Auf einem Blog, den ich gerne lese, gibt es ab und zu Probeabos für eine Pornoseite. Stop, nicht gleich wegklicken. Für Pornos, die Frauen heiß finden sollen, sagen alle! Leider scheinbar alle, außer ich, sage ich. Dann kam Bridgerton…

Bridgerton ist eine Romantikerie und läuft auf Netflix. Also schon Abo, aber ohne Porno. Aber halt, Seufzen und Schärfe, schließt sich das nicht aus? Ist das nicht wie Sex mit Sissi? Nö. Was da neuerdings zwischen raschelnden Röcken abgeht, geht weit über Bussi Bussi hinaus. Das ist echt heiß.

Hat sie das echt geschrieben? Hat sie…

Das erste Mal habe ich Bridgerton in den Weihnachtsferien gesehen. Ehrlicherweise hatte ich nicht viel mehr erwartet, als ein paar schmachtende Blicke über hochgeschnallten Dekolletés. Eine brave Tafel Jane-Austen-Vollmilch-Schokolade. Was kam, war pastellfarbener Zuckerstreusel – darunter aber Zartbitter-Chilli. Ich konnte nicht aufhören zu schauen. Bis in die Nacht habe ich es getan – irgendwann zum Glück ohne hektisches Drücken der Stop-Taste, weil einer der Jungs hereinschneite und nach einem Glas Wasser fragte. Hinterher war ich so aufgewühlt, ich konnte gar nicht schlafen. Mein Mann schlief leider schon.

Die nächsten Abende war er ziemlich verwundert, weil ich so oft nicht zu müde war. Gleich drei Abende hintereinander nicht müde? Halleluja, er war im Himmel. Am nächsten Tag erwischte er mich direkt mit dem Duke of Hastings im Bett. „Was guckst du denn da?“, meinte er. „Bridgerton…!“, schnurrte ich. „Schon wieder?“, fragte er und verdrehte die Augen. Dann guckte er kurz mit. Dann machten wir das Licht aus. Dann rollte ich zu ihm rüber und wir verdrehten so einiges. „Das kannst du ab jetzt gern jeden Abend gucken“, flüsterte er.

Die neue Romantik setzt was in Gang: In meinen Mädels-Whats-App-Gruppen basteln neuerdings Frauen um die 40 Collagen mit Herzen auf nackter Hastingsbrust. Und wir schicken uns Videos, in denen Hauptdarsteller Regé Jean Page, alias der Duke of Hastings, den Löffel ableckt. Aber wie. „Endlich habe ich es auch auf dem Handy…“, kommentierte eine Freundin sein Schlecken. Und @LGedankenwelt schreibt auf Twitter: „Eine Freundin empfiehlt mir Bridgerton. Warnt mich aber, dass man nach jeder Folge masturbiert.“

Die halbe Filmbranche hat derzeit Bock.

Nicht den üblich kurzen Hollywood-Rein-Raus-Rumgestöhne-Bock. Sondern Lust auf gut gespielten, echt wirkenden Sex. Minutenlange Lust, Gänsehautporen, leiser, tiefer Atem.  Sex auf dem Schreibtisch – und in Nahaufnahme im Gesicht. Szenen, in denen man meint, die hektisch weggeworfenen, frischgewaschenen Baumwollhemden riechen zu können und auch den bittersüßen Schweiß. Man sieht die winzigen Schweißtropfen auf der Stirn der Darsteller funkeln. Hört entrücktes Seufzen. Ganz leise. Und glückliches Glucksen.

Verrückterweise ist das, was da so echt aussieht, bis ins Kleinste durchchoreografiert. Geprobt wie Stuntszenen, bis jede Bewegung sitzt. Immerzu überwacht von professionellen „Intimicy-Coaches“, die nur dafür da sind, dass sich die sexelnden Schauspieler wohl fühlen. Ich möchte wetten, dieser Beruf, von dem ich in diesem Jahr zum ersten Mal gehört habe, taucht im Sommer als witziger Berufswunsch in so manchen Abizeitungen auf. Sex sells. Und Sex sets fire. Kribbeln im Bauch und anderswo gibt‘ s übrigens nicht bloß in Bridgerton, sondern auch in „Normal People“ (Starz Play über Amazon), „Liebe und Anarchie“ und „Valeria“ (beide Netflix).

Was diese Serien aber noch besser können als Sex? Sie katapultieren einen mit KRAWUMM zurück in die Frischverknalltphase. Plötzlich ist alles wieder da. Und doch noch gar nicht sooo lange her: Als man noch herrlich heiß aufeinander war. Es nicht abwarten konnte im Bett zu sein und raus aus den Klamotten. Als das ganze Zimmer nach Liebe roch und man vor lauter Sehnsucht doch am Kopfkissen schnupperte. Als eine Nacht ewig dauerte und dennoch wie im Flug verging. Sturzflug ins zerknitterte Lakenglück. Und als noch kein Kind zwischendurch nach Wasser fragte.

Vielleicht ist doch Kopfkino der allerbeste Porno.

Was meint ihr

Claudi