Hätte jemand mir gestern einen Euro gezahlt für jedes: „Räumst du das bitte selbst gleich weg!“, ich hätte dicke auswärts essen gehen können. Geht ja gerade eh nicht. Wir machen es uns also im besten Fall gemütlich, zwischen all den Kissenhöhlen und Kakaobechern, Kinderkunstwerken und Kekskrümeln. Problem: Zwei von sechs finden das leider kein bisschen kuschelig – und damit geht das Corona-Chaos während unserer freiwilligen Quarantäne erst so richtig los…

Ich kenne das bereits von Weihnachten, jetzt ist es ähnlich, außer, dass man sich beim Drücken vor dem Wegräumen prima in den frühlingsfrischen Garten verziehen kann. Fakt ist: Wenn wir sechs längere Zeit in einem Raum verbringen –  und das tun wir bei uns quasi den ganzen Tag – dann sieht unser Wohn-Ess-Küchen-Kino-Arbeits-Spielzimmer nach nicht mal sechs Minuten aus wie der Elbstrand nach einer Sturmflut. Wild!

Ich habe gar nichts gegen ein bisschen Chaos, aber ich fürchte ein Zuviel davon. Den Moment, wenn dann plötzlich alles egal ist. Ich nenne es das U-Bahn-Phänomen. Ihr wisst schon, das Ding, das in einem Waggon erst ein kleines Graffiti ist, kurze darauf alle Scheiben besprüht sind, Polster zerschlitzt und plötzlich nimmt keiner mehr seinen Müll mit weil – auch egal.

André und ich arbeiten an verschiedensten Fronten gegen das Chaos: Erklären bereits morgens, dass bitte jeder seinen Kram selbst wegpackt. Erinnere mehrmals täglich daran. Wir versuchen kreatives Spielchaos den Tag über zu ignorieren und bloß ab und zu anzukündigen, dass abends alles gemeinsam weggeräumt wird. Manchmal packe ich zwischendurch drei Kissen zurück aufs Sofa und fünf Hände voll Kaplasteine ein, wenn alle anderen gerade draußen sind. Und fühle ich dabei, als hätte ich das erste kleine Graffiti weggewischt… Ich darf dann bloß nicht weiter hinterherräumen, sonst räume ich nämlich den ganzen Nachmittag.

Damit es die nächsten Tage und Wochen hier nicht zu wild wird, habe ich mir und euch ein paar Tipps von einer Expertin geholt: Cornelia Heldt bietet Home Organizing an, ist also professionelle Chaos-Beseiterin und hilft Menschen dabei, Ordnung zu schaffen und auszumisten. Als ich sie anschrieb, ob sie mir fix ein paar Tipps aufschreiben kann, schrieb sie innerhalb von Minuten zurück: „Klar, die Kinder schlafen gerade. An welche Mailadresse?“ Wie quadratisch, praktisch, organisiert und gut ist das bitte?

Cornelias Anti-Corona-Quarantäne-Chaos-Tipps:

– Im Homeoffice arbeiten ist mit Kindern eine Herausforderung und geht am Besten mit klaren Absprachen (sowohl mit Kindern als auch mit dem Partner). Wir haben den Kindern beispielsweise angekündigt, dass wir unter der Woche „Kindergarten spielen“, mit allem was dazu gehört. Also bereiten wir abends eine Brotdose vor, suchen Kleidung heraus, decken den Frühstückstisch, räumen gemeinsam auf. Den Vormittag über spielt im Zweistundenrhythmus immer einer mit den Kindern, während der andere arbeitet. Dann wird getauscht.

– Während der Spielzeit kann dank cleverer Spiele auch mal für Ordnung gesorgt werden: Wer findet zum Beispiel die meisten Sockenpaare im ewigen Einzelsockenkorb? Oder man klebt mit Masking-Tape ein Tor auf und lässt die Krümel dort hineinfegen.

– Nach dem Mittag gibt’s wie im Kindergarten eine Ruhepause, ein Schläfchen für die Kleinen, einen Film oder ein langes Hörspiel für die Größeren (dann können beide Elternteile nochmal arbeiten!)

– Ganz wichtig bei uns: Jeden Abend verwandelt sich das Wohnzimmer vom Spielzimmer in ein Elternzimmer, dafür wandern alle Spielsachen in Kisten zurück. Alles was nicht fix einsortiert werden kann, verschwindet in einem Chaos-Korb – dieser wird in Ruhe einsortiert, wenn er voll ist.

– Dabei läuft – auch wie im Kindergarten – unser Aufräumlied. Das muss kein Kinderlied sein, hier darf jede Familie ihr eigenes finden. Es hilft übrigens, wenn Eltern das Aufräumen nicht als Qual ansehen, die gute Stimmung überträgt sich nämlich auf die Kinder. Und Musik hebt die Laune von allen.

– Wahrscheinlich wird in den nächsten Wochen ganz viel gebastelt werden. Wer die ganze Sammlung nicht lagern kann oder mag, fotografiert die schönsten Werke und macht ein Kunst-Fotobuch draus, dass geht auch schon ganz leicht vom Handy, zum Beispiel hiermit.

Was mich gestern übrigens beinahe noch verrückter gemacht hat, als die Lego- und Kaplastein, Schleichtier- und Pixibücher-Versammlungen auf dem Dielenboden war die Dauerbeschallung durch Kinderhörspiele. Bei uns werden die nämlich immer über unsere Anlage im Wohnzimmer gehört, eigentlich nur am Wochenende, darum war es bis jetzt auch okay. Ich finde es völlig okay, wenn jetzt mehr davon gehört werden, aber die Bibi-und-Tina-Dauerbeschallung hat mich komplett chaotisch im Kopf gemacht. Was mal wieder zeigt: Andere Zeiten verlangen andere Anti-Chaos-Regeln. Manchmal sind es gar nicht die sieben Krümel oder der Bücherstapel, manchmal ist es etwas ganz anderes, was einem Kopfchaos macht. Einmal kurz innehalten und in sich reinhören tut total gut. Gerade wird zum Beispiel bei uns ein Hörspiel im Kinderzimmer gehört, was für die Jungs richtig gemütlich – und super für mich und diesen Artikel ist.

Was bei uns übrigens auch immer hilft: Klar sagen, was wir Großen wollen. Also: „Ich möchte, dass du gleich deine Müslischale selbst wegstellst“, statt ständig über das Chaos zu schimpfen. Was noch gut tut: Weniger Sachen besitzen. Vielleicht findet sich in den nächsten Wochen ja auch ein bisschen Zeit, etwas auszumisten und viel wegzuschmeißen. Wer dabei Hilfe braucht, darf gern Cornelia mailen…

Haltet durch, alles Liebe,

Claudi