Folge drei meiner Reihe darüber, was man unbedingt noch mal machen sollte, bevor man ein Baby kriegt. Heute: Zieh noch mal an, was du wirklich magst. Oder: Was man so trägt, wenn man plötzlich ständig Kind trägt…
Schuhe, Klamotten, Lieblingshose
Ich hatte sie gefunden. Dachte ich zumindest. Die perfekte Hose für mit Kind. Sie war echt teuer. Blödsinnig teuer, vor allem wenn man bedenkt, dass sie eigentlich bloß eine Lodderhose war. Aber hey, sie war irre bequem, hatte hübsche schwarzweiße Ringel, war unten schmal geschnitten. Und: machte auf wunderbare Weise schlank. Wie wunderbar war das denn? Eine Hose die vom positiven Schwangerschaftstest bis zum Abstillen passte und dann auch noch schlank machte. Absoluter Hosenhimmel. Bis mein Mittlerer die zwei Reißverschlüsse an den Seitentaschen entdeckte…

Ich hatte am Herd gestanden. Er machte „Uuuo!“ und den Reißverschluss auf. Zipp. Dann die andere Seite. Zipp. Ich machte ihn Zapp Zapp wieder zu. Er wieder auf. Zipp. Ich: „Mein Schatz, lass das bitte.“ Wieder zu. Zapp. Er wieder auf. Zipp. Ich: „Bitte zulassen!“ Zapp. Er hüpfte vor Begeisterung hoch und runter, genau wie der Reißverschluss in seiner Hand, hoch und wieder runter. Zipp, Zapp. Zipp, Zapp. Ich schob seine kleine Hand und ihn zur Seite: „Lass das, ich möchte das nicht.“ Zippzappzippzapp. Er jauchzte vor Freude. „Verdaaaaaammt noch mal, lass das zuuuuuu!“ Zapp. Ich schrie auf. Er zog. Der Reißverschlussgriff fiel auf den Boden, klirr. Als ich an mir runterschaute, sah ich das weiße Innenfutter, das sich aus der offenen Hosentasche drängte und beinahe senkrecht von meinem Oberschenkel abstand. Sah aus wie Schenkel mit Schlappohr. Ich fühlte mich plötzlich wie ein Schaf, ein nicht sehr schlankes Mutterschaf. Oder wie ein Zebra, der Ringel wegen. Ein Zebra mit einem Schlappohr? Ein Einohrzebra.

Bei meinem Mann ist das übrigens so: Wenn mein Mann nach Hause kommt, rennt er als erstes zum Schrank. Pullover tauschen. Die Kinder kennen ihn quasi nicht anders als im schlammgrauverwaschenen Fruit-of-the-Loom-Pullover von 1996. Alles andere ist ihm zu gefährlich. Ist der Pulli nicht an, geht’s nicht auf Papas Arm. Ist der Pulli nicht da, ist Papa nicht da. Wie in einem Disneyfilm: Der Held ist unsichtbar, bis er diesen magischen Pullover überstülpt. Kein Wunder, dass mein Großer vor einer Weile im Kindergarten hoch und heilig beteuerte, er könne seine Eltern nicht malen. Im Kindergarten gabs kein schlammgrau.

Liebe Bald-Mami, etwas was du also wirklich noch mal tun solltest, bevor dein Baby kommt: trag, was du willst. Leder, Lack, Cashmere, Schonwaschgang, oder gar – autsch – Handwäsche, schnurzpiep egal, ab damit. Wohlfühlen. Hey, selbst wenn es bloß ein Umstandszelt ist. Es ist vermutlich schnodderfrei.

Noch etwas in Sachen Klamotten. Etwas sehr Trauriges. Unter der Flurtreppe in unserem neuen Haus ist ein Schuhregal. Mein Mann und ich behaupten beide, dass es unsere Idee war. Er, weil er beinahe jede Ecke unseres Hauses selbst geplant hat. Ich, weil ich schon immer ein richtiges Zuhause für meine vielen Schuhe wollte. Was nicht geplant war: Unser beindruckend großes Einbau-Schuhregal unter der Flurtreppe hat noch Platz. Wie das passieren konnte weiß ich nach drei Schwangerschaften leider ganz genau. Neben den diversen knöchelhohen, knallbunten Turnschuhen einer ganz bestimmten Marke meines Mannes stehen nämlich kaum welche von mir. Passen nicht mehr. Über das Phänomen hat an der Uni Münster sogar mal ein Arzt eine Doktorarbeit geschrieben. Ergebnis: Im Durchschnitt wachsen die Füße in der Schwangerschaft durch Wassereinlagerungen um 1,8 mm in die Länge und um 2 mm in die Breite. Bei den meisten Frauen gibt sich das nach der Geburt wieder. Bei manchen nicht. Mein Mann lacht sich bis heute einen, wenn ich Freundinnen mit Tränen in den Augen von meiner Massenschuhbeerdigung vor der Altkleidertonne erzähle. Habe bereits ernsthaft überlegt, ob ich aus Rache noch so oft schwanger werde, bis mir seine knöchelhohen Kinderbadewannen passen. Einmal mit jedem Paar durch den Elbschlamm nach Hochwasser und er lacht nicht mehr.

Vor kurzem war eine Freundin da. Die, die noch alle Schuhe im Schrank und ihr erstes Baby im Bauch hat. Sie starrte entsetzt auf meine geschrumpfte Schuhsammlung, dann auf meinen Mittleren, der wie verrückt an meiner Strickjacke zerrte und dann auf den beinahe neongrün verkrusteten Popel auf meiner Schulter.
„Sag mal“, sagte sie und ließ den Popel nicht aus den Augen, „was zieht man denn eigentlich so am besten an, mit Kind?“
„Frag lieber, was man besser nicht mehr anziehen sollte, sagte ich und legte los.

Lieblingsjeans? Passt nicht mehr.
Jeans zwei: „Verdammter Mist, seit drei Tagen in der Waschmaschine vergessen.“
Jeans, mit coolen Löchern, sprich Used Look: „Mami, bääähäää, deine Hose ist totaaaal kaputt.“
Leggings: grad in der Wäsche.
Pullover: viel zu warm (Merke: Schweißproduktion steigt proportional zu Kinderproduktion)
Shirt eins: zu kurz (Schwangerschaftsstreifen!!!!)
Shirt zwei: ähhh, neongrün und verkrustet. Du weißt schon…
Shirt drei: irgendwas Rotes, ging auch nach dreimal waschen nicht raus
Bindetunika: Die Nachbarin gratuliert zum dritten/vierten/fünften/sechsten Kind
Kleid: Und wenn ich auf dem Spielplatz wieder mit in die Seilspinne klettern muss?
Kleid zwei: Loch. Liegt auf dem Nähtisch. Seit Juli.
Ohrringe? Auaaaaaaaa…
Fellweste: Sohn eins findet, du siehst darin aus wie ein Schaf
Socken: Verdammt, in der Kitatasche vom Mittleren. Morgen Sockentiere basteln

Die Freundin guckte entsetzt. Sie war beinahe so blass, wie ihr entzückendes, nudefarbenes Umstandskleid.

„Aber was soll ich denn dann anziehen?“ fragte die Freundin.

„Mmh“, überlegte ich, „also ich hatte da mal eine Hose, die war perfekt. Echt hübsch. Bequem. Schwarzweiß geringelt, schön schmal am Bein und schlank hat die auch noch gemacht.“

„Na Gott sei Dank“, sagte die Freundin.“ „Wo ist diese Hose?“

„Einohrzebra liegt in der Verkleidungskiste“, sagte ich.

Und ihr so? Kinderfreundliche Klamotte oder lieber Klamotten-Kamikaze?

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Aus meiner Reihe „Fluch der Woche“ hab ich die Serie „Before Baby“ geboren. Darin schreibe ich über all das, was Schwangere meiner Meinung nach wirklich un-be-dingt noch mal tun sollten, bevor Baby kommt. Nicht immer ganz ernst gemeint. Und manchmal ein wenig böse. Aber nur ein bisschen.

Bisher erschienen:

1. Folge Geh noch mal richtig schön shoppen

2. Folge Silvester? Feier bloß noch mal entspannt

Liebe Grüße,

Claudi