Ich hab den rauchigen Duft unseres ersten Herbstfeuers noch immer in der Nase. Er hängt in den Sofadecken, in die sich die Kinder gekuschelt hatten. Und in meinem dicken Strickpulli. Wie schön, dass Feuer endlich wieder Sinn machen. Sie nicht bloß die Stimmung, sondern auch die herbstabendkalten Füße wärmen. Ich muss tatsächlich lächeln, während ich dieses schreibe, denn da gab es gleich ein paar Glücksmomente an diesem Wochenende…

1. Essglück: Am Samstag hatten wir die besten Waffeln aus meinem Kochbuch mit Sahne und karamellisierten Äpfeln. Und abends haben wir zum elften Mal in diesem Jahr zum letzten Mal gegrillt. Bestes Grillhack, wenn es mal schnell gehen muss? Weil man dringend zurück ans Feuer muss, weil ein Glas Wein und ein paar Freunde mit spannenden Geschichten dort warten: Aufbackbaguettes dick mit fertiger Knoblauchcreme bestreichen!

Danach nach Anleitung backen. Die werden innen herrlich sabschig und außen knusprig. Haben Freunde mitgebracht und wir fanden das super lecker. Und so schön schnell. Die extra fixen Knobibrote schmecken übrigens genau wie die Brote einer hier in Hamburg sehr bekannten Steak- und Fastfood-Kette. Und die sind besser als ihr Fleisch.

2. Hühnerglück: Als ich abends den Stall unserer drei Hennen schließen will, fehlt eine. Die braune, die, die ganz besonders zahm ist. Manchmal denke ich, dass sie denkt, sie sei ein Hund. Sie will nämlich immer gestreichelt werden. Auf jeden Fall ist sie weg und wir ziehen alle los, um sie zu suchen: Vier Erwachsene, acht Kinder, ein paar Taschenlampen und ein paar Sorgenfalten auf der Stirn.

Ich dachte: „Verdammter Mist, jetzt liegt sie hier gleich, zerfetzt von einem Fuchs.“ Wir suchen lange. Lassen den Taschenlampenlichtkegel durchs Abenddunkel flitzen. Wir werden immer stiller. Plötzlich sagt einer meiner Söhne: „Ich weiß ja nicht welches Huhn ihr sucht, aber hier wäre eins.“ Da steht er, mitten auf dem Rasen, unter dem pechschwarzen Landhimmel und trägt die braune Henne im Arm. Einen Moment später stehen wir alle um sie beide herum, streicheln ihn, streicheln sie. Huhn gut, alles gut.

3. Flohmarktglück. Ich liebe Loppis. Ihr auch? Ich kenne niemanden, der nach einem Schwedenurlaub nicht wenigstens ein bisschen verknallt ist in die vielen kleinen privaten Geragenflohmärkte. Mal stehen die ausrangierten Sachen im Garten, mal in einer Scheune, mal auf der Veranda. Mal gibt es Vintage-Klamotten, Möbel wie in Bullerbü oder kunterbunte Flickenteppiche. Immer aber steht draußen an der Straße ein selbstgebautes Schild mit „Loppis“ drauf.

Mist, ich kenne doch wen, der nicht loppisverknallt ist. Mein Mann. Zu meinem großen Glück gibt’s jetzt mit Loppisliebe einen Loppis auf Instagram – und ich kann gucken gehen, ohne meinen Mann zum Anhalten überreden zu müssen.

4. Buchglück: Ich nehme Kochbücher schon ewig mit ins Bett und lese sie abends im Nachttischlampenschein wie einen Roman. Einen besonders gutes habe ich jetzt entdeckt. Beziehungsweise haben ihn Lektorinnen des Callwey Verlags beim Stöbern in England entdeckt und sich festgelesen. Waren gerührt, bewegt und verliebt. Genau wie ich.

Ella Risbridger erzählt in ihrem Buch „Die Geschichte beginnt mit einem Huhn“ davon, wie die Liebe zum Kochen und Essen sie aus einer Depression herausgeholt hat. Sie schreibt unglaublich echt darüber.

„Alles an der Welt wurde mir zu viel; es war beängstigend. Geräusche waren zu laut, Farben zu grell, jede Entscheidung war ein Mitmachabenteuer mit Katastrophenpotential. (…) Es war als wäre die ganze Welt lauter und ich selbst leiser gestellt worden: Ich wurde durchlässiger wie Pauspapier oder nasse Zeitungspapierseiten. Ich war ein Gespenst. Ich klammerte mich an alles Mögliche, in der Hoffnung darauf, dass irgendein klares Muster in mir am Ende die Oberhand gewinnen würde. Doch da war nichts, und so kam ich jeden Tag von der Abend nach Hause und weinte…“

Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch sitzt sie in der Psychatrie und im Gespräch mit einer Ärztin muss sie verrückterweise immer an eine bestimmte Pie denken. Eine mit Mürbeteig und in Butter angeschwitztem Lauch. Und irgendwie tröstet sie das. Als sie wieder zuhause ist, backt sie mit ihrem Freund genau diese Pie. Und dann passiert es:

„Er schnitt alles klein, und ich verknetete Butter mit Mehl und dünstete Lauch in irischer Butter an, und ich glaube wir waren beide ein bisschen in Hochstimmung: ich war nicht vom Bus der Linie 25 Richtung Oxford Circus überfahren worden, nun beschäftigten sich Ärzte mit meinem Fall, und vielleicht würde ich ja bald nicht mehr die ganze Zeit weinen. Doch vielleicht würde ich weiterkochen…“

Genau das tut sie. Und es rettet ihr das Leben.

Ich habe ewig nicht mehr jemanden so schön über Essen schreiben gelesen und so oft geseufzt, weil ich am liebsten mitten in der Nacht aufgestanden wäre, um rauchige Rote-Bete-Pistazien-Suppe zu kochen.

„Eines Abends saß ich auf dem Fenstersims der winzigen Wohnung, atmete Novemberluft ein und verspürte auf einmal das Bedürfnis, die rauchige Funkenfeueratmosphäre noch einmal zu erleben, und meine kalten Hände sehnten sich nach Suppe. Rote Bete natürlich, für die Erde, und Pistazien, zum einen für den nussigen Geschmack des Herbsts, aber vor allem wegen ihrer leuchtend grünen Farbe im Kontrast zum tiefen Dunkelrot der Suppe.“

Beim Lesen ihrer Danksagung am Ende des Buches habe ich dann endgültig angefangen zu weinen. Warum, müsst ihr selbst lesen. André schaute auf jeden Fall einmal verwundert zur Schlafzimmertür herein und meinte: „Liest du nicht ein Kochbuch?“

„Ja!“ schluchzte ich. Und lächelte beim Schniefen.


5. Hüftspeckglück: Es gibt im ganzen Printbereich und in großen Teilen von Social Media kein Foto, das nicht bearbeitet wurde. Es wird Haut geglättet, Falten wegretuschiert und Pölsterchen per Mausklick radiert. (Ich nehme mich da gar nicht aus). Dennoch denke ich oft: Was für eine Welt tun wir unseren Jugendlichen da an? Was für ein Kampf muss das sein, wenn du dich selbst aufgrund der Hormone kritisch siehst und pausenlos mit dir kämpfst und dabei ein Ideal anstrebst, dass es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Ein schwieriges Thema!

In einer dänischen TV-Sendung zeigen jetzt echte Erwachsene ihre echten, nackten Körper – und Jugendliche zwischen 11 und 13 Jahren können Fragen dazu stellen. Ich dachte zuerst: „Wow, ganz schön heftig.“ Und dann: „Ganz schön gut!“ Was denkt ihr? Vielleicht ist dieser lockere Umgang mit dem Thema ja ein Grund, warum es die Dänen immer wieder unter die glücklichsten Menschen Europas schaffen.

6. Ich verbringe derzeit mal wieder viel Zeit am Laptop und habe, wie so oft in solchen Zeiten, nervige Nackenschmerzen. Sowieso immer im Herbst, wenn es feucht und ungemütlich wird, aber in Dauerlaptopzeiten noch mehr. Hier habe ich jetzt gelesen, dass ein Kopf tatsächlich bis zu 27 Kilo schwer sein kann, wenn man runter auf sein Laptop oder den Computer guckt.

Zum Glück gibts im Artikel auch gleich einen ganz einfachen Trick eines Chiropraktikers: nämlich ein paar Bücher unterm Laptop. Wer damit seinen Bildschirm auf Augenhöhe bringt, nimmt seinem Kopf einen Großteil der Last ab. Habe ich ausprobiert. Hilft echt.

Und was hat euch glücklich gemach am Wochenende?

Eine schöne Woche,

Claudi