Abends gegen halb acht träume ich des Öfteren von einem Single-Haushalt. Ein Teller und ein Glas, das ich in die blitzblanke Spüle stelle – und nicht der Berg von schmutzigem Geschirr, der sich gefährlich wackelnd auf der Anrichte türmt, um irgendwann später in die noch nicht ausgeräumte Spülmaschine verfrachtet zu werden…

Aber erst, nachdem noch zwei von fünf Familienmitgliedern ihre vergessenen Hausaufgaben erledigt haben, drei Mal Zähne geputzt, Gute-Nacht-Lieder gesungen und im Sommer der Garten gewässert wurde. Um dann kurz vorm Couch-K.O. noch festzustellen, dass man der Schule in geistiger Umnachtung für die morgige Einschulung der Erstklässler einen selbst gebackenen Schokokuchen versprochen hatte. Uff!

Keine Frage: Organisation ist (fast) alles, wenn man eine Fünfer-Familie durch den trubeligen Alltag lotsen muss. Der Rest ist Improvisation – und ein wenig Humor kann auch nicht schaden.

Weil kürzlich in der Community die Frage aufkam, wie genau Claudi oder ich unsere großen Familien mit drei und vier Kindern managen, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht – und sie hier nach verschiedenen Themenbereichen aufgeschrieben. Vielleicht hilft euch das eine oder andere ja für euren eigenen Familienalltag weiter.

“Mama, ich hab’ Hunger!” ist vermutlich der meistgesagte Satz in unserer Familie.

Dicht gefolgt von “Wann gibt’s Essen?” Ein Großteil unserer wachen Zeit verwenden wir daher auf Nahrungsmittel – was wir wann, in welcher Konstellation und in welchen Mengen essen. Mit Spontankäufen kommt man da nicht weit, zumal bei uns auf dem Dorf eh keine Einkaufsmöglichkeit fußläufig zu erreichen ist.

Insofern plane ich jede Woche einen sportlichen Großeinkauf beim Supermarkt ein, der uns mit allen Grundnahrungsmitteln und dem versorgt, was wir die Woche auf den Tisch bringen wollen. Was wir benötigen, sammele ich über die Tage in dieser Einkaufs-App, auf die alle Familienmitglieder zugreifen können, die sich gerade in näherer Umgebung eines Geschäftes befinden. Unsere Obst- und-Gemüse-Grundversorgung sichere zusätzlich ich einmal wöchentlich auf dem Markt. Und ja, wir haben zwei große Kühlschränke, um die Vorräte entsprechend zu lagern.

Im Idealfall vertiefe ich mich VOR dem Großeinkauf in eines meiner zahlreichen Kochbücher, um eine halbwegs solide Meal-Prep-Planungsgrundlage für unsere dauerhungrige Familie zu haben.

Gerade wurden mal wieder “Luks Fischburger” und “Zucchini-Buletten” aus Claudis “Barfuß in der Küche” .gewünscht. Lieb ich, weil es so viele alltagstaugliche Rezepte versammelt. Denn Kochen ist meine Domäne – das Küchen-Chaos zu beseitigen (ich koche gern ausufernd) überlasse ich dafür lieber meinem Mann. Und gerade auch regelmäßig den Kindern.

Denn Fakt ist: Haushalt wächst einem verdammt schnell über den Kopf, wenn beide Elternteile arbeiten – und die Kinder überdies sehr gesellig sind.

An den meisten Tagen beherberge ich unter unserem Dach nämlich nicht nur unser Trio, sondern auch noch diverse Freunde und Nachbarskinder – die allesamt mitessen, spielen, Chaos verbreiten. Das abends “noch schnell” in den Griff zu bekommen, ist schlichtweg unmöglich. Insofern hilft der selektive Blick (“Krümel…? Welche Krümel?!”), alle zwei Wochen eine Putzhilfe und uns seit kurzem ein Dienste-Plan, in dem die Kinder eingeteilt sind.

Im wöchentlichen Wechsel haben die Kinder jetzt Küchendienst (Geschirrspülmaschine mit befüllen und ausräumen plus je nach Fähigkeit noch abwaschen) sowie Tischdienst (Tisch vernünftig decken und wieder abräumen). Eines der großen Kinder macht im täglichen Wechsel den Aufräumminister, der dafür sorgt, dass alle drei Kinderzimmer abends wieder betretbar sind – und sämtliches Spielzeug, das drinnen und draußen noch so rumfliegt, zurück geräumt wird.

Freiwillige Dienste sind nach Tageslaune zusätzlich Katzendienst (Miezen mit Futter und frischem Wasser versorgen, das regelt gern unser Jüngster), Gartendienst (mit Mama wässern, liebt der Vierjährige auch, hauptsächlich, um sich Wasserschlachten zu erschleichen) und Wäschedienst (aus den unübersichtlichen Wäschebergen die passenden Socken zusammensuchen und eigene Wäschestapel verräumen). Funktioniert bislang tatsächlich erstaunlich gut – obwohl ich es bisher nicht mal geschafft habe, einen entsprechenden Plan an den Kühlschrank zu hängen. Kommt noch! Hier und hier noch Claudis Inspirationen für Mithilfe im Haushalt.

Und was ist mit den Hausaufgaben?

Zwei Schulkinder mit zwei Wochenplänen und diversen Zusatzaufgaben (“Bitte den Kindern zu morgen fünf bemalte Klorollen mitgeben”, “Denkt bitte an das Fotobuch, das ihr mit euren Kindern gemeinsam gestalten sollt”) – allein das ist annähernd ein Vollzeitjob. Mein Mann und ich verschaffen uns immer montags zusammen mit den Kindern einen Überblick über das, was in der Arbeitswoche so anliegt: Ist eine Klassenarbeit geplant? Irgendwelche außerschulischen Events?

Loslegen tun wir immer direkt, wenn die Kinder um 14 Uhr aus der Schule kommen – damit die Hausaufgaben sich nicht mit den Hobbys ins Gehege kommen. Wir machen jeden Tag verbindlich ab, wie viele Seiten bearbeitet werden müssen und auch, ob von uns gestellte Zusatzaufgaben – ein Kapitel lesen, Sätze nach Diktat schreiben – anfallen. Weil wir seit Corona wissen, wie schnell wir uns mit Schuldingen in die Wolle kriegen, begleiten wir die Hausaufgaben nur auf Wunsch 1:1. Dennoch haben wir irgendwie die meiste Zeit ein Auge darauf – wirklich etwas anderes machen wir in der Zeit also nicht. Hier hat WASFÜRMICH-Autorin Hannah Schlutius schon einmal aufgeschrieben, wie sie die Chose mit den Hausaufgaben regeln. Ach ja: Und Instrumente werden noch direkt im Anschluss geübt – dann haben wir nämlich auch noch einen Haken dran.

Hilfe, wir haben zu viel Hobbys!

Diesen Text habe ich kürzlich hier schon einmal aufgeschrieben – die Hobbyflut ist so aktuell wie eh und je. Und ehrlicherweise wäre sie nicht zu bewerkstelligen, wenn wir uns nicht jedes Hobby mit mindestens einer weiteren Familie teilen würden. Andernfalls bräuchten wir auch einen größeren Fuhrpark – ein Großteil der Aktivitäten sind nur mit dem Auto erreichbar.

In unseren Hobby-Elterngruppen wird nicht nur unter der Woche abwechselnd gefahren, sondern auch an den Wochenenden, wenn die Kinder zu irgendwelchen Punktspielen und Turnieren quer durch die Stadt gegondelt werden müssen. Und ja, es nervt mich öfters. Aber die Kinder macht es froh. Und mich hat mein Papa auch jahrelang am Sonntag morgens um sieben Uhr zu Leichtathletik-Wettkämpfen irgendwo in Schleswig-Holstein gefahren…

Eigentlich haben wir ständig Besuch – unsere Kinder sind lieber im Pulk unterwegs.

Früher habe ich noch versucht, nur ein Besuchskind bei uns zu haben – und die anderen zwei solo oder auswärts verabredet. Mittlerweile musste ich einsehen: Ist weder praktikabel noch zielführend.  Weil: Ob nun drei oder fünf Kinder auf den Boden krümeln, ist auch egal – und entspannter spielen tun sie meist eh, wenn die Geschwister nicht unter sich.

Sprich: Ich habe tatsächlich mehr Zeit und die Chance auf eine kurze Verschnaufpause, wenn eine ganze Horde Kinder durch den Garten tobt. So geschehen nach dem Ende unserer Sommerferien, als mein Mann und ich beide im Homeoffice saßen, während SIEBEN Kinder übers Grundstück rasten. Man sollte übrigens auch nahrungstechnisch darauf eingestellt sein: Ich habe wirklich immer Müsliriegel, Nüsse, Cracker und kiloweise Äpfel in der Vorratskammer, um nicht alle zwei Minuten Brote für alle schmieren zu müssen…

Apropos Verschnaufpause: Großfamilie geht bei uns nur dann gut, wenn wir Eltern zwischendurch eine Auszeit einlegen.

Vom Trubel und den To-Dos, von Orga und dem ganzen Wahnsinn, der ganz harmlos Alltag heißt. Probate Mittel sind nicht nur der TV-Joker, um eine halbe Stunde Ruhe zu erkaufen, sondern bei mir vor allem kleine Sport-Auszeiten, die meinen Kopf freimachen und mich rüsten für den nächsten Sturm. Aktuell versuche ich morgens eine halbe Stunde joggen zu gehen oder eine dieser wunderbaren Yoga-Einheiten zu praktizieren, die von zehn Minuten bis zu einer Stunde gehen. Bester Booster gegen Brüllen am Nachmittag! Auch sehr fein: Gemeinsame Paar-Auszeiten mit Babysitter-Backup. Damit mein Mann und ich nicht vergessen, dass wir nicht nur Mama und Papa sind.

Scheitern mit einkalkulieren – zu jedem Plan gehört ein Plan B. Oder bei uns auch ganz oft: Planlosigkeit.

Denn wir sind zwar gut im Ideen entwickeln und anstoßen – allein an der konsequenten Umsetzung hapert es viel häufiger als gut für uns wäre. Denn das Eingangsszenario dieses Textes ist trotz aller Vorhaben kein seltenes. Und damit muss man sich einfach arrangieren wie mit den dreckigen Böden, wie mit den immer wieder leer gefutterten Kühlschränken, obwohl man doch gerade erst einkaufen war.

Momentan ist es mir manchmal spontan wichtiger, mit den Kindern nachmittags ins Schwimmbad zu gehen als mich sklavisch an unsere Pläne zu halten. Manchmal hab ich doch keine Lust, die Kinder aus ihrem Spiel zu reißen und regel den Haushalt eben lieber selbst. Manchmal gibt es eine halbe Woche lang Pasta mit Butter und Parmesan statt der gesunden Gerichte, für die ich eigentlich eingekauft habe. Und das ist auch nicht schlimm. Man muss nur aushalten können, dass alles oft anders kommt. Aber Großfamilie ist sicher auch ein Synonym für flexibel bleiben…

So ist das bei uns – wie ist es bei euch? Habt ihr Tipps und Kniffe aus eurem Familienalltag, die ihr mit der Community teilen mögt?

Alles Liebe,

Katia