Manchmal frage ich mich, wo ich gerade bin. Nicht geografisch, da bin ich in den Bergen, sondern biografisch. In welcher Zeitzone befinde ich mich? Spoiler: Urlaub mit Kindern zwischen 8 und 15 Jahren ist spannend…
Früher war Urlaub ein binärer Zustand.
(Fast) alle trugen Windel, wir bauten Sandburgen, abends gab es eine Folge Paw Patrol. Inzwischen fällt mir auf, mit was für einer altersgemischter Truppe wir unterwegs sind. Die ist wild, aber ich find das auch total schön.
Wie schön ist es, wenn die großen Kinder abends nicht in den Kinderclub verschwinden, sondern mit uns Eltern am Tisch sitzen bleiben, um zu erzählen. Dann wieder verschwindet einer der Großen doch mit den Kleinen – gerade noch möglich. Später kommt der Kleine angerannt und stürzt sich auf mich, bedingungslos, wie sich bloß kleine Kinder stürzen. Mein Gesicht voller feuchter Schmatzer. Ich knuddel um mein Leben, weil ich nie weiß, wie lange das noch geht. Verrückt, wie ich meine Stimme automatisch umstelle, je nachdem, ob ich mit einem kleinen oder einem großen Kind spreche. Ich habe gerade das Beste aus zwei Welten.
In einem Moment gehe ich mit meinem Großen in die Sauna und wir reden über alles mögliche.
Ich bekomme Nachhilfe in Popkultur, er hört sich meine Ängste an. Wäscht mir manchmal den Kopf. Erschreckend: Ich war noch noch einmal mit dem Kleinen im Kinderraum. Schon erstaunlich, wie viel schneller bei den dritten und vierten die Unschuld der Kindheit der Coolness der Vorpubertät weicht. Liegt vermutlich auch daran, wie sehr Mama es zulässt. Wie sehr sie noch möchte, dass das kleine Kind klein ist.
Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, weil der Kleine nicht so viel Kleinkindaufmerksamkeit bekommen hat oder bekommt, wie die Großen. Dann möchte ich in der Bar ein Memory holen und mit ihm spielen. Aber er hat gar keine Lust. Er läuft lieber den Mittelgroßen hinterher oder guckt mit den Großen auf Tiktok (hilfe). Und ich gestehe mir ein, dass ich auf Memory auch nicht mehr so viel Lust habe. Wir gucken definitiv zu viel Tiktok, aber hey, immerhin gucken wir es gemeinsam. Jede Menge Skitricks, Mode, Travel. Nach den Ferien wird es wieder gelöscht, so der Deal.
Ganz besonders schön war der Abend, als wie uns alle zusammen fertig gemacht haben.
Die großen Jungs mir meine Stylingprodukte mopsten und ich ihre. Der Große dem Kleinsten die Haare machte und wir uns alle ein Parfum teilten. Wir sind dann los sind, erst zum Essen ins Hotel und an die Bar, dann mit den Großen noch rüber in die Karaoke Bar. Tanzen mit den eigenen Kindern, gegen Partylärm anschreien, ein großartiges erstes Mal. Und drüben gucken die anderen einen Film. Das Gemeinschaftsgefühl ist unbezahlbar. Und hey, ein Zurück in die Kleinkindzeit gibt es ohnehin nicht. Ich will nicht traurig zurückschauen, sondern nach vorn.
Abends lag ich übrigens regelmäßig im Bett und schaute der Pistenraupe zu. Selbst mein kleiner interessierte sich nicht mehr sonderlich dafür, dafür ich. Stundenlang könnte ich zuschauen, wie sie sich direkt vor unserem Fenster den steilen Berg hochfräst. Alles hat seine Zeit. Und das ist ganz schön schön.





Hallo liebe Claudi,
wie gut kann ich das nachvollziehen!
Wir haben zwei Geschlechter und einen Altersunterschied von 4 Jahren unter einen Hut zu bringen – und das wird im Urlaub schönerweise einfacher, seitdem beide zweistellige Geburtstage feiern.
Während wir früher meist die eine hin und den anderen weg schleppen mussten, waren wir gerade alle gemeinsam hin und weg von den Erlebnissen, die der wundervolle Hof van Saksen für uns bereit hielt. Vielen Dank für den tollen Tipp – endlich konnten wir ihn nachreisen.
Schöne Ferien weiterhin und alles Liebe!
Ach wie schön, das freut mich aber! Liebe Grüße