Gestern war Sommer und – ich hätte es fast wieder verpasst. Das ganze Jahr freue ich mich drauf. Und dann mache ich noch mal eben Wäsche, arbeite noch kurz was weg, mache dies und mache das, statt den Sommer zu genießen. Das Gefährliche: So ist der Sommer vorbei und ich habe es nicht mal bemerkt. Merke es erst an nieselnebligen Novembertagen. Sage dann: „Wir hatten ja leider gar keinen richtigen Sommer.“ Und ein paar Freundinnen so: „Na klar. Hatten wir doch.“ Daher hier eine kleine Erinnerung für mich (und vielleicht auch für dich)…

Sommer ist jetzt. Sommer ist, wenn wir ihn uns machen. Sommer wartet nicht. Zum Glück fängt der Sommer gerade erst an, darum planen wir ihn ab jetzt am besten fest im Kalender mit ein. Ich mache das echt. Heute um 16 Uhr steht da: „Kaffee auf dem Außensofa“. Und das darf auf keinen Fall verschoben werden. Wenn ich dann dabei bin, mit meinem Kaffee auf meiner Terrasse, fühle ich in mich rein. Schließe wenn möglich kurz die Augen, hole tief Luft. Versuche zu spüren, wie sich mein Körper gerade anfühlt und was ich jetzt am liebsten machen will. Einfach da sitzen ist erlaubt (aber schwer!), mal kurz in einem Magazin blättern auch (schon leichter!) oder Unkraut zupfen (yes!). Zuerst zwinge ich mich aber dazu, den Kaffee auszutrinken.

Genießen geht auf unterschiedliche Art. Draußen sein gehört für mich auf jeden Fall dazu. Ich verschiebe Wäsche und alle anderen Indoor-Dinge auf den Regen. Ein bisschen arbeiten ist erlaubt, aber nur das, was draußen geht. Am Besten im Beet, manchmal auch am Computer. Ich hole mir eine Schale mit Sommerobst dazu. Und ich plane gar nicht erst ein, fertig zu werden. Fertig werden ist quasi verboten. Wer die ganze Zeit draußen ist, sieht auch die Unordnung nicht.

Ich achte auf meine Atmung. Sie ist meine beste Komplizin, um aus dem Alltags-Kreislauf in Richtung Sommergefühl zu fliehen. Denn wenn ich mich bewusst auf meine Atmung konzentriere, kann ich mich automatisch nicht auf die tausend Gedanken konzentrieren, darüber was ich eigentlich noch machen müsste. Hat bei der Geburt meiner Kinder geholfen – hilft auch bei Alltagswehen.

Wer Tiere hat, hat Glück. Dabei kommt man der jeweiligen Jahreszeit nämlich besonders nah. Ich stakse morgens durch hohes Gras in Richtung Hühnerstall. Die Sandkuhle unserer Hennen fühlt sich sonnenwarm an unter meinen Füßen. Während ich mich bücke, um Löwenzahn für die Kaninchen zu pflücken, entdecke ich eine Menge kleiner Blüten, die mir vorher noch nicht aufgefallen sind. Sogar Kornblumen! Und wenn ich abends den Hühnerstall schließe, trägt die Luft Sommernachtparfum.

Apropos Hühner. Den hier habe ich vor kurzem gelesen und liebe ihn: „Brüte nicht dauernd über deinen Sorgen, sonst werden sie noch schlüpfen.“

Ich zwinge mich fast jeden Tag eine neue Verabredung für mich zu machen. Oder eine zu bestätigen. Das kann ein spontanes Glas Wein auf der Terrasse mit meinem Mann sein. Oder mit einer Freundin im Nachbarort. Oder Grillen mit Freunden am Wochenende. Oder ein Freundinnenwochenende Ende August. Hauptsache den Sommer festnageln. 

Einer meiner besten Sommermomente in diesem Jahr war, als André und ich vor einen paar Tagen die Uhr ignoriert und auf die Frage der großen Kinder, ob wir nach dem Abendbrot noch eine kleine Runde mit Inlinern drehen können, einfach ja gesagt haben. Zuerst dachte ich: „Okay, ausnahmsweise, geht ihr, ich bringe die Kleinen schon mal ins Bett.“ Aber dann rief ich: „Wir kommen mit!“ Ich setzte den Kleinsten in den Buggy und den Zweitkleinsten ins Kettcar und wir zogen los. Wir waren quasi allein unterwegs, kein anderes Kind war mehr zu sehen oder zu hören. Keiner der uns grüßte. Bloß wir. Wir redeten, ich wunderte mich, wie fix meine beiden Großen bereits mit Skateboard und Inlinern unterwegs sind. Der Himmel wurde rosa, alles duftete nach Blumen.

Ich hatte das Gefühl, ich könnte den Atem des Sommers an meiner Wange spüren, so nah war er, als er mir etwas erzählte. „Das ist so schön hier mit uns allen!“, meinte mein großer Sohn. Ob er am nächsten Morgen etwas müder war? Ich glaube nicht.

Mehr Ausnahmsweises kann man schlecht in den Kalender eintragen. Aber vielleicht schreibe ich es mir auf die Hand.

Alles Liebe!

Claudi