Und, wie wars? 5 Tricks wie Kinder erzählen…

Okt
12/16

Ich weiß nicht ob es ein typisches Jungsding ist, aber bei uns laufen Gespräche nach dem Abholen von Kindergarten/Schule oder beim Abendbrot meistens so ab:
Ich: „Und, wie wars heute?“ (euphorisch)
„Hmf?“
„Na – was habt ihr denn heute gemacht?“
„Öhhh. Nix…“
Familienessen, Erziehung,
„Wie?“
Hä?
„Ach komm, ihr habt doch nicht nix gemacht…“
„Weiß nicht…“
„Ach los, erzähl doch mal…“
Schweigen.
„Kommt schon, dass interessiert mich echt…“
„Mann Mama!“ (stinksauer) „Frag doch nicht so viel. Ich weiß es nicht mehr. Und du fragst und fragst. Und überhaupt, ich will jetzt endlich in Ruhe mein Hörspiel hören/Rest Pausenbrot essen/Bruder boxen/aus dem Fenster gucken…“

Natürlich ist es nicht immer so. Manchmal sitzen wir alle da und jeder erzählt und wir lachen und staunen und erzählen weiter. Aber eben nicht immer. Weil ich es so wichtig finde, dass wir miteinander reden und uns zuhören, habe ich eine Weile ganz bewusst darauf geachtet, was wir tun, wenn das Erzählen gut läuft. Das Überraschende: Am besten ging es, wenn ich am wenigsten darüber nachgedacht habe. (Öps, der Mann schüttelt grad wieder grinsend den Kopf, über dieses ständige Reglementieren-wollen. Jepp, wohl eine echte Lehrerinnen Krankheit.) Ein paar Tricks habe ich aber schon herausgefunden – die meisten durch Zufall.

1. Nette Atmosphäre
Klingt schwer nach Wohnzeitschrift, ist aber so: sobald ich ausnahmsweise mal eine Tischdecke auflege, ein paar Kerzen anzünde oder wenigstens passende Teller und Besteck aufdecke, sitzen wir länger am Tisch – und die Miteinander-Sprech-Wahrscheinlichkeit steigt. Die beiden Großen helfen in der Regel beim Tischdecken – und lernen auf diese Weise gleich etwas über Stil. Und Lebensfreude. Ganz wichtig, wie ich finde.

2. Von mir erzählen
Der beste Trick gleich vorneweg: Von mir erzählen. Sobald ich nicht frage, wie es bei ihnen lief, sondern erzähle, wie es bei mir war, legen sie meist ganz von allein los. Und wenn es einmal flutscht, geht es meistens geschmeidig weiter.

3. Kinder ignorieren
Klingt zuerst mal gemein, hilft aber viel und tut außerdem auch mal richtig gut: Anstatt sich pausenlos auf die Kinder zu konzentrieren, reden André und ich einfach mal wieder miteinander. Und plötzlich haben die Kinder auch Lust zu erzählen. (Und wenn nicht, ist es auch mal okay).

4. Die XL-Lüge
Geht nicht jedes Mal. Wirkt aber hin und wieder Wunder: Einfach eine dreiste Behauptung aufstellen. „Ich habe gehört, ihr habt heute Schnecken gesammelt und aufgegessen!“ Wer sowas sagt, sieht zuerst große Augen. Dann folgt eine Pause beim eifrigen Rühreiaufstapeln. Und dann: „Nein, Mama, es gab heute Kartoffelsuppe und weißt du, was lustig war, als wir fertig waren hat Lukas….“ Und zack, schon erzählen sie.

5. Der Steintrick
Tapfer sein, jetzt wirds schwer pädagogisch. (Macht ja aber hin und wieder auch mal Spaß). Beim Tischdecken legen wir nicht nur hübsche Teller und Gabeln auf den Tisch, sondern legen auch noch ein paar hübsche Kiesel (oder wahlweise je nach Jahreszeit Blüten, Tannenzapfen, Eicheln, Kastanien dazu. Beim Essen darf jeder nacheinander einen Stein nehmen, neben seinen Teller legen und eine schöne Sache erzählen, die an diesem Tag passiert ist. Spannend, wer zum Schluss am meisten schöne Momente zusammen gesammelt hat. Und was für einen riesigen Glückshaufen erst alle zusammen… (Funktioniert auch mit blöden Momenten. Das dann aber lieber nach dem Nachtisch).

Habt ihr noch Ideen? Ich brenne drauf, sie zu hören!
Ganz liebe Grüße,

9 Kommentar zu “Und, wie wars? 5 Tricks wie Kinder erzählen…

  1. Sara on 12. Oktober 2016 at 08:22 geschrieben

    Ganz tolle Tricks! Gefällt mir sehr gut. Da kann ich mir gut vorstellen wie losgequasselt wird. 🙂
    Schönen Tag

  2. Anja Jorré on 12. Oktober 2016 at 18:51 geschrieben

    Ich hätte da auch noch einen „Trick“, der bei uns auch heute noch (und meine Jungs sind 15+17Jahre)! Konkrete Fragen stellen! Also z.B. „was hast du denn heute in der großen Pause gemacht?“ Oder „Ist heute was komisches passiert?“ Auf die ziemlich schwammige Frage „Was hast du heute gemacht?“ habe auch ich nach einem anstrengenden Tag auch nichts zu sagen…

  3. Liebe Claudia!
    Das sind wirklich super schöne Tipps und das mit den Steinen und Naturfundstücken merke ich mir nicht nur für den Redeschwall!
    Vielen Dank und liebste Grüße!

  4. Sina on 12. Oktober 2016 at 21:32 geschrieben

    Ach, wunderbar! Das mit dem Schön-Tisch-Decken klingt gut, überhaupt alle Ideen – die XL-Lüge 😀
    Und du hast mich gerade noch auf eine andere Idee gebracht: ich werde unser Geschirr in den Küchenschränken umräumen! Ich möchte ja auch gern, dass die Kinder beim Tischdecken mithelfen können, aber das Ganze hakt zurzeit daran, dass sie immer erst darauf warten müssen, dass ich ihnen Geschirr und Gläser aus den Oberschränken reiche. Da kommen sie noch nicht dran (und sollten sie ja auch in den ersten Jahren nicht…) Aber jetzt hindert es sie daran, selbständig zu Werke zu gehen, die Teller etc. selbst auszusuchen. Ich werde die entsprechenden Sachen nun in die Schubfächer der Unterschränke tun. Danke für die Inspiration!
    Außerdem hab ich Lust, Birkenäste zu sägen und daraus Teelichthalter zu bauen! 🙂 Nochmal Danke!
    Und liebe Grüße – Sina

  5. Judith on 13. Oktober 2016 at 14:17 geschrieben

    „Wie War es heute im Kindergarten?“
    „Gut.“
    „und,was habt ihr gemacht?“
    „Gespielt.“
    Kenne ich auch nur zu gut.Ich höre dann einfach auf zu fragen.Wenn die kleinen Menschen etwas erzählen wollen,tun sie es dann meist später von ganz alleine!
    Aber am Wochenende beim Frühstück gibt es das Ritual, die lustigste Sache der Woche zu erzählen!!Das klappt gut und ist meisteNS sehr schön und witzig.Und die großen Menschen müssen auch mal ganz in Ruhe über die Woche nachdenken. Mir hilft das sehr,um auf schöne Momente dankbar zurückzuschauen!

  6. sunshine on 13. Oktober 2016 at 17:13 geschrieben

    Schon wieder so ein schöner Artikel!
    Wir reden meist auf dem Heimweg schon eine Weile über unseren Vormittag. Und haben schon ziemlich lange das Ritual, dass wir uns vor dem Schlafen alle zusammen ins Familienbett kuscheln und jeder erzählt, was ihm an dem Tag besonders gut gefallen hat – und auch was nicht – und auf was wir uns für den kommenden Tag am meisten freuen – oder auch was vielleicht blödes ansteht. Wichtig dabei ist uns, dass jeder exklusive Redezeit hat und keiner reinreden oder Vorschläge machen darf. Ich habe das Gefühl, dass es den Kindern sehr gut tut, sich damit abends zu „sortieren“ und sie schlafen danach meist sehr schnell ein. Und ich erfahre sehr intensiv, was sie so gerade beschäftigt. Und bin immer wieder überrascht, welchen Wert zB Kastanien sammeln gegenüber vermeintlich tollen Unternehmungen hat;-)

  7. Andrea on 24. November 2016 at 12:51 geschrieben

    Liebe Claudia,

    Ich habe deinen Blog erst vor einer Woche entdeckt und finde ihn toll. Deine Ideen sind sehr inspirierend und deine Art strahlt eine wunderbare Fröhlichkeit aus.

    Als Idee zu diesem Eintrag hätte ich folgendes. Kinder sind ja höchstinteressierte Wesen. Warum nicht Anregungen auf einen Zettel schreiben (jedes Familienmitglied), in ein Glas packen und das Thema ziehen. Ist vielleicht für später besser, aber bestimmt ein guter Start für ein Gespräch ✨

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