Eigentlich bin ich es so leid, dieses Jungs- Mädchenthema. Bin es so leid, darauf angesprochen zu werden: Vier Jungs, oh ha. Oh ja. Versuche zu lächeln, es zu verbuchen unter allgemeinem Gerede – meine Jungs für viele eben ein gefundener Happen Smalltalk, wie das Wetter von morgen oder das Fußballspiel von gestern. Genervt bin ich doch…
Sind Jungs anstrender, Mädchenwunsch, arme Jungs
Da höre ich die eine Mutter neben uns in der Umkleide mit ihrem Kind reden, das Kind zeigt auf mein Baby und sagt: „Ein Junge!“ Und die Mutter sagt: „Ja, ein vierter Junge.“ Und das Kind sagt: „Das muss doch eine Schwester sein!“, der Junge hat nämlich eine Schwester. Eine kleine Schwester. Und da sagt die Mutter: „Es hat eben nicht jeder so viel Glück wie wir.“

Oder die andere Mutter, Mutter eines Mädchens, beinahe Mitte vierzig, sie hat es spät bekommen. Sagt zu mir mit glucksendem Baby auf dem Arm: „Hast du jetzt vier Jungs, mein herzliches Beileid, dass muss ja schrecklich anstrengend sein.“ Ich lächele, so wie ich in solchen Situationen immer öfter lächeln kann, weil es meine Kinder sind, Junge oder Mädchen, schnurzpiepsegal, meine Kinder eben und sage:“Ach du, ob vier Jungs oder vier Mädchen – ich glaube das nimmt sich nichts.“ Normalerweise ist dann Schluss. Dann lächeln die anderen, denken vielleicht was anderes aber nicken dennoch. Aber sie nicht, sie sagt: „Das glaube ich aber nicht.“ Und ich stehe da, meinen glucksenden, wunderbaren Jungen im Arm und merke, dass mir jetzt doch die Augen feucht werden, wenn ich mich nicht so richtig konzentriere.

Jungs haben ist gerade out. Ich kann es nicht anders sagen. Es gibt Artikel dazu, jetzt gerade wieder in der aktuellen Eltern, ganze Bücher, es begegnet mir auf dem Elternabend, eigentlich überall wo wir auftauchen. Jungs gelten als anstrengend. In diesen seltsamen Elternklönrunden nach dem Bringen auf dem Schulhof geht es auch oft darum: „DIE Jungs sind laut. DIE Jungs stören (den Unterricht, den nachmittäglichen Kaffeeklatsch, die aufgeräumte Sofalandschaft.) DIE Jungs kloppen. DIE Jungs sind nicht so wie Kinder sein sollen. (Sind Kinder jemals wie sie sein sollen?) Und ich könnte permanent Plakate ausrollen und mich hinstellen und demonstrieren für die Jungs.

Für sie Werbung machen. Wie cool, wie lieb, wie laut, wie leise, wie raufig, wie zart sie sind, sie sein können. Darum bitten, sie endlich mal in Ruhe zu lassen. Und ihnen durch Artikel und Bücher und Kurse nicht einen noch schlechteren Ruf zu geben, als sie gerade ohnehin schon haben.

Ich hätte auch gern ein Mädchen gehabt. Wer hier schon länger liest, weiß das. Ich war beim dritten Kind zuerst fast ein wenig enttäuscht. Aber jetzt habe ich es endlich verstanden. Kinder sind keine hübschen Overalls in Katalogen, die man aussuchen und bequem nach Hause bestellen kann. (Auch wieder umtauschen, ist klar. Und die es für Mädchen natürlich angeblich viel hübscher gibt.) Kinder sind Kinder. Geschenke. Aufgaben. Herausforderungen. Meine Jungs fordern mich heraus. Genauso wie es Mädchen tun würden, da bin ich inzwischen sicher. Ich hätte immer noch gern eins gehabt, aber genauso gern würde ich ab und zu in Australien wohnen. Oder hätte gern längere Beine. Bei Mädchen wäre es vielleicht manchmal ein wenig leiser hier und das Sofa länger ordentlich. Vielleicht aber auch nicht.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es, dass wir aufhören ständig zu werten, zu urteilen, in Nischen zu drängen. Jemanden für etwas quasi zu bemittleiden, was nicht bemittleidenswert ist. Ich erwische mich immer öfter zu sagen: „Ich habe vier Kinder!“ Nicht vier Jungs, einfach vier Kinder. Denn das sind sie doch. Selbst wenn sie ein Geschlecht haben, sind sie total unterschiedlich.

„Vier Kinder“ führt natürlich auch oft zu Kommentaren. Aber das ist dann endlich mal ein anderes Thema.

Was denkt ihr dazu? Habt ihr den Artikel in der Eltern schon gelesen? Ich noch nicht. Mögt ihr etwas ergänzen? Habt ihr andere Erfahrungen gemacht?

Ganz liebe Grüße,

Claudi