Als die Mail kam, dass wir eher abreisen dürfen (und einen Rabatt wegen des katastrophalen Mobilheims bekommen sollten), setzte ich mich mit einem Kaffee auf die Terrasse. Mein Buch lag auf meinem Schoß, die französischen Familien um mich herum erzogen gewohnt laut – und ich war endlich wieder im Urlaub…

Vorher war die Erholung plötzlich schlagartig vorbei.

Nach zehn Tagen bei Montalivet, in einer wunderschön ausgebauten Weinhalle, Sonne, einem Geburtstag und drei tollen Tagen mit Freunden, waren wir alle ferienselig. Ich fühlte mich so richtig erholt. Als Nächstes hatte ich ein Ferienhaus in einer Art Naturpark ausgesucht. Eine schwarzes Haus, innen weiß vertäfelt, mit großer Terrasse zwischen Pinien. Viel Platz drumherum – sogar die Lichterketten hingen laut Fotos schon. Alles auf dem Insta-Account sah idyllisch aus. Ich hatte das Haus, bevor ich es sah, zu einem meiner neuen potentiellen Orte in einem Roman auserkoren.

Die Wirklichkeit war eine völlig heruntergekommenes, mit braunem Holz vertäfeltes Mobilheim: rostige Heizungen, kein Außenlicht. Auf der Terrasse kein Platz für den Tisch und sechs Stühle, geschweige denn für uns. Die Betten für die großen zu kurz, die Bettwäsche zerrissen, neben uns der Generator der Anlage und überall Häuser dicht an dicht um uns herum.

Vor dem angeblich idyllischen See eine Schnellstraße und ein Remmidemmi-Aquapark.

Es hatte mit dem Online-Auftritt (und den Bildern in meinem Kopf) so wenig zu tun, wie Heiligabend mit Hochsommer. Und das alles für den hohen Preis der schwarzen Traumhütte zwischen Pinien.

Obwohl ich, obwohl wir, es nicht wollten, kippte die Stimmung. Meine Erholung flatterte davon, wie versehentlich die Serviette meines Croisssants auf der fröhlichen Fahrt hierher aus dem Fenster. Ich war ständig damit beschäftigt, all das unschöne zu dokumentieren. Wir fingen an über den Abwasch zu streiten. Ich war plötzlich genervt von allem, am meisten von mir.

„Urlaub verkürzen“ stand ständig im Raum und ich bekam Panik. Ich war erholt mit der Aussicht auf mehr. Aber sollte es das jetzt ganz plötzlich gewesen sein, mit dem Sommerurlaub 2025? Wie verschwenderisch war ich mit den Tagen umgegangen? Wie sehr hatte ich die schöne Unterkunft für selbstverständlich genommen.

Ist das mein Alter, dass die Unterkunft so sehr zu meiner Erholung beiträgt?

Für mich fühlte es sich an, als wären wir wegen der blöden Hütte zurück im Alltag gelandet. Dabei wollte ich nicht so oberflächlich sein. Urlaub war doch dennoch Urlaub. Ich verbot uns das Motzen und die miesen Gefühle, wollte dennoch dankbar sein.

So richtig gelang es mir nicht. Erst nach der beruhigenden Mail im Posteingang verlängerten wir unseren Zwischenstopp. Der war eh geplant, nun würden wir dort eben vier Nächte bleiben, statt bloß zwei. Der Urlaub war noch nicht vorbei – und ich fing endlich an, unsere restlichen Tage zu genießen.

Ich hoffe, der Anbieter war nicht nur so kulant, weil ich einen größeren Reise-Account bei Instagram habe. Ich hoffe, sie werden diese Bude nie wieder vermieten, schon gar nicht zu diesem Preis. Ich lasse es damit gut sein, aber ich habe nochmal mehr gelernt, mich nicht von hübschen Bildern blenden zu lassen. Ab sofort werde ich drei mal checken, ob die Wirklichkeit dem Instagram Account entspricht.

Wir haben ab sofort eine neue Liste, quasi einen familieneigenen Filter, was unsere nächsten Unterkünfte Suchen betrifft:

– Qualität und Ausstattung vor Optik, so lange die Kids dabei sind (wenn man ausnahmsweise beides auf einmal findet, Jackpot)
– Lage auf Google Maps überprüfen
– Wenn Mobilheim, dann aber bitte preiswert (und dennoch nicht schrottreif)
– große Terrasse ist ein Muss
– Supermarkt auf Campingplatz (hatten wir immer zufällig, war mir nie bewusst, wie sehr das entspannt)
– Schwimmmöglichkeit fußläufig
– Fußball- bzw Sportplatz in der Nähe entspannt alles bei uns total
– Schränke und Stauraum für Koffer und Co sind mein Yoga.

Zum Glück waren Freunde bei uns in der Gegend, die ein Mobilheim auf einem anderen Campingplatz hatten. Das Haus war einfach (aber neu und sauber), deutlich günstiger, auf dem Platz gab es viel Sport und Remmidemmi. Mir eigentlich zu viel – aber unsere Kids waren glücklich. Und wir damit auch.

Hattest du schon mal einen totalen Urlaubsfail? Und was ist dir wichtig in Sachen Urlaubs-Unterkunft?

Claudi