Ich weiß nicht ob es ein typisches Jungsding ist, aber bei uns laufen Gespräche nach dem Abholen von Kindergarten/Schule oder beim Abendbrot meistens so ab:
Ich: „Und, wie wars heute?“ (euphorisch)
„Hmf?“
„Na – was habt ihr denn heute gemacht?“
„Öhhh. Nix…“
Familienessen, Erziehung,
„Wie?“
Hä?
„Ach komm, ihr habt doch nicht nix gemacht…“
„Weiß nicht…“
„Ach los, erzähl doch mal…“
Schweigen.
„Kommt schon, dass interessiert mich echt…“
„Mann Mama!“ (stinksauer) „Frag doch nicht so viel. Ich weiß es nicht mehr. Und du fragst und fragst. Und überhaupt, ich will jetzt endlich in Ruhe mein Hörspiel hören/Rest Pausenbrot essen/Bruder boxen/aus dem Fenster gucken…“

Natürlich ist es nicht immer so. Manchmal sitzen wir alle da und jeder erzählt und wir lachen und staunen und erzählen weiter. Aber eben nicht immer. Weil ich es so wichtig finde, dass wir miteinander reden und uns zuhören, habe ich eine Weile ganz bewusst darauf geachtet, was wir tun, wenn das Erzählen gut läuft. Das Überraschende: Am besten ging es, wenn ich am wenigsten darüber nachgedacht habe. (Öps, der Mann schüttelt grad wieder grinsend den Kopf, über dieses ständige Reglementieren-wollen. Jepp, wohl eine echte Lehrerinnen Krankheit.) Ein paar Tricks habe ich aber schon herausgefunden – die meisten durch Zufall.

1. Nette Atmosphäre
Klingt schwer nach Wohnzeitschrift, ist aber so: sobald ich ausnahmsweise mal eine Tischdecke auflege, ein paar Kerzen anzünde oder wenigstens passende Teller und Besteck aufdecke, sitzen wir länger am Tisch – und die Miteinander-Sprech-Wahrscheinlichkeit steigt. Die beiden Großen helfen in der Regel beim Tischdecken – und lernen auf diese Weise gleich etwas über Stil. Und Lebensfreude. Ganz wichtig, wie ich finde.

2. Von mir erzählen
Der beste Trick gleich vorneweg: Von mir erzählen. Sobald ich nicht frage, wie es bei ihnen lief, sondern erzähle, wie es bei mir war, legen sie meist ganz von allein los. Und wenn es einmal flutscht, geht es meistens geschmeidig weiter.

3. Kinder ignorieren
Klingt zuerst mal gemein, hilft aber viel und tut außerdem auch mal richtig gut: Anstatt sich pausenlos auf die Kinder zu konzentrieren, reden André und ich einfach mal wieder miteinander. Und plötzlich haben die Kinder auch Lust zu erzählen. (Und wenn nicht, ist es auch mal okay).

4. Die XL-Lüge
Geht nicht jedes Mal. Wirkt aber hin und wieder Wunder: Einfach eine dreiste Behauptung aufstellen. „Ich habe gehört, ihr habt heute Schnecken gesammelt und aufgegessen!“ Wer sowas sagt, sieht zuerst große Augen. Dann folgt eine Pause beim eifrigen Rühreiaufstapeln. Und dann: „Nein, Mama, es gab heute Kartoffelsuppe und weißt du, was lustig war, als wir fertig waren hat Lukas….“ Und zack, schon erzählen sie.

5. Der Steintrick
Tapfer sein, jetzt wirds schwer pädagogisch. (Macht ja aber hin und wieder auch mal Spaß). Beim Tischdecken legen wir nicht nur hübsche Teller und Gabeln auf den Tisch, sondern legen auch noch ein paar hübsche Kiesel (oder wahlweise je nach Jahreszeit Blüten, Tannenzapfen, Eicheln, Kastanien dazu. Beim Essen darf jeder nacheinander einen Stein nehmen, neben seinen Teller legen und eine schöne Sache erzählen, die an diesem Tag passiert ist. Spannend, wer zum Schluss am meisten schöne Momente zusammen gesammelt hat. Und was für einen riesigen Glückshaufen erst alle zusammen… (Funktioniert auch mit blöden Momenten. Das dann aber lieber nach dem Nachtisch).

Habt ihr noch Ideen? Ich brenne drauf, sie zu hören!
Ganz liebe Grüße,

Claudi