Vor einer Weile kam einer meiner Söhne aus dem Kindergarten nach Hause und meinte noch im Flur: „Du hast mich angelogen, Mama. Es gibt doch Jungs- und Mädchenfarben. Hat meine Erzieherin gesagt.“
Erziehung, Jungsfarben, Sei du
Wir hatten in letzter Zeit schon öfter darüber gesprochen. Es hatte damit begonnen, dass er plötzlich sein gelbes Lieblingsshirt nicht mehr anziehen wollte. Also nicht mehr in den Kindergarten. Die anderen Jungs und viele der Mädchen, hatten ihn geärgert darin, behauptet, er sei ein Mädchen. Klar, die Jungs werden größer und klar, je größer sie werden, um so wichtiger wird, was die Freunde sagen. Aber ich meine das Shirt ist gelb! Und es war vorher sein Lieblingsshirt.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde, Kinder sollten unbedingt ihre eigene Persönlichkeit entwickeln dürfen und dazu gehört natürlich auch die Entwicklung des Geschlechterbewusstsein. Aber: ich finde es völlig daneben, Kindern stereotype Geschlechterklischees mit auf den Weg zu geben, nach dem Motto: Blau und Trecker sind für Jungs, Pink und Puppen sind für Mädchen. Bäh, das mag ich nicht. Mein Sohn darf sehr gern Blau mögen und Gelb nicht oder umgekehrt. Aber er soll es tun, weil er es so möchte. Selbstbewusst sein. Meinung statt Mitlaufen.

Erst habe ich also mit meinem Sohn mein Laptop herausgeholt und wir haben in die Suchmaschine „Kleidung“ eingegeben. Da staunte er. Interessiert hörte er zu, als ich ihm vorlas, dass man vor noch gar nicht allzu langer Zeit kleinen Mädchen Blau, die sanfte Farbe, zuordnete. Rot war dagegen verbunden mit Kraft, Stärke und Männlichkeit. Knallrot war für Könige. Lila für Kirchenoberhäupter. Dann sind wir zusammen an Papas Schrank gegangen, haben je ein rotes, ein gelbes und ein rosa Shirt gefunden (außerdem noch knalllila Socken). Schließlich habe ich ihm meinen Schrank gezeigt (mit ganz viel blau). Ich hab ihm erklärt, dass jeder selbst entscheiden darf, was er trägt und welche Farbe er mag oder eben nicht. Dann habe ich meinen Sohn auf den Schoß genommen und ihm geschworen, dass er ein Junge ist, ein ganz fantastischer Junge und dass es völlig egal ist, ob er blau oder grün oder gelb oder pink trägt, er bleibt ein Junge.

Ich habe richtig gemerkt, wie unglaublich erleichtert er war. Dann hat er sich das gelbe Lieblingsshirt auf den kleinen Stuhl an seinem Bett gelegt. „Das ziehe ich morgen an, Mama, weil ich Lust darauf hab. Und wenn einer was sagt, erzähle ich von den – aähh – purpurnen Pastoren. Und von Papas Socken.“ Und dann hat er sich halb kringelig gelacht.

Ich denke, wir werden noch oft solche Gespräche führen, die Jungs und ich. Irgendwann wird es nicht mehr um gelbe oder rosa Shirts gehen, sondern um Computerspiele und Rauchen oder was weiß ich. Aber eins möchte ich meinen Söhnen immer mit auf den Weg geben: Du, nur du, entscheidest, was du magst. Und machst. Und das ist verdammt cool.

Ich würde wahnsinnig gern hören, was ihr über die Sache denkt. Wie geht ihr damit um?

Kommt gut in die Woche!

Claudi