Ich kann ziemlich laut werden, wenn es sein muss. Ich kann leise rumzicken. Ich kann divenhaft abrauschen, hervorragend mit Türen knallen und sehr wütend werden. Nur wirklich gut streiten, das kann ich nicht. Mit gut meine ich: konstruktiv. Also das, was ich meinen Kindern beizubringen versuche, wenn sie sich wieder hoffnungslos über irgendeine Nichtigkeit verheddert haben. Lösungsorientiert, nicht aus dem Affekt heraus und möglichst ohne Vorwürfe. Was soll ich sagen: Im Zweifel sind meine Kinder darin besser als ich…

Familie ist ein fruchtbarer Nährboden für Zoff aller Art: Geschwisterzank, Eltern-Kind-Kollision, wer-hat-den-längsten-Punk, Paar-Clinch, Erziehungsdiskussion. Und dementsprechend geht es bei uns fünfen oft hoch her. Ob im morgendlichen Prä-Schul-Trubel, bei dem sich mindestens ein Kind in der Klamottenwahl-Frage verkeilt. Ob bei der gerechten Haushaltsverteilung, dem Disput-Dauerbrenner Hausaufgaben oder den leidigen das-ist-sooo-ungerecht-Zusammenstößen – bei uns fliegen nicht selten die Fetzen. Und im gleichen Zustand befinden sich dann irgendwann meine Nerven.

Dabei zankt sich keiner von uns wirklich gern – im Herzen sind wir alle Team Harmonie.

Vielleicht ist das ein Teil des Problems: Streiten hat bei uns innerfamiliär keinen sonderlich guten Ruf. „Streitet Euch doch nicht“, grätschte kürzlich meine Mittlere dazwischen, als mein Mann und ich uns wegen einer Alltagslappalie anmaulten. Wer kann es ihr verdenken: Schließlich sind wir Eltern diejenigen, die vermitteln, dass streiten meist doof, unnötig, anstrengend ist. Zumindest, wenn man so kopflos ineinander rasselt, wie wir das häufig tun.

Klar ist: Ohne vernünftige Streit-Leitplanken sind am Ende alle irgendwie erschöpft – und das Ergebnis ist meist unbefriedigend. Irgendeiner heult, im anderen brodelt’s immer noch. Wenn auch meist nicht für lange: Im miteinander vertragen sind wir nämlich einsame Spitze. Bloß eine ordentliche Lösung für das Problem haben wir oft dennoch nicht gefunden. Und so landen wir irgendwann wieder im gleichen Zankmodus.

In letzter Zeit habe ich mich häufig gefragt, was wir anders machen können. Eine familiäre Streitkultur, in der wir uns auseinandersetzen können, ohne uns anschließend so ausgelaugt zu fühlen. Eine, in der wir nicht immer über die gleichen Fallstricke stolpern. Klar ist das auch eine Altersfrage: Trotzanfällen ist nicht mit Logik beizukommen und manche Entwicklungsphasen sind streitintensiver als andere. Nicht zuletzt hat das Temperament so seine Tücken: Im Team Türenknallen sind auch meine Kinder ganz weit vorn. Und doch habe ich fünf praktische Tipps aus unserem Familienleben, wie wir besser – und bestenfalls weniger streiten.

Temperament hin, Temperament her, ich bin Mutter und sollte daher ein Vorbild für meine Kinder sein.

Fällt mir nicht immer leicht, das gebe ich gern zu. Nur: Rausche ich im Affekt beleidigt ab, ahmt mein Trio mich mit beeindruckendem Talent nach. Es ist beim Streit ja generell gut, bei sich selbst anzufangen und nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen – vorwurfsfreie Kommunikation und so. Von daher ist es spannend zu sehen, wie sich der Eltern-Kind-Crash verändert, wenn ich meine Emotionen nicht mit in den Streit-Strudel schmeiße. Ist keine neue Erkenntnis, ich weiß, aber bei dem zerrütteten Nervenkostüm, das die meisten Eltern nach zwei Jahren Pandemie haben, bestimmt gut, sich das noch einmal bewusst zu machen.

Wenn ich total gelassen durch unsere Zoff-Zeiten kommen will, muss ich vorher einfach durchschnaufen.

Nicht innerhalb von Nanosekunden eine pampige Replik auf die Stänker-Sticheleien meines Vorpubertiers raushauen. Sondern im Zweifel atmen. Am besten drei Mal tief. Und wenn ich merke, dass es in mir zu kochen beginnt, lieber vertagen. Auf Provokationen einzusteigen ist selten produktiv. Besser eine Auszeit anmelden – für alle potenziellen Streit-Parteien. Zehn Minuten Pause, um danach mit gekühltem Gemüt einen neuen Versuch zu starten. Im Zweifel ist der schlimmste Ärger schon verraucht und im Kopf nicht mehr Alarmstufe Rot – sondern Raum für smartere Lösungen als Türen zu knallen. Zuhören und ausreden lassen funktioniert dann meistens auch deutlich besser.

Auch wenn es ein wenig Training erfordert: Es ist besser, vorwurfsfrei zu kollidieren.

Nicht „du hast dieses und jenes gemacht“, nicht „du bist dauernd so und so“ – das gibt dem Zwist nur neuen Zunder. Besser besonnen und vor allem bei sich bleiben: „Ich habe das Gefühl, dass du sauer/traurig/beleidigt bist – stimmt das?“ „Mir geht es mit deinem Verhalten so und so…“ Zugegeben: Es kommt mir mitunter ein wenig gekünstelt vor, weil ich typbedingt anders streiten würde. Aber ohne Frage nimmt es der Dissens die Dynamik, wenn wir verständnisvoll bleiben. Und wenn ich es mal nicht nach Lehrbuch schaffe – was nicht selten vorkommt – dann entschuldige ich mich später zumindest mit allem Drum und Dran.

Nicht unter Zeitdruck zanken!

Mit der Uhr im Nacken wird bei uns alles nur noch heftiger: Lautstärke, Emotionen, Recht haben wollen. Also beiße ich mir lieber dreimal auf die Zunge, wenn wir uns kurz vor einem Termin in die Wolle kriegen könnten – schließlich ist nichts schlimmer, als im ungeklärten Streit auseinanderzugehen: Jeder köchelt innerlich noch über Stunden vor sich hin und kommt immer noch auf Krawall gebürstet wieder zusammen. Ich versuche gerade, das Streitthema lieber zu einem anderen Zeitpunkt noch mal anzuschneiden – in friedlicherer Grundstimmung.

Wenn wir weniger Streit wollen, brauchen wir mehr verbindliche Absprachen.

Tatsächlich kriegen wir uns oft Sachen in die Haare, die wir vorher nicht konkret abgesprochen haben. Wer wann wie viele Hausaufgaben macht, bevor er auf den Fußballplatz geht. Wie viele Minuten am Tag Klavier geübt werden. Wer wann was aufräumt. Eigentlich ist es nicht meins, bis ins letzte Detail Dinge durchzuplanen. Und doch: Je genauer wir Abläufe definieren, je ritualisierter Routinen ablaufen, desto weniger Zoff haben wir. Abends Klamotten rauslegen, damit es morgens keine Diskussion darum gibt. Abends erst aufräumen, bettklar machen, dann eine Folge irgendwas gucken. Und am nächsten Tag genauso wieder. Je mehr Abweichung, desto mehr Aufstand, das ist bei uns leider Fakt.

Wie gut könnt Ihr streiten – und was hilft Euch dabei?

PS: Hier findet Ihr ein interessantes Feature über Konflikte und wie wir sie besser lösen können. Und hier noch ein paar hilfreiche Tipps für den Streit zwischen Eltern und Kindern.

Alles Liebe,

Katia