Kurz bevor wir wieder fuhren, suchte ich meinen Sohn und fand ihn auf der Holzbank am Strand. Der Wind strich sein blondes Haar aus dem karamellfarbenen Gesicht. Er hatte sich seinen Neopren über die kleinen, muskulösen Schultern gezogen. Überall war Sand. Er sah aus, als säße er schon ewig da. „Kommst du?“, fragte ich. Er starrte ernst aufs Meer. „Hey, du..!“, rief ich leise. „Ich will hier nicht weg“, brummte er. „Können wir nicht einfach für immer bleiben…?“

Ich lächelte. Vielleicht auch ein bisschen, weil ich das das Ostseeferienland jahrelang überhaupt nicht auf der Liste hatte. Bevor wir das erste Mal da waren, hatte ich von Dahme und Kellenhusen am Meer noch nie etwas gehört, von Grömitz nur kurz. Das grüne Umland mit den muckeligen Dörfern Grube und Lensahn war für mich ein weißer Fleck auf der Landkarte. Und jetzt? Ist es eine meiner liebsten Ostseeregionen, weil es dort so entspannt ist. Und weil man dort einfach alles finden kann: Ruhe und Remmidemmi, Charme und Schickischick, dazu ganz viel Natur, Kultur und viele tolle Unternehmungen für Kinder.

Wir haben dieses Mal im kleinen Ort Grube gewohnt.

Der liegt nicht direkt am Meer, aber bloß eine kurze Autofahrt durch grüne Wiesen davon entfernt und man hat dort himmlische Ruhe. Den Trubel in Dahme haben wir nur mitbekommen, wenn wir es wollten. Zum Eis essen, Skatepark testen, Riesenrad fahren, bummeln und Fahrräder mieten. Ansonsten fuhren wir von Grube zum Strand bei Dirks Surfschule und wieder zurück. Der Sand ist weich und zuckerweiß dort und selbst an Pfingsten waren nur wenig andere Leute da. Die Surfschule Dahme mit ihrer tollen Crew, dem Feuerschalen-Sitzkissen-Charme und dem kurzen Weg durch die Dünen zum Meer ist einer unserer Happy Places. Ich muss immer lächeln, wenn ich da bin. Weil alles einfach so freundlich und entspannt ist.



Unser Ferienhaus war (wie bereits bei unserem ersten Besuch) ein kleiner Glücksgriff. Die Reetdachkarte namens Tomtehof, in der wir dieses Mal gewohnt haben, hat unten gemütlich niedrige Decken, ist wunderschön eingerichtet, toll ausgestattet und hat einen wahnsinnig schönen, riesengroßen Garten mit kleinem Teich und Terrasse. Umgehauen hat mich dann endgültig der Blick ein paar Schritte die hölzerne Treppe hinauf. Das Obergeschoss ist überraschenderweise ein einziger hoher Raum, lichtdurchflutet vom Dielenboden bis zur weißen Spitzdachdecke. Der große Teppich mit Blick in den Garten ist der perfekte Ort um Yoga zu machen.

Mein absoluter Lieblingsplatz ist noch ein anderer.

Mitten im Raum stehen auf Kuschelflokati zwei gemütliche Chaiselongues vor einem niedlichen Rundbogendachfenster. Daneben ragt eine gut ausgestattete Hausbibliothek bis an die Decke. Ich gebe es zu, ich seufzte ein paar Mal enttäuscht über das gute Wetter. Bei Regen hätte ich nämlich auch einfach drei Tage durchlesen können. So aber haben wir natürlich die meiste Zeit draußen verbracht. Die Jungs tobten glücklich über den Rasen oder beobachteten die Frösche, die nachts ein hübsches Quakkonzert gaben. Wir saßen mal auf der einen, mal auf der anderen Terrasse, je nachdem, wo gerade Sonne war. Abends grillten wir in dem überdachten Steinofen und stießen dabei mit einem leckeren Rosé aus Elgins Laden an. Für die Sauna war es einfach zu warm.

Apropos Elgin: Ihren Laden Weinschmecker in Grube betreiben sie und ihr Mann mit ganz viel Leidenschaft nur einen kleinen Fußweg vom Ferienhaus entfernt in einem hübschen, wunderschön sanierten Rotklinkerhaus. Die Glocke über der Tür bimmelt, wenn man hineinkommt und der Blick schweift über diverse Weine, hübsches Porzellan und smarte Papeterie. Hier findet man nicht bloß einen Drink für den Abend, sondern auch ein Mitbringsel für Freunde (oder für sich). Elgin liebt ihr Zuhause und das Ostseeferienland sichtlich – und dank ihr und all der vielen anderen netten Menschen dort, muss man es auch einfach lieben.

Ein perfekter Tag im Ostseeferienland sieht so aus..

Ich lasse mich wecken – vom Wecker und vom warmen Strahl der Dusche unterm Dach. Danach flitze ich fix zum Bäcker, während die anderen den Tisch mit den meerblauen Tassen aus dem schönen Geschirrschrank in unserer Kate decken. Wir essen die leckeren Brötchen von Bäcker Puck und machen in der Maschine in der kleinen Küche einen Café Latte. Dann müssen wir uns sputen.

Durch grüne Wiesen düsen wir rüber zu Dirks Surfschule, die Playlist laut gedreht. Der Surfkurs startet um zehn, meine Männer sind bester Laune. Antje von der Surfschule macht mir einen zweiten Kaffee und ich trage mir einen Liegestuhl zum Strand. Ich schließe die Augen, strecke mein Gesicht in die Sonne und hole tief Luft. Ich schlecke mir Milchschaum vom Mund, mein Kleinster hopst mir auf den Schoß, ich lege das Magazin weg, das ich gerade lesen wollte und baue mit ihm eine Burg. Bis Surflehrer Dirk kommt und übernimmt – er baut einfach die besseren Burgen.



Zum Mittag gibt’s auf den kuscheligen Sitzkissen in der Surfschule für alle eine Waffel mit Sahne und Erdbeeren (oder mit Sahne und Nutella!) und einen heißen Kakao. Danach steigen wir ins Auto und machen einen kleinen Spaziergang durch das hübscheste Dorf der Gegend. In Siggeneben schmiegt sich ein weißes Reetdachhaus im blumenbunten Garten an das andere. Am Ende der Sackgasse kann man in einem alten Plumpsklo hübsche, selbstgemachte Postkarten kaufen.

Danach haben die Jungs Lust auf Action. Den kleinen Skateplatz in Dahme kannten sie schon vom letzten Mal, dieses Mal haben sie Skateboard und Roller eingepackt. André und ich bummeln währenddessen ein kleines Stück die Promenade herunter. Ganz am nördlichen Ende des Strandes eröffnet Dirk von der Surfschule demnächst ein Café. Es soll SUP-Kurse, Getränke und nächstes Jahr auch kleine Snacks geben. Wir freuen uns schon sehr darauf.

Ganz zum Schluss noch eine Runde Riesenrad.

Von dort oben hat man einen wunderschönen Blick über die breiten, weißen Strände und das knallblaue Meer. Bis Ende September steht das Rad noch an der Dahmer Promenade. Direkt darunter parkt die mobile Bücherei der Buchhandlung Mether, natürlich stürmen die Jungs dorthin und natürlich betteln sie mir jeder ein Buch ab.

Es ist aber auch einfach unglaublich, was für eine tolle Auswahl die beiden Besitzer Hille & Matthias Grüger auf den kleinen ein Mal drei Quadratmetern Platz präsentieren. Den ganzen Herbst und Winter wälzen die beiden die Verlagskataloge, um den Urlaubern die schönste Buchauswahl überhaupt präsentieren zu können. Absolut gelungen, ich hätte jedes kaufen können, das ich noch nicht kannte.

Danach fällt die Entscheidung nicht leicht.

Entweder lässt man sich mit einem tollen Essen im Restaurant Erholung verwöhnen oder beim Italiener in Kellenhusen. Oder man fährt schnell zum Supermarkt, der tollerweise sogar Sonntags geöffnet hat. Wir entscheiden uns für unsere Kate, decken uns mit Grillgut ein und lassen es uns auf der Terrasse gutgehen. Vor dem Einschlafen gibt’s eine kuschelige Vorlesestunde auf der Chaiselounge.

Meinen Strandsohn auf der Bank drücke ich zum Ostseeabschied übrigens ganz fest, gebe ihm einen Kuss auf die sandige, sonnenwarme Haut, seufze und sage: „Ich will auch nicht weg. Aber ich verspreche dir, wir kommen ganz schnell wieder.“

Und dann laufen wir Seite an Seite durch den Sand und barfuß über die pieksige Wiese bis zum Parkplatz. Bevor wir einsteigen, hopst er auf die in die Jahre gekommene, braune Aussichtsbank und nimmt eine enthusiastische Surfpose ein, um mir seinen neusten Wellentrick zu demonstrieren. Vielleicht der Start einer lebenslangen Sommerliebe.

All unsere Tipps fürs Ostseeferienland in kurz und knackig…

SCHLAFEN:
Die Reetdachkate Tomtehof ist wunderschön, perfekt ausgestattet, hat unten teilweise gemütlich niedrige Decken, das Schlafzimmer oben ist eine Art lichtdurchflutete Gallerie. Es gibt einen super Kamin, eine geschmackvoll ausgestattete Bibliothek, einen traumhaft schönen Garten, zwei Terrassen, einen idyllisch quakenden Teich mit zwei Holzliegen in der Sonne und sogar noch ein Saunahaus. Das liebevolle Gästebuch kann man lesen wie einen Roman. Ein echter Geheimtipp! Wehe, ihr bucht jetzt wie verrückt und lasst keine Spots mehr für uns…

ESSEN:
Großartige, etwas gehobenere Küche mit spitzenmäßigem Service gibt ’s im Restaurant im Hotel Erholung.

Nicht wirklich schick, aber sehr, sehr lecker war es auch beim Italiener Al Giardino in Kellenhusen.

Überraschend gut ausgestattet ist auch der Laden vom Campingplatz unten am Parkplatz. Ganz viele spannende Snacks, Brot, Fleisch, Gemüse-  und alles in Bio.

BEACHEN:
Der Strand bei Dirks Surfschule ist einer meiner liebsten auf der ganzen Welt.

Toll soll auch der Rosenfelder Strand sein, ein Naturstrand, der zum Dörfchen Grube gehört.

Wer Action und einen Strandkorb möchte, findet am breiten Strand von Dahme und Kellenhusen immer einen freien Platz.

SURFEN:
Dirk, Antje und ihr Team von der Surfschule Dahme sind super offen und unglaublich herzlich und freuen sich tatsächlich noch über jeden einzelnen, der auf ihrem Stück Meer plötzlich erfolgreich übers Wasser surft. An der Bar gibt es leckeren Kaffee, Waffeln und abends einen tollen Caipi. Wer nicht surft, nimmt sich Sandspielzeug, einen Ball und einen Liegestuhl mit ans Wasser und genießt den schönen Strandabschnitt.

UNTERNEHMEN:
Dorfmuseum: Man spürt, mit wie viel Liebe der Museumsverein das kleine Dorfmuseum in Grube kuratiert hat. Meine Kinder fanden die kleine Ausstellung mit ausgestopften Vögeln, altem Werkzeug und einem Modell des Dorfes richtig interessant und für Kinder gerade richtig groß. Am allerbesten hat ihnen das kleine Klassenzimmer gefallen, in dem sie mit Griffel auf eine alte Schiefertafel ihren Namen schreiben sollten.  In der Saison bis Ende September hat es mittwochs und freitags von 16 bis 18 Uhr geöffnet.

Picknickplatz: Der Paasch-Eyler-Platz ist echt eine spannender Ort im kleinen Grube. Etwas außerhalb gelegen fährt man unter einem hübschen grünweißen Holzschild hindurch und erreicht ein paar hübsche Fachwerkhäuser. Hinter einem lässt sich auf einer großen Holzterrasse mit Blick auf Segelflieder, Kunst und Kühe wunderbar picknicken. Ab und zu feiern die Gruber hier Gemeindefeste.

Weiter hinten im Wiesenmeer steht eine lebensgroßer, geschnitzter Fischer des Künstler Johannes Caspersen und erinnert daran, dass genau dort, wo man sitzt früher ein großer See war. Durch Versandung und vor allem durch Landgewinnung im zweiten Weltkrieg verschwand der – und veränderte damit eine ganze Gegend. Mit auf der Terrasse steht das Gegenstück, der hölzerne Tourist. Bewusst etwas gröber geschnitzt. In der Gegend gibt es noch mehr spannende Land-Kunststücke, Infos gibt’s hier.

Dorfkirche: Noch mehr Kunst: Auch in der Kirche sitzen zwei Holzfiguren des Künstlers Stephan Guber, die sind ein Überbleibsel der großen ECCE HOMO Ausstellung von 2020. Meine Kinder fanden sie gleichsam spannend und schaurig. Und ich liebe die Mischung aus Kultur und Natur in Grube. Eine tolle, sehr inspirierende Idee.

Riesenrad: Nicht alle Ostseeferienländer freuen sich über den himmelshohen Sommergast, der uns in seinen Gondeln ganz hoch hinaus transportiert. Meine Kinder dagegen total. Und ich habe die aufregende Aussicht auch sehr genossen. Bis September steht es noch an der Promenade.

Skateplatz: Es gibt eine große Halfpipe und ein paar Pipes zum Drüberfahren. Einen Roller oder Skateboard mit in den Urlaub nehmen lohnt sich also.

Kleiner Spaziergang ins Grüne: Am Strandparkplatz in Dahme startet ein kleiner, hübsche Wanderweg. Los geht’s am kleinen Naturspielplatz mit einem Blick vom kleinen Aussichtsturm über die Wiesen. Vor vielen vielen Jahren hätte man an diesem Punkt nicht stehen können, da war da nämlich Ostsee. Und noch viel mehr Jahre davor: ein Gletscher, der bis nach Cloppenburg reichte.

Spielplatz: In Dahme beim Skateplatz gibt es einen wirklich schönen Spielplatz.

Promenadenbummel: In Kellenhusen können die Kinder auf der geschwungenen Mauer balancieren. Abends ist die Seebrücke hübsch beleuchtet.

Spaziergang durch Siggeneben. Das kleine Dorf mit den weißen Reetdachhäusern sieht aus wie im Bilderbuch.

Nächstes Mal möchten wir ins Field and Fun. Und ins Haus der Natur in Cismar. Und, und, und…

SHOPPEN:
Weinschmecker: Abgesehen von ihren hübschen Postkarten mit echt schlauen Sprüchen, wunderschön bemalten Dekohäuschen, coolen Lesebrillen und natürlich jeder Menge hochprozentiger Köstlichkeiten ist Besitzerin Elgin einfach eine unglaublich nette, sehr inspirierende Frau! Und eine Notfallnummer gegen spontan leere Weinregale an Urlaubssonntagen gibt’s im Weinschmecker auch.

Mobile Bücherei: Obwohl der Stand nur ein paar Meter lang ist, findet hier garantiert jeder ein Lieblingsbuch.

MITBRINGEN:
Wein: Wir mochten den leichten Rosé Lulu besonders gern. Nicht nur wegen der hübschen Flasche.
Gin: Von zwei Jungs aus der Gegend kommt der The North Man. Wirklich lecker!
Zimtschneckenlikör: Sieht hübsch aus – und schmeckt sicher auch so.

Habt ihr noch Tipps fürs Ostseeferienland?

Alles Liebe,

Claudi