegenüber Kindern sollten diese Werte gelten. Das ist aber nicht immer der Fall. Wir sollten den Kindern diese Werte vorleben. Das ist so viel wichtiger als irgendwelche Grenzen setzen. Was für Grenzen sollen das überhaupt sein? Und zu Deinem Beispiel mir dem Müll und der Steuer. Ich kann gegen Bezahlung meine Steuer machen lassen oder eine Putzfrau einstellen und ich suche mir Vorträge und Filme selbst aus. Ich mache das, was mich interessiert. Das können Kinder eben nicht immer. Vielleicht würden die Störenfriede gerne Kunst machen, aber eben nicht in dem Moment oder in einer anderen Form. Vielleicht hatten sie Krach zu Hause, hatten kein Frühstück, wurden zu Hause ausgeschimpft. Wir sehen nur das Verhalten, aber nicht das Bedürfnis dahinter. Mehr Verständnis leben als Kritik üben. Positiv sein, Stärken stärken und nicht Schwächen bemängeln.

        • Anna on 14. September 2019 at 08:43 geschrieben

          Der Knackpunkt ist der, dass du Grenzen setzten als etwas negatives darstellst, etwas das Kinder einengt, sie in ihrer Freiheit beschneidet. Genau das Gegenteil ist der Fall. Klare Grenzen geben Kindern Sicherheit. Sie fühlen sich geliebt und sicher, in dem Wissen, dass sie nicht jede Entscheidung selbst treffen müssen, sondern es einen abgesteckten Raum gibt, indem sie sich bewegen können. Dieser Raum wird, je älter sie werden immer größer. Das nennt man dann Erwachsen werden. Ich bin erwachsen und sehne mich immer Mal wieder in die Zeit zurück, in der ich nicht jede Entscheidung selbst treffen musste, sondern meine Eltern mit bestimmte Entscheidungen abgenommen haben. Genau diese Sicherheit fehlt vielen Kindern, überfordert sie maßlos (was ich so so gut verstehen kann). Es gibt vernachlässigte Kinder (auch in meiner Klasse), die ohne Frühstück und nur mit schlechten Worten auf den Weg zur schule geschickt werden, diese Kinder können wir häufig ganz schnell auffangen, indem wir ihnen zeigen, dass wir uns freuen, dass sie da sind, den Tag mit einem gemeinsamen Frühstück starten und immer wieder mit den Eltern arbeiten, versuchen die Situation zu verbessern (auch diesen Eltern müssen wir das Gefühl geben, dass wir ihre Bemühungen, so klein sie auch manchmal sind, wertschätzen). Und Kinder, die zu Hause ohne Grenzen aufwachsen müssen in der Schule auch aufgefangen werden, weil sie sich sonst in dem System ( und ein System wir die bis am ihr Lebensende begleiten) nicht zurecht finden, häufig große Probleme haben Freundschaften zu schließen, und sich auf Sachen (die ihnen später vielleicht großen Spaß machen würden) nicht einlassen wollen. Leider ist die Arbeit mit den Eltern dieser Kinder sehr viel schwieriger, weil sie ihr Kind völlig unreflektiert sehen und sich häufig auch. Das tut mir häufig besonders für die Kinder leid….

          • Elena on 14. September 2019 at 19:55 geschrieben

            Hallo Anna,
            danke für die Info. Gib mir doch einfach mal ein paar Beispiele für „klare Grenzen setzen“. Ich sehe das Grenzen setzen als negativ an, weil das voraussetzt, dass Eltern quasi eine Übermacht sind und sicher sind, dass sie Dinge besser als ihre Kinder einschätzen bzw. besser wissen, was den Kindern gut tut. Das ist aber nicht immer so. Die Grenzen bzw. Konsequenzen sind in den meisten Fällen Strafen oder Hilfsmittel für die Eltern, ihre Ruhe zu haben. „Du musst um 19 Uhr ins Bett, weil Du sonst morgen müde bist“ (Yeah, ich kann un Ruhe Tatort schauen)usw. Kinder haben bereits so viele Grenzen, ich brauche da nicht noch künstlich welche zufügen. Wir leben in einem Miteinander. Mein Kind ist super wild und mir wurde auch immer die Angst gemacht, er wird es in der Schule schwer haben und was ist? Er ist in der Schule sehr angepasst und befolgt dort die Regeln und ist unauffällig. Zu Hause will er aber „frei“ sein und das darf er dann auch.

  39. Michaela on 13. September 2019 at 10:36 geschrieben

    Und zum Thema Wut, was ja zum Thema Schimpfen passt, hier was Passendes gegen die Schimpf-Diät:

    Nein, es ist NICHT gesund immer nett zu sein und das darf nicht das Ziel sein wenn wir friedvoll leben wollen.⁠

    Friedfertigkeit braucht Aggression.⁠

    WHAT?⁠

    Ehrlich. Wir brauchen den Impuls, unsere Integrität zu verteidigen und für uns selber da zu sein. Aggression ist eine Reaktion auf unerfüllte Bedürfnisse und deswegen absolut notwendig. Es ist Lebenskraft. ⁠

    Aggression ist die Reaktion auf Ungerechtigkeit. Aggression ist der Treibstoff für Veränderung. Aggression macht uns darauf aufmerksam was wir brauchen.⁠

    Nein, wir müssen sie nicht loswerden. Wir müssen sie integrieren. ⁠

    Wenn wir unsere aggressiven Reaktionen unterdrücken und versuchen immer nur nett zu sein – dann kommt die Wut. Dann kommen die Momente in denen wir ausrasten wegen einem scheiß Becher und uns fragen was los war. Warum wir plötzlich wie unsere Mutter klingen.⁠

    Weil unsere Aggression nicht gehört wurde.⁠

    Seit gestern Abend sind die Anmeldungen für unseren Wutkurs und die letzte LIVE-Runde für dieses Jahr offen – und es wird nie, kein einziges Mal in diesem Kurs darum gehen deine Wut wegzumachen. Nie. Es geht darum sie zu verstehen.⁠

    Melde dich in meinem Profil an, wenn du mir auf dieser Reise folgen willst!⁠

    #unerzogen #wut #eltern #lebenmitkindern #attachmentparenting #waswirklichzählt #aggression #elternblogger_de⁠

  40. Manuela on 13. September 2019 at 10:46 geschrieben

    Es sind immer die Eltern oder die Kinder schuld…die Institution Schule ist aber perfekt, oder? Wobei die Schuldfrage ja eigentlich egal ist. Die Schule müsste sich mal in Richtung der heutigen Zeit ändern und nicht die Kinder an die Schule anpassen. Schule wurde zur Zeit der Industrialisierung gegründet. Also schön früh aufstehen, gehorchen und etwas leisten und dann wie kleine Maschinen funktionieren. Wie sich der einzelne fühlt, egal. Hauptsache, die Lehrer kriegen den Stoff durch und haben den Kindern durch Benotung und Bewertung einen Stempel fürs Leben aufgedrückt. Wenn ich hier die Kommentare lesen, stellen sich mir die Haare zu Berge: Eltern erziehen zu wenig, zu wenige Grenzen bla bla bla. Glaubt Ihr das echt? Damit werden die Kinder schön klein gehalten, damit sie dann als Erwachsene ausrasten oder schöne Wutbürger werden. Es gibt keine verwöhnten Problemkinder. Jeder ist etwas Besonderes und hat Potential. Das wird in der Schule nur leider vergessen. Ich weiß ja, Lehrermangel, zu große Klassen…lässt sich alles ändern. Kostet halt Geld. Dann lieber die Kinder so erziehen, dass sie in die Schule passen. Ganz klar.

    • Claudia on 13. September 2019 at 11:02 geschrieben

      Hallo, ich merke, du bist wütend. Dennoch wünsche ich mir, dass hier freundlich weiter diskutiert wird. Dann wüsste ich gern: Bist du denn selbst Lehrerin? Bist du aktiv Teil davon, etwas zu verändern? Ansonsten finde ich das ewige Schimpfen über die Schulen leider ebenso müßig.
      Wenn du Lehrerin bist, würde ich zu gern wissen, was du machst, um Schule in die Neuzeit zu lenken. Vielleicht sogar in Form eines Gastposts – wenn du magst.
      Eins noch: ich kenne Anna und ihre Art zu unterrichten sehr gut, weil wir während der zweiten Ausbildung oft miteinander gearbeitet haben. Immer, also auch im Kunstunterricht, legt sie Wert auf einen offenen, kreativen Unterricht mit möglichst individuellen Aufgaben. Das ändert doch aber nichts daran, das Grundlagen menschlichen Zusammenlebens wie Zuhören, Respekt, Achtung (auch vor der Ausstattung) immer da sein sollten. Ganz gleich in welcher Art und Weise Schule passiert.
      Herzliche Grüße, Claudi

      • Manuela on 13. September 2019 at 11:48 geschrieben

        Danke Dir liebe Claudi für Deine Antwort! Ja, ich bin wütend (wahrscheinlich weil ich als Kind zu gehorsam war;-). Ich unterstütze die freien Schulen und war bei der Gründung in Berlin dabei. Außerdem versuche ich Impulse, an unserer Schule zu setzen. Die Rektorin ist auch so ein „muss“-Typ wie „Die Kinder müssen eben um 7:40 Uhr zur Schule“, „es muss Hausaufgaben geben“, „die Kinder müssen leise sein“. Mir würde schon mal das Hinterfragen von diesen ganzen „müssen“ reichen. Auch das Hinterfragen der „Formung“ der Kinder durch Erwachsene. Warum glauben denn die Erwachsenen, dass sie die Kinder erst formen müssen, damit sie gut werden. Sie sind ok so wie sie sind. Ich akzeptiere dein LEITEN. Wir sollten Kinder unterstützen und leiten. Das passt auch für mich. Ich mag aber auch nicht die ewige Diskussion, wie schlimm doch die Kinder in der heutigen Zeit sind. Das glaube ich einfach nicht. Die Kinder sind mutiger und wilder als früher, manche sicherlich auch respektloser. Aber das liegt meiner Meinung nach nicht an der mangelnden Erziehung. Und um beim Thema zum Bleiben: Nein, schimpfen ist ganz doof! Lassen wir es sein! Das hilft nicht! Höchstens uns, um Dampf abzulassen. Aber das geht auch anders: mit ner Runde ums Haus rennen oder laut Musik anmachen und tanzen. Davon haben dann alle mehr davon. Schönes Wochenende liebe Claudi!

      • Fritzi on 13. September 2019 at 12:10 geschrieben

        Ich bin bei Manuela. Und freundlich wütend bin ich auch. In den Kommentaren ist von „Arschlochkindern“ die Rede, aber „Arschlochlehrer“ traut sich keiner zu sagen.
        Es ist nun mal Fakt, dass Kinder durch das Konzept Ganztagsschule, Kindergarten etc. viele Bezugspersonen haben. Warum können den nicht alle am selben Strang ziehen? Schuld finden und zuweisen kann man immer. Und sicher darf man auch mal Dampf ablasen. Aber wir sollten für alle (Lehrer und Schüler) Lösungen finden, die gemeinsam erarbeitet werden und jeder trägt seinen Teil dazu bei. Und wenn wissenschaftlich erwiesen ist, dass kleine Klassen besser funktionieren, dann sollte das nicht Aufgabe der Lehrer sein, denen hier ja auch kein Fehlverhalten angelastet werden kann, sondern der Politik der Länder.

  41. Margot on 13. September 2019 at 11:07 geschrieben

    Liebe Claudi,
    vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Meine Kinder sind ja schon etwas älter, aber das war auch meine Erfahrung. Ich habe mich immer gerne mit eingebracht als „Lesemama“, Projektbetreuerin, auch außerschulisch habe ich eine Zeit lang eine Gruppenstunde geleitet. Gescheitert bin ich immer genau daran, dass manche sich nicht in die Gruppe einfügen/ an die Regeln halten konnten – selbst bei freiwilligen Projekten (wo man davon ausgehen sollte, wer sich anmeldet, hat wirklich Interesse am Thema/Projekt)! Ich frage mich dann öfter, wie sich diese Kinder/Jugendliche später mal als Erwachsene benehmen. Ich stelle z.B. beim Autofahren fest, dass immer mehr einfach „fahren, wie sie wollen“ – nein, nicht alle! Aber immer öfter: fahren in der Straßenmitte – soll doch der Gegenverkehr in „die Pampa“ ausweichen oder noch schlimmer beim Parken: „was gehen mich die Pfeile auf der Fahrbahn an, wenn ich andersrum fahre, ist der Weg doch viel kürzer“ oder „wozu soll ich mit EINEM Auto auf EINEM Parkplatz parken, wenn ich mit diesem einen Auto auch 2 oder gar 3 Plätze blockieren kann“ – und bei Autofahrern handelt es sich ja definitiv um Erwachsene! (Ja, auch ich habe 2 „BF17″er, aber solange ich mitfahre, halte ich sie auch zum „ordentlichen“ Fahren und Parken an – immerhin sind sie ja mit 17 noch nicht ganz erwachsen und das Auto ist auf meinen Namen zugelassen)
    Ich selber habe – schon sehr früh – Regeln nicht als Druck sondern immer auch als Schutz für mich empfunden. Denn wenn sich alle daran halten, haben ja auch alle was davon! Ich habe als Kind immer schon die konsequenten Lehrer am meisten gemocht. Da habe ich mich (als schüchternes Mädchen) immer am wohlsten gefühlt.
    Liebe Grüße, Margot

  42. Katharina on 13. September 2019 at 21:42 geschrieben

    Liebe Claudi,
    vielen Dank für diesen Beitrag! Ich denke, er passt letztlich ganz wunderbar zum Trend der bedürfnisorientierten Erziehung, da mir Grenzen und Regeln ein Urbedürfnis von Kindern (und Erwachsenen) zu sein scheinen. Sie bieten uns Halt und Orientierung in dieser komplexen Welt und ermöglichen uns ein gutes Miteinander. Und Kinder suchen doch regelrecht nach diesen Grenzen, fordern sie immer wieder ein. Sie zu setzen bedarf eines konsequenten und durchdachten Verhaltens von uns Eltern. Wir müssen uns überlegen, welche Grenzen und Regeln uns wichtig sind und wie wir sie durchsetzen wollen. Und, und das finde ich auch als Lehrerin besonders wichtig: den Kindern müssen die Grenzen transparent gemacht werden, sie müssen wissen, warum auf ein bestimmtes Verhalten Konsequenzen folgen. Denn diese Konsequenzen oder eben das Schimpfen dürfen nie willkürlich oder gewalttätig sein, sondern nachvollziehbar und respektvoll.

  43. Betty on 14. September 2019 at 20:36 geschrieben

    Liebe Claudi

    Vielleicht ist schimpfen einfach das falsche Wort.. Die Definition laut Duden ist folgende: „seinem Unwillen, Ärger mit heftigen Worten (unbeherrscht) Ausdruck geben“ . Das klingt sehr negativ. Ich denke nicht, dass ein respektvoller und friedlicher Umgang miteinander im Gegensatz zu Bedürfnisorientiertheit steht und wenn das bedeutet meinen Kind auch zu sagen, wenn es sich daneben benimmt, dann kann ich das auch auf eine respektvolle Art tun. Mich erschreckt wie gleichgültig viele Eltern sind, egal ob ihr Kind etwas Tolles oder Mist macht. Vielleicht liegt dort der Hund begraben.. Danke für den Artikel!

    • Elena Mustermann on 15. September 2019 at 11:19 geschrieben

      Das sagt Ruth von „Der Kompass“:

      Deine Aggressionen sind nicht falsch.

      Dein Umgang damit ist es.

      Als ich das kapiert habe fiel von mir so viel ab! Zu dem Zeitpunkt, vor 5 Jahren etwa, schrie ich beinahe täglich meine Kinder an. Ich beleidigte sie, ich brüllte, erpresste und meckerte. Und ich kam da einfach nicht raus.

      Egal, was ich versuchte – mein KOPF wusste ich muss damit aufhören, aber irgendwie schien der falsch verschaltet: Beim nächten Mal was ein Kind Saft verschüttete oder anfing sich zu streiten, rutschten mir wieder diese Dinge heraus, von denen ich mir geschworen hatte dass sie ENDLICH aufören müssen!

      „Sag mal bist du bescheuert?!“

      „Jetzt hör gefälligst auf mit der Scheiße!“

      „Immer musste du….!“

      Der Groschen fiel bei mir, als ich verstand dass meine Aggression dahinter total in Odnung ist. Aggression ist eine wichtige Kraft – sie zeigt uns dass unsere Werte verletzt sind, dass wir Hilfe brauchen, dass unsere Integrität auf dem Spiel steht.

      Der Kern der Botschaft meiner Wut war konstruktiv. Problematischerweise habe ich nie gelernt wie man Wut ausdrückt (weil Erziehung, du erinnerst dich…).

      Und so lernte ich mühsam meine Wut anzunehmen und ihre Botschaft zu verstehen. Und konnte endlich aufhören meine Kinder damit zu belasten.

  44. Iris Hönig on 15. September 2019 at 19:45 geschrieben

    Liebe Claudi,
    danke für deinen Beitrag. Er hilft mir sehr.

    Viele Grüße
    Iris

  45. Silvana on 16. September 2019 at 11:50 geschrieben

    Vielen Dank liebe Claudi für diesen wieder einmal sehr treffenden Blog Eintrag. Ich bewege mich im Alltag mit den Kindern auch konsequent zwischen ich möchte nicht schimpfen müssen und ich weiß nicht, wie ich mir in extremen, lauten und turbulenten Phasen Gehör verschaffen kann. Das „Leiten“ anstelle des „Schimpfen“ zu setzen finde ich einen guten Weg. So ist dies deutlich positiver gesetzt und hat eine gewinnbringende Komponente sowohl für das Kind als auch für uns als Eltern. Vielleicht geht es unserem Gefühl danach besser, wenn man wieder einmal laut „leiten“ musste …

  46. Martina on 19. September 2019 at 13:35 geschrieben

    Was für ein wichtiger Beitrag! Ich finde es ziemlich krass, dass es schon in einer Grundschule (ich nehme an 3. oder 4. Klasse) so zugeht und die Verzweiflung der Lehrer kann man gut verstehen. Als Mutter dreier Kinder sehe ich was für ein Unterschied schon einige Jahre in den verschiedenen Jahrgängen der Kinder beim Verhalten, Benehmen, etc. ausmachen. In den letzten 5-10 Jahren hat sich viel verändert. Mein ältester Sohn (17) hatte z. B. im Kindergarten noch ein ganz anderes Umfeld als mein jüngster Sohn (8). Früher haben die Mütter fast konkurriert (im guten Sinne) mit kreativen Geburtstagsfeiern zu Hause mit Themen etc. während jetzt fast jeder nur noch in einem Indoor Spielplatz oder sonst irgendwo fremd organisiert feiert. Kinder werden kaum noch nach Hause zum Spielen eingeladen. Es gibt einige Grundschüler, die schon geraume Zeit allein zu Hause verbringen müssen, weil es nur begrenzt Betreuungsplätze gibt und beide Eltern den ganzen Tag arbeiten. Ich denke, all diese Dinge spiegeln sich natürlich in der Gesellschaft wider und bleiben nicht ohne Folgen. Die allgemeine Respektlosigkeit und fehlende Rücksicht/Empathie kann man leider tagtäglich bei Erwachsenen erleben. Ich habe auch oft das Gefühl, vielen Eltern ist es zu anstrengend sich mit ihren Kindern auseinanderzusetzen und sie zu „leiten“. Sobald sie in die Schule kommen, sollen sie möglichst schnell „selbstständig “ werden. Als ob die Schulen jetzt die weitere Begleitung und Verantwortung übernehmen sollten…

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