Dieses Jahr ist alles anders. Es ist nicht klar, wohin man reisen darf, so richtig jedenfalls nicht. Auf jeden Fall ist schwierig zu entscheiden, wo man hinreisen möchte. Fest steht: Wir haben alle große Lust auf Sommerlässigkeit und Ferienabenteuer. Wie wäre es, dieses Jahr mal etwas ganz anderes auszuprobieren, wenn sowieso alles ganz anders ist: Surfen zum Beispiel…

Dirk Neermann gehört die Surfschule Dahme an der Ostsee. Wir waren in den Pfingstferien dort, eigentlich bloß, um uns das alles mal anzuschauen. Aber dann: Haben sich meine drei großen Männer Hals über Welle ins Surfen verknallt – und die beiden kleinen Männer und ich waren ebenfalls sehr glücklich, jeden Vormittag am schönsten Ostseestrandabschnitt überhaupt zu verbringen. Es war herrlich.

Hinterher waren die Kinder jedes Mal ausgepowert, alle glücklich und wir sind weiter an den Strand oder haben eine kleine Fahrradrunde gemacht. Ich habe Dirk gefragt, warum Surfen echt ein super Hobby für Kinder (und den Rest der Familie) ist, woran man eine gute Surfschule erkennt und was man sonst noch wissen sollte.


Wasfürmich: Dirk, ich habe ja das Verlieben ins Surfen live bei meinen Männern beobachten können. Warum ist Surfen so ein tolles Hobby für Kinder?
Dirk: Hach, darüber könnte ich 2 Stunden erzählen. In Kürze: Die Bewegung und der Umgang mit den Elementen macht das Surfen so spannend. Es ist außerdem eine tolle körperliche Beanspruchung, weil alle Muskeln gefordert werden. Dazu trainieren Kinder ihr Gleichgewicht, was heute ansonsten oft zu kurz kommt und lernen, sich aus eigener Kraft durch den Wind fortzubewegen. Noch dazu ist es tolles Geschenk, die Elemente Wasser und Wellen hautnah erleben zu können. Auch schön: Es stellen sich ganz schnell Lernerfolge ein. Und natürlich ist es einfach toll vom Wasser zu kommen und richtig platt zu sein, die Lungen voll mit bester Seeluft. Macht dann auch nichts, falls man mal ein Schlückchen Salzwasser gekostet hat.

Wasfürmich: Was würdest du Eltern raten, ab welchem Alter macht es Sinn?
Sobald das Schwimmen sicher ist kann mit den Kleinsten im Einzelunterricht gestartet werden. Unsere Jüngsten sind 6 Jahre gewesen, das klappt schon. Dabei sollten dann aber Wetter und Windbedingungen passend sein. Unser kleinstes Segel misst gerade einmal einen Quadratmeter…


Wasfürmich: Ich habe euch ja schon live bei der Arbeit erlebt und fand das alles so herzlich und unkompliziert. Aber versuch doch bitte noch mal zu erklären, was ihr als Surfschule besonders gut macht? Beziehungsweise, worauf kommt es beim Unterricht ankommt.?
Dirk: Im Unterricht mit den Kleinsten findet alles sehr spielerisch statt. Die Kids machen nämlich viel intuitiv und nicht nach Plan wie Erwachsenere. Außerdem wissen wir, dass jeder Mensch in einer unterschiedlichen Methodik für sich lernt – diese finden wir heraus und fördern sie. Auch wichtig: Wir stellen uns auf alle Ängste ein und sind immer am Schüler. Die größte Angst ist nämlich oft, keinen Grund mehr spüren zu können, da es schon zu tief ist. Wenn man hier einmal einen Fehler macht, schürt das nämlich sonst eine schlechte Erfahrung, die schwer wieder abzuschaffen bauen ist. Und ganz wichtig: Bei uns steht immer der Spaß im Vordergrund, nie der Leistungsdruck.

Wasfürmich: Woran erkenne ich denn eine gute Surfschule?
Dirk: Der Standard ist eine qualifizierte Ausbildung aller Mitarbeiter und ein Qualitätsstandard im Auftritt der Wassersportstation. Dazu gibt es Dachverbände, die für diese Qualitätsstandards sorgen. Allen voran der VDWS zu nennen (Verband deutscher Wassersportschulen), hier werden die höchsten wieder erkennbaren Standards verlangt Jeder Mitarbeiter muss ein ausgebildeter Instruktor in seiner Sportart sein. Dieses ist eine mehrwöchige Ausbildung mit vielen methodischen und didaktischen Anteilen. Alle zwei Jahre werden Fortbildungen gefordert. Auch Prüfungen und Sicherheitskonzepte gehören dazu. Das sorgt für einen hohen Qualitätsanspruch.

Meine Surfschule in Dahme ist natürlich eine VDWS Schule mit Zusatzqualifikation QAW. (Qualitätsauszeichnung im Wassersport. Die meisten meiner Mitarbeiter sind zufällig auch Studenten im pädagogischem Bereich, das passt natürlich besonders gut. Und natürlich sollte man auch drauf achten, dass die Materialen wie Segel, Surfbretter und Neoprenanzüge immer top in Schuss sind.

Wasfürmich: Und woran einen guten Surflehrer?
Dirk: An viel Einfühlungsvermögen und daran, dass er seine Augen und Ohren in alle Richtungen wachsam aufhält.

Wasfürmich: Müssen die Eltern eigentlich mit aufs Board?
Dirk: Auf keinen Fall. Unser Leitspruch ist: Eltern weg von der Wasserkante. Klar wollen die Kleinen Mutti und Papi den Erfolg der ersten Fahrt zeigen. Das ist auch okay. Aber gut gemeinte Lernunterstützung durch hingeworfene Schlagworte im falschen Moment ist eher hinderlich. Spaß entwickeln die Kids direkt mit dem Surflehrer – und der tröstet auch, falls es dafür mal einen Grund geben sollte.

Wasfürmich: Was rätst du Eltern? Sollten sie da bleiben? Ganz gehen?
Dirk: In der Nähe unsichtbar bleiben. Nicht an der Wasserkante. Nur einmal kurz fürs Familienfotoalbum einen Schuss machen…

Wasfürmich: Wie oft muss ich mein Kind surfen lassen, damit es das nicht wieder verlernt?
Dirk: Das ist wie beim Radfahren: Einmal gelernt, für immer drin. Aber natürlich festigt üben die Bewegung.


Wasfürmich: Brauche ich eigentlich Equipment? Wenn ja was?
Dirk: Ganz easy, bloß Badesachen. Und natürlich Lust aufs Surfen. Den Rest gibt es bei uns – bis hin zum passenden Neoprenanzug.

Wasfürmich: Wann hast du eigentlich mit dem Surfen angefangen? Und wann deine Tochter?
Dirk: Ich habe mit 13 Jahren im Urlaub in Spanien in einer schlechten Surfschule surfen gelernt. Ha, ha. Das spornt mich bis heute noch an, das vieeeel besser zu unterrichten. Gepackt hat es mich trotzdem, ich bin noch immer süchtig nach Surfen. Unsere Tochter Nele ist in der Surfschule aufgewachsen – oben seht ihr ein Bild von ihr, da war sie sechs. In dem Alter hatte sie gerade damit angefangen. Heute hängt Sie uns bald ab – im Kiten hat Sie uns schon lange überholt.

Wasfürmich: Ich habe ja ständig Surfin‘ USA im Ohr, wenn ich an unsere Zeit bei euch denke. Wenn Surfen ein Song wäre, welcher wäre es denn für dich?
Dirk: Ha, ha, Claudi, du stellst ja Fragen… Ich hätte ja jetzt spontan gesagt: „Alle meine Entchen“, aber das ist natürlich Quatsch. Meine Surfhymne ist Alive von Pearl Jam. Aber ich glaube ich kann Surfen nicht mit Musik vergleichen. Die Glücksgefühle sind für mich nach einem Big Day unbeschreiblich. Man fühlt sich wie ein Hero, aber platt wie ne Flunder. Genau das macht die Sucht aus.

Wasfürmich: Ich hatte die ganze Zeit ein ganz gutes Gefühl dabei, meinen Kindern auf dem Wasser zuzuschauen, aber viele Leser fragten mich via Instagram, ob ich mir nicht Sorgen machen würde. Ist Surfen ein gefährlicher Sport?
Dirk: Nein, völlig ungefährlich . Wasser ist immer weich, nur nass.

Wasfürmich: Hat mein Kind eigentliche einen kleinen Lern-Vorteil, wenn es Ski fahren kann?
Dirk: Sportliche Kinder haben immer einen Bewegungsvorteil. Bei dem einen oder anderen dauert es länger , aber alle bekommen den Durchbruch.

Wasfürmich: Gibt es Übungen für zuhause?
Dirk: Ha, ha, ab und zu mal kalt duschen. Sonst nix.

Wasfürmich: Welchen deiner Kurse empfiehlst du Anfängern?
Dirk: Unser Grundkurs dauert zehn Stunden, diese verteilen wir auf etwa fünf Tage. Da ist auch ein bisschen Theorieunterricht dabei. Wir nennen es liebevoll die Landpraxis, sprich: Knoten , Kurse, Benennungen, Sicherheit… Wer mag schließt den Kurs mit einem internationalem Windsurf-Grundschein ab. Das ist der Befähigungsnachweis, dass man Surfen gelernt hat und eine theoretische Prüfung absolviert hat, Workbook und Urkunde sind mit drin, das macht die Absolventen besonders stolz. Diese Grundkurse sind ab etwa neun Jahren möglich. Außer Windsurfen bieten wir in der Surfschule Dahme noch: Segelunterricht an, auch für Kids übrigens (Open Bic Klasse), SUP Stand Up Paddling, Kitesurfen, Jollensegeln, Catamaransegeln, Yachtsegeln, Angelbootvermietung und Kajakvermieteung. Uns fasziniert der Wassersport bis heute aufs Maximale. Draußen sein am Strand und in den Elementen zu kämpfen ist einfach das Schönste was es gibt. Und es gibt drumherum die nettesten Menschen.

Wasfürmich: Hast du ein Vorbild?
Dirk: Ja, Robby Naish, ein absoluter Sympatieträger für unseren Sport. Immer noch aktiv und sehr erfolgreich mit der Vermarktung vieler Wassersportarten. Echt ein uper netter Typ, wir haben uns schon oft getroffen.

Wasfürmich: Und wo surfst du am Liebsten?
Dirk: Ganz klar in Dahme bei Ostwind im Sommer. Maui, Hawaii, Barbados und Dänemark sind auch nicht schlecht. Mit Dahme bin ich aber so verwurzelt, dass ich die Koordinaten der Surfschule für immer an der Wade trage.

Mehr Infos bekommen und buchen könnt ihr hier bei Dirk auf der Seite, hier: surfschule-dahme@online.de oder unter: 01523-3871053. 

Danke dir, Dirk! Wir sehen uns in und am Wasser!

Alles Liebe,

Claudi