Ich habe seit Jahren ein Ritual, um mir den Übergang von hell zu dunkel, von Herbst zu Winter, zu versüßen: Ich stelle unser Familien-Fotobuch zusammen. Dann vergesse ich, dass draußen schon ab fünf Nacht ist, tauche stundenlang in unsere digitalen Archive ab und sichte Tausende von Handy-Schnappschüssen und Kamera-Serien. Und lasse mich schon dabei gefangen nehmen von der Erinnerung an das Jahr, das sich dem Ende entgegen neigt…

Oft muss ich dabei laut lachen, manchmal sogar ein wenig schniefen. Während ich auswähle und sortiere, seufze ich, werde mal wehmütig, mal stolz und und überhaupt ganz schön gefühlig. Weil mir unser Leben in Bildern immer wieder zeigt, wie bunt, schön und liebenswert unser Familienalltag in Summe doch ist – ganz gleich, welchen Struggle wir im Alltag auch hatten.

Fotos sind ideelle Schätze. Weil sie die Chronisten unseres Familienlebens sind.

Sie fangen Meilensteine genauso wie Alltägliches ein, halten die ersten Schritte, faule Sommernachmittage und den lang ersehnten Urlaub fest. Sie dokumentieren die kleinen und großen Veränderungen, helfen unserer Erinnerung auf die Sprünge. Und zeigen uns sogar manchmal, was wir im Alltag einfach übersehen.

Bilder sind auch kleine Zeitmaschinen. Katapultieren uns von jetzt auf gleich zurück an Orte, zu Menschen oder Gefühlen, die uns etwas bedeuten, die uns bewegen. Für mich funktioniert das digital nur bedingt. Scrolle ich durch die Galerie meines Handys, verliere ich schnell die Lust, den Überblick sowieso. Bis heute halte ich die Vergangenheit lieber analog fest. Früher noch in selbst geklebten Alben, mittlerweile in Fotobüchern, die jedes Jahr umfangreicher werden.

Die größten Fans meiner Fotobücher sind inzwischen meine Kinder.

Oft treffe ich morgens meinen großen Frühaufsteher an, wie er ganz versunken über dem Stapel sitzt. Oder meine Mittlere greift sich eines der Jahrbücher und erklärt dem Jüngsten unser Familienleben, als er noch kein Teil davon war. „Guck mal, hier sind wir bei Oma und Opa – aber da warst du noch im Himmel…“

Ich habe das Gefühl, die Alben verschaffen den Kindern eine Perspektive auf ihr eigenes Leben, die sie in ihrem sonst unmittelbar erlebten Empfinden der Welt nicht haben. Die Bilder wecken auch bei ihnen Erinnerungen, Emotionen, sind Anlass für Aha-Erlebnisse und für neugierige Nachfragen. Manchmal denke ich fast, für sie gibt es in unserem Haus kaum einen wertvolleren Besitz.

Auch wenn ich ein Freund guter Proportionen und stimmigen Lichts bin: Bei den Fotobüchern steht Authentizität immer über Ästhetik.

Weil ich keine geschönten Erinnerungen schaffen will, sondern ein ehrliches Abbild unserer Familie: Mit popelnden und bockigen Kindern. Mit Eltern, denen die Verzweiflung gerade ins Gesicht geschrieben steht. Mit explodiertem Spielchaos, am Tisch eingeschlafenem Nachwuchs und einem Mädelstrupp, der aus der Matschpfütze den direkten Weg durchs Wohnzimmer zur Dusche genommen hat. Vielleicht ist das die einzige Beschönigung, die ich mir dabei zugestehe: In der Rückschau sind solche Erlebnisse meist viel lustiger als im Moment selbst…

Tatsächlich haben unsere Familien-Fotobücher ursprünglich mal als Weihnachtsgeschenk für die Großeltern angefangen – daher mein Vorweihnachtsritual. Bis heute halten wir daran fest, weswegen in jedem Jahrbuch der Dezember nur ungefähr bis Nikolaus bebildert ist. Seit einigen Jahren stelle ich jedem neuen Fotobuch daher den restlichen Dezember des Vorjahres voran. Für meine Kids ein Knaller: Es startet meist unmittelbar mit Weihnachten…

Auch wenn ihr seit Jahren kein Foto mehr sortiert habt: Fangt einfach damit an.

Es ist so schön und, ja, auch wichtig, diese Erinnerungen festzuhalten. Ich merke schon jetzt häufig, wie sich in meinem Kopf das Großwerden meines Trios bunt durchmischt – wer war das noch mal, der immer mit der Katze auf dem Wickeltisch eingeschlafen ist…? Gerade im Nachhinein ist man so dankbar über ein bleibendes Abbild des eigenen Familienlebens, das sich so schnell verändert – und irgendwann so schnell vorüber ist. 

Es ist aufwändig, es beschäftig einen über Tage und manchmal Wochen. Aber ganz ehrlich: Gerade im Winter brauchen wir doch schöne Projekte. Und es scheint, als könnte dieser wieder ziemlich lang werden…

Und ihr: Fotobuch-Fans oder Prokrastinierer…?

PS: Ich gestalte meine Fotobücher immer ganz simpel mit dieser Software. Und Claudi schwört auf diese bezaubernden Designs. Hier verrät sie ihre liebsten Fotobücher – und ein paar Tricks.

Alles Liebe,

Katia