Ich bin ein Erinnerungsjunkie. Ich bin süchtig danach, Dinge zu dokumentieren. Gerade jetzt, wo das Leben um mich herumknallt wie ein Squashball. Kind 1, 2, 3, diverse Jobs, Hausbau, Umzug – BÄHM. Permanent versuche ich den Ball zu fangen. Alles was grad ist irgendwie festzuhalten. Mit Fotos. Mit Worten. Aktueller Versuch: Meine Schwangersein-Erinnerungsliste. Zum Schmunzeln, zum Stöhnen, zum „Ach-ja-stimmt-ja“-Sagen für später…
schwanger, baby,

Ich hatte ganz vergessen…

– wie unglaublich gut sich dieses Rumpeln in einem drin anfühlt

– was für ein wunderschöner Gedanke es ist, allein zu zweit zu sein

– dass ich mal muss

– wie schön es ist, die Hand auf den Bauch zu legen, während man mit der Verkäuferzicke über einen Umtausch diskutiert, ein solidarisches Trampeln zu spüren und zu denken: „Pah, ihr könnt uns doch alle mal“

– wie unglaublich entspannt man Mutter-und-Kind-Parkplätze nutzen kann (kurzer Weg – aber noch keinen tobenden Wutklumpen an der Hand)

– dass ich glaub ich schon wieder muss…

– dass man sich ständig die Plautze kratzt – heftig und hemmungslos – obwohl man das bei anderen Schwangeren immer so seltsam fand

– wie lustig (und unterschiedlich) sieben Bäuche auf sieben Yogamatten aussehen können

– wie man Hunger hat. Auf Pommes. Auf Currywurst. Mit Pommes. Auf Grießbrei. Jetzt. Nein doch Pommes. Und ich will Schokolade. Jetzt. Zur Not geht auch abgelaufene Backschokolade. Und Pommes.

– dass man mit völlig fremden Menschen über Gewichtzunahme an Bauch, Busen, Hüfte, Wange, Oberarm, über Haarausfall und Verlust von Körperflüssigkeiten spricht…

– dass alle sagen: „Genieß es bloß!“, man das auch krampfhaft versucht, man aber vor lauter angestrengtem Versuchsgenießen so gar nicht zum Genießen kommt

– wie sehr man sich vor dem Geburtsschmerz gruselt

– und wie sehr ich mich auf den Moment danach freue

– dass man läuft wie Balu der Bär. Oder Samson aus der Sesamstraße

– wie sehr man schnauft

– und schon wieder für drei Tropfen aufs Klo rennt

– dass man sich zum Schlafen freiwillig ein riesiges, leberwurstförmiges Kissen zwischen die Beine schiebt

– dass man ab einem gewissen Zeitpunkt Einladungen nur mit dem Zusatz: „Gern, falls ich nicht grad pressen muss…“ zusagt.

– dass man nie die richtigen Klamotten hat: die den Bauch verstecken (ganz am Anfang), ihn betonen (ein wenig später), ihn hübsch kugelig statt matronig verpacken (danach), überhaupt noch passen (am Ende)

– dass man bei der Tagesschau feuchte Augen bekommt. Oder beim Tatort. Oder bei der Merciwerbung

– dass man spät abends noch mal schnaufend aufsteht, das Laptop sucht, sich schnaufend wieder ins Bett setzt und doch noch den puderfarbenen Schlafsack mit den schwarzen Dreiecken bestellt, völlig überteuert, der wenn es gut läuft drei Monate passt, eher kürzer, obwohl man sich auch bei diversen Freundinnen einfach einen ausleihen könnte

– wie oft man sagt: „Fühl doch mal“ und wenn der andere fühlt, er nichts mehr fühlt

– wie oft man ein winzigkleines Nachhause-komm-Outfit zusammen stellt und es doch noch mal umplant

– wie gern man sich durchs schwedische Möbelhaus shoppt (zusammen mit drei Dutzend anderen dicken Bäuchen) und froh ist, dass es dort so viele Toiletten gibt.

PS. Und jetzt ihr!? Hab ich was vergessen?

Foto: Louisa Schlepper

Claudi